Matthäus 6, 19-21+24 und weitere Bibelstellen: Christ und Geld

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
Norbert Giebel, „Primetime – Der Abendgottesdienst“ am 3.11.2019

Matth. 6, 19-21+24   Christ und Geld

Über Geld spricht man nicht. Auch nicht in der Kirche. Wollt ihr einen Test? Fragt doch mal eure Sitznachbaren, was sie verdienen, über wie viel Geld sie verfügen. Und dann fragt ihr, wie viel er davon spendet. Für Menschen, die hungern, arm sind, ihre Heimat verloren haben, für die Gemeinde?“ Unsere Gemeinde finanziert ihre Arbeit nur durch Spenden. Wir haben eine Finanzkommission. Da sind die aller vertrauenswürdigsten Personen drin. Sie können einsehen, was andere spenden! Das ist ja wohl das Intimste und Geheimste, was man sich vorstellen kann.

Über Geld spricht man nicht. Auch in der Kirche nicht. Sollte man aber. Jesus hat fünfmal mehr über Geld geredet als übers Beten. 38 Gleichnisse haben wir von ihm; in 16 Gleichnissen geht es um Geld oder Reichtum. In der Bibel geht es um 215 Versen um den Glauben, in 218 Versen um Heil und Erlösung, in 2084 Versen der Bibel geh es um Reichtum, Geld, Habgier und Geiz. – Laut einer anderen Quelle sind es sogar über 2300 Stellen.

Über Geld wird geredet in der Bibel. Darum muss auch in der Kirche darüber geredet werden. Jesus hat etwas dazu zu sagen, welche Rolle Geld, Erfolg und Wohlstand in unserem Leben spielen soll. Wenn Jesus dazu etwas zu sagen hat, müsste es doch jeden interessieren, dem Jesus nicht egal ist.

Gerade diese Woche saß ich mit einem jungen Paar zusammen. Verheiratet. Beides Studenten. Ich erzählte, worum es heute Abend geht. Da erzählten die beiden, dass sie als sie heirateten, sich vorgenommen haben, immer von allem, was sie bekommen, den Zehnten zu geben. Ein Zehntel von allem Einkommen soll dem Reich Gottes gehören. Mindestens. Sie haben Zeiten erlebt, wo sie ganz wenig hatten und andere, wo es mehr war. Aber Gott hat sie immer gut versorgt, haben die beiden erzählt. Da haben wir mal über unser Geld gesprochen.

Ich lese ein paar Sätze von Jesus zu unsrem Thema. Matthäus 6, 19-21 und 24:

19 Ihr sollt euch keine Schätze auf der Erde sammeln, wo die Motten und der Rost sie zerfressen oder Diebe einbrechen und sie stehlen. 20 Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und Diebe nicht stehlen. 21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. (...) 24 Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben oder er wird an dem einen hängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon!

Was soll man dazu noch sagen? Da ist doch klar ausgedrückt. Wir sollen keine Schätze auf der Erde sammeln. Wo unser Schatz ist, da ist unser Herz. Niemand kann dem Geld dienen in seinem Leben und Gott dienen. Er wird immer den einen dem anderen vorziehen. – Was soll man dazu sagen? Soll ich das als Prediger jetzt aufweichen? Handzahm machen? Abmildern? Jesus wünscht sich, vielleicht muss ich eher sagen Jesus gebietet seinen Jüngern einen eindeutig anderen Umgang mit dem Geld, als es in der Welt üblich ist.

