1. Timotheus 1, 12-17 Jesus rettet Sünder

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Kassel-Möncheberg

Pastor Norbert Giebel. 12.6.2016

1. Timotheus 1,12-17
„Jesus ist gekommen, Sünder zu retten!“

Liebe Gemeinde,

ist heute Morgen ein Sünder unter euch? Vielleicht auch zwei? Ist jemand hier, der nicht nur ab und zu mal etwas falsch macht, sondern der richtig fest sitzt in der Sünde? Ist jemand hier, der immer wieder, jede Woche, in dem was er tut, weit weg von Gott ist? Wer hat Gott gelästert in der letzten Woche? Wer hat ihm bewusst nicht gehorcht? Wer hat Jesus verleugnet? Wer war Gott schon wieder ungehorsam? Wer traut sich Jesus zu fragen wie einst die Jünger am Abend, als er verraten wurde: „Bin ich es, Herr?“ Ist heute jemanden hier, der ganz viel Gnade braucht, unglaublich viel Erbarmen? Ist jemand hier, mit dem Gott und Menschen viel Geduld brauchen? Der sich selber vielleicht aufgeben will und schon gar nicht glauben kann, dass andere ihn nicht aufgeben? Wer ist es, der getragen werden muss, weil er sich böse in sich selbst verstrickt hat?

Herzlich willkommen! Ganz besonders herzlich willkommen, wenn so jemand heute hier ist. Du wirst es nicht fassen können, wie sehr Jesus sich freut, dass du hier bist. Gerade du! Herzlich willkommen! Denn hier ist Gnade. Hier ist Barmherzigkeit. Hier ist jemand, der nie aufhört, geduldig mit dir zu sein. Gott ist barmherzig und geduldig. Er ist dir entgegen gelaufen. Er verzehrt sich geradezu selbst in seiner Liebe zu dir. Also: Komm an und freue dich an Jesus. Das ist ein Wort, auf das du dich absolut verlassen kannst: Jesus ist gekommen, die Sünder zu retten! Jesus ist gekommen, Sündern zur Freude und zum Leben zu helfen!

Ist vielleicht auch jemand hier, der kein Sünderist? Vielleicht sogar zwei? Ist jemand hier, der im Grunde wirklich okay ist? Mehr als das: jemand, der gut ist, der Gutes tut, der nicht stiehlt, die Ehe nicht bricht, niemanden betrügt, jemand, der auch dann ehrlich ist, wenn es keiner sieht? Gibt es so jemanden hier? Ist jemand hier, der sich in der letzten Woche ganz an Gottes Gebote gehalten hat?  Auch dir ein herzliches Willkommen, der du gegen kein Gebot verstoßen hast. Für dich gibt es eine Ermahnung, eine Warnung, eine kritische Anfrage. Denn Paulus hat sich auch für einen Gerechten gehalten;  vor seiner Bekehrung.

Ich lese aus seinem ersten Brief an Timotheus, 1, 12-17:

12 Ich danke dem, der mir für meinen Auftrag Kraft gegeben hat, Jesus Christus, unserem Herrn; denn er hat mich als vertrauenswürdig angesehen und in seinen Dienst genommen, 13 ausgerechnet mich, der ich ihn früher verhöhnt und seine Gemeinde mit äußerster Härte verfolgt hatte. Aber er hat sich über mich erbarmt, weil ich in meinem Unglauben nicht wusste, was ich tat. 14 Geradezu überwältigend war die Gnade, die unser Herr mir erwiesen hat, und sie hat in mir einen Glauben und eine Liebe entstehen lassen, wie sie nur durch Jesus Christus möglich sind. 15 Ja, Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um Sünder zu retten. Auf dieses Wort ist Verlass; es ist eine Botschaft, die vollstes Vertrauen verdient. Und einen größeren Sünder als mich gibt es nicht! 16 Doch gerade deshalb hat sich Jesus Christus über mich erbarmt: An mir als dem größten aller Sünder wollte er zeigen, wie unbegreiflich groß seine Geduld ist; ich sollte ein ermutigendes Beispiel für alle sein, die sich ihm künftig im Glauben zuwenden, um das ewige Leben zu erhalten. 17 Dem König, der in alle Ewigkeit regiert, dem unvergänglichen, unsichtbaren, alleinigen Gott, gebühren Ehre und Ruhm für immer und ewig. Amen.                             1.Timotheus 1,12-17 (NGÜ)

Paulus hat erlebt, was Jesus gepredigt hat. Wir haben es im Wochenspruch gehört, was Jesus von sich selbst gesagt hat:
„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und zu retten was verloren ist.“ (Lukas 19, 10).

