Jakobus 2, 14-26 Gerecht aus lebendigem Glauben

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Kassel-Möncheberg
Norbert Giebel, 20.10.2019

Jakobus 2, 14-26 Gerecht durch lebendigen Glauben

Was stimmt denn nun? Sind wir vor Gott gerecht allein durch den Glauben oder müssen wir auch etwas dafür tun? Von Jesus haben wir gerade in der Lesung gehört, dass er sich mit Menschen in Not identifiziert. Er ist hungrig, er sehnt sich nach Gerechtigkeit, er ist der Fremde, der nicht aufgenommen wird, er sitzt im Gefängnis und keiner besucht ihn. Und am Ende sagt er:   Was ihr einem dieser Menschen in Not nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan. Geht weg von mir ihr Verfluchten in das ewige Feuer! (Matthäus 25, 31-46)

„Na ja, damit sind die gemeint, die nicht an Jesus glauben. Mit seinem Gleichnis vom Weltgericht sind nur die Heiden gemeint. Die werden durch Werke gerecht“ sagen einige. Das ist zu billig. In der Bergpredigt hat Jesus gesagt „Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Pharisäer und als die, die sich in den Schriften auskennen, dann werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ (Matthäus 5, 20). „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Nicht alle, die zu mir Herr, Herr sagen, werden in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen meines Vaters tun!" (Matthäus 7, 20-21) In seinen Abscheidenden sagt Jesus: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten!“
(Johannes 14,15)

Wie kommt denn Paulus dazu, zu schreiben: „Alle werden gerecht ohne eigenen Verdienst allein aus Gnade durch die Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist.“ „Der Mensch wird gerecht ohne des Gesetzes Werke allein durch den Glauben!“ (Römer 3, 24+28) Was stimmt denn nun? Reicht es aus, an Jesus zu glauben, um gerettet zu werden, oder nicht? Jakobus scheint eher auf der Linie von Jesus zu liegen als Paulus. Ich lese Jakobus 2, 14-26:

14 Was nützt es, meine Geschwister, wenn jemand behauptet: „Ich glaube“, aber er hat keine entsprechenden Taten vorzuweisen? Kann der Glaube als solcher ihn retten? 15 Angenommen, ein Bruder oder eine Schwester haben nicht genügend anzuziehen, und es fehlt ihnen an dem, was sie täglich zum Essen brauchen.
16 Wenn nun jemand von euch zu ihnen sagt: „Ich wünsche euch alles Gute! Hoffentlich bekommt ihr warme Kleider und könnt euch satt essen!“, aber ihr gebt ihnen nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt ihnen das? 17 Genauso ist es mit dem Glauben: Wenn er keine Taten vorzuweisen hat, ist er tot; er ist tot, weil er ohne Auswirkungen bleibt.
18 Vielleicht hält mir jemand entgegen: „Der eine hat eben den Glauben und der andere die Taten.“ Wirklich? Wie willst du mir denn deinen Glauben beweisen, wenn die entsprechenden Taten fehlen? Ich dagegen kann dir meinen Glauben anhand von dem beweisen, was ich tue.
19 Du glaubst, dass es nur einen Gott gibt? Schön und gut! Aber auch die Dämonen glauben das – und zittern! 20 Willst du denn nicht begreifen, du unverständiger Mensch, dass der Glaube ohne Taten nutzlos ist? 21 Wurde nicht unser Vater Abraham aufgrund seines Tuns für gerecht erklärt? Er wurde für gerecht erklärt, weil er seinen Sohn Isaak auf den Altar legte, um ihn Gott als Opfer darzubringen. 22 Daran siehst du, dass sein Glaube mit seinen Taten zusammenwirkte; erst durch seine Taten wurde sein Glaube vollkommen. 23 Und erst damit zeigte sich die volle Bedeutung dessen, was die Schrift sagt: „Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet“; ja, er wurde sogar „Freund Gottes“ genannt. 24 Ihr seht also, dass ein Mensch aufgrund seiner Taten von Gott als gerecht anerkannt wird und nicht schon durch bloßen Glauben! 25 War es bei der Prostituierten Rahab nicht ebenso? Auch sie wurde aufgrund ihrer Taten für gerecht erklärt, denn sie nahm die israelitischen Boten gastfreundlich bei sich auf und half ihnen, auf einem geheimen Weg aus der Stadt zu fliehen.

