1. Kor 3, 9-17 Die Bauleute sollen ihr Bestes geben.

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
Pastor Norbert Giebel, 30.08.2020

1. Korinther 3, 9-17    
Die Bauleute sollen ihr Bestes geben

Ihr Lieben,

heute geht es um Gemeindeaufbau und um unsere hohe Verantwortung dabei. Gott will, dass wir unser Bestes geben, um sein Reich mit aufzubauen. Wir wollen den Gemeindeaufbau mit einem Hausbau vergleichen. Häuser werden nie fertig. Wer ein Haus besitzt, muss ständig ein waches Auge haben. Da muss immer wieder etwas instandgesetzt oder renoviert werden.

Große Häuser werden erst recht nie fertig. Darum gibt es Bauausschüsse. Das schafft keiner alleine. Einer sieht nicht alles und schon gar nicht kann eine oder einer alles alleine tun. Hier zieht es durch ein Fenster, da bröckelt Putz von der Wand, der Schornstein hat Risse, eine Sicherung fliegt ständig wieder heraus. Da braucht man ein Team, einen Bauausschuss, mit verschiedenen Gaben und Gewerken, wo alle mitdenken und mit entscheiden.

Paulus vergleicht den Gemeindeaufbau mit einem Hausbau.
Ich lese aus dem 1. Korintherbrief 3, 9-17: (Luther 2017)

9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. 10 Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.
11 Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. 12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh,13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.
14 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. 15 Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.
16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? 17 Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.

Das ist ein Text, den muss ich zuerst einmal für mich lesen und hören. Das ist wohl bei jedem Bibeltext so, dass man ihn zuerst für sich hören soll. Dieser aber ist zuerst an leitende Verantwortliche der Gemeinde gerichtet. Das bin ich auch. In einem Team. Das sind Aussagen von Paulus, die zuerst einmal die Gemeindeleitung für sich hören sollte. Sie sind sozusagen der Bauausschuss, der verantwortlich ist, wie Gemeinde gebaut wird.

Paulus schreibt, „wir“ haben den Grund gelegt. Damit meint er sein Team, seine Mitarbeiter. Paulus war kein Einzelkämpfer. Auch er wurde ergänzt, hat Aufgaben und Verantwortungen abgegeben. Wir haben den Grund gelegt, Jesus Christus. Ihr seid jetzt dran darauf aufzubauen. Und da hat er zunächst einmal verantwortliche Männer und Frauen der Gemeinde vor Augen.

Am Ende aber, das werden wir sehen, sind alle Christen gefragt, wie sie ihr Leben aufbauen, wer der Bauherr in ihrem Leben ist, und was sie für Baumaterialien genommen haben. Ob sie Stroh gedroschen haben oder Gold und Silber, Edelsteine in Gottes Haus gesetzt haben.

Da Fundament ist gelegt: Jesus Christus. Und dieses Fundament hält jedes Erdbeben aus.
Es wackelt nie. Es reißt nicht. Es ist nachhaltig. Es wärt ewig. Auf dieses Fundament kann man sich immer verlassen. Aus Gnade sind wir gerettet. Gott hat uns die Gotteskindschaft geschenkt. Die Freude an Jesus Christus, die feste Hoffnung auf ihn, seinen Frieden mit uns kann uns nie nie jemand nehmen. Paulus‘ Thema aber ist jetzt: Was bauen wir darauf auf? Wie sieht eine Gemeinde aus, wie sieht ein Leben aus, wie sieht unsere Gemeinde aus, wenn sie auf diesem Fundament gebaut ist?

Der Bauherr entscheidet, was da für ein Haus gebaut werden soll. Gottes Haus ist kein Wohnhaus. Es ist ein Funktionsbau. Da wohnen auch Menschen drin. Sie finden Heimat. Aber Gottes Haus, die Gemeinde Jesu, sie ist für etwas da in dieser Welt. Sie soll ein Zeichen sein für Gottes Herrschaft. Es gibt ganz verschiedene Funktionsgebäude. Ein Krankenhaus wird anders gebaut als ein Kaufhaus oder eine Autowerkstatt. Wenn in einem Krankenhaus keine Kranken gepflegt werden können oder wenn in einer Autowerkstatt keine Autos repariert werden könnten, dann ist da etwas völlig schief gelaufen.

