1. Korinther 13, 1-13 Ohne Liebe ist alles nichts.

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Mönchebergstraße
Predigt Pastor Norbert Giebel, 7.02.2016


1. Kor. 13, 1-13 „Ohne Liebe ist alles nichts!“

1Wenn ich in Sprachen rede, die von Gott eingegeben sind – in irdischen Sprachen und sogar in der Sprache der Engel -, aber keine Liebe habe, bin ich nichts weiter als ein dröhnender Gong oder eine lär-mende Pauke. 2 Wenn ich prophetische Eingebungen habe, wenn mir alle Geheimnisse enthüllt sind und ich alle Erkenntnis besitze, wenn mir der Glaube im höchsten nur denkbaren Maß gegeben ist, so-dass ich Berge versetzen kann – ´wenn ich alle diese Gaben besitze,' aber keine Liebe habe, bin ich nichts. 3Wenn ich meinen ganzen Besitz an die Armen verteile, wenn ich sogar bereit bin, mein Leben zu opfern und mich bei lebendigem Leib verbrennen zu lassen, aber keine Liebe habe, nützt es mir nichts.
4Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen Neid, sie spielt sich nicht auf, sie ist nicht ein-gebildet. 5Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht nicht den eigenen Vorteil, sie verliert nicht die Beherr-schung, sie trägt keinem etwas nach. 6Sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, aber wo die Wahr-heit siegt, freut sie sich mit. 7Alles erträgt sie, in jeder Lage glaubt sie, immer hofft sie, allem hält sie stand.
8Die Liebe vergeht niemals. Prophetische Eingebungen werden aufhören; das Reden in Sprachen, ´die von Gott eingegeben sind,' wird verstummen; die ´Gabe der' Erkenntnis wird es einmal nicht mehr ge-ben. 9Denn was wir erkennen, ist immer nur ein Teil des Ganzen, und die prophetischen Eingebungen, die wir haben, enthüllen ebenfalls nur einen Teil des Ganzen. 10Eines Tages aber wird das sichtbar wer-den, was vollkommen ist. Dann wird alles Unvollkommene ein Ende haben. 11Als ich noch ein Kind war, redete ich, wie Kinder reden, dachte, wie Kinder denken, und urteilte, wie Kinder urteilen. Doch als Er-wachsener habe ich abgelegt, was kindlich ist. 12Jetzt sehen wir alles nur wie in einem Spiegel und wie in rätselhaften Bildern; dann aber werden wir ´Gott' von Angesicht zu Angesicht sehen. Wenn ich jetzt etwas erkenne, erkenne ich immer nur einen Teil des Ganzen; dann aber werde ich alles so kennen, wie Gott mich jetzt schon kennt. 13Was für immer bleibt, sind Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei. Aber am größten von ihnen ist die Liebe.“ (NGÜ)

Liebe Gemeinde,

der gelesene Text wird auch „Das Hohelied der Liebe“ genannt. Dieses Kapitel aus dem ers-ten Korintherbrief ist ein Hymnus darauf, dass die Liebe das Höchste ist. Für Hochzeiten werden gerne Verse aus 1. Korinther 13 als Trautexte genommen. Aber Paulus geht es gar nicht zuerst um die eheliche Liebe, sondern um die Liebe allgemein. Wir können unsere Liebe in der Ehe, zu unseren Kindern, Eltern, Freunden, zu uns selbst und sogar die Liebe zu unseren Feinden an der Liebe ausrichten, die hier beschrieben ist.

Das Hohelied der Liebe in einer sehr gespannten Situation entstanden. Es ist Teil eines Streites. Diese wunderbaren Sätze über die Liebe stehen mitten in einer ernsten Auseinandersetzung. Im Kern geht es bei diesem Streit um das Wirken des Heiligen Geistes. Da gab es bestimmte Bega-bungen, die hoch im Kurs standen in Korinth. Einige meinten von bestimmten Gaben, dass jeder Christ sie haben sollte. Es ging auch darum, was evangelische Freiheit ist. Das Gesetz hat keine Geltung mehr. Die vielen jüdischen Vorschriften gelten nicht für die Christen. „Dann darf ich al-les!“ sagten einige. „Alles ist erlaubt!“ – Ethische Fragen, wie ein Christ lebt, waren Teil des Streites.