Einmal erzählt Jesus ein Gleichnis von einem vorbildlichen Mann. Der Mann war Bauer und hatte so gute Ernten, dass er immer mehr Vorratssilos bauen musste. Er wirtschaftete gut. Er traf die richtigen Entscheidungen. Er hatte immer mehr Erfolg. Und dann setzte er sich zur Ruhe: Endlich die Beine von sich strecken. Endlich mal Zeit nur für sich und das was einem selber Spaß macht. Dieser Mann war voll zufrieden mit sich und seiner Welt. – Aus unserer Sicht hat er alles richtig gemacht. Mehr oder weniger wollen wir das doch alle. Erfolg haben, mehr haben, Ruhe haben. Dafür sind wir auch bereit zu arbeiten. Viel zu arbeiten. Nötigenfalls in eine andere Stadt zu ziehen. Freundschaften, vielleicht die eigenen Kinder oder die eigene Ehe  müssen hintenan stehen für die Arbeit, um sich mehr leisten zu können, Erfolg zu haben. Und wir alle wollen auch Sicherheit im Alter. Und im Ruhestand endlich mal das Leben genießen.

Das ist doch im Großen und Ganzen das Lebensmodell, nach dem die Gesellschaft funktioniert. Er hat doch alles richtig gemacht! Und was sagt Jesus zu einem solchen Leben? Seine Erzählung endet so: „Gott aber sprach zu diesem reichen Mann: Du Narr! Heute Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Wem gehört dann alles das, was du gesammelt hast? So geht es jedem, der Schätze auf der Erde sammelt aber nicht reich bei Gott ist.“ (Luk 12, 15ff)

Als John David Rockefeller gestorben war, einer der reichsten Männer der Welt, wurde sein persönliche Buchhalter gefragt: „Wieviel hat Herr Rockefeller bei seinem Tod hinterlassen? Er war doch ein unheimlich reicher Mann." Und der Buchhalter antwortete: "Alles". Er hat alles zurückgelassen. „Das letzte Hemd hat keine Taschen.“ Man kann nichts mitnehmen.

Der Geschichte von dem reichen Bauern geht ein wichtiger Satz Jesu voraus: „Hütet euch vor jeder Art von Habgier, denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat!“ Habgier, immer mehr haben zu wollen, nicht zufrieden zu sein, seine Sicherheit, sein Glück davon abhängig zu machen, was einem finanziell möglich ist, das ist gefährlich. Hütet euch davor! Wie vor einem bissigen Hund. Wie vor eine Lösen, der euch verschlingen will. Wie vor einer ansteckenden Krankheit, die eure Leben bedroht.

Immer mehr haben zu wollen, ist aber das Normale in der Welt. Viele von euch haben einen Job. Einige von uns haben einen richtig guten Job, kriegen richtig gut Kohle. Wenn ihr den Job noch mal wechselt, soll der nächste dann schlechter bezahlt sein? Alle haben ein Handy. Wenn du dir dein nächstes Handy besorgst, soll es dann eine Nummer kleiner und einfacher sein? Immer mehr und alles immer besser haben zu wollen ist das Normale. Jeder muss sich überlegen, welche Rolle Geld und Hab und Gut in seinem Leben spielen soll. Oder man schwimmt einfach mit in dem breiten Strom. Man lässt sich von der Gesellschaft und der Wirtschaft prägen, was wichtig ist im Leben.

Ein Mann aus unserem Hauskreis, 82 Jahre alt, fit und fromm, er sagte letzte Woche: „Ich habe jetzt die letzte Wegstrecke meines Lebens vor mir. Wo kann ich noch gute Spuren hinterlassen? Wo kann Gott mich noch gebrauchen? Für welche Menschen kann ich noch wichtig sein?“ Er macht Besuche bei anderen, schwächeren Senioren. Er organisiert Ausflüge für Senioren. Er spendet und lässt sich von Gott führen, wo er auch mit Geld Gutes bewirken kann. Wie anders klingt das als bei einem, der nur fragt, was er noch für sich selbst gewinnen kann! Sieh einen Menschen an, wie er mit seinem Geld umgeht, und du weißt, was ihm im Leben wertvoll ist. Wo sein Schatz ist, da ist auch sein Herz.

