Philipper 2, 5-11 "Von Jesus Demut lernen"

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Kassel-Möncheberg 20.03.2016

Pastor Norbert Giebel

Philipper 2, 5-11         „Von Jesus Demut lernen“

 

Ich lese Phil 2, 5-11 (nach der neuen Genfer Übersetzung):

5 Das ist die Haltung, die euren Umgang miteinander bestimmen soll; es ist die Haltung, die Jesus Christus uns vorgelebt hat. 6 Er, der Gott in allem gleich war und auf einer Stufe mit ihm stand, nutzte seine Macht nicht zu seinem eigenen Vorteil aus. 7 Im Gegenteil: Er verzichtete auf alle seine Vorrechte und stellte sich auf dieselbe Stufe wie ein Diener. Er wurde einer von uns - ein Mensch wie andere Menschen.

8 Aber er erniedrigte sich ´noch mehr`: Im Gehorsam gegenüber Gott nahm er sogar den Tod auf sich; er starb am Kreuz ´wie ein Verbrecher`. 9 Deshalb hat Gott ihn auch so unvergleichlich hoch erhöht und hat ihm ´als Ehrentitel` den Namen gegeben, der bedeutender ist als jeder andere Name.

10 Und weil Jesus diesen Namen trägt, werden sich einmal alle vor ihm auf die Knie werfen, alle, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind. 11 Alle werden anerkennen, dass Jesus Christus der Herr ist, und werden damit Gott, dem Vater, die Ehre geben.

 

Liebe Gemeinde,

heute haben wir eine Liedpredigt. Der Text, wir gehört haben, ist ein Lied. Die ersten Christen hatten kein Neues Testament, keine Evangelien, keine Briefe der Apostel. Aber sie hatten schon sehr früh Bekenntnisse und die wurden gesungen. Die ältesten Bekenntnisse der Christen sind Christuslieder.

Das Lied im Philipperbrief hat ein klares Versmaß und zwei Strophen: Die Erniedrigung und die Erhöhung Jesu Christi. Meine Predigt hat drei Teile: (1) Die Demut Jesu, (2) unsere Demut und (3) die Erhöhung Jesu.

1. Die Demut Jesu

Jesus hat sich selbst erniedrigt, heißt es in diesem Lied. Das war nicht schön für ihn, das hat ihm auch keinen Spaß gemacht. Jesus hat sich selbst darum erniedrigt, weil er demütig war, weil er gehorsam war, weil er einen Auftrag hatte. Es hat Jesus keinen Spaß gemacht, alles aufzugeben und den untersten Weg zu gehen. Aber er hat sich dazu entscheiden! Er war es um der Liebe Gottes Willen getan.

Die Niedrigkeit Jesu fängt schon bei seiner Geburt an. In einem Stall. Aber er hat sich sein Leben lang als ein Diener verstanden. Er hat den verschiedensten Menschen gedient, war sich für niemanden zu schade. „Er war gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz“ singen die ersten Christen.

Heute, am Palmsonntag, werden wir an seinen Einzug in Jerusalem erinnert. Als er in die Stadt einzog, da wurde er noch gefeiert. Später verspotten sie ihn. Aber schon sein Einzug nach Jerusalem war ein Zeichen: Er ritt auf einem geliehenen Esel. Die römischen Soldaten, die es gesehen hatten, werden ihn kaum ernst genommen haben. Sie wussten wie ein Triumphzug aussieht. Der Feldherr zieht voran in einem Kriegswagen oder einem Prunkwagen, gezogen von Sklaven oder von starken Pferden. Dann folgen die Soldaten, dann kommen die Gefangenen. Ein Mann auf einem Esel, der kann kein Reich gefährden, dachten die Soldaten. Schon der Einzug nach Jerusalem war ein Zeichen dafür, dass hier einer eine ganz andere Art von Herrschaft antritt.

