Markus 10, 6-9 Traupredigt

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
Pastor Norbert Giebel
3. Oktober 2015

Trauansprache zu Markus 10, 6-9
S. und T. Nachname


 

Liebe S, lieber T,
 

heute ist der 3. Oktober. Der Tag der Einheit. Der Tag der Deutschen Einheit und der Tag eurer Einheit. Das wiedervereinigte Deutschland feiert Silberhochzeit und feiert grüne Hochzeit. In 25 Jahren können wir uns hier wieder treffen. Dann feiert ihr Silberhochzeit und Deutschland ist dann 50 Jahre vereinigt. 

Seid ihr noch etwas nervös, S und T? Ist bisher alles so gelaufen, wie ihr es euch gewünscht habt? Seid ihr gespannt, nervös, wie der Tag heute noch weitergeht? Ich möchte euch etwas sagen, was euch ganz ruhig machen kann. Auch wenn nicht alles genau so laufen sollte, wie ihr es euch vorgestellt habt, das dürft ihr wissen: Was ihr beide heute tut, das will Gott. Dass eine Frau und ein Mann ja zueinander sagen und sich Treue versprechen, das will Gott. 

Ihr habt euch folgende sehr bekannte Verse aus dem Markusevangelium für die Trauansprache ausgesucht. Da zitiert Jesus das Alte Testament und da lesen wir, dass Gott die Ehe will:

„Am Anfang jedoch, bei der Schöpfung, hat Gott die Menschen als Mann und Frau erschaffen. ›Deshalb wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und sich mit seiner Frau verbinden, und die zwei werden ein Leib sein.‹ Sie sind also nicht mehr zwei, sondern sie sind ein Leib. Darum: Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen.“ (Markus 10, 6-9)

 

Die Ehe ist eine von Gott gewollte geordnete Lebensform. „Gott schuf den Menschen als Mann und Frau.“  Es ist nicht gut für einen Menschen, wenn er alleine bleibt. Jeder Mensch sehnt sich nach Liebe, nach Zugehörigkeit, nach Treue, nach Intimität. Männer und Frauen begehren einander. Man sehnt sich nach dem, was man selber nicht hat, was man selber nicht ist.

Jeder ist entweder Frau oder Mann. Und man möchte durch den anderen ergänzt und gestärkt werden. Es gehört zum Menschsein, dass wir uns nach Verbundenheit, einer festen vertrauensvollen Beziehung, und nach Intimität sehnen. 

Jeder Mensch möchte angenommen sein, möchte erleben, dass er so wie er ist, nackt sozusagen, und wirklich nackt, geliebt wird. Für diese intime Liebe zwischen Frau und Mann hat Gott die Ehe geschaffen. In der Ehe soll vieles erfüllt werden, nach dem wir Menschen uns sehnen: Liebe, Zugehörigkeit, Treue, Sex. Eine Beziehung, in der man sich ganz entblättern kann. Wo es keine Geheimnisse mehr gibt, wo man nichts verstecken muss. 

Was ihr beide heute tun wollt, S und T, dass ist es, was Gott will. Ein Mann und eine Frau, die Ja zueinander sagen, die sich die Treue versprechen in guten und in schweren Tagen. Eine Frau und ein Mann, die sich aneinander binden. Um sich zu lieben! Um sich gegenseitig stark zu machen. Um sich zu verwöhnen und gemeinsam durch dick und dünn zu gehen. Und Gott wollt ihr hierzu um seinen Segen bitten. 

„Deshalb wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und sich mit seiner Frau verbinden!“ heißt es weiter in der Bibel. Das ist für damalige Verhältnisse sehr bemerkenswert. Denn faktisch haben damals die Frauen alles verlassen. Die Frauen sind zu den Familien der Männer hinzugekommen. Dennoch heißt es hier: Der Mann wird Vater und Mutter verlassen, er soll verlassen, was zu ihm gehört, was ihm vertraut ist. Er soll sich lösen, um mit seiner Frau eins zu sein. 

Heute muss man das Männern und Frauen sagen: Verlasse deinen Vater und deine Mutter! Sei nicht mehr zuerst Kind deiner Eltern, sondern Frau und Mann in deiner Ehe. Suche und lebe zuerst die Einheit der Ehe. Manche Ehen kranken daran, dass sich ein Mann oder ein Frau nicht gelöst hat von den Eltern. 

Eltern oder Schwiegereltern sind oft die erste Herausforderung für eine junge Ehe. Entweder, weil die Eltern sich einmischen und in lauter Kleinigkeiten bestimmen wollen, oder weil die erwachsenen verheirateten Kinder sich selbst nicht lösen von ihren Eltern. Dann hat man Ehemänner, die es immer noch ihrer Mutter recht machen wollen; auch auf Kosten oder gegen die Interessen der eigenen Frau. Oder man hat Ehefrauen, die es immer noch ihrem Vater recht machen wollen. Die Bibel, Altes und Neues Testament, sind da deutlich: Verlasse deine Familie und verbinde dich mit deinem Ehepartner.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Diese Loslösung von dem Eltern hat nichts mit Verantwortungslosigkeit zu tun oder Lieblosigkeit ihnen gegenüber. Natürlich soll man seine Eltern achten. Aber es ist eine Frage der Priorität, mit wem man eins ist! Wem die höchste Loyalität gehört. 


