Lukas 14, 15-24 Gott will ein volles Haus

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Mönchebergstraße, Pastor Norbert Giebel 14.6.2015

Lukas 14, 15-24 „Gott will sein Haus voll haben!“

 

15 Auf diese Worte Jesu hin rief einer der Gäste ihm zu: »Glücklich, wer am Festmahl im Reich Gottes teilnehmen darf!« 16 Jesus antwortete ihm darauf ´mit einem Gleichnis`. Er sagte: »Ein Mann bereitete ein großes Festessen vor, zu dem er viele Gäste einlud. 17 Als es dann soweit war, schickte er seinen Diener und ließ den Gästen sagen: ›Kommt, alles ist bereit!‹ 18 Doch jetzt brachte einer nach dem anderen eine Entschuldigung vor. Der erste sagte: ›Ich habe einen Acker gekauft und muss unbedingt hingehen und ihn besichtigen. Bitte entschuldige mich.‹ 19 Ein anderer sagte: ›Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft und gehe sie mir jetzt genauer ansehen. Bitte entschuldige mich.‹ 20 Und ein dritter sagte: ›Ich habe gerade erst geheiratet; darum kann ich nicht kommen.‹ 21 Der Diener kam zu seinem Herrn zurück und berichtete ihm das alles. Da wurde der Herr zornig und befahl ihm: ›Geh schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen, die Behinderten, die Blinden und die Gelähmten herein.‹ 22 Bald darauf meldete der Diener: ›Herr, was du befohlen hast, ist ausgeführt. Aber es ist noch mehr Platz vorhanden.‹ 23 Da befahl ihm der Herr: ›Geh auf die Feldwege und an die Zäune und dränge alle, die du dort findest, zu kommen, damit mein Haus voll wird. 24 Denn eines sage ich euch: Von jenen Leuten, die ursprünglich eingeladen waren, wird keiner etwas von meinem Festessen bekommen.‹«

 
Liebe Gemeinde,

Jesus vergleicht das Reich Gottes mit einem Fest. „Reich Gottes“ ist da, wo Gott die Herrschaft hat.  Wo Gerechtigkeit und Friede, Güte und Liebe den Sieg haben, da ist das Reich Gottes. Wo Menschen zu Gott finden und nach seinem Willen leben. In einem Kinderlied heißt es: „Hier bei uns, da geht es fröhlich zu, wir haben meistens etwas zum Lachen. Kommt herbei, wir laden alle ein, dann feiern wir zusammen ein Fest.“ Das ist die Einladung, dahin zu kommen, wo Menschen Gott gehören. – Dann ist Freude angesagt. Wenn auch nur ein Verlorener zu Gott findet, dann jubelt der ganze Himmel. – Dann steckt Gott sie alle an mit seiner Freude, dass einer mehr mit ihm feiert.
 

Jesus saß mit frommen Leuten zu Tisch bei einem Pharisäer. Für diese frommen Leute war es ganz klar:  Sie werden dann dazugehören. Sie sind von Gott erwählt. Sie leben nach seinen Maßstäben. Einer spricht es aus und sagt: „Glücklich, wer am Festmahl im Reich Gottes teilnehmen darf!“ Dass es ein Fest sein würde, hatten sie also schon geklärt. Aber wer wird dann dabei sein? Da erzählt Jesus dieses Gleichnis. Weil wir die unsichtbare Welt Gottes nicht wahrnehmen oder fassen können, redet Jesus in Gleichnissen von Gottes Welt.

 
„Stell dir vor, es ist ein Fest, und keiner geht hinkönnte man die Geschichte überschreiben. Das Fest ist vorbereitet. Die Gäste sind geladen. Eigentlich könnte es losgehen. Aber es kommt keiner. Bei einem großen Fest waren Vorabeinladungen üblich. Und dann, wenn es so weit war, an dem Tag, wenn alles vorbereitet war, kam ein Bote, der Bescheid sagte, jetzt zu kommen. Die Boten des Gastgebers gehen also zu den Geladenen, zu denen, die Bescheid wissen, die damit rechnen mussten, die eingeweiht waren.

