Römer 8, 31-39 Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen.

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg,
Pastor Norbert Giebel, 26.6.2016

Römer 8, 31-39 „Nichts kann uns von Gott trennen!“

Liebe Gemeinde, liebe Gäste,

wer von ihnen ist schon einmal in einem Ballon gefahren? Wer ist schon einmal in einem Fesselballon in die Luft gestiegen? Nicht schnell sondern langsam, nicht laut sondern ruhig, allmählich aber ganz zielstrebig hebt der Ballon ab, fliegt immer höher und lässt uns unsere Welt ganz klein erscheinen. Von da oben bekommt man eine andere Perspektive. Von da oben sieht man, was wirklich groß und was klein ist.

Ich finde der Predigttext heute lädt zu einer geistlichen Ballonfahrt ein. Das ist nicht irgendein Bibeltext. Das ist ein Text mit Kraft, ein Text, der nach oben zieht, wenn man sich darauf einlässt und in ihn einsteigt. Mit diesem Text kann man leben und leiden, loben, sich freuen, hoffen gewinnen und mit diesem Text kann man auch sterben. Ich lese Römer 8, 31-39.

31Was können wir jetzt noch sagen, nachdem wir uns das alles vor Augen gehalten haben? Gott ist für uns; wer kann uns da noch etwas anhaben? 32Er hat ja nicht einmal seinen eigenen Sohn verschont, sondern hat ihn für uns alle hergegeben. Wird uns dann zusammen mit seinem Sohn nicht auch alles andere geschenkt werden? 33Wer wird es noch wagen, Anklage gegen die zu erheben, die Gott erwählt hat? Gott selbst erklärt sie ja für gerecht. 34Ist da noch jemand, der sie verurteilen könnte? Jesus Christus ist doch ´für sie` gestorben, mehr noch: Er ist auferweckt worden, und er ´sitzt` an Gottes rechter Seite und tritt für uns ein. 35 Was kann uns da noch von Christus und seiner Liebe trennen? Not? Angst? Verfolgung? Hunger? Entbehrungen? Lebensgefahr? Das Schwert ´des Henkers`? 36Mit all dem müssen wir rechnen,` denn es heißt in der Schrift: »Deinetwegen sind wir ständig vom Tod bedroht; man behandelt uns wie Schafe, die zum Schlachten bestimmt sind.« 37Und doch: In all dem tragen wir einen überwältigenden Sieg davon durch den, der uns ´so sehr` geliebt hat. 38 Ja, ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch ´unsichtbare` Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch ´gottfeindliche` Kräfte, 39 weder Hohes noch Tiefes, noch sonst irgendetwas in der ganzen Schöpfung uns je von der Liebe Gottes trennen kann, die uns geschenkt ist in Jesus Christus, unserem Herrn. (Römer 8,31-39 (NGÜ))

Dieser Text hat Kraft. Den braucht man nicht zu predigen. Er spricht für sich. Diese Sätze kann man sich zusprechen lassen und man kann sie nachsprechen, sich darin festhalten, sich von ihnen mitnehmen lassen in die Freiheit und Freude bei Gott. Mich zieht der Text nach oben, ans Herz Gottes, vor den Thron Christi. Wie eine geistliche Ballonfahrt eben. Es ist ein altes Gospellied. Wer das singt, kann nicht bleiben wie er ist. Ich bin gewiss! Gott ist für uns! Nichts trennt uns von seiner Liebe. Er hat uns seinen Sohn geschenkt. Er will uns mit ihm alles schenken.

Diese Gewissheit hilft zu leben. Zur Flucht aus dem Leben, aus dieser Welt, ist dieser Text nicht geeignet.   Dazu ist er viel zu realistisch. Von Not und Angst ist die Rede. Von Verfolgung und von Menschen, die einem Böses wollen. Von Hunger ist die Rede, Lebenshunger, und von bösen Mächten, von Mächten des Bösen, die unserem Leben schaden wollen. Ich bin gewiss! Gott ist für mich! Wer oder was kann uns da noch etwas anhaben? Wer sich von diesen Sätzen den Himmel öffnen lässt, der flieht nicht aus dem Leben, sondern der Himmel kommt in sein Leben. Sein Leben wird zu Gott geöffnet. Egal ob er gerade gute Tage hat oder leidet oder verfolgt wird oder den Tod, sein eigenes Sterben vor Augen hat.

Drei Sätze oder Satzteile will ich noch einmal unterstreichen: (1.) Gott ist für uns! (2.) Wer kann uns etwas anhaben? (3.) Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes. Also Erstens:

  1. Gott ist für uns

Das ist überhaupt nicht selbstverständlich. Gott ist für uns. Wenn wir uns die Geschichte der Menschheit vor Augen halten, Kriege, Eroberungen, das Gemetzel auf den Schlachtfeldern, Unrecht, Unterdrückung, Machtmissbrauch ... , wenn wir sehen, was Menschen Menschen antun und wie wenig und halbherzig sie nach Gott fragen, dann gibt es keinen Grund, warum Gott für die Menschen sein sollte. Und wenn wir in unser kleines Leben sehen, ist es nicht anders. Wie viel Stolz, Empfindlichkeit, Egoismus und Halbherzigkeit gibt es auch unter uns. Paulus muss nur in sein eigenes Leben zurücksehen. Was war er für ein stolzer Frommer. Was war er für ein Rechthaber. Wie viel Unrecht und Leid hat er über Menschen gebracht! Und er war noch stolz darauf.

