Lukas 16, 1-9 Der kluge Betrüger

mp3Predigt zum Anhören und Ansehen


Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
Norbert Giebel, 15.11.2020

Lukas 16, 1-9
Der kluge Ungerechte – Ein Betrüger wird zum Vorbild


Liebe Gemeinde,

es gibt Gaunergeschichten, da hält man zu den Gaunern. Man weiß genau: Es ist Unrecht, was sie tun. Das sind Verbrecher. Aber wie sie das anstellen, das ist perfekt. Da muss man staunen, das muss man bewundern. So pfiffig und einfallsreich, wie die ihr Gaunerstück durchführen.

Kennt Ihr den "Clou"? Ein Kinohit aus den 80ern. Neulich gab es ihn wieder im Fernsehen. Ein Gauner haut einen anderen Gauner übers Ohr: Das ist der Clou. Die beiden haben eine Rechnung offen. Der ist eine kleine Nummer, der andere der größte Gangster der Stadt. Der kleine Gauner schafft es mit vielen Freunden den großen Gangsterboss hereinzulegen. Das ist der Clou.

Es geht um Pferdewetten. Der kleine Gauner und seine Freunde bauen ein Wettbüro auf. Dort aber halten sie die Zieleinläufe einiger Rennen für wenige Minuten zurück. Die kleinen Trickbetrüge ködern den großen Gangster und er fällt darauf herein. Bis zuletzt zittert man mit diesen klugen Betrügern. Und es gelingt ihnen! Polizei und Mafia werden ausgetrickst. Das ist der Clou. Alle Zuschauer sind erleichtert und staunen.

Kino gab es noch nicht als Jesus lebte, aber Gaunergeschichten. Und eine hat Jesus selbst erzählt: Ich lese uns eine vor:

1 Jetzt wandte sich Jesus an seine Jünger und erzählte folgende Geschichte: »Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Als er erfuhr, dass dieser seinen Besitz verschleuderte, 2 stellte er ihn zur Rede: ›Was muss ich von dir hören? Bring mir deine Abrechnung! Du bist entlassen!‹
3 Der Verwalter überlegte: ›Was mache ich jetzt? Meinen Posten bin ich los. Die schwere Feldarbeit liegt mir nicht, und zum Betteln bin ich zu stolz. 4 Aber ich weiß, was ich tue. Ich mache mir Freunde, die mich in ihren Häusern aufnehmen, wenn ich arbeitslos bin.‹
5 Er ließ nacheinander alle Männer zu sich rufen, die bei seinem Herrn Schulden hatten. Den ersten fragte er: ›Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?‹ 6 Der Mann antwortete: ›Hundert Fässer Olivenöl.‹ ›Hier ist dein Schuldschein‹, erklärte ihm der Verwalter. ›Trag fünfzig ein!‹ 7 ›Und du?‹, fragte er einen anderen. ›Hundert Säcke Weizen.‹ ›Hier, nimm den Schuldschein und schreib stattdessen achtzig!‹, forderte er ihn auf.«
8 Der Herr lobte den betrügerischen Verwalter dafür, dass er so vorausschauend gehandelt hatte. Denn wenn es darum geht, sich seine Zukunft zu sichern, sind die Menschen dieser Welt klüger und geschickter als die Menschen, die im Licht Gottes leben.
9 Jesus erklärte seinen Jüngern: »Ich sage euch: So klug wie dieser ungerechte Verwalter sollt auch ihr das Geld einsetzen. Macht euch Freunde damit! Dann werdet ihr, wenn euch das Geld nichts mehr nützen kann, einen Platz im Himmel bekommen. (Hfa)

"Korrupter Verwalter nutzt letzte Chance!" könnte in der Zeitung stehen. Alternative Altersversorgung! Das ist der Clou.

Ein Verwalter wird der Veruntreuung bezichtigt. Er hat sich untätig in die Sonne gelegt. Er hat von dem Reichtum seines Herrn gelebt. Er hat es voll ausgenutzt. Er hatte Zugang zu allem, was das Herz begehrt. Er hat gelebt, als wäre er selbst steinreich, dabei sollte er das Gut im Sinne seines Herrn verwalten, damit wirtschaften.

Die Denunzianten, seine Verräter, sie müssen Beweise gehabt haben: Der Chef zögert keine Sekunde. Der Verwalter soll alle Bücher offen legen. Sein Herr fordert Rechenschaft. Der angeklagte jetzt aufgedeckte Verwalter verteidigt sich nicht. Mit keinem Wort versucht er sich zu entschuldigen. Seine Schuld ist offensichtlich. Er weiß, dass sie Recht haben.

