1. Mose 2, 4b-17 Die Erschaffung des Menschen

mp3Predigt zum Anhören

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
Norbert Giebel, 20.9.2020

1. Mose 2, 4b-9.15-17        Die Erschaffung des Menschen

Liebe Gemeinde:

Was ist der Mensch? Die Bibel hat einiges dazu zu sagen. Alle Fragen und Antworten darauf werden wir heute nicht beantworten. Aber schon auf den ersten Seiten der Bibel finden wir sehr grundlegende und bis heute gültige Antworten. Unsere Urgeschichte. Ich lese 1. Mose, 2, 4b – 9 und 15-17

4 b Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte.
5 Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; 6 aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land.
7 Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.
8 Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. 9 Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.
10 Und es geht aus von Eden ein Strom, den Garten zu bewässern, und teilt sich von da in vier Hauptarme. 11 Der erste heißt Pischon, der fließt um das ganze Land Hawila und dort findet man Gold; 12 und das Gold des Landes ist kostbar. Auch findet man da Bedolachharz und den Edelstein Schoham. 13 Der zweite Strom heißt Gihon, der fließt um das ganze Land Kusch. 14 Der dritte Strom heißt Tigris, der fließt östlich von Assyrien. Der vierte Strom ist der Euphrat.
15 Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. 16 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, 17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.

Dieser Text wird gerne der zweite Schöpfungsbericht genannt. Der erste Schöpfungsbericht steht auf der ersten Seite unserer Bibel in 1. Mose 1. Da wird Himmel und Erde geschaffen. Der zweite Text, den ich gerade gelesen habe, ist kein zweiter Bericht von der Entstehung der Welt. Da ist der Mensch das Thema. Die Schöpfung wird aus Sicht des Menschen erzählt. Was der Mensch ist und was sein Sinn ist, darum geht es.

1. Der Mensch ist von Gott geschaffen

Der Mensch ist nicht Gott. Er hat sich nicht selbst auf die Welt gebracht. Er ist nicht der Herr der Schöpfung, sondern ein Teil davon. Es gibt andere antike Schöpfungsberichte.

Es gibt Parallelen aus dem alten Babylon, sowohl zu 1. Mose 1, der Erschaffung von Himmel und Erde, als auch zu 1. Mose 2, der Erschaffung des Menschen. Dass der Mensch aus Erde oder Lehm modelliert ist, findet sich auch in anderen Texten. Wie eine Tonplastik steht er da, der Mensch. Unbeweglich, leblos. Bis Gott ihn anhaucht und ihm seinen Atem gibt. So wird er ein lebendiges Wesen.

Der Mensch ist zuerst einmal einfach ein Stück Welt. Aus dem niedrigsten Material geformt. Er ist aus Staub geschaffen und wird wieder zu Staub werden. 50 kg Fleisch, mehr oder weniger, im Kreislauf der Natur. „Du bist Erde und sollst zu Erde werden“ 1. Mose 3 Vers 19. Auch die ersten Tiere sind aus Erde geformt (2,19). Der Mensch ist ein Säugetier. Er hat zunächst überhaupt keinen Vorsprung.

Als Erstes wird der Mensch im Schöpfungsbericht an seine Niedrigkeit und Vergänglichkeit erinnert. Du bist geboren wie jedes Schaf, wie jeder Hund, wie jeder Affe geboren wird. Du wirst sterben wie jedes Schaf und jeder Affe. Mensch, denke nicht zu hoch von dir. Du bist vergänglich. Ein Stück Welt. Im Hebräischen wird das durch ein einfaches Wortspiel deutlich. Adam heißt Mensch übersetzt. Adamah ist der Erdboden. Ein Buchstabe unterscheidet dich vom Staub, zu dem du wieder werden wirst.

Der Mensch ist ein „Erdmännchen“. Die ganze Würde dieses „Erdlings“ ist darin begründet, dass Gott ihn ansieht, dass Gott ihm seinen Atem gibt und ihn anspricht. Als Gott die Tiere erschafft, heißt es nicht, dass er sie anhauchte und ihnen seinen Atem gab. Der Mensch ist dadurch in der Schöpfung hervorgehoben, dass Gott ihm als der Lebendige nahe kommt, Du zu ihm sagt, ihn in eine Beziehung zu sich setzt. Der Mensch soll von dem Atem Gottes leben, von seinem Geist. Das ist im Hebräischen das gleiche Wort. Der Mensch bekommt Verantwortung in Gottes Schöpfung. Er wird Gottes Mit-Gestalter.

