Psalm 96 Kantate

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
(per Video wegen Corona) Norbert Giebel, 3.5.2020

Psalm 96          Kantate: Singt dem Herrn!

Vor gar nicht so langer Zeit habe ich Freunde besucht. Eine Familie mit zwei Kindern. Lotte und Lini. Fünf und noch zwei Jahr alt. Wir saßen mit Abstand an einem großen Tisch. Lotte und Lini kamen herein, um uns etwas vorzusingen. Das Lied haben sie aus dem Video bei „Kids am Sonntag“ gelernt.                                                                   

Das Lied hat mehrere Strophen etwa folgenden Inhalts: „Weil du, Jesus, für mich geboren bist, will ich nie wieder von dir weg, weg, weg.“ „Weil du, Jesus, für mich gestorben bist, will ich nie wieder von dir weg, weg weg.“ „Weil du immer bei mir bist, will ich nie wieder von dir weg, weg, weg.“ Zu jeder Strophe machten die beiden Bewegungen mit Händen und Körper und die kleine Lini begleitete das Ganze auf einem Eierschneider, der als Gitarre diente. Natürlich wurde nicht jeder Ton getroffen und es gab auch mal eine Textunsicherheit. Aber Mutter Daggi nahm sofort das Handy und filmte. Den Eltern hat es gefallen, obwohl nicht jeder Ton getroffen wurde. Da kam Freude rüber! Und mindestens Lotte weiß auch schon, was sie da singt. Das war ein Bekenntnislied. Ein Zeugnis. Uns wurde erzählt von den großen Taten Gottes.

Gott kommt es auch nicht auf den richtigen Ton an, wenn wir ihm singen. Gott sieht unser Herz an. Gott hört tiefer als die Worte, die wir singen, und die Töne, die wir treffen. Er sieht unser Herz. Er sieht unsere Seele. Er sieht, wie wir es meinen. Lotte und Lini haben sich voll Mühe gegeben, es perfekt zu machen. Wenn wir für Gott etwas tun, geben wir uns auch voll Mühe, es richtig gut zu machen. Das ist ja klar. Das Entscheidende aber ist nicht unser Mund, den wir öffnen, sondern unser Herz, das wir ihm öffnen, wenn wir singen. Das unser Herz seinem Herzen begegnet, das ich das Wunder, wenn wir dem Herrn singen.

Ich lese uns den Predigttext vor. Ein Text, der gesungen wurde. Ein Lied. Ich lese Psalm 96

Singet dem HERRN ein neues Lied; singet dem HERRN alle Welt!
Singet dem HERRN und lobet seinen Namen; verkündiget von Tag zu Tage sein Heil!
Erzählt unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern seine Wunder!
Denn der HERR ist groß und hoch zu loben, wunderbar über alle Götter.

Denn alle Götter der Völker sind Götzen; aber der HERR hat den Himmel gemacht.
Hoheit und Pracht sind vor ihm, Macht und Herrlichkeit in seinem Heiligtum.
Ihr Völker, bringet her dem HERRN, bringt her dem HERRN Ehre und Macht!
Bringet her dem HERRN die Ehre seines Namens; bringet Geschenke und kommt in seine Vorhöfe! Betet an den HERRN in heiligem Schmuck; es fürchte ihn alle Welt!

Sagt unter den Heiden: Der HERR ist König!
Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt. Er richtet die Völker recht.
Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist;
das Feld sei fröhlich und alles was darauf ist; es sollen jauchzen alle Bäume im Walde

vor dem HERRN; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit.

Heute ist Sonntag Kantate. Das heißt „singt“ übersetzt. Lasst uns singen. Drei Mal fordert David uns gleich am Anfang von Psalm 96 zum Singen auf: Singet dem HERRN ein neues Lied;
singet dem HERRN alle Welt! Singet dem HERRN und lobet seinen Namen.

Psalm 96 finden wir auch in dem Buch 1. Chronik in der Bibel. David hatte die Bundeslade nach Jerusalem gebracht. Einen großen schweren Kasten, den mehrere Männer tragen mussten. Mit der Bundeslade wurde in besonderer Weise Gottes Gegenwart verbunden. Über dieser Lade wachen die Engel. Sie ist der Fußschemel des allmächtigen Gottes. Hier wird sein Name angerufen. Das Zeichen der Gegenwart Gottes zieht in Jerusalem ein. David tanzt vor Freude vor der Lade. Und David denkt und singt in diesem Moment weit über Israel hinaus. Diese Gegenwart Gottes werden einmal alle Völker erkennen. Menschen aus allen Ländern, Völkern und Kulturen der Erde. Die Lade kommt doch nur nach Jerusalem. David aber ruft alle Völker auf, jetzt den einen Gott zu erkennen und anzubeten.

Im Neuen Testament wird die Lade als ein Hinweis, ein Vorbild auf Jesus hin gedeutet (Röm 3,23; 1. Joh 2,2) In Jesus Christus wohnt Gott. Da finden wir ihn. Da wird sein Name geheiligt. Jesus ist der Garant der Gegenwart Gottes, heute!

