Lukas 8, 4-11 Vom vierfachen Hören

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel, Mönchebergstraße 10

Pastor Norbert Giebel 8.2.2015

Lukas 8, 4-15„Vom vierfachen Hören“

 

Textlesung vorweg!
 

Liebe Predigthörer,

ums Hören geht es heute. Und zwar ums Hören auf Gott. Wie wir auf Gottes Wort hören, darum geht es heute. Und auf Gottes Wort kann man ganz verschieden hören. Jeden Sonntag hören alle das Gleiche und jeder hört es anders. 

Jesus hat das Gleichnis vom vierfachen Ackerboden vor einer großen Menschenmenge erzählt. Von überall her sind sie gekommen. Jesus zu hören, das war eine echte Attraktion. Stellt euch eine große Konzerthalle voller Menschen vor oder ein Fußballstadion voller Menschen. So müssen sich die Jünger gefühlt haben. Seine Jünger müssen sich gefreut haben: So viele, die Jesus hören wollen! jetzt kann das Reich Gottes anbrechen!

 Und dann erzählt Jesus dieses Gleichnis: 

„Ein Sämann ging aus um seine Saat zu säen. Einiges fiel auf den Weg und wurde zertreten oder die Vögel pickten es auf. Einiges viel auf den Felsen und als es aufging verdorrte es sofort, weil es kein Wasser hatte. Einiges viel unter die Dornen und die Dornen wuchsen mit auf und erstickten es. Und einiges fiel auf guten Boden und es ging auf und trug hundertfache Frucht.“

Gott ist der Säemann. Gott sät sein Wort aus. Überall. Ohne Aufhören. Gott sät und sät. So sind es damals Tausende, die Jesus predigen hören. Dieses Gleichnis sagt auch etwas über Gott „Gott hat allen das Evangelium angeboten!“ wie Paulus einmal sagt. Die Gnade Gottes wird angeboten und angeboten und angeboten. Der Wille Gottes wird gepredigt und gepredigt und gepredigt. Dass Gott überall aussät, das soll auch ein Vorbild für die Jünger sein! Sie sollen säen und säen und säen. Unterschiedslos jedem Menschen von Jesus Christus erzählen. 

Auch über Gottes Wort sagt das Gleichnis etwas. Gottes Wort will immer etwas aufbrechen, etwas verändern. Die Saat will immer das Gleiche. Sie will aufgehen, Neues wachsen lassen, Wurzeln fassen und Erde aufbrechen. So ist das mit dem Wort Gottes: Gottes Wort will nie nur gehört werden. Es will geglaubt werden, es will Haltungen, es will uns verändern, es will getan werden.

 Also: Gott sät sein Wort aus und er tut es überall.

Jesus aber zeigt seinen Jüngern, dass lange nicht alle, die Gott hören, ihm auch gehören. Mit dem Hören auf Gottes Wort steht es von Anfang an 3 : 1 gegen Gottes Wort: Menschen, die hören wie ein Weg, Menschen, die hören wie ein Felsen und Menschen, die hören wie unter Dornen und diese drei gegen Menschen, die für das Wort Gottes ein guter Acker sind. Also: 3 : 1 gegen Gottes Wort.

So wird das immer sein, wenn Menschen Gottes Wort hören. Bis heute. Bis hier in diesem Gottesdienst. Alle hören das Gleiche und jeder hört es anders. Sehen wir uns die vier Hörweisen einmal an, die Jesus in seinem Gleichnis vorstellt:


So schöne breite angelegte Feldwege wie diesen hier gab es in Palästina nicht. es gab gar keine angelegten Wege zwischen den Feldern. Es gab nur Trampelpfade. Oft quer über ein Feld hinweg. Der Bauer warf das Korn in weiten Bögen. Er konnte gar nicht vermeiden, dass dabei auch einiges auf die Wege fiel. Der Boden war hart. Festgetreten. Da hat die Saat keine Chance. Die Vögel picken sie auf. Und wenn sich doch einmal ein kleiner Keimling bildet, wir er plattgetreten.

