Johannes 6, 25-35 Jesus ist das Brot des Lebens

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg 4.8.2019
Predigt Norbert Giebel

Johannes 6, 25-35 Jesus ist das Brot des Lebens

Liebe Gemeinde,

kennen Sie die Raupe Nimmersatt? Das ist ein Kinderbuch. Die Text darin geht so:

Nachdem die Raupe Nimmersatt an einem Sonntagmorgen aus ihrem Ei geschlüpft war, macht sie sich auf den Weg, um Futter zu suchen.
Am Montag frisst sie sich durch einen Apfel, aber satt ist sie noch immer nicht. Am Dienstag frisst sie sich durch zwei Birnen, aber satt ist sie noch immer nicht. Am Mittwoch frisst sie sich durch drei Pflaumen, aber satt ist sie noch immer nicht. Am Donnerstag frisst sie sich durch vier Erdbeeren, aber satt ist sie noch immer nicht. Am Freitag frisst sie sich durch fünf Apfelsinen, aber satt ist sie noch immer nicht.
Am Sonnabend frisst sie sich durch ein Stück Schokoladenkuchen, eine Eiswaffel, eine saure Gurke, eine Scheibe Käse, ein Stück Wurst, einen Lolli, ein Stück Früchtebrot, ein Würstchen, ein Törtchen und ein Stück Melone. – An diesem Abend hat sie Bauchschmerzen.

Die Raupe Nimmersatt ist auch ein Bild für den Menschen. Menschen sind hungrig. Nicht satt zu kriegen. Voller Sehnsucht nach mehr. Sie fressen sich sozusagen durchs Leben. Pausenlos auf der Suche nach Essen, Trinken, Freuden, Sicherheit, Anerkennung. Aber nie satt. Es muss noch mehr geben! Das gute Restaurant muss vom nächsten getoppt werden. Der nächste Urlaub muss noch schöner werden. Ich habe 10 Hemden oder 10 Schuhe im Schrank, aber es gibt noch so viele schöne Hemden, Schuhe, Blusen mehr.

Viele Menschen haben wirklich Hunger. Da dürfen wir nicht tatenlos zusehen. Das muss uns bewegen zum Spenden, zum Geben. Aber viele Menschen haben auch viel und sie werden nicht satt.

Jesus sieht Menschen, die Hunger haben. 5000 Männer plus Frauen plus Kinder hat er gesättigt. Sie waren zu ihm gekommen, wollten hören, was er zu sagen hat, haben in ihrer Neugier oder Begeisterung ganz vergessen für ihr leibliches Wohl zu sorgen. Jesus lässt sich fünf kleine Gerstenbrote und zwei Fische bringen. Er teilt sie aus und alle werden satt. Und er gibt im Überfluss. Zwölf Körbe blieben übrig. Manche konnten noch etwas mitnehmen.

Was war das für ein Wunder! Ein großes Zeichen, dass Jesus unsere Bedürfnisse sieht. Dass keiner bei ihm verhungern wird. Jesus macht das tägliche Brot zu seinem Anliegen. Im Vater Unser ermutigt er zu beten „Unser täglich Brot gib uns heute!“ Der Vater will uns geben, was wir zum Leben brauchen.

Als die 5000 satt waren, wollten etliche Jesus zum König machen. „Einen Brotkönig. Einen, der uns immer satt macht, der uns alles gibt, was wir brauchen. Was wollen wir mehr? Das wäre doch das Glück auf Erden! “ Jesus aber zieht sich zurück. Er flieht vor diesen Ansprüchen. Er flieht auf einen Berg und er betet.

Am nächsten Morgen haben die Menschen wieder Hunger. Wie die Raupe Nimmersatt. Sie suchen Jesus finden ihn. So ein Wunder muss doch wieder möglich sein, heute und morgen und jeden Tag. Vielleicht ist er der Messias? Können wir ihm vertrauen? Ein Wunder allein aber reicht dazu nicht.

