3 Mose 19, 16-18 Den Nächsten lieben und offen reden

Andacht Jahresmitgliederversammlung
EFG KS-Möncheberg 8.3.2020
Norbert Giebel

3. Mose 19, 16-18      Den Nächsten lieben und offen reden

Ihr Lieben,
ich habe gerungen, was ich euch in der Andacht zur Jahresgemeindestunde sagen soll. Ich habe mich für die Tageslosung und den Zusammenhang dort entschieden. Die Tageslosung finden wir 3. Mose 19, 17:

Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst.

Dass ist ein Satz aus dem großen Heiligkeitsgesetz von Mose aus 3. Mose 19. Das Kapitel beginnt mit den Sätzen:

1 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 2 Rede mit der ganzen Gemeinde der Israeliten und sprich zu ihnen: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott.

Wie sieht ein heiliges Leben aus? Erstens: Gottes Volk soll sich in seinem Lebensstil von der Welt, von anderen Menschen, unterscheiden. Gottes Menschen sollen als solche erkennbar sein. Das geht bis dahin, dass die Männer sich den Kopf und den Bart nicht kahlschneiden sollen. Erstens also: Gottes heiliges Volk hält sich an seine Gebote.

Der zweite Schwerpunkt spielt für uns heute eine größere Rolle, da viele der Gebote für uns ja nicht mehr gelten. Christliche Männer dürfen sich Kopf und Kinn rasieren. Das Gesetz gilt nicht mehr für sie. Beim zweiten Schwerpunkt geht es um die Nächstenliebe. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Diese Grundforderung steht im Heiligkeitsgesetz. Jesus hat es das Höchste Gebot genannt, Gott lieben und seinen Nächsten wie sich selbst.

Wie sieht diese Liebe aus? Was bedeutet Nächstenliebe in 3. Mose 19?
Z.B.: Wenn man sein Land aberntet, dass man etwas für die Armen liegen lässt. „Dem Armen und Fremdling sollst du es lassen; ich bin der HERR, euer Gott“ (V10). Scheinbar alltägliche, gar nicht so große Handlungen werden mit der Heiligkeit Gottes begründet. Du sollst nicht lügen, nicht betrügen, niemanden übers Ohr hauen, wenn du Geschäfte machst, der Tagelöhner soll sofort nach der Arbeit seinen Lohn bekommen! Er ist darauf angewiesen. Ich bin der Herr dein Gott!

Du sollst dem Schwachen geben, was er zum Leben braucht. „Du sollst Tauben nicht fluchen und sollst vor den Blinden kein Hindernis legen, denn du sollst dich vor deinem Gott fürchten; ich bin der HERR.“ (V14) Du sollst gerecht handeln im Gericht, weder den Geringen noch den Einflussreichen begünstigen. (vgl. V15) Nächstenliebe ist etwas sehr Sichtbares, Aktives.

So langsam aber nähern wir uns unserer Tageslosung in V17. Ich lese sie im Zusammenhang:

16 Du sollst nicht als Verleumder umhergehen unter deinem Volk. Du sollst auch nicht auftreten gegen deines Nächsten Leben; ich bin der HERR. 17 Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst. 18 Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.

Sind das Worte für unsere Gemeinde? Ich glaube ja, weil wir auch Menschen sind und weil wir auch Sünder sind. „Geh nicht umher und erzähle schlimme Geschichten über deinen Nächsten.“ Der Nächste ist hier bei Mose mit dem Bruder gleichzusetzen. Beide Worte werden austauschbar verwendet. „Pass auf, dass du kein Feuer hinter dem Rücken anderer Menschen anzündest.“ Gott ist der Herr! Du lebst nicht heilig, nicht Gott entsprechend, wenn du umhergehst und schlecht über andere redest.

Seinen Zorn aufbewahren, seinen Ärger zu pflegen, das passt nicht zu unserem Umgang im Volk Gottes. Du sollst nicht „Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.“     Das ist ein Vers. Das hängt ganz eng zusammen. Direkt davor unsere Tageslosung:

„Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst.“

Keiner von uns würde sagen, dass er einen anderen Menschen hasst. Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament aber ist das Wort hassen nicht so absolut, böse und bitter gemeint wie das deutsche Wort. Hassen im Herzen bedeutet, den anderen abschreiben, seinen Groll immer weiter ausbauen, den anderen meiden, eben doch schlecht über ihn reden, seinen Ruf schädigen, unehrlich werden, etwas vorspielen, heimlich gegen ihn handeln.

Interessant, was das Heiligkeitsgesetz hier fordert: „Du sollst deinen Bruder oder deinen Nächsten nicht hassen, du sollst ihn zurechtweisen!“ Damit ist nicht gemeint, dass man von oben her kommt und seinen Nächsten mal so richtig die Meinung sagt. Sondern, dass man ehrlich mit ihm redet. Nicht über ihn. Nicht gegen ihn. Zuhörend. Achtungsvoll. Und zwar um erstens: In der Liebe zu ihm zu bleiben, und zweitens: um nicht schuldig zu werden an ihm und an Gott.

Es ist nicht gut, Kritik, Enttäuschung, Groll in sich zu haben und gegen seinen Bruder oder Schwester oder Nächsten etwas aufzubauen. „... damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst.“      endet die Tageslosung.

Vielleicht sitzen hier viele, die nicht schlecht über andere reden und die gegen niemanden Groll hegen. Dann habt ihr nichts zu tun mit diesem heiligen Gebot Gottes. Mich selber hat die Tageslosung angesprochen. Getroffen. Ich habe auch schlecht über andere geredet. Ich habe offene Gespräche gescheut. Es ist so viel einfacher, nicht mit den Betreffenden zu reden, ihre Sicht, ihre Argumente, ihre Entschuldigungen nicht zu hören. Das tut mir leid. Davon will ich mich bekehren.

Was hat uns das für unsere Gemeindearbeit zu sagen?

  1. Gott fordert, dass wir seinen Willen ernst nehmen!
  2. Nächstenliebe zeigt sich in Taten.
  3. Wir reden nicht schlecht über andere.
  4. Wir äußern unsere Kritik, wir sagen, was wir nicht richtig finden,
    und wir bauen keinen Groll gegen irgendeinen anderen Menschen auf.

Denn: Gott ist heilig!
Amen

 
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