Sacharja 9, 9-10 Freue dich auf den Friedefürsten

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
Norbert Giebel, 1. Advent, 29.11.2020

Sacharja 9, 9-10   Freue dich auf den Friedefürsten

Liebe Gemeinde,

die Adventszeit ist eine Zeit der Freude, aber der Freude in dunkler Jahreszeit. Advent heißt Erwartung. Wir erwarten etwas sehr Schönes. Wir erwarten jemanden, der herrlich ist. Aber noch ist er nicht da. Das Warten braucht Geduld, Treue und Vertrauen. Wir sehen fröhlich nach vorne, auch wenn es bei uns noch dunkel ist. Der Herr kommt. – Der Prophet Sacharja hat sein Volk in schwerer Zeit zur Freude aufgerufen. Der Friedefürst wird kommen, sagt er. Ich lese uns Sacharja 9, 9-10:

9 Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. 10 Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

Ich von Gott Geliebten,

ich möchte euch heute einmal als Esel begrüßen. Liebe Esel! Wie findet ihr das? Wir sind die Esel, auf denen Jesus in diese Welt hinein reiten will. Esel sind kluge , mit einem eigenen Kopf. sind genügsam und ausdauernd. Sie können gewaltige Lasten tragen. Die Ernte der Bauern, die Waren der Händlern: So einen Esel kannst du richtig vollpacken. Und natürlich tagen sie auch Menschen, so wie einer Jesus nach Jerusalem hineingetragen hat. Dass Esel auch mal störrisch sein können, hat man gerne in Kauf genommen.

Tochter Zion nennt Sacharja das Volk nach dem Tempelberg in Jerusalem. Das Wort Zion ist für Israels zu einem Synonym geworden für die Gegenwart Gottes und für die Erwählung des Volkes. Zion ist hier keine Ortsangabe. Wenn Sacharja das Volk Tochter Zions, Tochter Jerusalems nennt, dann wird es daran erinnert, dass Gott in ihrer Mitte ist und dass sie Gott gehören. „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“

Auf einem Esel ist Jesus in die Stadt Jerusalem geritten. Er hat sich identifiziert mit dem König, dem Sacharja im 6. Jhdt vor seiner Geburt gesprochen hat. Jesus imitiert den Einzug eines Königs in die Stadt. Er war schon oft in Jerusalem. Bei den hohen Festen hat auch er sich dorthin auf den Weg gemacht. Aber jetzt will er ganz bewusst ein Zeichen setzten. Das Volk soll ihn sehen und die Menschen sehen ihn.

Wie er kommt, soll zeigen, wie er herrschen wird. Die Ausleger sind sich nicht einig, wie besonders es war, dass Jesus auf einem Esel ritt. Pferde gab es schon. Ein Vers weiter erwähnt Sachaja sie. Pferde waren ein Symbol der Macht und der Kraft. Mit Pferden konnte man in den Krieg ziehen. Einen Esel nimmt man nicht mit aufs Schlachtfeld.

Im Vergleich zum Pferd ist der Esel ein Zeichen für Abrüstung, der Demut. Sacharja sieht in dem Esel ein Zeichen der Armut. Der Friedefürst kommt „arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin“. Das ist nicht einmal ein starker Eselshengst. Es ist noch ein schwaches, junges Tier. Das wäre so, als würde Joe Biden bei seiner Amtseinführung einen billigen Dacia fahren. Jesus hatte sich den Esel nur ausgeliehen. Das wäre so, als würde Joe Biden einen VW Up von Car-Sharing fahren. Das wäre auch ein Zeichen! Verzicht auf Prunk und Protz. Kein Machtgehabe. Keine bunte Uniform. Keine Orden, keine Säbel. Keine Krone.