Paulus hat Jesus nicht gesucht. Paulus ist ihm nicht entgegen gekommen. Jesus hat ihn gesucht und er sucht die Menschen nicht erst, wenn sie anfangen ihn zu suchen. Jesus will Sünder retten und auch so ein schwieriger, dickfälliger, schwerhöriger, stolzer, selbstgerechter Mann wie Paulus hindert Jesus nicht, ihn zu suchen und zu retten. Was Paulus erlebt hat, ist wirklich Gnade. 100 Prozent Gnade. Darum kann er nur danken und Gott loben. Nichts und Garnichts hat Paulus getan. Nicht Paulus hat sich bekehrt, sondern Gott hat ihn bekehrt. Paulus hat sich nicht verwandelt, sondern Gott hat ihn verwandelt. Es ist wirklich alles nur Gnade. Paulus ist Christ allein aus Gnade.

Die Gesunden, also die, die sich für gesund halten, die brauchen den Arzt nicht, hat Jesus einmal gesagt. Wer sich selbst für gut hält, der braucht Jesus nicht mehr. Aber die Kranken, die brauchen den Arzt. Jesus geht zu den Kranken, zu den Ungerechten, zu denen, die ihr Leben nicht schaffen. Er will die befreien, die in sich selbst verstrickt sind, die böse Knoten in ihrer Seele haben. Und die sich selbst in ihrer Dramatik, in ihrer Verlorenheit, vielleicht noch nicht einmal erkannt haben. Wie Paulus.

Brauchst du Trost für deine Seele? Hier findest du Trost! Brauchst du Halt, Hoffnung. Fühlst du dich nur noch getrieben in deinem Leben? Bei Jesus findest du Ruhe und Kraft. Er lädt ein: „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erfrischen, ich will euch Ruhe geben!“ (Mat 11,28). Bei Jesus treffen die verkehrten Menschen auf Liebe. Bei Jesus bekommen die verdrehten , die irregeleiteten Menschen einen neuen Sinn, eine Vision, einen Auftrag für ihr Leben. Das hat Paulus erlebt.

Früher hätte er sich nie als Sünder bezeichnet. Eben gerade nicht.
Paulus war ein Gerechter!

Er war ein Eiferer, ein Kämpfer für die Wahrheit. Sein Eifer galt niemand als Gott. Gott hat sich offenbart. Seinen heiligen Willen kann jeder im Gesetz nachlesen.Klar, dass der Pharisäer Paulus das Gesetz ernst nahm. Das war seine Lebensaufgabe, Gottes Gebote zu achten und andere darin zu erziehen! Auch zu strafen! So ein Wischiwaschi-Gehorsam konnte Paulus zur Weißglut treiben. Das Gesetz sagt doch: „Der Prophet und der Träumer soll sterben, der euch gelehrt hat von dem Herrn eurem Gott abzufallen!“ (5. Mo 13,6) „Tut das Böse weg aus eurer Mitte!“ das fordert das Gesetz. Wer zu Jesus betet, wer Jesus Gott gleichsetzt, wer den Gekreuzigten für den Messias hält, der ist ein Gotteslästerer, der ist ein Falschprophet und In-die-Irre-Führer. Der gehört gestraft.

Paulus, früher hieß er noch Saulus: Saulus hat die Christen verfolgt. Lukas berichtet von der Steinigung des Stephanus. Saulus war dabei. gewesen. Und Lukas schreibt: „Saulus hatte gefallen an seinem Tod!“ (Apg 8,1) Kurz darauf lesen wir in der Apostelgeschichte: „Saulus aber suchte die Gemeinde zu zerstören, er ging von Haus zu Haus und schleppte Frauen und Männer fort und warf sie ins Gefängnis!“ (Apg 8,3) Saulus war als Bevollmächtigter des Hohen Rates in Jerusalem im Land unterwegs. Und er hatte alle Gewalt für Recht und Wahrheit zu sorgen. So kam er 32 nach Christi Geburt auch nach Damaskus. Vor der Stadt, vor Damaskus, ist diesem „Inquisitor“ in einer Lichterscheinung Jesus begegnet. „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ hat der Auferstandenen ihn gefragt.