  1. Warum sollen wir dem Herrn singen?

Singt dem Herrn? Warum sollen wir für oder vor Gott singen? Das gehört zum jüdischen Glauben und von Anfang an auch zum christlichen Glauben, in Liedern zu beten, sich in Liedern Gott zuzuwenden. 150 Psalmen, Lieder, Gebete zu verschiedenen Gelegenheiten finden wir im Altentestament. Auch im Neuen Testament finden  sich ganz frühe Bekenntnislieder. Wer zu diesem Gott gehört, der singt.

Beim Singen wird unsere Seele mitgenommen. Da loben wir nicht nur mit dem Verstand. Da werden Gefühle ausgedrückt. Wenn es uns gut geht, helfen Lieder uns Gott zu danken. Wenn wir unserem Vater im Himmel unsere Liebe sagen wollen, geben Lieder uns die Worte. Wenn wir traurig sind, einsam sind, Hunger und Durst haben, helfen Lieder uns, unsere Sehnsucht nach „grünen Auen“ und „frischem Wasser“ auszudrücken. Lieder sind Bekenntnisse, auch uns selbst, wenn wir singen. Sie erinnern uns daran, wer uns hält. Wer ich vor Gott bin. Sie sind wie Kletterhaken, die man in den Felsen schlägt, die Halt geben, wo man sein Lebenstau fest machen kann.

  1. In der Regel singen wir gemeinsam

Es ist nicht klar, ob es damals schon üblich war, alleine zu singen. Vermutlich nicht. Auch David fordert in Plural auf: Singt. Erzählt. Bringt dar. Betet an. Beim gemeinsamen Singen ermutigen und verkündigen wir uns gegenseitig. Und selbst, wer nicht mitsingen kann, wird durch die anderen aufgestellt, aufgerichtet, aufgerichtet auf Gott hin. Wir singen von der Hoffnung gegen alle Verzweiflung. Wir singen vom Himmel mitten auf der Erde. Wir singen von der Freude in allem Kleinlein des Alltags. Wir singen es jeder für sich und wir singen es uns gegenseitig zu.

Man singt nicht gegeneinander. Wenn man diskutiert, eine Antwort sucht, um eine bestimmte Erkenntnis ringt, dann redet man vielleicht auch mal gegeneinander. Aber man singt nicht gegeneinander, sondern miteinander. Es singt auch nicht jeder sein eigenes Lied. Eher stimmt man ein in einen weltweiten Chor, den David schon gesehen hat, mit Sängern aus den verschiedensten Erdteilen und Kulturen. Man singt mit den Engeln mit, die ohne Aufhören Gott loben und das Lamm auf dem Thron, das ist Christus, der für uns gestorben ist.

Beim Singen hat man eine ganz besondere Gott entsprechende Gemeinschaft: Jede einzelne Stimme bleibt erhalten. Jeder singt seine Stimme. Und doch wird es ein gemeinsames Neues. Ein Miteinander, das keiner alleine herstellen kann. Die eigene Stimme wird ergänzt, verstärkt durch andere Stimmen.

Musik verstärkt die Gefühle. Holt sie hervor. Manch einer hat schon bei einem Lied angefangen zu weinen. Plötzlich kommt heraus, was in ihm ist. An Freude, Sehnsucht oder Leid. Die Gefühle finden ihren Weg zu Gott. Ein anderer hat sich vor Gott erschrocken, weil er etwas singt, was er nicht lebt. „Ich will erzählen von allen deinen Wundern!“ „Gelobt sei dein Name unter den Heiden.“ Aber ich erzähle niemandem davon. Ich singe nicht die Wahrheit. Ich habe lange niemandem mehr erzählt, wer Jesus für mich ist, was ich mit ihm erlebe.

Das Höchste meines Lebens ist dich lieben, Herr!“ und vielleicht merke ich beim Singen, wie viel anderes mir viel zu wichtig geworden ist, wo ich meine Zeit, meine Kraft, mein Geld lasse. Ich decke mit meinem Leben nicht ab, was ich da singe. Ich selbst werde aufgedeckt. Dann wird ein Gebet daraus. Ein Stoßgebet. Ein Blick in die Augen Jesu. Und dann singe die Zeilen bewusster mit, als Wunsch, als Gebet, als Vorsatz.

  1. Wir singen neue Lieder

Ich habe in den letzten Wochen einige Choräle wieder entdeckt. An manchen Tagen jetzt in der Kontaktsperre habe ich in der Martinskirche gesessen. Sie ist jeden Tag geöffnet. Da konnte ich still werden. Beten. Auch weinen. Meistens war ich alleine da. Und ich habe im Gesangbuch gelesen und auch mal gesungen: „Stern, auf den ich schaue, Fels auf dem ich steh, Führer dem ich traue, Stab an dem ich geh!“

Ob Gott das mag, diese alten Choräle? David fordert auf „Singt dem Herrn ein neues Lied!“ Sind es nicht gerade auch alte Lieder, mit denen wir eine Geschichte haben, die uns besonders helfen, dass unser Herz Gottes Herz begegnet? Neu heißt nicht, dass wir keine Lieder singen dürfen, die älter als 10 Jahre sind. Man kann auch ganz neue Lieder alt singen. Mit einer alten Einstellung. Ohne die Freude und die Freiheit, die Gott uns in Jesus geschenkt hat. Ohne Herz oder nur mit einem alten nicht erneuerten Herzen.