Schon die Geburt von Jesus hat kläglich begonnen. Erfolglose Herbergssuche. Unterkunft in einem Stall. Geburt in einer Krippe. Arme Hirten kommen als Erstes. Aber die Engel singen schon: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“ (Luk 2,14)

Der Friedefürst, den Sacharja kommen sieht, ist nicht nur ein König der Herzen. Er ist auch nicht nur der König Israels. Er wird den Völkern Friede gebieten. Er wird auf der ganzen Erde herrschen. Von einem Meer zum nächsten bis an die Ende der Erde.

In Deutschland, wo wir heute eine funktionierende Demokratie haben, wo wir unseren Glauben leben können und gut versorgt sind, könnten wir versucht sein, den kommenden Herrn zu reduzieren auf den „König unserer Herzen oder unserer Seelen“. Ja. Jesus ist auch der Heiland für unsere Seelen. „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid“, sagt er, „ich will euch erquicken. Denn ich bin von Herzen sanftmütig und von Herzen demütig!“ (Matth 11,28-29)

Leidtragende werden entlastet. Trauernde werden getröstet. Depressive werden fröhlich. Suchtkranke werden frei. Lahme werden gehen. Retten und helfen, das ist sein Programm. Er ist ein Gerechter und ein Helfer. Schon sein Einzug zeigt, wie er herrschen wird. Er wird sich den Armen zuwenden, er wird einer von Ihnen, er ist der König der Benachteiligten, der Erfolglosen und der Ungeliebten.

Wir wünschen uns vielleicht Heilung für unsere Wunden. Der da kommt aber ist Friedefürst für alle Völker. Andere Völker sehnen sich ganz real nach gerechten Herrschern. Weißrussland, Hongkong, Ecuador, Kirgistan. Menschen sehnen sich nach Freiheit wo es keine Meinungs-, Presse- oder Religionsfreiheit gibt. Wo vor Gerichten nicht jeder Mensch gleich ist. Wo nicht der gewinnt, der Recht hat, sondern gewinnt, wer die besten Anwälte bezahlen kann. Diese Welt braucht einen Friedefürsten, der versöhnt und der die Armen sieht, Flüchtlinge, dass nie mehr gefoltert wird. Der ihnen zu ihm Recht verhilft.

Diesem Friedensfürst, den Sacharja kommen sieht, ist es nicht egal, wie er an sein Ziel kommt. Er rüstet ab. Er ist demütig. Er liebt die Wahrheit. Er liebt die Menschen. Sie dürfen ihn alles kosten. Es geht ihm nicht um seine Macht, es geht ihm darum zu retten und zu helfen.

Ihr müsst nicht meiner Meinung sein. Vielleicht denken einige anders. Aber ich bin schockiert, wie viele evangelikale Christen hinter Donald Trump stehen. „Wie er das macht, ist nicht immer ganz sauber“ gibt ein Evangelikaler zu.“ „Er nimmt es mit der Wahrheit nicht immer so genau!“ Aber er hält sein Wort. Er macht Amerika wieder groß. Er ist gut für unser Land. Das hört man von überzeugter Christen. Nicht von allen. Gott sei Dank. Der Weg heiligt die Mittel. Ist doch egal ob er lügt, dass er aus Gegnern Feinde macht, wie er über Flüchtlinge redet. Da würden nur Terroristen, Verbrecher und Vergewaltiger ins Land kommen sagt Trump. Hauptsache es nützt! Er macht Amerika great again.

Ich glaube, wer christliche Werte aufgibt, wie Wahrheit, Demut, ein Geist des Dienens, Barmherzigkeit, der macht sein Land nicht groß; egal, was Großes dabei herauskommt. Wer ungerecht ist, wird nicht gerecht herrschen. Auch als Jesus nach Jerusalem einritt, haben viele ihn bejubelt, weil sie einen Krieger erwarteten. „Make Jerusalem great again“, hätten sie gerufen. Tod den Römern! Jesus aber rüstet ab.