Wir dürfen Gottes Haus nicht zu unserem Wohnzimmer machen. Hier sollen Menschen Jesus kennenlernen. Hier soll Jesus der Herr sein, der angebetet wird, der Herr, in dem Menschen immer tiefer wurzeln. Hier sollen Menschen sich gegenseitig tragen, füreinander da sein. Dazu muss man sich kennen. Und diese Liebe soll aus diesem Haus herausausstrahlen. Es soll Salz und Licht in seiner Umwelt sein. Die Menschen, die hier wohnen, gehen hinaus und dienen anderen Menschen. Der Hunger und die Not dieser Welt. Lässt sie nicht kalt.

In der Literatur zum Gemeindeaufbau unterscheidet man klassischerweise vier Lebensmerkmale der Gemeinde Jesu: 1. Anbetung oder gelebte Spiritualität, 2. Gemeinschaft, 3. Diakonie und 4. Evangelisation. Zu diesem Zweck, auf diese Ziele hin soll das Haus Gottes gebaut und immer wieder instandgesetzt werden.

Alleine kann man das nicht, den Bauplan Gottes im Blick haben. Dazu braucht es jede Hand. Jeden Kopf. Alle Gaben. Der eine gießt Beton, der andere streicht oder sucht neue Bilder aus, die eine singt, die andere spielt Gitarre. Bohren, Schleifen, Kabel verlegen, Kuchenbacken, Tränen trocknen, Wunden verbinden, Glauben stärken. Alles ist nötig.

Wir sind Gottes Mitarbeiter, schreibt Paulus. Synergoi steht da im Griechischen. Das Wort Synergie kommt daher. Wenn Menschen mit Gottes Geist miteinander arbeiten, dann entstehen Synergien. Gemeinsam schaffen sie viel mehr und etwas völlig anderes, als würde jeder für sich selber arbeiten oder nur eine das Haus bauen. Gemeinde leiten ist Menschen leiten. Ein lebendiges, dynamisches Miteinander von Menschen weiter entwickeln. Zu den Zielen Gottes hin.

Wir planen einen Umbau in unserem Gemeindehaus. Da gibt es einen richtigen Bauausschuss. Menschen überlegen, was zu tun ist und wie sie es tun wollen. Aber wenn selbst wenn unser Haus hier in der Mönchebergstraße zusammenfiele oder abrennen würde: Die Gemeinde würde weiter bestehen. Die Gemeinde, das sind Menschen, die Jesus gehören und die Gott zusammengestellt hat.

Gemeinde leiten bedeutet, Menschen sehen, fördern, ermutigen, trösten. Das ist in dieser Coronazeit gar nicht so einfach. Gott sei Dank haben wir einige, die immer wieder andere anrufen. Und wir haben eine Schwester in der Gemeindeleitung, die jeden Tag etwas in unsere große WhatsApp-Gruppe schickt, zum Geburtstag gratuliert, sich bei Mitarbeitern bedankt, zu einigen Kranken Informationen weitergibt. Da sieht jemand die Menschen und nutzt die Möglichkeiten unserer Zeit dazu, sie zu grüßen und zu ermutigen. Großartig!

Gemeinde aufzubauen, Gottes Zweckbau weiter zu entwickeln, das er den Anforderungen unserer Zeit gerecht wird, das ist eine heilige Aufgabe. Wir sind Gottes Mitarbeiter. Wir wirken mit. Und wie wir auf dem Fundament aufbauen, das Christus ist, ist absolut nicht unwichtig. Paulus schreibt:
            16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?      17 Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der   Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.

Das Fundament ist das Eine. Wie wir darauf aufbauen ist das andere.

12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, 13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts  wird es ans Licht bringen;  denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer zeigen. 14 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. 15 Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.

Am Ende wird es ein Richt-fest geben. Da wird alles angesehen und evaluiert. Dann wird man sehen, dass „nicht alles Gold ist, was glänzt“. Da wird sich zeigen, was hält, was Bestand hat, und was Baufusch gewesen ist: Nicht zu Ende gedacht. Nur oberflächlich ausgebessert. Wo feuchte Wände einfach nur übergestrichen wurden, damit die Optik wieder stimmt: Verletzte Seelen, Mitarbeiter, die Hilfe gebraucht hätten, Menschen, die Fragen nach Jesus hatten, einfach nur übergestrichen wurden.

