Ruth 1,16 Traupredigt

Bad Karlshafen –Bergruine Krukenberg – 22.8.2010

Traupredigt Anna S. und Benedict O.

         „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen;
            wo du bleibst, da bleibe ich auch.
            Dein Volk ist mein Volk,
            und dein Gott ist mein Gott.“
                        (Ruth 1,16)

Liebe Anna und Benedict,

heute ist ein schöner Tag! Nicht weil das Wetter gut ist, auch nicht weil ihr und wir Gäste uns heute schick gemacht haben, auch nicht weil so vieles liebevoll vorbereitet ist. Dies ist ein wundervoller Tag, weil ihr beide euch gefunden habt, weil Gott euch zusammengeführt hat. Heute sagt ihr euch eure Liebe zu, solange ihr lebt, wollt ihr euch lieben. Heute ist ein Fest der Liebe, darum ist es ein wundervoller Tag.

Ihr seid schon sieben Jahre zusammen. Manche Paare haben sich da schon wieder getrennt. Ich hatte nicht oft Kontakt zu euch in diesen sieben Jahren. Alle anderen hier können es wohl besser beurteilen als ich. Mein Eindruck aber ist, dass ihr einander gut tut. Jeder blüht auf, wird schöner, wird mehr sie oder er selbst, jeder wird stärker durch das, was die oder der andere ihr oder ihm schenkt. Ihr seid ein Paar auf Augenhöhe. Ihr respektiert und unterstützt einander. Ihr seid eins. Und dennoch ist jeder für sich fest. Ihr lasst einander frei. Dass das euch wichtig ist, habt ihr auch im Traugespräch gesagt. Gott sei Dank für euch beide. Und euch unseren herzlichen Glückwunsch.

Ihr habt euch einen interessanten Trauspruch ausgesucht. Er steht im Alten Testament in dem kleinen Buch Ruth: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“

Diesen Satz sagt eine Frau zu ihrer Schwiegermutter. Sehr außergewöhnlich. Rut ist Moabiterin, kommt aus dem Land Moab. Ihre Schwiegermutter Noomi ist eine Israelitin. Vor einem halben Leben war Noomi mit ihrem Mann Elimelech (das heißt: Gott ist König!) ausgewandert. In Israel haben Menschen gehungert, so sind sie als Gastarbeiter nach Moab gegangen. Ihre beiden Söhne haben Moabiterinnen geheiratet. Beide Ehen waren noch kinderlos. Dann starb der Mann von Noomi, dann ihre beiden Söhne. Eine große Tragik. Noomi hat das Schlimmste durchgemacht. Sie beschließt zurück nach Israel zu gehen, in ihre Heimatstadt Bethlehem.

Bis zur Grenze begleiten sie ihre beiden verwitweten Schiegertöchter. Orpa, die eine, verabschiedet sich mit einem Kuss. Sie bleibt in Moab. Rut aber entscheidet sich, bei Noomi zu bleiben, obwohl ihre Schiegermutter einen anderen Glauben hat und sie nicht weiß, was in Bethlehem auf sie zukommt.

„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“ Das ist ein Treuspruch. Ein freies und ganz großes Versprechen. Mit diesen Worten wird aus einer dramatischen Lebensgeschichte eine Liebesgeschichte. Deren Segen aus diesen Worten wirkt über Generationen hinweg weiter: Rut heiratet einen Israeliten. Der große König David wird der Urenkel von Ruth. David wiederum ist ein Urahne von Jesus Christus. So kommt es, dass diese Rut im Stammbaum Jesu steht. Eine Ausländerin. Eine Heidin. Eine Araberin. Eine starke Geschichte!

Ihr beide, Anna und Benedict, ihr habt ein starkes Bekenntnis, einen starken Treuspsruch als euren Trauspruch ausgesucht. „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“ Was hat dieses 3000 Jahre alte Wort für eine Kraft, was enthält es für Aussagen, wenn ihr es heute als Trauspruch aussucht?

Erstens: Es ist ein absolut freies Versprechen. Noomi wollte es Rut noch ausreden. Sie wollte sie schützen. Sie wollte nicht, dass sie dieses Risiko eingeht, in eine ungewisse Zukunft zu begleiten. Rut ist absolut fest und klar in ihrer Entscheidung. Sie weiß auch nicht, was die Zukunft noch alles bringt. Aber sie spricht ein absolut freies, entschiedenes Ja aus. Das tut ihr auch. Ich hoffe, dass euch auch niemand zwingt dazu. Und ihr wisst auch nicht, was auf euch alles zukommt. Bleibt ihr gesund? Bekommt ihr Kinder? Wird beruflich alles gut gehen? Ihr seid nicht blind, aber ihr habt ein ganz festes Ja füreinander.