Dieser Herrscher ist ein Helfer für die kleinen Leute, der sie hört, versteht und sich für sie einsetzt, der Gerechtigkeit und Frieden herstellt. Jesus steht für Gerechtigkeit: Dass Menschen die gleichen Chancen haben zu leben, egal welche Hautfarbe, Sprache oder Geschlecht sie haben, egal, auf welchem Kontinent sie wohnen. Wer sich dafür einsetzt, steht auf seiner Seite. Wer christliche Werte im Umgang, in der Achtung von Menschen aufgibt, steht nicht mehr an der Seite Jesu.

Wir treffen uns zwei Mal die Woche online zum Beten. Da haben unsere ganz kleinen Sorgen Platz. Wir beten für Mitarbeiter oder für Kranke in der Gemeinde. Wir beten um Impfstoffe gegen Covid 19. Und wir beten für diese Welt. Für verfolgte Christen. Für Politiker. Und wir sind erschrocken, wie in vielen Staaten Populisten an die Macht kommen, Menschen mit einfachen Antworten, Nationalisten, die ihr Land groß machen wollen, auf Kosten anderer, Machthaber, die alles tun, um an der Macht zu bleiben. Ich will die Länder und Namen ihrer Machthaber gar nicht aufzählen.

Diese Welt braucht unsere Gebete. Betet für die Obrigkeit, hat Paulus von seinen Gemeinden gefordert. (1. Tim 2,2) Diese Welt braucht Menschen, die Friedensstifter sind. Und die Friedensstifter brauchen auch unsere Gebete.

Vielleicht haben sie schön von der Micha-Initiative gehört. Ein weltweites Netzwerk von Christen, die sich engagieren gegen extreme Armut in der Welt, für Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Christen aus Kirchen und Freikirchen, vom CVM und von Missionswerken sind darin vertreten. Auch in Kassel gibt es eine Gruppe. Das ist eine Möglichkeit, sich im Sinne des Friedefürsten zu engagieren. Seine Eselin oder sein Esel zu sein, auf dem er in diese Welt reiten kann. Wer würde sich da gerne einbringen?

Jesus zieht denkbar unköniglich, unkriegerisch nach Jerusalem ein. Damit will er auch ein Zeichen für uns setzen. Auch uns soll es nicht um unsere Macht gehen. Auch wir setzen uns nicht durch mit Mitteln, die nicht zu Jesus passen. Alles, was ich ausstrahle, wo es nur um mich geht, strahlt von Jesus weg. Sein Programm, zu retten und zu helfen, soll auch unser Programm sein. Wer auf diesen Friedefürsten wartet, der wird einer wie er. Wer sieht, wie er herrscht, der unterstellt sich seiner Herrschaft.

Die Adventszeit ist eine Zeit der Freude, aber der Freude in dunkler Jahreszeit. Advent heißt Erwartung. Wir erwarten jemanden, der herrlich ist. Aber noch ist er nicht da. Das Warten braucht Geduld, Treue und Vertrauen.

Macht hoch die Tür, die Tot macht weit!“ singen wir in einem sehr bekannten Adventslied. (F&L 179) „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit …“

„Er ist gerecht, ein Helfer wert, Sanftmütigkeit ist sein Gefährt … sein Zepter ist Barmherzigkeit, … mein Heiland groß von Tat (2. Strophe) „O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat!“ (3. Stophe) „Komm, o mein Heiland Jesu Christ, mein Herzenstür dir offen ist. … Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr!“ (5. Strophe)

„Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und lass dir’s wohl gefallen.“ Heißt es in einem Weihnachtslied. (Ich steh an deiner Krippe, F&L 208)

Jesus wird eingeladen in unser Herz zu kommen und in alles, was unser Leben ausmacht. Das Herz ist in der Bibel immer der Ort, wo unsere tiefsten Motive sitzen, wo wir Entscheidungen treffen. Was wir im Herzen haben, das tun wir. Da sitzt die Kraft für unsere Taten. Mein Herz, das bin ich, in dem was mich wirklich erfüllt, was ich will und was ich tue.

„Komm, o mein Heiland Jesu Christ, mein Herzenstür dir offen ist. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr!“ – Das ist ein gutes Adventsgebet.

Amen

 
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