Ich lese Johannes 6, 25-35:                          

25 Sie fanden ihn tatsächlich auf der anderen Seite des Sees und fragten ihn: »Rabbi, wann bist du hierhergekommen?« 26 Jesus antwortete: »Amen, ich versichere euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr meine Wunder als Zeichen verstanden habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid. 27 Bemüht euch nicht um vergängliche Nahrung, sondern um wirkliche Nahrung, die für das ewige Leben vorhält. Diese Nahrung wird euch der Menschensohn geben, denn ihn hat Gott, der Vater, als seinen Gesandten bestätigt.«
28 Da fragten sie ihn: »Was müssen wir denn tun, um Gottes Willen zu erfüllen?« 29 Jesus antwortete: »Gott verlangt nur eins von euch: Ihr sollt den anerkennen, den er gesandt hat.«
30 Sie erwiderten: »Gib uns einen Beweis für deine Bevollmächtigung! Lass uns ein eindeutiges Wunderzeichen sehen, damit wir dir glauben. 31 Unsere Vorfahren aßen das Manna in der Wüste. In den Heiligen Schriften heißt es von Mose: ›Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.‹«
32 Jesus entgegnete: »Amen, ich versichere euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. 33 Das wahre Brot Gottes ist das, das vom Himmel herabsteigt und der Welt das Leben gibt.« 34 »Herr«, sagten sie, »gib uns immer von diesem Brot!« 35 »Ich bin das Brot, das Leben schenkt«, sagte Jesus zu ihnen. »Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungrig sein. Wer sich an mich hält, wird keinen Durst mehr haben.

5000 sind wir heute nicht. Aber wir sind auch wiedergekommen zu Jesus. Warum sind wir da? Was wollen wir von Jesus? Wie sind wir gekommen? Seid ihr heute auch hungrig gekommen? Nach was habt ihr Hunger? Brot wird es ja nicht sein. Es sei denn ihr habt nicht gefrühstückt. Wie stark auf einer Skala von 1 bis 100 ist dein Hunger? Und wonach hungert dich? Vielleicht nach Liebe? Nach Heilung? Nach mehr Geld? Nach Trost? Nach Frieden und Sicherheit in deinem Leben? Mach dir deinen Hunger bewusst! Und bringe ihn mit zu Jesus! Ganz ehrlich.

Menschen können sein wie die Raupe Nimmersatt. Auch gläubige Menschen oder Menschen, die Jesus suchen, können so sein: Ein Wunder reicht da nicht aus. Gerade gestern hat Jesus die 5000 wunderbar gesättigt. Jetzt wollen sie das nächste Wunder: „Mose hat Israel das Manna in der Wüste gegeben. Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen. Kannst du das auch? Dir ist doch alles möglich! Wir wollen dir gerne vertrauen. Aber jetzt zeig mal, was du kannst! Gib uns, was wir haben wollen.“

„Ihr seid nicht gekommen,“ sagt Jesus, „Ihr seid nicht gekommen, weil ihr in dem Wunder ein Zeichen erkannt habt,“ sagt Jesus, „ihr wollt nur das Brot haben!“. Jesu Wunder sind Zeichen. Hinweise. Zeichen seiner Herkunft und Vollmacht. Einzelne Vorwegnahmen des ewigen Heils. Vorspeisen auf den Himmel. Ermutigungen. Wenn Jesus Wunder tut, dann ist der Himmel schon offen. Aber der Himmel kommt noch nicht auf die Erde! Wunder sind Strahlen aus der Herrlichkeit Gottes. Aber sie sind nie der Alltag!

Das Wunder ist auch nie die Sache selbst. Das Wunder ist noch nicht das Ziel. Es will zu Jesus führen. Ihn groß machen. Es ist ein Hinweis auf den Herrn. – Wunder werden auch nie satt machen! Der Himmel, die Ewigkeit, das ewige Leben, das wird ein Wunder sein. Auf der Erde aber bleiben es Zeichen.

Auch das Manna in der Wüste war ein Zeichen. Das Volk sollte sehen, dass Gott es versorgt. Aber sie hörten nicht auf zu Murren. Sie waren nicht zufriedenzustellen. Ihr Vertrauen zu Gott ist um nichts gewachsen dadurch. Wunder führen nicht automatisch zu einem größeren Glauben, zu mehr Vertrauen. Sie wollten nicht Gott. Sie wollten die Fleischtöpfe Ägyptens. Nicht Gottes Weg mit ihnen, sondern was sie haben wollten, was sie verlangten, das war ihr Mittelpunkt. Darum murrten sie.

Eine Speisung der 5000 hat nicht gereicht. Das Volk war wundergläubig oder zeichensüchtig. Sie wollten ihren Glauben an immer neue Wunder hängen. So funktioniert das aber nicht. Wer Jesus vertraut, der wird Wunder erleben. Der wird erleben, wie er führt, wie er satt macht. Wer aber seinen Glauben von Wundern abhängig macht, der wird scheitern.