Zweitens: Auch das ja von Rut ist ein lebenslanges Ja. Sie bringt sie nicht nur nach Bethlehem. Sie sagt nicht, ich bleibe bei dir, solange du mich brauchst, solange es gut geht. Sie sagt: Ich gehe hin, wo du hingehst. Ich bleibe, wo du bleibst. Wenn du alt wirst, bin ich bei dir. Wenn du schwach bist, bin ich bei dir. Wenn du hungerst, hungere ich mit. Wenn du feierst, feire ich mit. Ich binde mich an dich und gehe nicht wieder weg. Wo du lebst, da lebe ich. Wo du stirbst, sterbe ich.

Drittens: „Dein Volk ist mein Volk. Dein Gott ist mein Gott.“ Ich lasse mich auf deine Herkunft ein. Ich will wissen, was dich geprägt hat. Ich will es achten. Es soll auch ein Teil meiner Geschichte werden. Deine Familie. Was du denkst. Was du glaubst. Ich will auch meine Herkunft nicht leugnen. Ich habe meine Geschichte, meine Herkunft. Aber jetzt wollen wir eine gemeinsame Geschichte haben. Wir gründen eine neue Dynastie, eine neue Einheit, mit dem, was uns geprägt hat.

Einen gemeinsamen Gott hattet ihr beide schon, bevor ihr euch kennengelernt habt. Anna ist in einer freievangelischen Familie groß geworden. Sie hat Baptistengemeinden kennengelernt. Hat selber da zu einem lebendigen Glauben gefunden. Benedict ist in einer evangelisch-landeskirchlichen Familie groß geworden, hat in seiner Familie und seiner Kirche den Glauben kennengelernt. Als Christen leben wir alle von der gleichen Gnade, egal zu welcher Kirche wir gehören. Katholisch, evangelisch, orthodox. Wir haben denselben Gott du denselben Herrn: Jesus, der der Christus, der Messias ist!

Du hast einmal gesagt, Benedict, ich hoffe, ich habe dich richtig verstanden, dass durch eure Beziehung Jesus noch einmal mehr, tiefer in dein Leben gekommen ist. Ihr habt denselben Gott. Das ist einmal die Beste Basis für eure Ehe. Ihr habt einen, auf den ihr beide hört. Ihr habt einen, der die Hoffnung für jeden von euch und für euch beide ist. Ihr habt einen, der euch hält, wenn schwere Tage kommen. Und, wenn das Leben so bleibt wie es ist, werdet auch ihr schwere Tage erleben.

„Dein Gott ist mein Gott!“ Das heißt auch: ihr müsst einander nicht Gott sein. Das ist eine Gefährdung der Liebe, wenn man von seiner Partnerin oder seinem Partner alles erwartet. Sie oder er soll alles ausgleichen, was mir fehlt. Sie oder er soll meinen ganzen Lebenshunger stillen. Sie oder er soll mein letzter Halt sein, wenn ich falle. Sie oder er soll mich in allem verstehen und für mich sein. Sie oder er soll mein Glücksbringer sein.

In mancher Beziehung überfordern sich die Partner. Man macht den anderen zu seinem Gott, sozusagen. Alles hängt von oh rodet ihm ab. Auch in der Liebe muss jeder für sich selbst sorgen. Auch in der Liebe muss jede und jeder für sich stehen und gehen lernen. Und jede und jeder braucht ihren oder seinen eigenen Halt bei dem einen Gott, mit dem beide leben.

Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen, dass du gesagt hast, Benni, dass dein Glaube sich in eurer Beziehung vertieft hat, oder erhöht hat, wie man es auch sagt. Und ich wünsche euch, dass das so bleibt, dass eure Glaube schöner wird, freier, fester in eurer Ehe. Der Glaube von jedem von auch. Es ist für jedes Eheschiff besser, wenn der Anker nicht im Schiff liegt, sondern außerhalb. Nur so kann er Halt geben.

„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen;
wo du bleibst, da bleibe ich auch.
Dein Volk ist mein Volk,
und dein Gott ist mein Gott.“

Ich freue mich schon auf eure Eheversprechen gleich.
Ihr werdet es euch mit euren Worten geben.
Sehr persönlich und absolut frei und Worte,
auf die ihr euch verlassen könnt.

Amen

 
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