So sind viele Menschen: Plattgetreten. Hartgetreten. Menschen mit harten Herzen. Solche Herzen sind glatt. Das können Menschen sein, die schnell Kontakte haben, die bei Gesprächen schnell den Mittelpunkt bilden, an allem interessiert sind. Immer reden sie mit. – Aber sie sind absolut ungeeignet für neue Saat. Ständig ist Betrieb auf ihnen. Sie arbeiten viel, reden viel, sie sehen einen Film nach dem anderen, alles und jeden lassen sie auf sich herumlaufen.

Sie sind „Nur-Betriebs-Menschen“. Sie diskutieren gerne, aber an ihr Herz lassen sie nichts heran! Und sie können nicht eine viertel Stunde am Tag Acker sein, umgepflügt werden, Neues aufnehmen! Sie halten die Stille nicht aus. Sie haben die Kraft nicht, sich Gott und auch sicher selber wirklich zu stellen.

 
Bei Wegmenschen hat der Teufel leichtes Spiel. Im Nu pickt er den Samen Gottes wieder weg, bevor es überhaupt keimen kann. „Tausend mal berührt, tausend mal ist nichts passiert.“ Tausendmal gehört und nichts passiert: Das sind Wegmenschen.

Haben wir so jemanden hier, heute Morgen? Ist heute jemand hier, der nicht sillhalten kann vor Gott? Wer von uns hat ein hartes Herz, festgetrampelt, sodass Gottes Wort nur abprallen kann, nichts verändern kann? Bist Du ein Weg-Mensch? 

Bei jeder Aussaat fällt auch etwas auf die Felsen. Größere Steine konnten weggenommen werden. Aber der Boden blieb felsig. Überall gab es herausstehende Felsen oder Felsplatten, die nur dürftig mit Erde bedeckt waren. Die Felsplatten speicherten die Wärme und gaben sie an die dünne Erdschicht auf ihnen ab. Hier konnte sich Kondenswasser bilden und der Morgentau sich gut halten. Ideale Bedingungen für die Samen. Die Saat geht auf wie nichts. Nirgendwo keimen die Samen so schnell wie hier. Sobald aber die Sonne ihre Kraft entwickelt, verbrennt sie die Samen, weil sie keine Wurzeln haben und aus der Tiefe kein Wasser bekommen. So sind manche Menschen.

Bei Felsenmenschen sieht es auf den ersten Blick besser aus. Aber sie hören ohne Wurzeln: Sie sind begeistert von manchen Predigten. Und streng, wo sie von Predigten oder Gottesdiensten enttäuscht sind. Wo die Temperatur stimmt, da laufen sie zu Höchstleistungen auf: Die einen werden warm bei einem richtigen Anbetungsteil. Die anderen bei einer ruhigen schönen Liturgie. Andere kommen nur bei Großveranstaltungen und Konferenzen auf Temperatouren. Dann keimt bei Felsenmenschen das Wort Gottes wie bei keinem anderen! Sie sind begeistert. Aber wer kann schon immer begeistert sein? Wer erlebt das schon, dass alles immer so läuft, wie er es braucht?


Bei der ersten Anfechtung, sagt Jesus, als er diesen Boden den Jüngern erklärt, wenn sie Leid erfahren oder versucht werden, bei der ersten Enttäuschung oder Schwierigkeit im Alltag, da knicken sie ein, als hätten sie nichts von Gott gehört. Das Gefühl muss stimmen bei manchen Felsenmenschen! Ihr Wille muss geschehen! Das Äußere muss stimmen, es muss Sonntag sein, niemand darf sie geärgert haben, dann können sie auch auf Gott hören. 

Felsenmenschen bedanken sich beim Prediger, wenn das Wort ihnen „unter die Haut“ gegangen ist. Aber das Herz sitzt nicht unter der Haut! Das Herz sitzt tiefer. Haben wir solche Menschen heute auch hier? Ist jemand hier, der immer wieder von etwas begeistert ist, der aber immer wieder zusammenfällt, weil in der Tiefe nichts gewachsen ist?