Und um den Gottesdienst wurde gestritten. Welche Gaben sollten da Platz haben? Was ist das Wichtigste? Und wie kriegen wir das hin, dass wir wirklich gemeinsam Gottesdienst feiern? Die Gottesdienste fanden abends statt. Sie begannen mit dem gemeinsamen Essen und dem Abend-mahl. – Und die Leute, die früher kommen konnten, warteten nicht mit dem Abendmahl auf die Armen oder Sklaven, die erst später dazu kamen. Dicke Luft in Korinth. Heiße Streitgespräche. Es haben sich Parteien gebildet.
Mitten in diesen Streit hinein stellt Paulus die Liebe in den Mittelpunkt. Wie eine Richtschnur, an welcher aller Streit gelöst werden muss. Wie ein Kompass, der jedem seine nächsten Schritte zeigt. Worauf kommt es Paulus an?

1. Gnadengaben ohne Liebe sind wertlos (V1-3)

Machen wir uns nichts vor: Auch Christen können stolz sein und sich damit über andere erheben. Stolze Prediger, Musiker, oder Leiter. Sogar stolze Beter und Anbeter gibt es.

Nicht selten gibt es begabte Christen, die auf andere schimpfen oder wenigstens den Kopf über sie schütteln, weil sie nicht das Gleiche wie sie tun. Da hilft einer ständig in der Gemeinde mit, putzt, fegt, dient, investiert viel Zeit und sieht auf andere herab, die es nicht tun. Da leitet je-mand einen Gottesdienst, moderiert, betet von vorne, und kann diejenigen überhaupt nicht ver-stehen, die nicht laut beten und vor der Gemeinde stehen können. Gabenprojektion nennt man so etwas: Ich bin begabt und mir fällt etwas leicht und ich verstehe nicht, warum es einem anderen nicht auch so leicht fällt, was ich tue. Er oder sie hat aber die Gabe nicht. Er kann es wirklich nicht so einfach. Und ich erlaube mir ein Urteil über ihn, anstatt einfach meine Gabe einzubrin-gen.

Die Gemeinde in Korinth hatte wirklich viele Gaben.

a) Sie hatten verschiedene Verkündigungsgaben. Nicht nur einen Prediger. Es gab Propheten, Lehrer, Leute mit besonderer Weisheit und Erkenntnis unter ihnen.

b) Sie hatten verschiedene Leitungsgaben, nicht nur einen Leiter. Sie hatten Leute, die der Ge-meinde aus Gottes Wort Impulse gaben. Sie hatten Leute, die organisieren konnten. Sie hatten Leute, die in die Zukunft dachten, die Visionen für die Gemeinde hatten.

c) Sie hatten verschiedene Gebetsgaben. Leute, die in Zungen beten konnten, treue Fürbeter, gute Vorbeter. Es gab Menschen, die beteten und erlebt haben, dass Kranke gesund wurden.

d) Sie hatten viele diakonische Gaben in Korinth. Menschen, die einfach angefasst haben, die ge-holfen haben, wo Hilfe nötig war. Sie hatten die Gabe des Dienens. Oder andere, die viel Geld den Armen gaben. Wenn jemand in Not war, konnte er sich an sie wenden. Sie hatten die Gabe des Gebens.

Es gab Christen, die sich für Sklaven einsetzen. Es gab sogar Christen, die selbst Sklaven wurden, damit andere frei wurden! Das muss man sich einmal vorstellen! Da wird ein Sklave schwer krank und ein Gemeindemitglied bietet sich zum Tausch an. „Lass ihn frei. Ich werde dein Sklave. Und ich bin gesund!“ – Was ist das denn für eine Liebe!

Die Korinther waren geistlich gut aufgestellt! ... Meinten sie. Aber sie stritten untereinander, welche Gabe wie eingesetzt werden müsste, welche Gabe die Wichtigste sei. Die Gaben sind in Konkurrenz zueinander geraten. – Was ist das denn für eine Dummheit!

Paulus schreibt ihnen: Ohne Liebe ist alles nichts! Gnadengaben ohne Liebe sind wertlos!
(V1) „Wenn ich in verschiedenen Sprachen von Menschen und in Sprachen der Engel reden könn-te und ich hätte keine Liebe, dann wäre ich ein tönernes Erz und eine klingende Schelle.“ Dann würde ich nur Lärm machen, laut sein, aber nichts hervorbringen, was andere aufbaut, tröstet oder ermutigt.
Das tönerne Erz und die klingende Schelle waren Musikinstrumente, die keine Melodie hervor-bringen konnten. Sie geben bestenfalls den Rhythmus vor. Aber Singen kann man nach ihnen nicht. Ohne Liebe kannst du predigen, eine Gruppe leiten, andere unterweisen, und es klingt wie Blech auf Blech. Niemand kann es von dir annehmen, weil du den Menschen nicht siehst. Und Gott ehrst du auch nicht mit deinen Gaben, denn die Liebe ist sein Motiv bei allem, was er tut.

