Epheser 5, 1-8 Lerne von Gott und lebe im Licht

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg; 28.2.2016,

Pastor Norbert Giebel
Epheser 5, 1-8: „Lernt von Gott und lebt im Licht!“

1 So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder 2 und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns ge-liebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. 3 Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. 4 Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung. 5 Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger - das sind Götzendiener - ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. 6 Lasst euch von nie-mandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. 7 Darum seid nicht ihre Mitgenossen. 8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts. (LUT)

Liebe Gemeinde

1. Ihr seid geliebte Kinder Gottes

„Ihr geliebten Kinder“, spricht Paulus die Christen an. Das ist die Voraussetzung für alles, was noch kommt. Das ist das Erste und das spricht er den Christen in Ephesus zu. An die „Heiligen in Ephesus“ beginnt er diesen Brief. (1,1) Also an die, die Gott gehören, die Gott zu seinem Volk erwählt hat, die Gott dienen, an sie richten sich seine Worte. Gott hat sie geheiligt. Gott hat sie in sein Eigentum geru-fen. Auch hier nennt er sie wieder „Heilige“. Menschen, die Gott zu seinen Kindern gemacht hat.

An die, „die Christus Jesus vertrauen“ ergänzt er in seinem Briefkopf am Anfang. Und jetzt schreibt er, „als die geliebten Kinder Gottes“ (vgl. 1,5) ahmt Gott nach, nehmt euch an ihm ein Beispiel, seid Gottes Nachfolger, lebt wie euer Vater lebt.“ Nur weil sie Gottes Kinder sind, kann Paulus sie zu einem Leben als Gottes Kinder auffordern. Die Kindschaft kommt zuerst. Nichts kann uns das wieder nehmen, dass wir Gottes Kinder sind, freien Zugang zu ihm haben, Gott ganz vertrauen dürfen, echt vor ihm sein dür-fen. Er hat uns adoptiert. Da kann niemand mehr etwas machen.

„Wir sind als Gottes Erben eingesetzt“, schreibt er weiter vorne. (1,11) Das ist rechtsgültig! Wir sind gerettet, erlöst, alle Sünden – auch die wir noch tun werden und zu Gott bringen – sie sind uns verge-ben (vgl. 1,7). Wir sind Prinzen und Prinzessinnen Gottes. Er hat uns in sein Schloss geholt. Er hat uns königlich gekleidet. Er hat uns den Siegelring auf den Finger gesteckt: „Du bist mein Kind und mein Er-be!“ Wir sind nicht mehr Gäste, sondern Gottes Mitbewohner! (2,19) „Ihr seid geliebte Kinder Gottes!“ das durchzeiht den Epheserbrief.

2. Darum lebt auch, was ihr seid!

„Erziehung ist zwecklos. Die Kinder machen ihren Eltern sowieso alles nach!“ Vielleicht kennen Sie die-sen Spruch. Alle Ermahnungen und Regeln nützen nichts, wenn sich die Eltern nicht selber daran hal-ten. Die beste Erziehung ist das eigene Beispiel! Kinder brauchen Vorbilder! Kinder Gottes haben Gott zum Vorbild.

Die Christen in Ephesus sind noch jung im Glauben. Sie sind noch Neulinge im Reich Gottes. Sie leben als Christen in einem andersgläubigen, heidnischen Umfeld und suchen selber noch: Wie lebt ein Christ? Worin soll er sich unterscheiden? Was gehört sich für Christen - und was nicht? Paulus hat ei-nen Rat für sie: Orientiert euch an eurem Vater. Nehmt ihn als Vorbild. Ihr lebt doch mit ihm. Ihr wohnt doch bei ihm. Was liegt näher?! Werdet Nachahmer Gottes! Folgt dem Beispiel Jesu!

„Kindern machen es ja doch den Eltern nach.“ Mach du es Gott nach. Bist du ein Prinz, dann lerne dich nun auch so benehmen. Iss wie ein Prinz ist, sei tapfer und klug, weise und selbstlos, wie es Prinzen und Prinzessinnen sind, wenn Gott ihr Vater ist. Sieh Jesus an, den Sohn, dann weißt du, wie man lebt in Gottes Reich.