Jakobus fragt nach dem Nutzen des Glaubens. Das ist uns fremd. Was nützt dein Glaube? Drei Mal fragt er das in seinem Text. Wem bringt dein Glaube etwas? Was hat er für Auswirkungen? Da ist ein Bruder nackt, eine Schwester hat Hunger, andere sind arm und müssen jeden Euro umdrehen, und du wünschst ihnen alles Gute, du zeigst ihnen, wie sehr sie dir leidtun, du sagst ihnen, dass du für sie betest, und machst keinen Finger für sie krumm! Sie bleiben hungrig, nackt und arm. Was nützt dann dein Glaube? Glaubst du, dass das Gott gefällt? Denkst du, dass das einem Leben entspricht von jemandem, der Gottes Kind genannt wird? „Wer mich liebt, der wird meine Gebote halten!“ sagt Jesus.

Okay. Darauf können wir uns schnell verständigen. Jesus spricht hier nicht vom Gesetz, von dem jüdischen Gesetz mit seinen tausend Vorschriften. Jesus redet nicht davon, wie man welchen Feiertag richtig begehen soll,  wieweit man am Sabbat gehen darf, wie oft man beten oder fasten oder wie viel man spenden soll. Das jüdische Gesetz ist wirklich abgetan für alle, die an Jesus glauben. Aber in allen Belangen, die Menschen betreffen, verschärft Jesus das Gesetz sogar:

Du sollst nicht nur die Ehe nicht brechen, die sollst keine Frau begehrlich ansehen und sie haben wollen. (Matthäus 5,28) Du sollst nicht nur nicht töten, schon wenn du einen anderen einen Idioten und Blödmann nennst, hast du gegen dieses Gebot verstoßen. (Matthäus 5,21) Du tötest seine Würde. Du machst den anderen zu einem Unmenschen. Zu einem Menschen zweiter Klasse. „Wenn du anderen nicht vergibst, die dir Böses getan haben, dann wird auch der Vater im Himmel dir nicht vergeben!“ (Matth 6,15) „Wer mich vor den Menschen nicht bekennt als den Herrn, als seinen Herrn, den werde auch nicht bekennen vor meinem Vater!“ (Matthäus 10,32)

Das sind Jesu Gebote. Zählt das alles nicht mehr, nur weil Paulus gesagt hat, wir würden gerecht allein aus Glauben? „Glaube ohne Taten ist tot“, sagt Jakobus. Recht hat er, finde ich. Das wäre so wie Liebe ohne Güte oder wie Vertrauen ohne einen Schritt zu gehen, ohne etwas zu wagen. Wer liebt, will dem anderen auch etwas Gutes tun. Sonst ist es keine Liebe! Wer zu seiner Frau sagt „ich liebe dich, ich liebe dich“, ihn die Liebe aber nichts kosten darf, der liebt sie nicht. Das ist so, als würde einer „Herr, Herr“ zu Jesus sagen, aber der Herr in seinem Leben will er selber bleiben. Das ist total unglaubwürdig. Unehrlich. Ein solcher Glaube ist tot. Das ist gar kein Glaube.

„Wer mich liebt, der wird meine Gebote halten!“ sagt Jesus. Nicht weil er es muss, weil er irgendwelche Gebote befolgen will, sondern weil er Jesus liebt. Das ist sein Motiv. Das ist seine Kraft. Die Liebe ist es auch mit der Jesus in der Bergpredigt auf das Gesetz sieht. Die Liebe vertieft, verschärft, veredelt die Gebote Gottes, in denen es um Menschen geht. Liebe will immer mehr für den anderen als nur irgendwelche Regeln befolgen.

Und Paulus würde das ganz genau so sagen! Den Galatern schreibt er: „In Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist!“ (Galater 5,6) Wenn du zu Jesus gehörst, dann zählt es nicht mehr, ob du Jude bist, dich beschneiden lässt, dich noch an das Gesetz gebunden fühlst, oder ob du Heide bist, der die vielen Vorschriften des Judentums keine Ahnung hat: In Christus zählt allein der Glaube, der an der Liebe zu erkennen ist, der aus der Liebe heraus tätig wird.