Er legt seinen Haushaltsbericht vor. Die Kassenprüfer finden schwarze Zahlen nur auf seinen Konten. Er hat unterschlagen, betrogen, in die eigene Tasche gewirtschaftet. Sofort wird die Kündigung ausgesprochen. Seine Tage sind gezählt. Er kann seine Sachen packen. Schluss mit lustig. Natürlich wusste er, dass er irgendwann Rechenschaft geben muss. Das aber kam zu plötzlich. Alles würde er von einem Moment auf den nächsten verlieren. Nichts könnte er mitnehmen.

Aber dieser Gauner ist pfiffig. Noch hat er hat alle Vollmachen. Noch kann er handeln. Ein paar Tage vielleicht hat er noch. Schnell prüft er alle Alternativen. Er ist kein Handwerker, kein Arbeiter. Er ist es nicht gewohnt, sich die Hände schmutzig zu machen. Betteln will er auch nicht. Jetzt kommt der Clou.

Er potenziert seine Betrügereien. Er denkt nur an sich. Er wird sich Amigos machen, Geschäftsfreunde. Er wird sich ein Netzt aufbauen von Menschen, die ihm dankbar sind, deren Existenz er vielleicht gerettet hat. Er wird das Geld verschleudern, das sein Herr ihm anvertraut hat, jetzt aber zugunsten von anderen.

Einzeln lässt er die Schuldner zu sich kommen. Was er vorhat verträgt keine Zeugen! Mit eigener Hand sollen sie die Schuldscheine ändern, die sie selbst einmal geschrieben haben, damit es keiner merkt. Noch ist er im Amt! Kein Gericht wird das rückgängig machen können.

Der Mann verteilt großzügig, unfassbare Summen, von dem, was seinem Herrn gehört. „Eine Hand wäscht die andere!“ Das ist seine Hoffnung. "100 Bath Öl (das sind 3600 Liter) - schreib schnell 50 Bath!""100 Kor Weizen (das sind 550 Zentner) - schreib schnell 80 Kor!" Beide Male lässt er Güter im Wert von rund 500 Denaren nach. Weit mehr als das Jahresgehalt eines Arbeiters.

Jesus bricht die Geschichte ab. Die Pointe ist gefallen. Egal, wie viele Schuldner der Finanzverwalter noch zu so einer Schieberei gewinnen kann: Das Procedere, das Vorgehen in diesem Betrug, ist klar.

Und was sagt Jesus dazu? Warum erzählt er diese Gaunergeschichte? "Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter!" schreibt Lukas. Das ist die echte Pointe, die echte Überraschung. Ein zunächst völlig untätiger, gleichgültiger, egoistischer Verwalter, der am Ende noch einmal seine ganze kluge Bosheit zeigt. Und Jesus lobt ihn? Will Gott seine Kinder genauso korrupt wie diesen Gauner?

Jesus erzählt diese Gaunergeschichte als ein Gleichnis. Bei Gleichnissen muss man immer fragen: Was ist der Vergleichspunkt? Wo liegt die positive Aussage oder die positiven Aussagen?

Martin Luther hat 1533 über das Gleichnis gepredigt und seinerseits wieder einen sehr gewagten Vergleich gezogen.: Wenn eine Prostitu­ierte sich mit großer Sorgfalt schön macht, um den Männern zu gefallen, und wir nehmen das als Gleichnis, dann heißt das nicht, dass wir die Prosti­tution gut heißen. Eine Braut könnte an diesem Gleichnis jedoch lernen, dass sie sich für ihren Bräutigam mit großer Sorgfalt schön machen soll; und wir Christen können daran lernen, dass wir uns mit guten Werken für unsern Bräutigam Christus schmücken sollen. Auch Luthers Vergleich kann man kritisch befragen, aber er zeigt, worum es bei einem Gleichnis geht.

Jesus selbst sagt ja, worum es ihm geht. Es geht ihm um die Klugheit dieses Mannes und seinen Umgang mit dem Geld, mit dem, was sein Herr ihm anvertraut hat. "Und der Herr lobte den untreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind untereinander klüger als die Kinder des Lichts!"

Der Mann ist ungerecht, das sagt Jesus selbst. Darin ist er kein Vorbild. Aber von der Klugheit der Welt könnten sich Christen oft ein gutes Stück abschneiden. Glaube schützt vor Dummheit nicht. Ein Satz, den man sich merken sollte.