Das eine Geschenk ist die Kindschaft: Rechtfertigung aus Gnade. Das zweite Geschenk ist die Heiligung: Ein Leben mit neuen Werten, wozu er dich befähigt. Lass es in dir wachsen. Gleich nach dem Briefkopf schreibt Paulus hier an die Epheser: „Er hat uns erwählt, Gottes Kinder zu sein, damit wir etwas sind zum Lob seiner herrlichen Gnade.“ (1,5-6) Oder etwas später: „Wir sind Gottes Werk geschaffen zu gu-ten Werken!“ (2,10)

Als ich in Stuttgart Pastor war, kam ein junger Mann zum Studium in die Stadt. Er hat sich ziemlich schnell in der Gemeinde engagiert. Zwei Jahre später kommt ein anderer junger Mann ebenfalls „von der Alp ra“, also von der Alp. Ich lerne ihn kennen und er braucht es gar nicht verraten, obwohl sie sich äußerlich unterscheiden: Der zweite ist ein Bruder des anderen. Wie er lacht, die Mimik und Gestik, die Körperhaltung, die Art zu sprechen. „Das sagen viele, dass wie uns so ähnlich sind. Das haben wir von unserem Vater!“ sagte der Bruder des anderen.

So will Gott uns prägen. Dass wir lachen, reden, schweigen, geduldig sind, mutig und fest, so wie er. „So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe mit der auch Christus uns ge-liebt hat und hat sein Leben als Gabe und Opfer dahin gegeben hat.“ „Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts.“ (V8) Gott will uns die Rechtfertigung und die Heiligung schenken. Gott will uns zu seinen Kindern machen und uns helfen, dass wir leben können wie seine Kinder.

3. Unzucht, Habsucht und unreine Rede sollt ihr lassen.

Worin sollen wir uns unterscheiden? Drei Bereiche spricht Paulus an. Drei klassische Bereiche. Da sollen Christen anders sein, sich von der Welt unterscheiden: In ihrem Umgang mit der Sexualität, in ihrer Hal-tung zum Besitz und darin, wie sie mit oder über andere reden. Sex, Geld und unsere Rede, das sind Mächte, die Gewalt über uns bekommen können und in denen wir anderen schwer schaden können.

Unzucht, das meint Verfehlungen auf sexuellem Gebiet. Ehebruch, der Gang zu einer Prostituierten. Sex ohne Beziehung, ohne Verantwortung. Sex, der andere erniedrigt, ausbeutet, der nichts von Treue weiß. Das griechische Wort lautet „porneia“. Unser Wort Pornographie kommt daher. Unzucht war ein großes Thema in Ephesus. In Ephesus ging man zu Tempelprostituierten. Der Tempel der Göt-tin Diana war weltberühmt. Über 1000 Priesterinnen nimmt man an, haben der Göttin der Fruchtbarkeit gedient, indem sie sich prostituierten. Der Besuch bei ihnen war gesellschaftlich absolut anerkannt. Die Aufforderung da nicht mitzumachen, war ein Zeichen in der Stadt. Lasst euch nicht mit Worten verfüh-ren, macht keine gemeinsame Sache mit ihnen, schreit Paulus. Wer Gottes Kind ist, der lebt seine Se-xualität in Liebe und Verantwortung. Der ist treu. – Seine Sexualität gehört seiner Frau. – Ihre Sexuali-tät gehört ihrem Mann.

