Psalm 23 Trauerrede Klara B.

Friedhof Niedervellmar 30.9.2019
Pastor Norbert Giebel

Trauerrede für Klara B.
Psalm 23, 1+6:
      „Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln.
     Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
     und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“

Liebe Trauergemeinde,

wir haben allen Grund, Gott zu loben und dankbar zu sein für das Leben von Klara B.. Vor drei Wochen konnte sie ihren 95. Geburtstag feiern. Zuhause. In ihrem kleinen Haus in Niedervellmar. Wie so oft haben sie einige aus der Familie besucht. Es ging ihr gut. Ich habe sie zwei Tage später besucht. Sie war leicht erkältet. Aber sonst ging es ihr wie immer. Auf dem Tisch lagen die Fernsehzeitung, die Tageszeitung und die Losungen. Die Losungen sind ein kleines Büchlein mit Bibelversen für jeden Tag.

95 Jahre alt wohnte sie noch in ihrer Wohnung, konnte alles lesen, fernsehen, hat sie die täglichen Bibelverse angesehen, sie konnte noch selber kochen und hat in Vielem noch für sich selbst gesorgt. Man konnte sich klar mit ihr unterhalten. Sehr regelmäßige und aufmerksame Unterstützung bekam sie besonders durch ihren Neffen, wie sie mir erzählte.

Ob sie einen Heimplatz hätte, ob sie in irgendeinem Seniorenheim angemeldet sei, fragte ich. Nein. Sie hätte sich einmal ein Haus angesehen. Aber das wolle sie nicht. Sie sei auch gerne allein. Immer so viele Menschen um sich herum, das gefalle ihr nicht. – Am Ende meines Besuches haben wir noch gebetet, dass sie, wenn sie einmal stirbt, zuhause sterben könnte. Dass sie vorher nicht mehr lange in ein Krankenhaus oder Heim müsse. Drei Wochen später ist sie dann gestorben.

Bis zuletzt konnte sie in ihrer Wohnung bleiben. Wenige Tage war sie noch im Krankenhaus.
Dann haben die Organe ihren Dienst eingestellt. Wie schön, dass Sie, Frau und Herr S., noch bei ihr waren und ihre Hände hielten, als Klara B. aufgehört hat zu atmen und gestorben ist. Wir haben viel Grund, Gott für ihr Leben zu danken.

Auf der Traueranzeige haben Sie Psalm 23 ausgesucht. Ich lese uns den ersten und den letzten Vers dieses Psalms noch einmal:
     „Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln.
     Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
     und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“

Kein Leben ist nur einfach. Kein Leben ist nur schön. Es gibt kein leben ohne Tiefen, ohne auch Schweres zum Tragen. Das war auch bei Klara B. so. Aber sie hatte einen HERRN, der ihr guter HIRTE war. Die Reihenfolge ist ganz entscheidend für Psalm 23: Der Herr ist mein guter Hirte! Ist er nicht der Herr, und zwar mein Herr, den ich als meinen Herrn akzeptiere, dem ich mich unterstelle, dem ich gehöre, dann kann er nicht mein guter Hirte sein. Ich lass mich ja nicht von ihm führen. Ich höre nicht auf sein Rufen. Ich bleibe nicht bei ihm. Wie kann er dann mein Hirte sein?

Jesus hat diesen Psalm einmal aufgegriffen und hat gesagt: „Ich bin der gute Hirte und ich kenne meine Schafe und sie kennen mich.“ (Johannes 10, 14) Wer nicht zu seiner Herde gehört, wer ihm nicht folgen will, der hat ihn auch nicht als den guten Hirten.

Gott hat die ganze Welt geschaffen und einmal kommt sie zu ihm zurück. Jesus ist der Herr über alles. Gott hat ihm alle Herrschaft übergeben. Aber Jesus zwingt niemanden, in seine Herde zu kommen! Gott liebt uns. Er wirbt um uns. Er ruft uns. Aber er zwingt uns nicht. Es soll unsere Entscheidung sein, zu ihm zu kommen. Vertrauen soll die Basis unserer Beziehung sein. Nicht Zwang.