 
Der Hinweis der Boten hat eine hohe Dringlichkeit: Der Tisch ist gedeckt. Das Essen ist heiß. Der Wein entkorkt. Diener stehen bereit. Die Geladenen aber sagen ab. Jetzt, heute, an dem Tag, an dem sie kommen könnten, haben sie Wichtigeres vor. Alles, was sie dabei anführen, hätte noch Zeit gehabt. In ihrer Prioritätenliste aber standen diese anderen Freuden obenan. Was ist das für eine Brüskierung eines Gastgebers! Stell dir vor, du machst ein Fest, und keiner kommt!
 

Der Erste will nicht etwa einen Acker kaufen, ihm würde nicht etwa das Geschäft entgehen, wenn er jetzt nicht zuschlüge. – Nein. Er hat den Acker schon gekauft. Und er hat ihn sich auch angesehen. Niemand kauft einen Acker, ohne ihn vorher zu begutachten! Dieser Mann aber will sich an dem Tag, an dem Gott ihn ruft, seinen Besitz noch mal ansehen, sich an seinem Besitz freuen.
 

Der zweite hat nicht gerade in diesem Moment die Chance, zehn Ochsen zu kaufen. Nein. Er hat sie schon gekauft. Und sicher hat er sie sich auch angesehen, bevor er sie bezahlt hat. Kein Bauer kauft „die Katze im Sack“. Dass wäre so, als hättest du ein tolles Motorrad oder ein super Reitpferd oder wunderschönes Ferienhäuschen. ... Das muss man dann auch nutzen!! Weiß ich was morgen ist?? Heute ist schönes Wetter!“ Ich habe ich zehn Ochsen. Jetzt muss ich mich auch dran freuen.
 

Und der dritte? Er feiert seine Hochzeit, auch nicht heute, an dem Tag, an dem Gott ihn einlädt.  Aber er sagt: „Ich bin noch nicht lange verheiratet. Ich kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen, Herr. Ich kann nicht kommen.“ Vielleicht wollten die beiden einen schönen Ausflug machen. Vielleicht waren die Kinder endlich mal aus dem Haus. Vielleicht wollten sie kuscheln, sich den ganzen Tag aneinander freuen. Vielleicht wollten sie sich einen Wunsch erfüllen, etwas, was sie sich als Ehepaar immer schon gewünscht haben. Dem dritten reicht das als Grund: „Ich habe eine Frau, Herr. Ich kann nicht kommen!“ – Für manche ist die Familie das Himmelreich. Schule, Hobbies, Sport, Haus und Garten. „Herr ich komme später einmal. Irgendwann wird alles besser. Irgendwann nehme ich mir Zeit für dich..“
 

Die lange Bank ist des Teufels liebstes Möbelstück. Menschen schieben ihre Entscheidungen für Gott auf die lange Bank. Sie hören etwas, sie verstehen viel, alles ist bereit, alles ist fertig, sagt der Bote. Aber die Bank ist noch lang: „Nächste Woche, nächsten Monat, nächstes Jahr, dann komme ich, Herr. Du hast ja Zeit, Gott. Jetzt ist erst mal Wichtigeres dran.“ – Schiebst DU Gottes Anliegen auch auf die lange Bank? Was schiebst DU vor dir her, was du heute tun solltest?
 

Es geht um Israel in diesem Gleichnis. Das erstaunt uns vielleicht. Aber Jesus hat diese Geschichte zuerst den Frommen Juden damals erzählt. Menschen, die Bescheid wissen. Sie wissen, was Gott am Ende der Zeiten tun will. Sie wissen, dass Gott am Ende seinen Messias senden wird. Aber sie kommen trotzdem nicht. Jesus ist der Gastgeber. Es geht im Reich Gottes darum, wer zu Jesuskommt, wer Gottes Gnade in ihm als dem Messias annimmt. Nur wenige aus Israel kommen zu Jesus. Man könnte auch sagen, Gott ist der Gastgeber und Jesus ist es, den Gott uns bereitet hat. Das große Fest brauchte noch den Messias, den Sohn Gottes, der für uns alle Schuld trägt. Das stand nun kurz bevor. Das Fest geht los. Man könnte auch sagen, Jesus war der Bote, auf den sie jetzt hören sollen.  Er ist der Bote der sagt: „Alles ist bereit! Kommt heute! Heute ist der Tag des Heils!“
 

Wer nicht kommt, der meint, er schaffe es alleine zu Gott. Wer nicht kommt, der signalisiert damit: Ich brauche keine Gnade. Ich brauche keinen Gott der mir neues Leben schenkt. Ich schaffe das. „Lass mal Jesus. Lade andere ein. Andere haben es nötiger!“ Wer nicht kommt, der lädt sich selber aus, der schließt sich selber aus. Gott ist für jeden offen. 