Was ist dein Schatz in einem Leben? Da muss wohl jeder erst einmal überlegen. Das machen wir uns meistens gar nicht bewusst: Was darf dich am Meisten kosten? Worüber denkst du am häufigsten nach? Was macht dir Sorgen? Was sind deine Hoffnungen? Wo investierst du deine Zeit?

„Ich bin doch nicht reich! Da sollen erst einmal die Reichen anfangen und spenden!“ Klar. Es gibt immer Reichere. Aber unsere Verantwortung fängt schon bei dem Wenigen an. Jesus hat gesagt: „Wer im Kleinsten treu ist, der ist auch im großen treu. (...) Wenn ihr aber mit dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen?“ (Lukas 16, 10f)

Ab wann ist jemand reich? Es gibt einen Reichtumstest aus der Schweiz. Von einem Investmentberater (Thomas Giudici). Er stellt vier Fragen: Haben Sie genug zu essen? Haben Sie anständige Kleider? (Vielleicht auch etwas zum Wechseln?) Haben Sie ein Heim, das Sie vor dem Wetter schützt? Haben Sie ein zuverlässiges Transportmittel? (Das kann auch ein Fahrrad sein.) – Wenn Du viermal mit ja antworten kannst, gehörst du zu den 15% der reichsten Menschen auf der Erde. 85% der Weltbevölkerung müssen einmal oder öfter mit nein antworten.

Laut einer Veröffentlichung der Vereinten Nationen litten 2017 rund 821 Millionen Menschen weltweit an Hunger. Das ist etwa jeder neunte Mensch. Wenn wir uns also vergleichen wollen, dann gehören wir eindeutig zu den Reichen! Soweit es uns betrifft, muss die Frage eher lauten, ob wir uns für reich genug halten, oder ob wir noch mehr haben wollen.

Wir haben vorhin jemanden gehört, der in der Schuldnerberatung tätig ist. Ich habe mich damit, was Menschen in Deutschland in die Privatinsolvenz bringen kann, nicht beschäftigt. Ich bin kein Fachmann und habe mich auch nicht über die Ursachen schlau gemacht. In Deutschland haben 2018 89.000 Menschen privat „pleite gemacht“. Es gab keine Chance mehr, dass sie ihre Schulden hätten abzahlen können. Vor 17 Jahren 2001 waren es 13.200 private Insolvenzen. Die Zahl hat sich versechsfacht. Und die Jahre vor 2018 waren es sogar über 90.000 Personen pro Jahr.

Vielleicht waren es Häuser, für die ein Kredit aufgenommen wurde. Vielleicht Reisen, Autos, andere kostspielige Anschaffungen, die man mit Ratenverträgen oder Krediten erworben hat. Ich stelle mir das sehr schlimm vor. Sich so verkalkuliert zu haben. Hilfe zu brauchen. Auf die Gnade seiner Schuldner angewiesen zu sein. Vielleicht auch Freunde oder der eigenen Familie gegenüber eingestehen zu müssen, dass man über seine Verhältnisse gelebt hat.

Paulus schreibt seinem Mitarbeiter Timotheus (1. Tim. 6, 10): "Die Liebe zum Geld ist die Wurzel allen möglichen Übels; so sind manche Menschen aus Geldgier vom Glauben abgewichen und haben sich selbst viele Schmerzen zugefügt". Muss man das wörtlich nehmen? Hat Paulus das genau so gemeint, wie er es geschrieben hat? „Die Liebe zum Geld ist die Wurzel allen Übels.“ Kriege, Kämpfe, Streitereien, Erbstreit, Ehestreit, Hunger der einen in einer reichen Welt. Wie stark kann man hinter allem die Liebe zum Geld, mehr haben zu wollen, Macht haben zu wollen, als Ursache vermuten? – Und Paulus schreibt, dass viele vom Glauben abgekommen sind, weil sie mehr haben wollten und ihr Leben darein investiert haben. Christen sind von dieser Liebe zum Geld nicht ausgenommen.