Jesus ist demütig. Jesus erniedrigt sich selbst. Er verzichtet auf Prunk und Zeichen weltlicher Herrschaft. Am Abend darauf nach dem Einzug hat Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen. Das war Sklavenarbeit. Und Jesus sagte den Jüngern: „Das habe ich euch zum Vorbild getan. Wer unter euch groß sein will, der soll sich zum Diener der anderen machen!“ (vgl. Joh 13) Wir sollen wie er demütig sein.

Im Garten Gethsemane betet Jesus und ringt sich durch zu seiner nächsten, zu seiner großen Erniedrigung: Er wird verraten von einem Freund, er wird abgeführt wie ein Verbrecher, er wird verhört, falsche Zeugen sagen gegen ihn aus. Der Sohn Gottes wird verspottet, bespuckt und ausgepeitscht. Er trägt sein Kreuz. Er stirbt am Kreuz. – Und er wusste es vorher! Er hat es freiwillig getan! „Der Menschensohn ist gekommen, nicht dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben hingebe als Lösegeld für die vielen.“ (Mk 9,10) hat Jesus einmal von sich gesagt.

Jesus hatte in jedem Moment die Möglichkeit, auszusteigen. Jesus musste diesen Weg nicht gehen, er wurde nicht gezwungen. Jesus hätte fliehen können, zu wehren. Jesus war keine Marionette Gottes. Er hätte ungehorsam sein können. Er hätte ganz anders leben können. Jesus wurde nicht nur erniedrigt, er hat sich erniedrigen lassen. Er hat sich selbst erniedrigt, damit wir mit ihm erhöht werden können.

Das Leben Jesu war eine „Karriere nach unten“. Das Lied aus Philipper 2 aber erinnert uns daran, dass der größte Teil seiner Selbsterniedrigung für uns gar nicht sichtbar war: Er war bei Gott. Er hatte alle Möglichkeiten Gottes. Er aber hielt es nicht fest wie einen Raub. Dass er Gott gleich war, war für ihn keine fette Beute, kein Privileg, das er festhielt und mit niemand teilen wollte. Er „entäußerte sich selbst“ übersetzte Martin Luther. Er hat sich „leer gemacht“, steht da wörtlich. Er wurde Mensch und er nahm Knechtsgestalt an. – Jesus hat alles aufgegeben, damit wir alles empfangen. Darum geht es in der ersten Strophe des Christusliedes. Das ist die Demut Jesu.

2. Unsere Demut.

Paulus geht es aber letztlich um unsere Demut. Er zitiert das alte Bekenntnis, um damit etwas zu unserem Leben zu sagen. Wir sollen so miteinander umgehen, so untereinander gesinnt sein, wie es unserer Beziehung mit Christus entspricht. Wie können wir Jesus in seiner Selbsterniedrigung folgen? Die Verse direkt vor unserem Predigttext geben die Richtung an:

2,1 Nicht wahr, es ist euch wichtig, einander im Namen von Christus zu ermutigen? Es ist euch wichtig, euch gegenseitig mit seiner Liebe zu trösten, durch den Heiligen Geist Gemeinschaft miteinander zu haben und einander tiefes Mitgefühl und Erbarmen entgegenzubringen! 2 Nun, dann macht meine Freude vollkommen und haltet entschlossen zusammen! Lasst nicht zu, dass euch etwas gegeneinander aufbringt, sondern begegnet allen mit der gleichen Liebe und richtet euch ganz auf das gemeinsame Ziel aus. 3 Rechthaberei und Überheblichkeit dürfen keinen Platz bei euch haben. Vielmehr sollt ihr demütig genug sein, von euren Geschwistern höher zu denken als von euch selbst. 4 Jeder soll auch auf das Wohl der anderen bedacht sein, nicht nur auf das eigene Wohl.

Paulus befindet sich ganz auf der Linie Jesu. Jesus hat seinen Jüngern gesagt: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig! So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen“ (Mt 11,29) „Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt. Wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht!“ (Mt 23,12)

Was aber ist Demut? Demut ist der Mut zu dienen, der Mut, das Gute für den anderen zu suchen. Demut schätzt den anderen höher ein, als sich selbst. Demut ist die Entscheidung und die Kraft, eigene Wünsche, Ideen oder Erkenntnisse zurückzustellen. Demut ist Kraft zu leiden für einen anderen, die Kraft, andere zu tragen. Demut hat den Mut zum rechten Wort, zum offenen Wort, das aber den anderen nicht verurteilt (!), ihn nicht angreift.