Wie dumm, inkonsequent, leidenschaftslos können wird Kinder des Lichts handeln! Wir sind "im Auftrag des Herrn unterwegs", mit Vollmachten und großen Zielen. Wir leben und arbeiten für die Ewigkeit. Und für ihn arbeiten wir oft total oberflächlich, sehen die drängende Zeit nicht, leben von seiner Gnade und teilen nichts aus.

Im Beruf, in der Firma, für unser Hobby geben wir das Beste. Bei der neuen Reithose, dem neuen Handy, im Urlaub sehen wir nicht auf das Geld. Für Gottes Reich, Mission, Diakonie, Menschen in Not, drehen wir jeden Euro um. In unserem Hobbie wollen wir top sein, zur Spitze gehören. Im Beruf wollen wir aktuell und professionell sein. Wie reich, wie klug und professionell sind wir für das, was Gott am Herzen liegt?

Wir können nicht nur von den Kindern dieser Welt lernen, klug zu sein, wir selber nehmen es in der Welt oft viel genauer als in unserem Einsatz für den Herrn! Es gab Zeiten, da waren die Kirchen die schönsten Häuser im Dorf. Heute wissen wir, man kann auch in einer Garage Gottesdienst feiern und sich selber ein schönes Haus bauen. Das ist auch wieder ein Gleichnis! Das stimmt für viele Lebensbereiche.

Bill Hybels hat auf einer Konferenz von deutschen Autos geschwärmt. Deutsche Autos hätten in den USA den besten Ruf. Zuverlässig. Jedes Detail durchdacht. Neueste Technik. Schnell und sicher. Deutsche Qualitätsarbeit. Und dann fragte er, wie bei uns in Deutschland wohl die Kirchen und Gemeinden aussehen würden, wenn wir sie bauten, wie wir Autos bauen. Da können wir „Kinder des Lichts“ viel lernen von den „Kindern der Welt“.

Gott ja so barmherzig. Das ist unser Mantra. Das hat er jetzt davon, der heilige Gott, der so barmherzig ist. Er drückt immer beide Augen zu. Das ist unsere Hängematte. Ein Kapitel vorher in Lukas 15 erzählt Jesus das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der lässt sich sein Erbe schon zu Lebzeiten des Vaters auszahlen, haut damit ab, wendet seinem Vater den Rücken zu, verprasst alles, und landet bei den Schweinen. Da denkt er an die Güte seines Vaters, kehrt zu ihm um und der Vater läuft ihm mit offenen Armen entgegen.

So barmherzig ist Gott mit Menschen, die zu ihm umkehren. Aber er bleibt der heilige Gott, der einen heiligen Willen hat: Er mit allen Menschen teilen was er hat, was ihn ausmacht. Er will durch seine Kinder seine Liebe zeigen so wie er sie in Jesus gezeigt hat.

Gott wird durch seine Gnade kein alter Mann, den man irgendwohin abschieben kann, weil er nicht mehr weiß, was er will. Er ist nicht der Vater, der uns immer nur über den Kopf streichelt, wenn wir zu ihm kommen. Er ist der König, der uns gnädig ist.

Nach dem Gleichnis vom verlorenen Sohn kommt das Gleichnis vom klugen Betrüger: „Jetzt wandte sich Jesus an seine Jünger und erzählte folgende Geschichte“ fängt Lukas an. Paulus erinnert die Korinther und uns heute Morgen: „Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder nach dem empfange, was er getan hat!“ (2. Kor 5,10) Der König, der uns liebt, ist auch unser Richter. Es ist ihm absolut nicht egal, wie wir leben. Er ist unser Herr. Er will unser Herr sein.

Worin war der untreue Verwalter klug? Er findet keine falschen Ausreden. Er erkennt seine Situation. Er muss das Ruder herumreißen. Er fährt auf einen Eisberg zu. Er weiß, dass die Zeit knapp ist. Seine Kündigung ist ausgesprochen, er wird nicht mehr lange bleiben. Er hat sofort reagiert. Er weiß, was kommt, das hat sein Handeln bestimmt. Er denkt an seine Zukunft und er gewinnt seine Zukunft! Das ist der Clou.