Ich hatte einige Gespräche mit euch, T und S, und ich freue mich, zu sehen, dass ihr beide genau das seid und weiter werden wollt: Eine Einheit. Zwei, die achthaben aufeinander. Zwei, die sich etwas vom anderen sagen lassen! Zwei, die einander achten und stark machen wollen. Zwei, die ihr Leben gemeinsam gestalten.
 

„Am Anfang hat Gott die Menschen als Mann und Frau geschaffen ... Deshalb wird der Mann Vater und Mutter verlassen ... und die zwei werden ein Leib sein.“ Ein Leib werden, das meinte damals zunächst die intime Sexualität. Da wird man eins mit dem anderen. Verschenkt sich, beschenkt einander. Miteinander schlafen ist wohl das Intimste, was Mann und Frau sich schenken. Und dieses Geschenk gehört nach Gottes Willen in die Ehe.
 

„Sie sind nicht mehr zwei, sondern ein Leib.“ Ein Leib, nicht nur körperlich, sondern untrennbar miteinander verbunden. Wohl zu unterscheiden! Aber nicht mehr zu trennen! Dass die Ehe dennoch gefährdet ist, muss ich eigentlich nicht eigens sagen. Damals zurzeit Jesu war die Scheidungsquote hoch. Nur die Männer konnten eine Ehe auflösen. Und viele taten es, mehrfach, aus geringen Gründen. Sie mussten der Ehefrau nur einen Scheidungsbrief geben und konnten sofort wieder heiraten. 

Die Liebe der Ehe ist gefährdet. Sie ist eine Gabe und sie bleibt ein Leben lang eine Aufgabe, eine Hausaufgabe. Nicht aufzuhören, dem andere gnädig zu sein, geduldig zu sein, wenn es mit der Harmonie nicht so klappt, sich dem Partner und seinen Bedürfnissen unterzuordnen. „Ordnet euch einander unter in der Ehrfurcht vor Christus!“ sagt Paulus einmal. (Eph 5,21) 

Eine Ehe einzugehen, das ist eine Entscheidung. Eine mutige Entscheidung. Sie ist ein Lernprozess. Ihr seid schon eins, aber ihr werdet noch viel mehr eins, wenn ihr in der Liebe und in der Demut vor Christus bleibt. Ehe ist ein Unterwegssein. Wie sie sich entwickelt, das ist nicht vorhersehbar. Sie ist ein Abenteuer zu zweit. Jedes Paar geht seinen ganz eigenen Weg. 

„Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen!“ Die Ehe ist auch angreifbar. Sie ist kein sicherer Hafen, wie man so sagt. In jeder Ehe wehen auch Stürme. Es ist eine große und eine wunderbare Aufgabe, immer mehr zu einem „wir“ zu werden. Zu einem „wir“ wird man, wenn man zusammen bleibt, was man auch erlebt. Je mehr man gemeinsam und gemeinsam mit Gott erlebt, desto tiefer wird man eins.
 

Um eins zu blieben, darf das offene Gespräch nicht aufhören. Jeder darf seine Gefühle ausdrücken, ohne verurteilt zu werden. Jeder darf seine Wünsche äußern und die des anderen aufgreifen. Sich erzählen, was man erlebt, gehört dazu. Sich gemeinsam sorgen aber auch gemeinsam spielen, lachen. Gemeinsame Zeit haben und genießen. Das ist neben dem offenen Gespräch wohl am meisten gefährdet in vielen Ehen. Wenn man nur noch funktioniert. Wen man nur noch für die Kinder, den Beruf oder das Ehrenamt da ist. 

Seid füreinander da in der Ehrfurcht vor Christus. (vgl. Eph 5,21) Bei Jesus Christus lernen wir, was Liebe ist. Er hat alles für uns gegeben. Er ist ganz wie wir geworden. Er kennt uns, weiß alles und er liebt uns. Er hat uns erwählt, uns ausgesucht zu lieben. Er hat sich dazu entscheiden und lässt uns nie wieder los. Er hält uns fest. Bei Jesus dürfen wir offen sein. Ohne Geheimnisse. Ihm dürfen wir alle Gefühle zeigen, alles sagen. Schwach sein, klein sein und uns groß vorkommen.
                                    

Ihr macht das richtig heute, S und T.

Ihr sagt Ja zueinander. Ihr versprecht, euch zu lieben.

Ihr bittet um Gottes Segen für eure Ehe.

Und ihr werdet gesegnet von dem Gott, von dem es heißt: Gott ist die Liebe!

Er will sich selber, seinen Geist und seine Liebe in eure Ehe geben!

                                                           
Amen

 

 

 

 

 
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