Ich habe das hier in Kassel mindestens einmal erlebt. Zum Beispiel, dass mich eine Schwester aus der Gemeindeleitung anspricht und mir eine Kritik sagt. „Wie du dich da und da so und so verhalten hast, das fand ich nicht gut!“ Für mich war das ein Beispiel an Demut. Sie hat mich nicht vor anderen kritisiert, ich fühlte mich überhaupt nicht verurteilt oder angegriffen. Sie hat den Mut gehabt, mir in feiner Weise mit einem kritischen Wort zu dienen. Ich war eher aufgebaut als heruntergemacht danach. Diese Schwester ist einer nicht leichten Aufgabe um meinetwillen nicht ausgewichen.

Was ist das Gegenteil von Demut? Was würdet ihr sagen? Stolz. Das ist sicher richtig. Hochmut. Selbstüberschätzung. Sich für etwas Besseres halten. Anderen von oben herab begegnen.

Das Gegenteil von Demut aber ist auch Feigheit. Aus Angst um sich selbst das Rechte nicht tun.

Die Angst oder Feigheit, etwas zu verlieren, wenn man das Rechte tut. Den leichtesten Weg suchen, auch wenn er anderen schadet. Jesus war nicht feige. Er hat nicht den leichtesten Weg gesucht.

Selbstmitleid ist auch ein Gegenteil zu Demut. Wer sich selbst bemitleidet, stellt sich selbst in die Mitte. Und in anderen sieht er schnell Gegner. Wenn ich hochmütig bin aber auch wenn ich mich in Selbstmitleid bade, komme ich von meinem Thron nicht herunter. Ich brauche etwas, um über dem anderen zu stehen! Und wenn es nur meine Verletzung ist, das große Unrecht, dass ich erfahren habe.

Jesus war nicht stolz, nicht feige und nicht selbstmitleidig. Jesu hat sich nicht verletzt zurückgezogen. Jesus war demütig. „Das lass ich mit mir nicht machen!“ das ist kein Jesu-Wort. Jesus war der Liebe gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Und er sagt seinen Jüngern kurz vor seinem Tod: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben (so wie es ist, so wie er es möchte) erhalten will, der wird es verlieren!“ (Mk 8, 34f) – Das ist unsere Demut.

Und zuletzt: 3. Jesu Erhöhung!

Die zweite Strophe des Liedes. Da geht es um die Erhöhung Jesu. Weil er sich selbst erniedrigt hat und gehorsam war bis zum Tod: „Darum hat Gott ihn auch erhöht, und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass sich beugen sollen alle Knie derer, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (V9-11)

„Herr“ ist der Name, der über alle Namen ist. Kyrios auf Griechisch. Gottes Name, Jahwe, wurde im Alten Testament mit Herr oder Kyrios übersetzt. Der Kyrios ist der „Weltherrscher“ oder „Herr über alles.“ Dass Gott ihm den Namen Herr gegeben hat, bedeutet, dass er ihm alle Macht gegeben hat. Der, der auf einem jungen geliehenen Esel in die Stadt Jerusalem geritten ist, ohne Kriegswagen, ohne Prunk, ohne Gefangene mit sich zu führen, den macht Gott zum Herrn der Herren, zum König der Könige.

In dem uralten Lied in Philipper 2 heißt es: „Und weil Jesus diesen Namen trägt, werden sich einmal alle vor ihm auf die Knie werfen, alle, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind. 11 Alle werden anerkennen, dass Jesus Christus der Herr ist!“ – Alle Knie werden sich vor ihm beugen. Darauf will ich noch eingehen.