Helmut Thielicke hat in seiner Predigt zu diesem Text gesagt: „Wenn jemand sagt, er sei begeistert von einer Predigt, dann ist das meist verdächtig! Denn wo das Wort Gottes wirklich eingeschlagen hat, da muß man sterben, da muß man ganz tief hinunter, da muß man wiedergeboren werden.“ (…) „Das Wort Gottes ist kein Ohrenschmaus, sondern ein Hammer. Wer keine blauen Flecke davonträgt, soll nicht meinen, es hätte bei ihm eingeschlagen!“ (…) „Alles, was nicht zur Tat wird, was nicht als verwandelnder Sturm in unser Leben fährt, das bleibt tot.“

Und immer, wenn der Bauer sät, fällt auch etwas unter die Dornen. Diese Sträucher, gegen die man nichts tun kann. Wie Brombeeren. Meterlange Wurzeln. Selbst wenn man das Feld vorher abgebrannt hat, wachsen diese Sträucher schnell wieder hoch und nichts hat einen Chance neben ihnen zu wachsen. .

Der Boden ist eigentlich gut! Am Boden liegt es nicht. Die Saat geht auf. Auch Wurzeln könnten gebildet werden. Aber Dornen und Unkraut wachsen schneller. Sie nehmen der zarten Pflanze Licht und das Wasser, das sie bräuchte.

Dornenmenschen sind Menschen, die Gottes Wort eigentlich ganz gut verstehen, bei denen aber andere Dinge mit aufwachsen. Sorgen, Reichtum und die Freuden des Lebens nennt Jesus selbst als Beispiel, als er den Jüngern das Gleichnis erklärt. Diese haben tiefe Wurzeln in ihnen.

„Dornenmenschen“ können Menschen sein, die immer jammern, das Negative sehen, die Gefahren, was passieren könnte, wenn man sich auf neues Land begäbe. Alles tun sie für ihr Leben. Ihre ganze Sorge gehört ihrer Gesundheit, ihrer Familie, ihrem Haus, ihrem Beruf. .

Dornenmenschen können auch solche sein, bei denen der Lebensstandard gestiegen ist. Der Verdienst und auch die Ansprüche sind gewachsen. Aber nicht Gott zur Ehre. – Ihr Aufstieg bindet sie! Ihr Aufstieg nimmt ihnen die Möglichkeit, noch zu hören, obwohl sie besten Boden haben.

Auch Hobbies können Dornen sein, die einen zu großen Raum einnehmen, die uns hindern zu hören und zu gehorchen. Jesus deutet die Dornen als Sorgen, Reichtum und Freuden der Welt. Die Freuden sind nicht schlecht an sich. Freude an seiner Frau, an seinen Kindern, seinen Gaben, Erfolg und Anerkennung. Nichts davon ist schlecht.

Aber fast alles können sich Menschen zum Götzen machen, das Geschaffene verehren, dem Geschaffenen dienen anstatt dem Schöpfer.Haben wir so jemanden heute hier?
 
Den guten Boden gibt es auch noch. Das sind die Menschen, von denen andere leben können. Menschen, die Gott so verändert, dass andere durch sie satt werden. Bei ihnen siehst du etwas, was Gott bei ihnen hat wachsen lassen. Das haben sie nicht selbst gemacht. Das konnte Gott ihnen schenken, weil sie anders gehört haben. 

Sie haben ihm ihr Leben geöffnet. Sie sind in Bewegung geblieben. Sie haben es zugelassen, dass Gott sie hinterfragt hat. Sie haben getan, was sie hörten. Gottes Geist kann sie lehren, Gott zu lieben, sich selber zu lieben und andere zu lieben, weil sie ihm stillhalten und weil ihnen nichts wichtiger ist, als Jesus zu lieben.
 
Welcher Boden bist du?

1.    Der Trampelpfad, wo der Teufel leichtes Spiel hat?

2.    Der Felsenmensch, begeistert aber ohne Wurzeln?

3.    Ist anderes mit gewachsen – Sorgen, Reichtum, Freuden der Welt – das Gottes Wort unterdrückt bei dir?

4.    Bist du ein Guter Boden, den Gott aufbricht und durch den Gott seine Frucht wachsen lassen kann?


Ich gebe uns etwas Zeit, darüber nachzudenken.

Wenn wir ehrlich sind, finden wir uns wohl überall wieder, oder? – Jeder kennt seine Dornen. Niemand ist nur guter Boden. Oder? – Ich stelle die Frage noch einmal anders: Wo bist du welcher Ackerboden? Wo bist du ein Weg-, ein Felsen-, ein Dornenmensch und wo kann Gott durch dich wirken, weil du hören kannst? Was hast du heute gehört?

Ich lade ein zu einer Gebetsgemeinschaft.

 
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