Es geht um Israel und es geht um fromme Verweigerer heute. Menschen, die Gott kennen, die sein Angebot kennen, die aber Wichtigeres in ihrem Leben haben. Vielleicht haben sie ein falsches Bild vom Fest Gottes und denken: „Ein Tag auf meinem Acker, das bringt mir mehr für mein Leben!“ „Zehn Ochsen kann ich wenigstens anfassen und sehen!“ „Ein Tag mit meiner Frau, an dem wir uns gut versehen und lieben, was kann schöner sein?“ Da kann Gott nicht mithalten.


Jeder übrigens, der sich hier entschuldigt, hat einen gutenGrund. Es sind schöneDinge, die ihn davon abhalten, zu Gott zu kommen. Der Teufel beschenkt uns gerne, wenn wir ihm dann folgen. Ich erinnere mich an einen Studenten. Als ich ihn vor 20 Jahren in einer Gemeinde kennenlernte, war er ein Superfrommer. Alles und jeden musste er auf die rechte Lehre prüfen. Die Gemeinde war ihm nicht missionarisch genug. Er war Single. Er hatte sich schon manchen Korb bei jungen Frauen abgeholt. Dann kam sein Examen. Er büffelte Tag und Nacht. Er wollte einen guten Abschluss. Er sah schlecht aus. Er ließ alles sein für sein Examen. Zuerst kam er nicht mehr in den Junge-Erwachsenen-Kreis, dann auch nicht mehr in den Gottesdienst. Und er lernte eine Frau kennen an der Uni. In einer Lerngruppe.

Sein Examen hat er gut bestanden. Mit seiner Freundin hat er fortan alles gemeinsam gemacht. Und er hat einen guten Job bekommen. Jetzt war er auf der Sonnenseite des Lebens angekommen. Nur in die Gemeinde geht er seit dem gar nicht mehr. Er hat seinen Halt und seine Freude anderswo gefunden. („Man kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen.“)
 
Helmuth Thielicke hat einmal gesagt: „Der Weg zur Hölle ist in der Regel nicht mit schweren Verbrechen oder großen Lumpereien gepflastert, sondern mit lauter Harmlosigkeiten und lauter Anständigkeiten; und zwar deshalb, weil die Harmlosigkeiten und Anständigkeiten den falschen Rang bekommen und plötzlich ins Licht treten.“ - Die, denen es gut geht, sie sagen Gott ab.

 
Das Gleichnis vom großen Gastmahl sagt viel über Gott. Gott will ein volles Haus haben.
Gott will feiern, und weil er die Liebe ist, will er nicht alleine feiern. Er liebt alle Menschen und er möchte jeden an seinem Tisch haben. Die Gäste wurden rechtzeitig eingeladen. Dann kommt Gott selber vorbei! Er kommt in Jesus vorbei. Er spricht durch seinen Geist Menschen an: „Komm, es ist alles bereit!“ Jetzt müssen die Gäste kommen. Das Fest duldet keinen Aufschub. „Man muss die Feste feiern, wie sie fallen“ Ein kleines Zeitfenster ist offen: Morgen hat dich der Alltag wieder!
 

Das Gleichnis vom Festmahl sagt viel über Gott! Die Kultur war von Vorstellungen von Ehre und Schande bestimmt. Es war eine Ehre, jemanden einzuladen! Und es war eine schlimme Brüskierung, eine große Schande, wenn die Gäste ausblieben. Jeder Gastgeber hätte höchst beleidigt, sauer, zornig reagiert. Jeder andere hätte das Fest abgesagt. Das verdirbt einem alle Freude. Das lässt niemand mit sich machen. Nur Gott lässt es mit sich machen. Seine Liebe ist größer als sein Zorn.


Das Fest findet statt. Gott sendet nochmals Boten aus: „Geht auf die Straßen am Ende der Stadt, am Rand, an die Hecken und Zäune, hinaus aus der Stadt und bringt jeden mit, der kommen will!“ Das werden Jesu Tischgenossen sofort verstanden haben. Die Zäune sind der Rand des Volkes Gottes, die Grenze zu den Heiden. Die, die noch nicht geladen sind, sie sollen nun eingeladen werden.