Paulus hat ein anderes Gegenüber. Er schreibt in seinem Brief an die Römer in eine ganz andere Situation hinein. Paulus arbeitet heraus, dass jeder Mensch Gottes Vergebung braucht. Keiner ist gerecht. Niemand lebt und handelt so, dass er keine Vergebung bräuchte. – Zu dieser Vergebung aber brauchen wir nichts hinzutun! Gott schenkt uns seine ganze Gnade mit seiner Erlösung durch Jesus Christus.

Und das stimmt. Das ist die Basis unseres Glaubens. Das stellt auch Jakobus nicht in Frage. Jeder Mensch, und auch wenn heute hier noch so jemand sitzen sollte, der denkt, er sei noch nicht gut genug für Gott, er müsse sich noch ändern, um zu Gott kommen zu können, der fährt noch auf dem falschen Dampfer. ir sind nie gut genug für Gott durch das was wir sind und tun. Aber wir dürfen immer so kommen wie wir sind und dürfen Vergebung empfangen. Den Moment wird es nie geben, in dem jemand sagen könnte „Jetzt bin ich auch ein wenig durch meine Taten gerettet!“ Die „bessere Gerechtigkeit“ (Mat 5,20), die Gerechtigkeit vor Gott gibt es nur geschenkt. Das Kapitel ist abgeschlossen. Versuch es gar nicht erst. Komme wie du bist oder lass es.

Paulus hat absolut Recht, wenn er sagt, dass wir allein aus Gnade gerettet sind, Gottes Kinder sind. Aber wenn wir dann zu Gott gekommen sind, uns bekehrt haben, unser Leben zu ihm hin gekehrt haben, dann wird sich unser Leben verändern. Dann werden wir verändert. Wer glaubt und errettet ist, kann nicht mehr derselbe sein. Paulus erinnert die Römer drei Kapitel später in seinem Brief an sie an ihre Taufe: Wer getauft ist, der ist mit Jesus gestorben und auferstanden und er ist nun ein neuer Mensch (Römer 6,8-11).

Den Korinthern schreibt er (2. Korinther 5,17): „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen. Neues ist gewachsen.“ Wenn ich meine mit Jesus zu leben, auf Dauer aber gar keine Veränderungen feststelle in meinem Denken und Handeln, muss ich mich hinterfragen, wie echt oder ernst meine Entscheidung für ein Leben mit Gott war. Jesus ruft in die Nachfolge. Er ruft nicht nur zu neuen Worten und neuen Gefühlen auf.

Glaube in der Bibel ist nicht nur, was ich fühle. Glaube ist auch nicht nur was ich denke und sage. Glaube ist der Bibel ist nie nur das, was ich glaube. Glaube ist eine Beziehung. Die Beziehung zum allmächtigen Gott, zu dem ich im Vertrauen Vater sagen darf und bei dem ich immer willkommen bin. Ich könnte auch sagen. Vielleicht mit Jakobus: Glaube ist, was ich mache. Was ich tue. Was sich in meinem Leben auswirkt. Wer glaubt, der hat einen neuen Herrn im Leben. Glaube heißt, sich mit allem, was man ist und hat Jesus zu unterstellen. Und das wird nie unsichtbar bleiben. Geht gar nicht. Oder es ist ein toter Glaube. Also gar kein lebendiger Glaube.

Ich danke Gott für den Apostel Paulus. Paulus war ein großer Theologe. Eine Denker und ein Täter des Glaubens. Paulus lehrt auch, wo wir die Kraft für ein neues Leben herbekommen. Die neue Schöpfung in uns können wir ja nicht alleine machen: Gott selbst will durch seinen Geist in uns wohnen und uns verändern!