„Was ihr braucht, ist eine andere Nahrung“, sagt Jesus, „und die kann nur Gott geben.“ Brot kann kein Leben schenken. Wunder können kein Leben schenken. Nichts kann euch etwas geben, was bis zum ewigen Leben vorhält. „Ich bin das Brot des Lebens.“ (Luther) „Ich bin das Brot, das Leben schenkt.“ (Gute Nachricht Übersetzung)

Wer Jesus hat, der hat den gefunden, der einen tieferen Hunger stillt. Der lebt, egal, wie es ihm geht, egal wie sein Tag aussieht Der lebt, auch wenn er in einer Zelle in Nordkorea oder im Iran sitzt um seines Glaubens willen. – Die Menschen wollen Jesus zum Lieferanten ihrer Lebensmittel machen. Davor flieht Jesus! Einen Lieferanten kann man auch wechseln, wenn der Service nicht stimmt. Ein Lieferant muss liefern. Sonst hat er keinen Wert mehr.

Jesus sagt nicht: „Ich gebe euch das Brot des Lebens“. Er sagt: „Ich bin das Brot des Lebens“. Mit ihm verbunden sein, ihn lieben, mit ihm eins sein, sich an nichts mehr zu freuen, auf nichts anderes mehr seine Hoffnung zu setzen als auf ihn, das ist das ewige Leben. Wer an Jesus selbst nicht satt wird, dem werden auch keine Wunder helfen.

Auch unter uns heute gibt es eine Variante des Zeichenglaubens. Wir brauchen nicht unbedingt Wunder, nichts Spektakuläres. Aber es soll uns immer gut gehen. Nicht wenige Christen sind so groß geworden: „Ich kann Gott bitten was ich will, er gibt es mir. Gott sorgt immer für mich. Er ist mein lieber Vater im Himmel. Mir kann gar nichts Böses passieren.“

So stehen auch Christen vor Jesus und sagen: „Gib mir ein Zeichen! Mach mich satt. Gib mir Arbeit, nimm mir meine Krankheit, gib mir Anerkennung, Erfolg, Frau, Kinder. Sonst wechsle ich bald den Anbieter. Ich will dir gerne vertrauen. Aber jetzt zeig mal, was du kannst.“ Jesus soll ihr Glücksbringer sein. Letztlich wollen solche Christen das Gleiche wie alle anderen Menschen auch. Sie wollen es nur von Jesus bekommen. Er soll sie beliefern.

Mehr Jesus im Leben wollen sie gar nicht. Das könnte auch Leiden bedeuten. Jesus hat ja nie gesagt, dass seine Nachfolger die glücklichsten Menschen sein werden. Mehr Jesus im Leben könnte auch bedeuten, einen schmalen Weg zu gehen, das eigene Kreuz auf sich nehmen, zu teilen, an Anerkennung in der Welt zu verlieren.

Ich glaube, dass der Hunger dieser Welt, alle Sehnsüchte, alle Bedürfnisse, Hoffnungen nur ein Hinweis sind auf einen viel tieferen Hunger. Den Hunger nach Gott, nach Sinn, nach Ewigkeit. Viele wissen nicht, wonach ihre Seele Hunger hat. Darum essen sie das Falsche und viel durcheinander. Sie glauben nicht, dass Jesus alleine satt macht. Sie wollen das auch nicht. Sie wollen immer mehr haben: Montag einen Apfel, Dienstag zwei Birnen, Mittwoch drei Pflaumen, Donnerstag vier Erdbeeren, ... und sie verderben sich ihren Magen dabei. Ihre Seele bleibt hungrig.

Ich kenne das nur zu gut. Meine Seele hat Hunger. Ich brauche Jesus. Zeit mit ihm. Neues Vertrauen. Seinen Frieden. Ruhe. Und ich lenke mich ab. Ich esse eine Bratwurst. Ich scheue es, alles loszulassen. Einfach nur bei Jesus zu sein. Auf ihn zu sehen. – Die Raupe Nimmersatt bekam Bauchschmerzen. Unsere Seele kann auch Bauchschmerzen bekommen. Vor Hunger! Die Seele schreit und wir essen noch eine Bratwurst.