 
Wenn die Starken und Stabilen nicht wollen, dann sollen die Schwachen und Labilen kommen. Sie sollen satt werden! Wenn die nicht wollen, denen es gut geht, dann holt mir die, die lange nichts zu lachen hatten. Sie sollen fröhlich werden. Wenn die Verliebten nicht kommen wollen, dann holt mir die, die sich nach Liebe sehnen. Sie sollen Liebe erleben. Wenn die Landbesitzer und reichen Viehbesitzer nicht kommen, ladet die Armen und die Hungrigen ein. Sie werden nichts Besseres zu tun haben. Wenn die Selbstgerechten zuhause bleiben, dann will ich die in den Arm nehmen, die um ihre Sünde wissen, die niemand für gerecht hält. „Mein Haus soll voll werden!“ sagt der Herr.


Zwei Mal noch sendet der Herr seine Boten. Und das steht wohl dafür, dass er sie immer wieder sendet. Denn Gott hat noch Platz im Himmel! Und kein Platz soll frei bleiben. Darum schickt er seine Boten immer wieder. Das Gleichnis sagt auch etwas über uns aus: Denn Jesus hat uns zu seinen Boten gemacht: „Gehet hin und lehret alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!“ (Mt 28,20)
 

Gott will dich als seinen Boten. Auch bei uns ist noch Platz. Jeden Sonntag. In den Gemeindegruppen ist noch Platz. Viele Wohnzimmer sind noch leer. Super geeignet für einen Hauskreis. – Es ist noch Platz im Himmel. – Und wir sind seine Boten: Gottes „Bescheidsager“: „Es ist alles bereit!“
 

Nötigt sie, herein zu kommen!“Folie Gesichter: Keiner soll draußen bleiben.

sagt der Herr in dem Gleichnis. Das haben manche gründlich missverstanden. Sie meinten, man müsse Druck machen, Gewalt anwenden, Andersdenkende unterdrücken. Cogite intrare haben es die Kirchenväter übersetzt. Zwingt sie, einzutreten. Zwingt sie, Christen zu werden. Ganze Völker wurden christianisiert. Sie wurden besiegt und zum Christentum gezwungen. Als die Sachsen besiegt wurden gab es viele Tausende Zwangstaufen. (Mein Vater wohnt in Verden) In Verden an der Aller zwischen Bremen und Hannover wurden im sogenannten Blutgericht Tausende Menschen enthauptet, geköpft, umgebracht, die sich nicht taufen lassen wollten.
 

„Drängt sie hereinzukommen!“ Das heißt nicht, dass wir Druck ausüben sollen, sondern dass wir es ernst nehmen, dass wir mit Nachdruck einladen, dass wir nicht aufgeben und es dem anderen wichtigmachen, dass wir es nicht so nebenbei nur bemerken, wer unser Herr ist. Das Einladen kann dauern. Wir müssen auch mehrfach hingehen. Es geht weniger um Redegewandtheit, um die Worte, die wir wählen. Es geht um Vertrauen. Vertrauen muss aufgebaut werden. Unser Interesse an dem anderen muss echt sein. Wir müssen – so wie Jesus – bereit sein, unser Leben mit ihnen zu teilen. Sonst sind wir keine glaubwürdigen Zeugen für den Gott, der Mensch geworden ist.
 

Warum hat Gott seinen Sohn gesandt? Warum war Jesus bereit, schwerste Leiden auf sich zu nehmen?
Warum haben die Apostel ihr ganzes Leben für die Mission investiert? „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn sandte, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben!“ (Joh 3,16) Es ist die Liebe, die Gott zu einem Missionar gemacht hat. Es ist die Liebe, die Missionare bis heute antreibt und große Opfer bringen lässt. Und es ist mangelnde Liebe, wenn wir bei Gottes Mission nicht mitmachen. ... Dann hat er uns noch nicht angesteckt.
 

Ihr kennt doch alle „Kaffee to go“: Kaffee, den man im Gehen trinkt. Gottes Speise ist in gewisser Weise auch „Essen to go!   Wer davon isst, der geht los, der will, das Gottes Haus voll wird, der wird angesteckt von Gottes Liebe und von seiner Feierfreude. Im Hebräerbrief gibt es einen sehr wichtigen weisen Hinweis für Entscheidungen, wenn Gott zu uns spricht. Da heißt es (Hebr 3,15): »Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht!«“ Man muss Feste feiern wie sie fallen. Wer eher kommt, der feiert länger!
 

Amen

 
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