Neue Lieder können ganz alte Lieder sein, aber ich singe sie neu, aktuell, aus meinem Leben heute heraus, in mein Leben neu hinein. Neu kann auch bedeuten, dass wir nicht nur die früheren Heilstaten Gottes loben, sondern ihn loben für das, was er heute tut. Wir loben Gott nicht nur, dass er die Welt geschaffen hat, wir loben ihn für die Knospen, für die Blüten, für die Früchte, die er heute schenkt. Wir loben Jesus nicht nur für sein Heilswerk am Kreuz, sondern dafür, wie wir heute seine Gnade erleben. Wir loben ihn nicht nur für seien Auferstehung, sondern für seine Auferstehungskraft heute, für die kleinen Siege, die wir jeden Tag erleben.

Das „neue Lied“, zu dem wir aufgefordert werden, es zu singen, es zeugt von einem neuen Leben, von einem neuen Geist, von frischer Liebe und Hingabe an Christus.

Erstens: Wir singen dem Herrn, weil wir beim Singen eher als ganze Menschen mit all unserem Inneren vor Gott kommen. Zweitens: Wir singen gemeinsam, weil wir eins sind in Christus, mit allen Menschen und Engeln, die ihm gehören und vertrauen. Drittens: Wir singen neue Lieder, ehrlich, aktuell, von dem, was wir heute mit Gott erleben.

Viertens:
Wir singen, weil wir den Völkern von Gott erzählen.

Erzählt unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern seine Wunder!
Denn der HERR ist groß und hoch zu loben, wunderbar über alle Götter.                        

Psalm 96 ist ein Missionspsalm. Das Bekenntnis des Glaubens vor Heiden, vor Menschen, die Gott nicht kennen, ist sein Anliegen. Einerseits wäre eine missionarische Musikarbeit eine Konsequenz. Da sind wir auf einem sehr guten Weg. Man könnte auch in Altenheime gehen, auf der Straße singen, Konzerte anbieten. WENN die Musik ansprechend ist! Wenn sie Qualität hat! Gerade bei Musik, die Menschen erreichen will, kommt es nicht nur auf den Text an! Da müssen Gefühle angesprochen werden. Niemand kommt in ein Konzert, um die Texte zu hören. Die Musik muss ihm gefallen.

Unter den Heiden sollen wir von Gottes Herrlichkeit erzählen. Ich denke mal, fast 100% derer, die sonst in unsere Gottesdienste hier in der Mönchebergstraße in Kassel kommen, glauben an Jesus, leben mit ihm, wollen ihm hier begegnen. Man könnte sagen, unsere Gottesdienste hier sind Chor-Übstunden. Hier tanken wir auf für unseren Glauben. Hier werden wir ermutigt. Aber wenn unsere Lieder nur unter uns blieben, wenn sie nicht auch zu unserem Bekenntnis im Alltag führen, dann sind es nicht viel mehr als eine Art Badewannenlieder: Schön gesungen, im abgeschlossenen Raum, wo es herrlich hallt,   ungestört und unbemerkt von der Außenwelt.

Unser Lob will unser Glaubenszeugnis stärken. Dass wir erzählen, wer der eine Gott ist, was Jesus für uns getan hat. Wenn du für mich geboren bist, dann will ich nie wieder weg, weg, weg von dir. Wenn du für mich gestorben bist, dann will ich nie wieder weg, weg, weg von dir. Wenn du auferstanden bist, wenn du lebst, wenn du Menschen die Ewigkeit schenken willst, dann will ich weg von hier und Menschen davon erzählen, die dich nicht kennen.

Eine Ergänzung wie wir von Gott reden, bietet der Psalm noch: Wir sollen von seiner Herrlichkeit erzählen. Von seiner Schönheit. Von all dem Guten, was von ihm ausgeht. Gott ist auch der Richter. Das verschweigt der Psalm nicht. Aber erzählen sollen wir, wie gut er ist.

Wir singen, weil unsere Gefühle dabei zu Wort kommen.
Wir singen gemeinsam, weil wir ein sind mit Gottes sichtbarer und unsichtbarer Gemeinde.
Wir singen mit neuen Herzen.
Und wir singen, damit Menschen erkennen wie wunderbar unser Herr ist.

Amen.

Profitiert habe ich für diese Predigt von Sigrun Teßmer Wort zum Tag vom 06.11.2018 über Psalm 92,5 beim ERF sowie einer Predigt von Ann Schreiter zu Psalm 96vom 20.04.2008 www.weinberggemeinde.de.