(V2) Wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse des Glaubens wüsste und alle Er-kenntnis hätte, und hätte die Liebe nicht, dann wäre ich nichts. Nichts für das Reich Gottes. Nichts für die Gemeinde. Nichts für die Menschen in dieser Welt. Vielleicht wäre ich hoch be-gabt, aber ich spalte die Gemeinde! Ich weiß alles besser. Mich treibt der Kritikgeist. Ich gehe ins Gericht mit anderen, weil ich keine Liebe habe. Ich habe Recht! Und wer Recht hat, hat auch das Recht zu streiten. (Meine Güte noch einmal!)

(V3) Und auch die Diakonie hinterfragt Paulus. Selbst gute Taten, die äußerlich wie Liebe ausse-hen, können einen anderen verletzten und sie ehren Gott nicht, wenn du sie nicht aus Liebe tust. Du besuchst viele Kranke und lässt keine Chance aus, es anderen zu erzählen. Du unterstützt fi-nanziell viele Menschen, aber du tust es von oben herab. Du erwartest ihren Dank. Du baust da-mit deine Macht aus. Du kümmerst dich um andere und trägst es wie einen Orden vor dir her. „Seht mal um was für kaputte Leute ich mich kümmere!“

Dein Erbarmen kommt von oben! Damit erniedrigst du die Armen noch einmal. Du machst Hilflo-se zu deinen Objekten. „Ohne Liebe ist das alles nichts!“ sagt Paulus. Die Liebe ist der Führer-schein der Gaben, die Gottes Geist uns gibt. Man kann mit den höchsten Begabungen andere Menschen umfahren, andere in ihrem Glauben gefährden und einer ganzen Gemeinde schaden. Es sind meistens sehr begabte Christen, die einer Gemeinde schaden, weil sie keine Liebe haben.

Die Gnadengaben helfen uns tun, was Jesus getan haben will. Egal ob es Redegaben, Leitungs- oder Dienstgaben sind. Die Gaben helfen zu tun, was Jesus getan haben will. Die Liebe aber hilft uns zu sein, wie Jesus ist und wie er uns haben will. Alles andere hört einmal auf. Alles andere verliert einmal seine Bedeutung. In der Ewigkeit brauchen wir keine Prediger, keine Leiter oder Seelsorger mehr. Aber wer liebt, der tut das, was Gott schon vor aller Zeit getan hat du was er in alle Ewigkeit tun wird.

2. Das Wesen der Liebe (V4-7)

Was ist denn Liebe? Was macht die Liebe aus? „Die Liebe ist langmütig und freundlich!“ beginnt Paulus. Das ist wie eine Überschrift. Alles andere kann man darunter zusammenfassen. Liebe hat langen Mut für andere Menschen. Liebe hat viel Geduld. Und sie hört nicht auf, freundlich zu sein, dem anderen wohlgesonnen. Vor Menschen, die lieben braucht keine Angst zu haben. Sie wird nicht laut, sie rechnen nicht auf, sie trägt nicht nach, sie ist nicht empfindlich. Paulus zählt acht Verneinungen auf. Ich lese sie einmal nach Luthers Übersetzung. Hören sie die Sätze wie ein Maßband, wie ein Spiegel für ihre eigene Liebe. – Können Sie / kannst du so lieben?

1. Die Liebe eifert nicht. Das heißt, sie redet nicht heftig gegen jemanden oder gegen etwas. Liebe muss nicht Recht haben.

2. Die Liebe prahlt nicht.

3. Die Liebe bläst sich nicht auf. Wer liebt, braucht sich selbst nicht größer machen, als er ist. Wer liebt, pumpt sich nicht auf, wenn er eigentlich leer ist. Wer liebt kann auch klein sein vor seinem Gegenüber. Es geht ihm doch nicht um sich selbst.

4. Die Liebe handelt nicht ungehörig. Sie ist anständig. Sie zeigt Respekt. Sie ist taktvoll. Sie tut nichts, was andere beschämt.

5. Die Liebe sucht nicht das Ihre. Wer liebt setzt seine Gaben nicht für eigene Ziele und Inte-ressen ein. Wer liebt, der ist frei, die Bedürfnisse andere höher als seine eigenen zu stellen.

6. Die Liebe lässt sich nicht zum Zorn reizen. Im Alten Testament im Buch der Sprüche lesen wir: „Lass ab vom Streit, ehe er losbricht!“ (17,14) Sage STOP! Zu dir selbst! Zum anderen? Höre auf zu argumentieren, höre nur noch zu oder beende das Gespräch, wenn du merkst, dass da etwas in dir hochkocht oder dass der andere sich angegriffen vorkommt. Die Liebe lässt sich nicht zum Zorn reizen!