Die Erschaffung des Menschen ist ein Stück Urgeschichte. Aber nicht nur in dem Sinn, dass es so einmal angefangen hat, sondern in dem Sinn, dass sich das, was wir hier lesen, immer wieder passiert. Was wir hier lesen, das bestimmt unser Dasein. Adam ist kein Name. Es ist das Wort für Mensch. Adam bin auch ich. Zur Schöpfung gehört auch mein Geschaffensein.

Ich soll mich in diesem Adam wiederfinden. Ich bin geschaffen. Ich bin nicht Gott in meinem Leben. Ich bin gewollt. Mir hat Gott seinen Atem gegeben. Ich soll und darf aus seinem Geist leben. Ich bin vergänglich, ein Stück Welt, Staub zu Staub, aber mich hat er angesprochen und lebendig gemacht.

1. Der Mensch ist von Gott geschaffen!
2. Der Mensch ist von Gott versorgt!

Die ganze Schöpfung ist ein Liebesbeweis Gottes. Am Anfang gab es gar nichts. Kein Baum, kein Strauch, kein Kraut und kein Tropfen Wasser. Einöde. Einsamkeit. (V4-5) Dann zieht Nebel auf. Luft und Boden werden feuchter. Eine Quelle entsteht. Gott lässt Wasser aus der Erde kommen. Ihre Wasser werden zu einem Strom; er teilt sich in vier Flüsse. Überall hin lässt Gott sein Wasser fließen.

Gott hat den Menschen geschaffen. Ein „Sandmännchen“, hochgehoben zu ihm weil er ihm seinem Atem gegeben hat. Und jetzt schenkt er ihm einen Garten. Gott versorgt den Menschen. Eden heißt so viel wie Wonne. Lebensfreude können wir vielleicht übersetzen. Gott überschüttet den Menschen mit seiner Güte. Er lässt alle Arten von Bäumen wachsen. Äpfel, Birnen, Datteln, Orangen. Große Eichen und Buchen. Trauerweiden am Ufer. Gottes Garten ist nicht nur ein Nutzgarten. Das ist ein Genussgarten. Das ist etwas fürs Auge. Und für die Nase. Und für den Gaumen. Jeder Baum ein Original. Hundert verschiedene Grüntöne. Da kann man nur staunen.

Gott selbst hat den Garten gepflanzt. Der Mensch findet sich vor in einer Welt, die ihn ernährt und ihm Freude macht. Der Mensch, in 1. Mose Kapitel 3, er wird vertrieben aus dem Paradies. Aber es bleibt paradiesisch in Gottes Schöpfung. Der Mensch hält sich nicht an seine Grenzen. Auch die Bibel weiß darum. Auch das ist ein Stück Urgeschichte! Der Erde geht die Luft aus, weil der Mensch sie verbraucht. Die ganze Schöpfung seufzt (Römer 8). Unter dem Menschen, unter seiner Hybris und Sünde.

Die Schöpfung ist nicht mehr ganz, nicht mehr so wie Gott sie sich gedacht hat, und dennoch kann man sie sehen, Gottes Liebe, seine Vielfalt, seine Phantasie. Jede Blüte, jeder Baum, jeder Strauch bezeugt die Liebe Gottes. Wer in seinem Garten sitzt oder auf seinem Balkon oder durch den Park geht, kann Gottes Liebe sehen. So hat Gott die Welt geschaffen. So hat er sie gedacht. Er will, dass der Mensch im Garten Eden, im Garten der Freude lebt. Er will, dass wir das Leben genießen und ihn in allem Schönen erkennen.

Der Mensch ist von Gott geschaffen. Der Mensch ist von Gott versorgt.
3. Der Menschen ist von Gott beauftragt.

„Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.“ (V15) Auch ist Urgeschichte. Hier soll nicht nur Adam den Garten Eden bebauen und bewahren. Das würde uns ja heute gar nichts mehr angehen. Hier werden ich in Gottes Welt gesetzt. Ich als Mensch bekomme einen Auftrag, mit Gott zu gestalten.

Dass Menschen arbeiten, ist kein Fluch. Das ist ein Segen. Sie dürfen sähen und ernten. Sie dürfen Bäume pflanzen und ihre Früchte genießen. Sie dürfen Bilder malen, Künstler sein, einen Garten anlegen. Sie dürfen sich Töne aus der Luft holen und ein neues Lied daraus schreiben. Im Paradies wird gearbeitet!