Vor Damaskus hat Paulus sich selbst erkannt. Selbsterkenntnis, das ist die halbe Miete. Zunächst war er geschockt. Wenn Jesus wirklich lebt, aufgestanden ist, dann muss er sin ganzes Denken und sein ganzes Leben ändern! Dann hat er Menschen, die zu Gott gehörten, ins Gefängnis geworfen! Sich selber erkennen, wer man wirklich ist, das geht nur vor Gott, nur in einer tiefen Gotteserfahrung. Wer versteht schon sich selbst? Wer weiß schon wirklich, wer er selber ist? Was haben wir für ein Bild von uns? Und was hat Gott für ein Bild von uns?

In der Nacht, in der Jesus verraten wurde, sagte er seinen Jüngern, dass einer von ihnen ihn verraten würde. Und sie alle fragten: „Bin ich es, Herr? Werde ich es tun? Bin ich dein Verräter?“ Keiner konnte sich selbst ganz über den Weg trauen. Paulus hätte diese Frage früher nicht gestellt. Dazu war er viel zu stolz, von sich selbst überzeugt. „Sünder“, das müssen immer die anderen sein. Jetzt hat er erkannt, wie sehr man sich in seinem Leben verrennen kann. Gegen Gott verrennen kann! Als Jemand, der nach außen ganz gerecht aussieht! Paulus hat sich selbst erkannt und steht erschüttert vor Jesus.

Er bleibt in Damaskus und bekommt Besuch. Ein Christ namens Hananias besucht ihn. Ein Mann, den Paulus wenige Tage vorher noch gefoltert oder ins Gefängnis geworfen hätte. Ein Christ besucht den Christenfeind und erzählt ihm von Christus.

Bei Gott gibt es nur geschenkte Gerechtigkeit“, erklärt er ihm. Niemand ist aus sich selbst gerecht. „Du hast dich schlimm versündigt. Du hast uns verfolgt. Aber jetzt hat dich Gottes Gnade erreicht! Lass dich taufen! Werde ein Kind des neuen Bundes“ fordert Hananias. Und Paulus lässt sich taufen! Er hat doch Gottes Gnade erlebt. Was sollte ihn jetzt noch hindern? Aus Saulus wird Paulus. Aus dem Jesus-Hasser ein Jesus-Nachfolger. Aus dem Verfolger ein Verfolgter, einer, der selbst um Jesu Willen Leiden auf sich nimmt.  

Als Jesus Paulus vor Damaskus angesprochen hat, da wusste Paulus: „Den, für den ich gekämpft habe, den ich meinte verteidigen zu müssen, den habe ich verfolgt, den habe ich verraten.“

Seine Sünde sah ganz fromm aus: Immer hat Paulus das Gesetz hochgehalten. Es ist doch Gottes Wort! Und er hat damit auf die Menschen eingedroschen. Gott aber ging es immer um die Menschen. Auch mit seinem Gesetz. Es sollte dem Leben dienen und nicht zum Tode führen. Gott ging es immer um die Menschen. Sie zu lieben, ihnen zu helfen, sie zu retten.

„Das Gesetz ist für die Menschen gemacht, und nicht umgekehrt!“ hat JESUS einmal gepredigt. Ihr habt Recht und ihr verurteilt andere. Mit welchem Recht tut ihr das? Wohin soll das führen? Ihr habt Recht und wer euch nicht Recht gibt, der gehört nicht zu euch. Der darf nicht „mitspielen“ bei euch Pharisäern. Ihr haltet euch für die Sahne des Judentums. Ihr habt Recht und stellt euch mit dem, was ihr erkannt habt, mit euren Ordnungen, Menschen in den Weg, die zu Gott wollen. – Für wen haltet ihr euch? Kann uns Christen das auch passieren? Oder waren es nur die frommen Pharisäer, die sich anderen in den Weg stellten? Was verbindet Christen miteinander?

Es ist nicht die gleiche ERKENNTNIS, die Christen verbindet, sondern die gleiche GNADE. Es ist die LIEBE von Gott und zu Gott die seine Menschen verbindet. Paulus – oder Saulus – dachte für die Wahrheit zu kämpfen. Und in Wahrheit hat er gegen Gott gekämpft.

Einen größeren Sünder als mich gibt es nicht!“ schreibt Paulus jetzt. Luther hat es wörtlich übersetzt: „Jesus ist gekommen, um Sünder zu retten, unter denen ich der Erste bin!“ Paulus ist nicht chronologisch der erste Sünder. Es gab andere vor ihm, die Jesus gerettet hat. Ist er denn der schlimmste Sünder? Gibt es niemanden, der schlimmer ist? Wisst ihr, was die schlimmste Sünde ist? Weiß das jemand von euch? Die schlimmste Sünde ist immer die eigene! Denn sie trennt dich von Gott! Sie ist wie ein böser Knoten in dir. Sie macht dich unfrei.