Der Kniefall ist das Zeichen der Demut, der Anerkennung der Ehre und Herrschaft des anderen Wer auf die Knie geht, der ist selber nicht mehr Herr. Nicht über sich selbst und nicht über den Menschen neben sich. Wer auf die Knie geht, der anerkennt einen anderen als Herrn als sich selbst. Versucht doch einmal, auf die Knie zu gehen und Befehle zu erteilen oder auf den Knien stolz zu sein. Versucht doch einmal auf den Knien gegen jemanden zu kämpfen. Das geht nicht. Der Kniefall ist das Zeichen der Demut. Und: Er ist das Zeichen der Anbetung.

Das griechische Wort für Anbetung „Proskynese“ heißt übersetzt „Kniefall“, auf den Knien beten. Da kommt sogar das Wort „kynos“, Hund, drin vor. Wer anbetet, der geht auf die Knie, der anerkennt den Herrn, der begibt sich dem Wort nach auf die Ebene des Hundes. Wer anbetet, der sagt: „Ich bin nicht wert, dass du in mein Haus einkehrst. Aber sprich nur ein Wort, dann wird dein Knecht gesund.“ (Mt 8,8) Jesus anbeten heißt, mich ganz unter seine Herrschaft zu stellen.

Als Student war ich im letzten Studienjahr Mitglied der Gemeindeleitung in der Gemeinde in Hamburg-Wandsbek. Das erste Mal, als ich das war, sagte der Gemeindeleiter: „Dann lasst und beten.“ Alle standen auf und ich dachte, die stehen auf zum Gebet. Aber nichts da. Alle haben sich hingekniet und dann auf den Knien gebetet.

Vielleicht betet der eine oder die andere von uns zuhause auch einmal auf Knien. Das weiß ich nicht. Paulus aber spricht hier von einem öffentlichen Auf-die-Knie-gehen. Der öffentliche Kniefall zeigt, dass ein anderer Herr über mich sein soll. Das ist ein Zeichen. Das ist eine Geste, eine Haltung, die mir äußerlich hilft, eine innere Haltung einzunehmen. Das ist eine Gebetshaltung, in der ich mich entscheide, wer mein Herr sein soll.

Ich möchte nun nach der Predigt beten. Und ich möchte mich dabei hinknien. Ich möchte Jesus als en Herrn mit dieser Körperhaltung anbeten. Ich möchte ihm zeigen, dass ich mich ihm ganz unterstelle. Ich möchte ihn preisen damit, ihn ehren, ihn erhöhen. Ich weiß, hier sind viele im Raum, die wie ich oder noch mehr als ich Jesus gehören und gehorchen. Ich möchte es heute einmal vor Gott durch mein Knien ausdrücken, dass Jesus mein Herr ist. Niemand muss da mit mir machen. Wenn am Ende alle ihre Knie vor ihm beugen, kann ich es ruhig schon einmal üben.

Aber vielleicht sind noch andere hier, die sich hinknien wollen. Der König reitet ein auf einem geliehenen Esel. Vielleicht möchtest du ihn auch ehren, dir selbst und ihm zeigen, dass er dein Herr sein soll. Wenn am Ende der Zeiten all ihre Knie vor ihm beugen werden, vielleicht möchtest du es mit mir schon heute tun. Ich werde jetzt beten und mich hinknien. Ich bitte die Gemeinde, aufzustehen. Aber jeder, alle, die den König der Demut heute auf diese Weise ehren wollen, können auch aufstehen, in den Gang gehen und sich ebenfalls hinknien. Wir stehen dazu auf. Oder wir Knien uns dazu.

Herr Jesus.

Du bist der König.

Du hast den Namen, der über alle Namen ist.

Du heißt Immanuel und das heißt: Ich bin bei euch.

Du hast alles aufgegeben für uns und für mich.

Dir will ich alles geben. Dir will ich mich geben.

Komm und zieh bei mir ein.

Ich will lernen, demütig zu sein.

Ich bekenne öffentlich:

Mein Glaube ist oft nicht groß.

Meine Liebe ist oft blind.

Meine Hoffnung ist oft ohne Geduld.

Bitte, Herr,

gebe deinen Heiligen Geist in mein Herz, in unser Herz,

dass wir leben und lieben,

so wie es der Gemeinschaft mir dir entspricht.

Amen.

 
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