Habsucht bedeutet vom griechischen Wort her, immer mehr haben zu wollen. Im Urteil von Paulus ist Habsucht ist Götzendienst. Martin Luther nannte die Habsucht den „allerschlimmsten Abgott“. Viele dienen der Habsucht. Sie hat eine immense Bindungskraft. Was ich habe, habe ich mir verdient. Was ich habe bedeutet Anerkennung meiner Leistung. Was ich habe macht mein Image aus. Was ich habe, macht mich frei und gibt mir Sicherheit. Was ich habe, hebt mich aus der Masse hervor.
Wie heißt noch einmal der Onkel von Donald Duck? Dagobert Duck. Stinkreich und total geizig. Das geht Hand in Hand, wenn jemand habsüchtig ist. Die Figur von Donald Duck würde keinen Sinn machen, wenn es solche Menschen nicht in der Realität gäbe. In einer Gemeinde, die ich nicht nenne, gab es eine reiche Familie. Beide Eltern haben gut verdient. Beide fuhren große, auffällige teure Autos. Sie flogen gerne mit ihren Kindern in den Urlaub und hatten neben ihrer Villa zuhause ein zweites großes Haus in der Schweiz. Ihr Gemeindebeitrag sah hingegen sehr dünn aus. Eher unter dem Durchschnitt. Wir entschieden als Älteste, dass mit diesen Reichen Leuten einmal jemand spricht. Die Frau sagte in dem Gespräch: „Was wollt ihr denn? Sollen wir etwa den Zehnten geben? Weißt du wie viel das ist?“

Mit anderen Worten: Wer 1000 EUR verdient, soll ruhig 100 spenden. Wer aber 15.000 EUR verdient, dem kann man nicht zumuten, 1500 EUR zu spenden, das wird als ungerecht und völlig unangemessen verstanden. – Da bleiben ja nur noch 13.500 EUR im Monat! Das ist das Dagobert-Duck-Phäno-men. Wir müssen Mitleid mit den Reichen haben. Die hängen an ihrem Geld. Sie betreiben Götzendienst. Hab-sucht ist eine geistliche Krankheit, die man ernst nehmen muss.

Ich habe noch eine andere Geschichte gefunden: Ein Mann bekam einen Wundermantel geschenkt. Immer wenn er seine Hand in die Tasche dieses Mantels steckte, zog er sie voll mit Geld wieder heraus. Ach wie lebte er herrlich. Eines Tages merkte er, dass immer, wenn er eine Summe aus seinem Wun-dermantel gezogen und ausgegeben hatte, am nächsten Tag eine Schlagzeile in der Zeitung stand:
o „Alte Frau überfallen. 300 EUR entwendet.“ – Und er hatte gerade gestern 300 EUR ausgegeben.
o „Hartz-IV-Empfänger verliert 1000 EUR auf dem Weg nach Hause! – Finder gesucht!“ – Und er hatte gestern 1000 EUR aus dem Mantel für einen zweiten Fernseher ausgegeben.
o „Mutter mit fünf Kindern auf der Straße! Vier Monatesmieten je 600 EUR waren offen“ – Und gera-de gestern hatte er sich ein Sofa für 2400 EUR gekauft.
o „Hunger in Kenia. Von 100 EUR lebt ein Kind ein Jahr lang“. Und gestern waren sie für 100 EUR richtig fein essen!

Immer stimmten die Summen aus der Zeitung mit dem Luxus, den er sich erlaubte. Was er mit vollen Händen ausgab, hat er anderen damit weggenommen. Es sind nicht mehr Güter auf der Welt vorhan-den, nur weil er die Glückskarte gezogen hat und so viele Güter hat. Andere haben sie dann nicht.

Unzucht, Habsucht und üble Rede sind mit dem Leben als Kinder Gottes nicht vereinbar. Sie stehen gegen die Liebe, gegen die Achtung anderer Menschen.

Üble Rede ist der dritte Bereich, den Paulus nennt. Andere anfahren. Ungehaltene Kritik, die den an-deren verletzt. Schlechtes Reden über andere. Neugierde, Tratsch und Legendenbildungen über Dritte. Immer das letzte Wort haben zu müssen. Andere klein machen, in den Senkel stellen, ohne sie zu se-hen, ohne zuzuhören, ohne sie aufbauen zu wollen. Das passt nicht zu einem Kind Gottes. Darin sollt ihr euch unterscheiden von dieser Welt. Worte können Menschen kaputt machen. Worte bauen Zu-kunft für andere oder verbauen sie!