7. Die Liebe rechnet das Böse nicht an. Wer liebt, kann einen anderen, der ihm Unrecht getan hat, aus seiner Schuld loslassen. Der hat es nicht nötig, Recht zu haben, aufzurechnen, am En-de fehlerfrei dazustehen. Wer liebt, trägt das Böse nicht nach. Liebe führt kein Buch. Sie han-delt nicht danach, was andere ihr für Unrecht getan haben. Die Liebe hat eine sechs in Ma-thematik, weil sie nicht rechnen kann, was sie getan hat und andere getan haben. Liebe macht einen Schlussstrich.

8. Die Liebe freut sich nicht am Unrecht. Liebe ist nicht schadenfroh. Egal wer es ist, dem Schlechtes passiert: Die Liebe freut sich darüber.

Mit acht Verneinungen beschreibt Paulus die Liebe. Und niemand kann sagen: „Genau so liebe ich schon!“ Das soll uns ein Spiegel sie, ein Ansporn, ein Trainingsprogramm. Das soll uns ein Ziel sein, denn so wird im Himmel geliebt! Einen Punkt habe ich noch:

3. Liebe ist nicht gleich Liebe

Das Hohe Lied der Liebe beschreibt eine besondere Liebe. Es ist die Liebe, mit der Gott uns liebt, die hier beschrieben wird. Im Griechischen gibt es drei Worte für Liebe.

(1) Philia meint so etwas wie Freundschaft. Jemanden gern haben. Ich habe viele Menschen gern. Die Philanthropen lieben die „Anthropois“, die Menschen. Philanthropie ist Menschenliebe. Philosophen lieben die Sophia, die Weisheit. Philadelphia heißt übersetzt Bruderliebe. Philia, das ist die Zuneigung. Da zieht es einen hin. Das mag man.

(2) Eros ist das zweite Wort: Damals hatte Eros noch eine etwas breitere Bedeutung. Das Streben nach Glück, nach Lebensfreude. Eros ist die lustvolle Liebe. Eros ist die Leidenschaft. Eros ist aber auch damals schon die begehrende Liebe zwischen Frau und Mann. Über Philia und Eros haben auch die griechischen Philosophen sinniert. Nicht aber über das dritte Wort für die Liebe:

(3) Die Agape. Jesus und alle Schreiber des neuen Testaments reden von dieser Liebe, von der Agape, der sich bedingungslos schenkenden Liebe. Was ist der Unterschied? Eros und Philia wer-den gelockt. Das, was sie lieben, die Frauen, die Wissenschaft, die Natur, das reizt sie, das bringt den Eros oder die Philia erst hervor. Eros und Philia sind gelockte Lieben. Die Agape aber, Gottes Liebe, die er durch seinen Geist auch in unser Herz geschenkt hat, sie liebt einfach, weil der andere es braucht. Sie liebt, weil sie es will. Sie wird nicht von außen gelockt. Sie ist schon da. Sie kommt aus mir selbst.

(V7) Diese Liebe, die Agape, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Und sie ist keine Liebe, zu der wir von uns aus fähig wären. „Gott hat seine Agape ausgegossen in un-sere Herzen durch den Heiligen Geist!“ schreibt Paulus den Römern (5,5). Gott erträgt uns im-mer. Gott gibt die Hoffnung für uns nie auf. Wir können auch anstelle der Liebe den Namen Jesu einsetzen:

Jesus ist geduldig, Jesus ist freundlich. Jesus kennt keinen Neid, Jesus spielt sich nicht auf, Jesus ist nicht eingebildet. Jesus verhält sich nicht taktlos, Jesus sucht nicht den eigenen Vorteil, Jesus ver-liert nicht die Beherrschung, Jesus trägt keinem etwas nach. Jesus freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut Jesus sich mit. Alles erträgt Jesus, in jeder Lage glaubt Jesus, immer hofft er, Jesus hält allem stand.

Gott sucht seine Liebe, er sucht seinen Sohn bei uns. Diese Liebe, mit der wir geliebt werden, will durch uns auch andere Menschen lieben. Jesus hat es uns gelehrt: „Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.“ (1. Johannes 4,16b)

Paulus schließt das Hohelied der Liebe. „So bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe. Die Liebe aber ist das Größte!“

Der Glaube glaubt. Einmal aber wird er sehen!
Die Hoffnung hofft. Einmal wird sie überflüssig.
Die Liebe aber liebt heute und dann wird sie zur vollen Liebe befreit werden.

Amen.

 
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