Der Mensch lebt nicht allein vom Brot. Aber er stirbt allein vom Brot. Wem es nur ums Brot geht, um sein Lebensglück, Bewahrung, Erfolg, sein kleines Glück, der hat Jesus nicht verstanden. Der hat Jesus nicht erkannt oder hat vergessen, mit wem er es zu tun hat:

Er ist der Herr. Gekreuzigt, gestorben, auferstanden.
Aufgefahren in den Himmel. Der Herr über Alles.
Er hat uns freigekauft von der Sünde und vom Tod,
damit wir Gottes Kinder sind und als Kinder Gottes leben.
Vater und Sohn haben uns den Heiligen Geist geschenkt,
damit alle, die an Christus glauben, immer mehr in sein das Bild Jesu verwandelt werden

Jesus ist nicht unser Brotkönig. Kein Glückslieferant. Als unser Herr ist er das Brot, das das Leben bringt.

Brot hat damals bei keiner Mahlzeit gefehlt. Und darum ist "Brot" das Wort geworden für Speisen allgemein und mit der Zeit auch ein Synonym für das Lebensnotwendige. Jeden Tag musste es wieder neu gebacken werden. Es war der Hauptbestandteil jeden Essens. Was es sonst zum Essen gab, wurde gerne Stücke oder Fetzen von den Brotfladen eingerollt.

Jesus will unser Grundnahrungsmittel sein, die Hauptmahlzeit. Und alles andere bekommen wir sozusagen in ihm eingerollt. Es soll keinen Tag geben, an dem ich nicht bei ihm am Tisch sitze und esse und satt werde. Jesus klopft bei uns an und wer ihm auftut, dem deckt er den Tisch und hält das Mahl mit ihm.

Martha war eine geschäftstüchtige Frau in Betanien. Als Jesus und seine Jünger einmal bei ihr zu Gast waren, wirbelte sie immer um sie herum, sorgte für alles. Da war sie 100% Hausfrau und 100% Gastgeberin und Jesus sagt ihr: „Martha, Martha, du machst dir so viele Sorgen“. (Die gute Nachricht übersetzt: „Du verliest dich an so vieles!“) Nur eins tut not.“ Setzt dich her zu mir. Ich bin hier und du arbeitest nur. Hör mir zu. Lass uns Zeit haben. Reden, still sein, traurig oder froh sein. Nur eins tut not: Nur bei mir wirst du satt.

„Norbert, Norbert, was verlierst du dich an so vieles. Nur eins tut Not!“ Vielleicht kannst du da deinen Namen einsetzen und es hören: „Nur eins tut not. Nur eins wird dich heute und für dein ganzes Leben satt machen. Nimm dir Zeit für Jesus!

In den Psalmen lesen wir: „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach Dir. Meine Seele dürstet nach Gott!“ (Psalm 42,2)

Wie war das vorhin mit deinem Hunger? Wie groß ist ein Hunger und wonach hungert dich? Auch deine täglichen Bedürfnisse sind ein Anliegen Gottes. Wir dürfen den Vater darum bitten. Das tägliche Brot von Menschen die hungern ist auch eine geistliche Frage. Wir sollen teilen. Aber Mensch lebt nicht vom Brot allein. Er stirbt aber, wenn es nur um das Brot geht. Deine Seele dürstet nach Gott.

Nach dem Abend, an dem die Raupe Nimmersatt ihre Bauchschmerzen hatte, wurde wieder ein neuer Tag. Es war wieder ein Sonntag. „Die Raupe fraß sich durch ein grünes Blatt!“ heißt es in dem Kinderbuch. Das klingt nach Fasten, nach bewusster Ernährung, sie hat das eine gefunden, das ihr gut tut. In dem Buch geht es weiter: „Es ging ihr auch schon viel besser. Sie war nicht mehr hungrig. Sie war richtig satt. Und sie war auch nicht mehr klein, sie war groß und dick geworden. Sie baute sich ein enges Haus, das man Kokon nennt, zwängte sich nach draußen und war ein wunderschöner Schmetterling!“

Auf Jesus zu sehen, von ihm alles zu erwarten, bei ihm seinen Hunger zu stillen, das ist wie dieses eine grüne Blatt. Er selbst ist das Brot des Lebens. Er macht uns satt. Und er macht wunderschöne Schmetterlinge aus uns.

Amen.

 
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