Jakobus schreibt von der Macht der Zunge. Er vergleicht die Zunge, unsere Worte, mit dem Ruder eines großen Schiffes: „Große Schiffe, die von starken Winden getrieben werden, werden doch von einem kleinen Ruder gelenkt.“ „Die Zunge ist ein kleines Ding und richtet große Dinge an.“ sagt Jakobus. „Sie ist ein kleines Feuer, das einen ganzen Wald anzündet.“

Die Macht der Zunge wird oft unterschätzt. Folglich werden auch Vergehen beim Reden nicht hoch ge-wertet. Bei Feuer denken wir vielleicht eher an die Erotik, da kann man sich verbrennen. Bei Feuer denken wir nicht an unsere Rede, die alles in Brand stecken kann. Bei einem Ruder, das alles lenkt, denken wir vielleicht an das Geld. Geld regiert die Welt, oder? Aber es sind unsere Worte, die den Kurs eines ganzen Schiffes verändern können.

In einer Predigt las ich: „Nichts von dem allen, was Menschen schädigt und kaputt macht, soll mehr ei-nen Platz haben in einem Leben, das sich Jesus hingegeben hat. Ja, nicht einmal Worte, die andere beleidigen und verletzen dürfen da fallen, denn Sprache ist nie harmlos. Wer Frauen als Flittchen und Ausländer als Kanaken bezeichnet, ist meist nicht weit davon entfernt, sie entsprechend zu behandeln. Wer schlecht über andere redet, wer bei Mobbing mitmacht, nimmt einem anderen Menschen sein Ansehen und seinen Atem. Wer im Dunkeln über andere redet, der lebt nicht im Licht.“

An einem der ökumenischen Bibelabende der letzten Wochen sprachen wir über die Demut. Mir ist das wichtig geworden, Demut heißt nicht Unterwürfigkeit, sondern den Mut haben zum rechten Wort. Vom Wortsinn her ist Demut der „Mut, dem anderen zu dienen“. Vom griechischen Wort her ist Demut der „Mut zur Niedrigkeit“. Ich kann klein sein im Kontakt mit anderen Menschen. Trotzdem können Konfrontationen nötig sein. Wohl dem, der ist zu beneiden, der ist wirklich stark, der seine Zunge im Zaum halten kann (vgl. Jak!) und wie Jesaja sagen kann:

„Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben (also Schüler, Kinder, Nachahmer Got-tes!), dass ich weiß wie ich mit den Müden zu rechter Zeit reden kann! Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet!“ (50,4f) Rechtes Reden kommt aus dem Hören auf Gott und mein Gegenüber. Wer nicht hören kann, der wird nicht in der Liebe bleiben.

Zuletzt: Gott richtet die Ungehorsamen.

Erschreckend ist eine Passage unseres Predigttextes: Vers 5: „Denn das sollt ihr wissen, dass kein Un-züchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger - das sind Götzendiener - ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes!“ Ehebrecher, Geizkragen und Brüllhälse haben nichts zu suchen im Reich Gottes. Das passt einfach nicht. Sie werden gerichtet werden.

Dann aber passe ich da auch nicht hinein ins Reich Gottes: Ich habe noch nie die Ehe gebrochen, aber ich habe sie schon einmal in Gedanken gebrochen. Geiz ist mir nicht fremd. Festhalten, was ich habe. Meinen finanziellen Vorteil nicht zur Disposition stellen. Das ist mir nicht fremd. Und ich rede viel. Wie viele werde ich schon verletzt oder enttäuscht haben. Und ich habe auch schon schlecht über andere geredet. Ich mag das gar nicht, aber es passiert mir.

„Kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger - das sind Götzendiener - hat ein Erbteil im Reich Christi und Gottes!“ schreibt Paulus. Aber Umkehr ist möglich. Vergebung ist möglich. Ehebrecher, Geizkragen, Sexsüchtige, Geldgierige und Redesüchtige sind willkommen in der Gemeinde Gottes, wenn sie umkehren und Vergebung und Gnade suchen.

„Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!“ sagt Jesus, als eine aufgebrachte Menge eine Ehebre-cherin steinigen will. Und keiner, niemand, nicht einer nimmt einen Stein. Keiner wirft und verurteilt die Frau noch, weil jeder ein Sünder ist. Gott hasst die Sünde, aber er liebt den Sünder! Wer bei Gott in die Schule geht, der lernt gerade mit Sündern gnädig sein. Denn das ist eine der Lieblingsbeschäftigungen unseres Vaters.

Amen.

 
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