Tatsächlich aber sagt Jesus nicht nur etwa zur Klugheit. Er macht den ungerechten Verwalter in dem, wie er am Ende handelt, auch zum Vorbild, wie wir mit unserem, also dem uns anvertrauten Geld umgehen sollen. Jesus macht die Klugheit besonders an unserem Umgang mit unserem Hab und Gut fest: „So klug wie dieser ungerechte Verwalter sollt auch ihr das Geld einsetzen. Macht euch Freunde damit! Dann werdet ihr, wenn euch das Geld nichts mehr nützen kann, einen Platz im Himmel bekommen.“

Der Text im Lukas Evangelium geht noch weiter. Jesus baut seine Aussage noch weiter aus: „11 Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer wird euch das wahre Gut anvertrauen? 12 Und wenn ihr mit dem fremden Gut nicht treu seid, wer wird euch geben, was euer ist? 13 Kein Knecht kann zwei Herren dienen: (….) Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“

Mammon ist ein anderes Wort für Geld. Mammon ist der Gewinn, der durch Unrecht erzeugte Gewinn. Jesus nennt den Mammon einen Götzen. Es ist die Macht des Geldes, die Macht, die wir ihm geben. Im Theaterstück „Jedermann“ tritt der Mammon als Dämon auf, der die Menschen zum Geiz verführt und dazu, immer mehr haben zu wollen. Ein teuflisches Spiel.

Götzen sind von Menschen gemachte Götter. Sie haben eigentlich keine eigene Kraft. Sie haben nur die Macht, die Bedeutung, die wir ihnen geben. Jesus nennt Habsucht Götzendienst, weil da etwas einen Rang bekommt, der nur Gott selbst zusteht. Hier spricht Jesus vom ungerechten Mammon. Geld ist nie gerecht. Es ist nie gerecht verteilt. Es ist eine Macht, eine Möglichkeit, mit der man umgehen muss. Geld hat keinen Wert an sich. Ob es wertvoll ist, hängt davon ab, was ich damit mache!

Eine russische Legende erzählt: Ein reicher Mann dachte auch im Sterben nur an das, woran er sein Leben lang gedacht hatte: an sein Geld. Mit letzter Kraft löste er den Schlüssel vom dem Band, das er immer an seinem Hals trug, winkte der Magd, deutete auf die Truhe neben seinem Lager und befahl ihr, ihm den großen Beutel Geld mit in den Sarg zu legen.  

Im Himmel angekommen sah er dann einen langen Tisch, auf dem die feinsten Speisen standen. »Sag, was kostet das Lachsbrot?« fragte er. »Eine Kopeke«, wurde ihm geantwortet. »Und der Braten?« »Gleich viel.« »Und diese Pastete?« »Alles eine Kopeke.« Er schmunzelte. Billig, dachte er, herrlich billig! Mein Geld reicht für die Ewigkeit. Und er tat sich eine ganze Platte mit Köstlichkeiten auf. Aber als er mit einem Goldstück zahlen wollte, nahm der Verkäufer seine Münze nicht an. »Alter«, sagte er und schüttelte bedauernd den Kopf, »du hast wenig im Leben gelernt!« »Was soll das?« murrte der Alte. »Ist mein Geld nicht gut genug?« Da hörte er die Antwort: »Wir nehmen hier nur das Geld, das einer verschenkt hat.« „Wir haben verstanden!“ heißt es in irgendeiner Werbung.

Wenn wir sehr klug weitergeben, was Gott uns anvertraut hat, dann haben wir verstanden.

Amen

Gebet

Herr Jesus Christus, dir gehören wir.
Dich beten wir an.
Du hast unsere Zeit in deinen Händen.
Du bist Herr unserer Tage.

Wir bitten dich:
Sie uns gnädig an, lass uns in deine Arme laufen,
und gib uns deinen Geist, dass wir als deine Kinder leben.

Du wirst am Ende aller Zeiten Gericht halten.
Was gut war, wird gut genannt werden.
Was böse war, wird böse genannt werden.
Und wer dich betrogen hat, wird offenbar werden.

Wir bitten dich für unsere zerrissene Welt.
Gib Frieden, wo Krieg herrscht.
Er halte den Frieden, segne die Vernünftigen und Verantwortlichen,
wo die Gier nach Macht Menschen korrumpiert hat.

Wir denken heute auch an alle Opfer von Krieg und Terror.
Keine Trauer, kein Lied, keine Träne ist vor dir vergessen.
Tröste die Trauernden. Segne die in Angst sind.
Segne die sich für Frieden und Freiheit einsetzen.

Hilf uns fröhlich in deiner Gnade zu leben.
Gib uns die Herzen von treuen Verwaltern.
Befreie uns, wo wir festhalten, was wir geben sollen.

Wir wollen dich nicht betrügen, wir wollen dir gehören und dich ehren.

Amen.

 
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