Jesus hat das Kommen des Heiligen Geistes schon angekündigt. „Wenn ich gehe, dann wird er kommen“ hat er gesagt. (Joh 14,7) „Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand schicken, der immer bei euch sein soll, den Geist der Wahrheit!“ (Johannes 14, 15-17) „Er wird euch alles lehren!“ (Johannes 14,26)

Jakobus ist sehr auf der Seite, was wir tun sollen. Er hat ein anderes Gegenüber. Jakobus schreibt an Menschen, die meinen, Glaube würde nur bedeuten, „etwas für richtig zu halten“: Ich glaube, dass Jesus Gottes Sohn ist. Ich glaube, dass er am Kreuz für unsere Sünden gestorben ist. Ich glaube, dass er auferweckt wurde. Ich glaube, dass er der wiederkommende Herr ist. – „Weißt du was?“ würde Jakobus antworten.„Das glauben die Dämonen auch. Das weiß der Teufel auch. Und darum hasst er Jesus von Herzen!“ – Zu glauben, wer Jesus ist, bedeutet gar nichts, wenn es keine Konsequenzen hat. Glauben heißt ihm zu vertrauen, ihm nachfolgen, sich ihm unterstellen, sich von einem Leben ohne ihn als den Herrn abzuwenden.

Vielleicht glaubst du auch, dass Karl Marx am 5. Mai 1818 in Trier geboren wurde und dass er am 14. März 1883 in London gestorben ist. Vielleicht weißt du auch, dass sein Hauptwerk den Titel „Das Kapital“ trägt. Zu einem Kommunisten macht dich dieses Wissen nicht. Zu glauben wie und wo Jesus geboren wurde und wie und wo er gestorben ist, macht noch niemanden zum Christen. Die Frage ist, was du für eine Beziehung zu ihm hast! Und ob du glaubst und tust, was er gelehrt hat.

Jakobus schreibt gegen einen missverstanden Paulus. Er schreibt gegen ein falsches Glaubensverständnis. Paulus hatte Abraham als Beispiel genommen. Abraham wurde von Gott erwählt, bekam Gottes Verheißungen, wurde ein Freund Gottes genannt, ohne Werke des Gesetzes. Das Gesetz des Moses gab es da noch gar nicht. Also, sagt Paulus, wir werden gerecht allein aus Glauben, weil Gott uns liebt und beschenken will.

Jakobus nimmt auch Abraham als Beispiel. Abraham hat Gott geglaubt und das hat er in seinen Tagen gezeigt. Er hat Gott vertraut und hat seine Heimat verlassen. Er war jahrelang unterwegs ohne schon etwas sehen zu können, wie Gott seine Versprechen einlöst. Er war sogar bereit, seinen eigenen Sohn zu opfern, wenn Gott es von ihm verlangte. Es gibt keinen unsichtbaren Glauben. Es gibt keinen lebendigen Glauben, ohne Vertrauen, ohne Jesus als Herrn anzuerkennen und ihm nachzufolgen.

Im Hebräerbrief wird Abraham ein drittes Mal als Beispiel genommen. Hebräer 11 können wir lesen: „Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.“ (Hebräer 11,8) Der Glaube kommt zuerst. Der Glaube macht uns gerecht vor Gott. Aber durch den Glauben wurde Abraham, weil wir glauben sollen auch wir gehorsam werden.

Glaube ist nicht, was wir fühlen. Glaube ist nicht, was wir denken. Glaube ist nicht, was wir glauben. Glaube ist, was wir tun. Das ist überspitzt. Wir fühlen und denken und vermuten ja auch im Glauben. Aber Jakobus würde es glaube ich gefallen: Glaube ist, was wir tun. Z.B. Abraham, der sogar seinen Sohn Gott gegen würde.

Oder Rahab nennt Jakobus noch. Abraham ein Jude, sie eine Heidin. Eine Prostituierte aus Jericho. Sie glaubte auch an den einen Gott Israels; das erwähnt Jakobus nicht. Aber sie hat die Kundschafter Israels aufgenommen, sie versteckt und geschützt, ihnen das Leben gerettet und sich selbst dafür in Gefahr gebracht. Das wird ihr zur Gerechtigkeit angerechnet.

Also, wie ist es nun. Sind wir gerettet allein aus Glauben oder auch durch unsere Taten? Wir sind gerettet allein aus Glauben. Aber dieser Stachel von Jakobus, ich glaube, der muss heute stecken bleiben: Einen Glauben ohne Taten kann Jesus sich nicht vorstellen. Und Paulus und Jakobus auch nicht.

Amen

Für diese Predigt habe ich auch profitiert von den Predigten im Internet des CMI Berlin (Campus Mission International Berlin e.V.; ohne Verfasserangabe) und des ERF „Glaubens FAQ“ (Evangeliumsrundfunk; ohne Verfasserangabe).

 
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