Es gibt andere Hirten auf dieser Welt, andere Werte, nach denen Menschen leben, andere Ziele im Leben, für die Menschen alles geben. Menschen können auch einfach auf sich selbst vertrauen, gar nicht nach Gott fragen, ihren Trost und ihre Hoffnung ganz woanders suchen, als bei Jesus. Es wäre nicht ehrlich, zu sagen, dass Gott der gute Hirte für alle Menschen ist. Psalm 23, diesen Psalm können Menschen beten, die Gott als ihren Herrn anerkennen. Ihnen wird nichts mangeln.

Das Hirtendasein war keine Idylle damals. Das war ein raues Leben. Das hatte mit Entbehrungen zu tun. Das Hirtenleben konnte gefährlich werden. Es gab wilde Tiere, die an das Leben der Schafe wollten. Und das Leben als Schaf sozusagen war auch keine Idylle. In Psalm 23 kommt das zum Ausdruck: „Und wenn ich durch ein dunkles Tal ziehen muss: Du bist bei mir. Ich habe keine Angst! Dein Stecken und Stab.“ Das heißt deine Nähe, deine Leitung, auch deine Ermahnung, sie trösten mich, selbst dann, wenn ich schwere Tage habe und kein Licht mehr sehe.

Die Steppe im heutigen Palästina war trocken. Die Vegetation war spärlich. Wasser musste man suchen. In dieser für Mensch und Tier harten Realität bekennt der Beter von Psalm 23: „Du weidest mich auf einer grünen Aue. Du führst mich zum frischen Wasser. Du erquickst meine Seele. Du führst mich auf rechter Straße. Weil du treu bist. Und auch wenn ich wandere im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.“

Die Bilder in Psalm 23 sind sehr realistisch: Erstens: Das Leben ist nicht leicht. Manchmal erscheint es einem wie eine Wüste. Manchmal denkt man, man verdurstet. Manchmal ist kein grünes Gras mehr zu sehen. Das ist die eine Realität. Aber die andere Realität ist das, was Menschen erleben, die Gott als ihren Herrn haben: Du weidest mich auf einer grünen Aue. Du führst mich zum frischen Wasser. Du erquickst meine Seele.

Das hat Klara B. erlebt. Den „Himmel auf Erden“, den gibt es hier noch nicht. Aber sie hat erlebt, dass ihr Herr ihr auf dieser Erde leben hilft! Dass er treu ist an guten du an schweren Tagen.

„Im Haus des Herrn werde ich bleiben immerdar!“ endet Psalm 23. Es ist unklar, ob der Schreiber des Psalms damals an das ewige Leben dachte oder ob er nur an das Leben hier auf der Erde gedacht hat. Entweder wollte er sagen „Selbstwenn ich sterbe, werde ich im Hause des Herrn bleiben!“ oder er wollte sagen. „Solange ich lebe werde ich mit dem Herrn, der mein Hirte ist, auf diese Weise verbunden sein.“

Jesus jedenfalls deutet es auf das ewige Leben. Er sagte:
          „Ich bin der gute Hirte, der sein Leben lässt für die Schafe.
          Meine Schafe hören meine Stimme und sie folgen mir.
          Und ich gebe ihnen das ewige Leben.
          Niemals werden sie umkommen.
          Niemand kann sie aus meiner Hand reißen.“
              
                                                                               
(vgl. Joh 10, 11+27+28)

Klara B. hat sich einige Jahre nach ihrer Eheschließung als erwachsene Frau taufen lassen. Sie hat schon lange an Gott geglaubt. Sie hat verstanden, dass Jesus auch für ihre Sünden gestorben ist. Dass Gott ihr gnädig sein will. Dass Jesus auferstanden ist. Dass er zum Vater gegangen ist und dass er auch ihr ewiges Leben schenken möchte.

Vor der ganzen Gemeinde hat sie von ihrem Glauben erzählt und gesagt, dass sie getauft werden möchte. Dass war ihr Bekenntnis. Da hat sie es festgemacht, wer ihr Herr und wer ihre Hoffnung im Leben sein sollte.

Von ihrem Leben weiß ich sehr sehr wenig. Das Wenige, was ich weiß, wollte ich hier nicht referieren. Die meisten von ihnen hier wissen vermutlich mehr als ich.

Aber das kann ich sagen: Klara B. hat das ewige Leben. Ihr ewiges Leben hat schon hier begonnen. Jetzt darf sie sehen, was und an wen sie hier geglaubt hat. Es gibt wirklich viel Grund Gott zu loben und ihm für das Leben von Klara B. zu danken.                     

Amen.

 
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