Gott will, dass seine Bauleute ihr Bestes geben. Bill Hybels, Pastor der Willow-Creek-Church in Chicago, hat 1996 auf der Bundeskonferenz unserer Gemeinden von deutschen Autos geschwärmt. Deutsche Autos hätten einen enorm guten Ruf in Amerika. Sehr gut verarbeitet, beste Materialien, hohe Nützlichkeit, schnelle, robuste Motoren, geringer Spritverbrauch, immer wieder neue Innovationen. „Im Autobauen seid ihr Weltmeister!“ sagte Bill Hybels.
„Made in Germany“ ist ein echtes Gütesiegel in Sachen PKW. „Gut ist
nicht gut genug!“ wenn es um deutsche Autos geht. „Was würde in Deutschland passieren,“ fragt Bill Hybels, „wenn man so ernsthaft, innovativ und liebevoll Gemeinden baute wie man hier Autos baut?“

Alle Menschen kommen einmal ins Gericht, jede und jeder von uns. Im 2. Korintherbrief Kapitel 5 Vers 10 schreibt Paulus es den Christen dort noch einmal:
         
Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeder           empfange nach dem, was er getan hat im Leib, es sei gut oder böse.“ (2. Kor 5,10)

Hier geht es um das sogenannte Lohngericht oder das Gericht der Werke. Das Fundament ist klar: Wer mit Jesus gelebt hat, wer ihm in seinem Leben vertraut hat, der ist gerettet. Der kommt nicht mehr in die Verurteilung. Aber was sie oder er getan hat und wie sie oder er es getan hat, das wird noch einmal besehen. Was hat sie oder er für ein Material eingesetzt, als er auf dem Fundament aufgebaut hat? „Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu oder Stroh?“ Und dieser Moment vor Christus und vor der himmlischen Welt wird uns wehtun. „Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.“

Dieses Gericht der Taten ist ein reinigendes Feuer. Ungerechtigkeit, Halbherzigkeit, Bosheit und Faulheit kommen nicht mit in die Ewigkeit. Das Gericht der Taten bringt auch denen Gerechtigkeit, die unter uns leiden mussten, unter unserer Unbelehrbarkeit, unserem Stolz, unter unserer schlechten Rede über sie, unserer Sünde. Es gibt so viel Unrecht, Egoismus, Lieblosigkeit auch unter Christen. Es wäre nicht gerecht, wenn das nicht auch benannt würde, wenn es nie ans Licht käme.

Bei jedem und bei jeder von uns gibt es vermutlich fast alle Baumaterialien. Richtig Böses in meinem Leben, anderes, was ich wie Heu oder Stroh abgeliefert habe, und auch Gold und Silber. Das Gericht wird es zeigen. Was vor Christus Bestand hat, wird bleiben. Das wird unser Lohn sein.

Das Schlimmste ist wohl immer, Garnichts zu tun. Jesus erzählt einmal ein Gleichnis, eine Geschichte, von einem Mann, der seinen ganzen Schatz seinen Mitarbeitern hinterlässt. Sie sollen damit wuchern, sollen es einsetzten, weiter entwickeln. Alle bringen ein, was sie haben. Der eine hat mehr und bringt mehr ein. Der andere hat weniger und bringt weniger ein. Alle werden dafür gelobt. Nur einer hat seinen Schatz einfach vergraben. Er wollte nichts verlieren. Er wollte es erhalten. Er wollte nichts riskieren. Und Jesus sagt: der Mann wird heulen und zittern.

Das eigene Leben und die Gemeinde auf dem Fundament aufzubauen, dass gelebt ist, ist eine Heilige Aufgabe. Fehler werden wir alle machen. Wir sollen unser Bestes geben, aber Fehler werden wir alle machen. Jesus vergibt. Der ist voller Gnade. Aber dieses Leben ist kein Spiel. Wir sollen unser Bestes geben. Also ran, ihr Bauleute! Wir sind Gottes Mitarbeiter! Und vor der Baustelle, vor dem Haus Gottes steht ein großes Bauschild:

Hier baut der Vater und der Sohn
in der Kraft des Geistes Gottes
mit Menschen
das Haus Gottes.

Und der Vater haftet für seine Kinder!

Amen



Profitiert habe ich von der Predigt von Martina Janßen vom 7.9.2014 www.predigten.evangelisch.de

 
Zum Anfang