Wie sollen Christen mit Geld und ihrem Hab und Gut umgehen? Jesus redet nicht pauschal gegen jeden Besitz und Reichtum. Jesus freut sich mit uns, wenn wir uns Schönes leisten und genießen können. Glaube ich. Auch gegen eine angemessene Vorsorge hat Jesus nichts. Aber man kann süchtig sein nach immer mehr. Man kann sein Glück und seinen Wert davon abhängig machen, dass unter den 15% der Reichsten auf der Welt auch noch zu den Besserverdienenden gehören will.

Christen sind Besitzer aber nicht Eigentümer ihrer Güter. Der Eigentümer ist der, dem etwas gehört. Der Besitzer ist der, der darüber verfügt, der es nutzt. Wenn ich mein Auto verleihe, bleibe ich der Eigentümer, aber der Besitzer ist der, der es fahren darf. Ich glaube, alles, was wir haben, gehört Gott. Er ist bleibt der Eigentümer. Er lädt uns ein zu leben. Jeden Tag lädt er uns ein in seine Schöpfung und in unser Leben mit allem, was wir haben. Er ist der Eigentümer. Wir sind die Verwalter. Was wir haben soll uns dienen. Wir sollen uns daran freuen. Aber es soll uns nicht besitzen. Im Sinne Jesu sollen wir was wir haben verwalten.

Zuletzt noch einmal Paulus. Den Christen in Jerusalem ging es schlecht. Die Christen sind aus dem sozialen Netz herausgefallen. Eine Dürreperiode kam noch oben drauf. Paulus schreibt den Christen in Korinth, dass sie für ihre Schwestern und Brüder in Jerusalem Geld sammeln sollen. Ich lese aus 2. Korinther 9 (Verse 7+8):

„Jeder soll für sich entscheiden, wie viel er geben möchte und den Betrag dann ohne Bedauern und Jammern geben. Gott liebt den, der fröhlich gibt. Er hat die Macht euch mit all seiner Gnade zu überschütten, damit ihr in jeder Hinsicht und zu aller Zeit alles habt, was ihr zum Leben braucht.“

Jeder soll frei entscheiden, was er gibt. Viele Christen haben aus dem Alten Testament den Zehnten übernommen. Wie das Studentenpaar, von dem ich erzählt habe. Das ist kein Gesetz. Das ist Gebot aus dem alten Bund. Mir zeigt das Gebot aber immer noch – und das was Jesus gefordert hat, dass regelmäßiges Teilen zu unserer Beziehung zu Gott dazu gehört. Und der Zehnte kann immer noch ein Maßstab sein.

Jeder soll es selber prüfen und entscheiden, was er gibt. Jede Entscheidung zu spenden, ist eine „Wertschätzung“. Was ist es dir Wert, Menschen zu unterstützen, die durch einen Hurrikane alles verloren haben? Was ist es dir Wert, dass Kinder auf den Philippinen Medikamente bekommen? Was ist es dir Wert, dass deine Gemeinde gut arbeiten und andere unterstützen kann? Was darf dich dein nächster Urlaub kosten? Alles eine Frage der Wertschätzung.

Gott macht keine Preisschilder. Afrikaunterstützung 100 EURO im Monat oder so etwas. Gott schreibt keine Preisschilder, aber er will, dass wir prüfen, was wir geben können.

In den meisten Kirchen der Welt gibt es einen Anbetungsteil im Gottesdienst. Da zeigen Menschen Gott ihr Herz. Es dauert 5 bis 10 Minuten. Dieser Anbetungsteil wird Kollekte genannt. Da kann man Gott ein Trinkgeld geben. Man kann auf zwei Euro aufrunden. Man kann andere fragen: „Was ist denn hier so üblich als Trinkgeld?“ Oder man sieht den eigenen Umgang mit dem, was Gott uns anvertraut hat, als einen Teil der Anbetung an und prüft, was man geben kann.

Amen

 
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