Jeder ist für sich selbst der Erste unter den Sündern, der Schlimmste. Dich mit anderen zu vergleichen hilft dir gar nichts. So schlecht war Paulus nämlich nicht. Er hat vieles getan, was gut war. Er hat sich an Gottes Gebote gehalten. Das war richtig. Unser Gutsein aber macht uns nicht gerecht! Das ist die Mahnung an die, die sich selber für gut halten. Sünde ist, ohne Jesus zu leben. Mit einer inneren Haltung zu leben, die ihm zeigt „ich brauche dich nicht!“ Und da sind die offensichtlichen Sünder ebenso gefährdet wie die Selbstgerechten.

Was du tust macht dich nicht gerecht. Wenn du die Gnade annimmst, dann wirst du gerecht.

Gott hat seine Gnade beispielhaft, vorbildlich, an Paulus gezeigt. „Ich sollte ein ermutigendes Beispiel sein!“ schreibt Paulus (NGÜ). Er ist der Sünder per excellence, das Beispiel eines üblen Sünders, UND    er wird zum Modellfall der Gnade Gottes. An Paulus hat Gott am Objekt demonstriert, was Rechtfertigung ist, wie er Sünder rettet: Allein aus Gnade! Das wird das nach seinem Damaskuserlebnis das große Bekenntnis des Paulus: „Ich habe nichts dazu getan. Er hat mich gesucht und gefunden. Er hat mich bekehrt. Ich habe nichts dazu getan, sein Kind zu werden. Ich habe es nur angenommen. Ich habe mich taufen lassen und mir das Zeichen der Gnade schenken lassen.“

Das können wir an Paulus sehen: Mag sich einer noch so entschieden gegen Gott stellen: Gott sucht ihn doch und will ihn retten. Dafür können wir beten für die Menschen, die sich von Gott entfernt und gegen ihn gestellt haben.

Gottes Gnade ist auch Beauftragung. Berufung. Auch dafür ist Paulus ein Modelfall. Gott hat ihn für treu erachtet, ihm einen Vertrauensvorschuss gegeben, ihm eine besondere Aufgabe anzuvertrauen. Gott hat es ihm zugetraut: Gerade der strenge Verfolger sollte der Verkündiger der Gnade schlechthin werden. Gottes Gnade ist immer auch Berufung. Jeder, den Gott begnadigt, bekommt Anteil an dem großen Auftrag, seine Liebe in dieser Welt zu leben und zu bezeugen.

Und niemand weiß, was da passieren kann, wenn Jesus einem sagt „Dir traue ich etwas zu! Mit dir habe ich etwas vor! Ich gebe dir eine Aufgabe und ich gebe dir auch die Kraft dazu!“ Gott schenkt uns sein Vertrauen! Paulus kann nur danken und Gott loben. Er hat ihn gesucht. Er hat ihm geschenkt, sich selbst zu erkennen. Er hat ihn gerettet. Er hat ihn beauftragt. Und er gibt ihm auch noch die Kraft, zu tun, was er tun soll! Was ist das für eine Gnade!

Paulus schließt seine Gedanken mit einem Lobpreis

„Dem König, der in alle Ewigkeit regiert, dem unvergänglichen, unsichtbaren, alleinigen Gott, gebühren Ehre und Ruhm für immer und ewig. Amen.“

Das ist vermutlich ein Lobpreis, der aus der Synagoge stammt. Die Christen haben ihn übernommen. Alles Persönliche fehlt hier. Paulus hat sehr persönlich gesprochen. Er hat Gott gedankt für seine Bekehrung und Berufung, für Kraft in seinem Dienst. Jetzt geht sein persönliches Schicksal auf in die Anbetung Gottes auf. In diesen Lobpreis kann jeder seine Lebensgeschichte einbringen. Das kann jeder mitsingen und bekennen, der Gottes Gnade erlebt hat.

Ich war auch verloren. Mich hat er auch gefunden. Er hat mich gerettet. Ihm diene ich in meinen Leben. Er hat es mir zugetraut. Und er gibt mir die Kraft dazu: „Dem König, der in alle Ewigkeit regiert, dem unvergänglichen, unsichtbaren, alleinigen Gott, gebühren Ehre und Ruhm für immer und ewig.

Amen.“

 
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