Zum Fluch wird die Arbeit erst, wenn sie mühsam ist, den Menschen quält, wenn sie vergeblich ist. Zum Fluch wird die Arbeit, wenn Menschen versklavt werden oder Menschen sich selbst zum Sklaven ihrer Arbeit machen. Zum Fluch wird die Arbeit, wenn sie nur dem eigenen Erfolg dient, der eigenen Bestätigung. Wenn man am Grab eines Mannes oder eine Frau seht und sagen muss: „Er oder sie hat viel gearbeitet. Und es war alles vergeblich. Nichts bleibt davon. Es ging ihm, es ging ihr, nur um sich. Er stirbt mit einem dicken Konto auf der Erde, sein Schatz im Himmel ist klein.“ Das ist ein Fluch.

„Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.“ Das ist kein Fluch! Das ist der Auftrag des Menschen: Mit Gott und in seinem Sinn diese Welt zu gestalten. Alle Arbeit hat darin ihren Platz: Erzieherin sein, Maurer sein, Versicherungen verkaufen, Kinder erziehen, alten Menschen aus der Zeitung vorlesen. Arbeiten macht Sinn. Und Sinn ist ein Segen.

Wir lesen die Urgeschichte nicht richtig, wenn wir uns fragen, ob Adam seinem Auftrag machgekommen ist. Wir lesen sie richtig, wenn wir uns fragen, ob wir unserem Auftrag nachkommen. Mit Gott diese Welt zu gestalten.

1. Der Mensch ist ein Erdmännchen, von Gott zu seinem Du erhoben.
2. Der Mensch findet sich vor in einer Welt, die ihn versorgt und ihm Freude macht.
3. Der Mensch ist Gottes Gesandter, sein Bevollmächtigter in Gottes Schöpfung.

Zwei weitere Punkte der Urgeschichte kann ich hier nur anreißen:

4. Der Mensch ist geschaffen, um in Gemeinschaft zu leben.

Ein Mensch allein geht ein. Das sehen wir an Adam. Auch die Tiere können da nicht helfen. Sie können ihn nicht in den Arm nehmen. Sie können sich nicht verständigen. Das Tier ist kein Wesen, das den Menschen aus freien Stücken liebt und annimmt. Ein Tier ist abhängig. Es liebt nur aus Instinkt. Das ist es nicht, was der Mensch braucht. Der Mensch wird ich durch sein Du. Durch Beziehungen. Es ist dem Menschen nicht gut, dass er allein sei, stellt Gott fest.

5. Der Mensch entscheidet sich, Wege ohne Gott zu gehen.

Das klingt in unserem Text schon an. Da gibt es zwei Bäume: Den „Baum des Lebens“ und den „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“, der zum Tode führt. Adam, der Mensch bei Gott, er kennt nicht Gut und Böse. Er kann mit diesen Begriffen nichts anfangen. Adam kann das Böse und den Tod noch gar nicht denken. Das gehört nicht seine Welt, weil er ganz in Gottes Welt lebt.

Aber Adam ist keine Marionette. Er kann sich gegen Gottes Gebot entscheiden. Er kann versuchen, wie es ist, ohne Gott zu leben, Wege ohne ihn zu gehen. Und er tut es. Trotz all dem Segen, der ihn umgibt, hat er Lust auf das Eine, von dem Gott ihn weghalten will. Das ist Urgeschichte. Die Frucht ist nicht näher bezeichnet. Da steht nichts von einem Apfel.

Was ist die Frucht, die dich lockt und dich davon abhält, dein Leben ganz mit Gott zu leben? Was lockt dich weg von ihm? Was sind deine Konkurrenten zu Jesus in deinem Leben, das ist deine Urgeschichte an dieser Stelle.

Ein letzter Gedanke. Was hat das Leben gebracht in 1. Mose 2? Es war trocken und es war ohne Kraft. Ohne Atmen. Leblos. Das Wasser hat das Leben gebracht. Zuerst ein Nebel, dann eine Quelle, zuletzt ein großer Strom. Und Gottes Geist hat das Leben gebracht. Sein Atmen.

Am nächsten Sonntag feiern wir hier im Gottesdienst eine Taufe. Der Menschen sehen sich nach einem Leben mit Gott. In seiner Gnade, weil sie wissen, dass sie Sünder sind. Und in seiner Kraft. In der alten Kirche wurden die Täuflinge angehaucht, um ihnen zu zeigen, dass sie mit der Taufe Gottes Geist empfangen. Ich sage es einmal sehr forsch und gewollt auf nächsten Sonntag:

Die Taufe ist der Baum des Lebens. Da schenkt sich Gott und ich nehme mein Geschenk an. Das ist dann meine Urgeschichte. Da werde ich neu geschaffen und neu beschenkt und neu eingesetzt als sein Gesandter in dieser Welt zu leben. Wenn sich jemand taufen lassen möchte, kann er mich gerne ansprechen.

Amen.

 
Zum Anfang