Nein, wenn man die Menschen ansieht, gibt es keinen Grund, warum Gott für sie sein sollte. – Gott ist für uns, weil er uns liebt! Das kann man nicht verstehen. WIR bieten ihm gar keinen Grund dazu. Der Grund liegt in ihm selbst. Der Grund liegt immer in ihm selbst.

Die Liebe einer Mutter gibt uns vielleicht eine Ahnung davon, wie Gott uns liebt. Eine Mutter, die ihre Kinder liebt, egal, was sie tun, egal, wo sie sind, egal wie sie sich verhalten: Die Liebe dieser Mutter werden sie nie loswerden. Und wenn es doch eine Mutter gibt, die ihre Kinder vergisst: Gott vergisst uns nie! Gottes Liebe hört nicht auf. Nichts kann uns von seiner Liebe scheiden. Gott will uns trösten wie eine Mutter tröstet! Gott will uns retten, suchen, umarmen, versorgen, lieben, wie eine Mutter liebt.

Was Gott uns gibt, das bekommen wir geschenkt. Da haben wir nichts zu getan und da brauchen wir nichts zu tun. Ja, natürlich, Gott will, dass wir ihm vertrauen, dass wir ihm gehorchen, ihn ehren, ihn lieben. Das ist die einzig angemessene Haltung unsererseits zu diesem Gott, der uns so sehr liebt. Aber seine Liebe und das, was er uns schenken will, ist davon nicht abhängig. Am Anfang des Glaubens nicht und unser Leben lang nicht. „Der seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, glaubt ihr nicht, dass er uns mir ihm alles schenken will?“ Seinen Geist! Seine Nähe! Sein Für-Uns-Sein! Seine Aufmerksamkeit! Seinen Sieg über das Leben und über den Tod!

Gott ist für uns. Wer das nicht glaubt, der glaubt nicht an Gott, nicht an den Gott, der sich in Jesus Christus gezeigt hat. Sein Name ist „Immanuel“, das heißt „Gott ist mit uns!“ Schlimmeres kann man Gott nicht antun, als ihm das nicht zu glauben. Du kannst schwer beladen mit Schuld zu ihm kommen oder mit ganz vielen scheinbar kleinen Vergehen und Versagen: Wenn er dir dann den Tisch deckt und dir sagt „Jesu Leib, für dich gebrochen“, „Jesu Blut für dich vergossen“ und du ihm sagst: „Ich glaube nicht, dass du für mich bist“, dann hast du sein Herz nicht erkannt. Dann lehnst du alles ab, was er für die Menschen getan hat. Dass Gott für uns ist erkennt man nicht daran, dass man die Menschen ansieht. Dass Gott für mich ist und für meinen Nächsten erkennt man, wenn man Jesus ansieht. Wie kannst du angesichts des Kreuzes Christi immer noch zweifeln und sagen „Gott ist nicht für mich!“ Wie willst du ihm das einmal erklären, wenn du vor ihm stehst?

Ich kenne jemand, der sinngemäß gesagt hat: „Ich habe das von meinen Eltern. Meine Eltern haben immer gesagt „Wenn du dies und das tust, ist Gott nicht für dich. So kannst du Gott nicht gefallen. Wenn du dies und das nicht lässt, dann ist Gott nicht für dich.“ Wem willst du mehr glauben? Deinen Eltern oder deinem himmlischen Vater? Wer weiß mehr von Gott, deine Eltern oder ist es Christus, der Gott, der Mensch geworden ist, der für uns ans Kreuz ging, um uns zu erlösen?!

  1. Gott ist für uns!
  2. 2.Wer kann uns dann noch etwas anhaben?

„Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht.“ „Wer will uns verurteilen? Christus ist hier, der gestorben und auferweckt ist und zur Rechten Gottes sitzt.“ Beschuldigungen gibt es viele zwischen Menschen. Man macht sich sein Urteil über andere. Schnell wird man sich auch einig und findet andere, die das gleiche Urteil über die oder den anderen haben. Und wenn es nicht andere sind, dann verurteilen wir uns selbst., machen uns Selbstvorwürfe. Dann können wir uns nicht vergeben.

Ja, natürlich machen wir Fehler. Nicht nur das. Manchmal sind wir auch ein Fehler, weil wir an so vieles nicht denken, weil wir Sünder sind, stolz, eitel, verletzt, empfindlich. Gott hat doch nie gesagt, dass wir eigentlich alle okay sind. So ein Quatsch. Wir sind nicht ohne Fehler, und trotzdem hat niemand mehr das Recht über uns ein Urteil zu sprechen, und zu verdammen. Und niemand hat das Recht auf Distanz zu gehen zu anderen, sie abzuschreiben, ihnen ihre Liebe zu entziehen.

Ankläger werden sich immer finden. Für jeden von uns. Und oft haben sie Recht! Und der größte Ankläger ist der Teufel. Wenn wir vor dem Thron Christi stehen kann er mit Recht sagen „Der hat dies getan und das getan. Der hat hier versagt und war da lieblos. Sein Glaube war zu klein. Sein Gehorsam war oft gar nicht vorhanden!“ Aber dann zeigt Jesus seine Hände. Oder Gott zeigt auf ihn und sagt: „Und das habe ich für ihn getan! – Ich bin für ihn! Ich habe selbst seine Schuld getragen. Ich habe die Rechnung schon bezahlt!“

„Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und der uns vertritt.“ Ja, die Verdammnis, das wäre das einzig konsequente Urteil auf die Beschuldigungen, die gegen uns erhoben werden. Die Verdammnis, das ist endgültige Trennung von Gott. Die Verdammnis ist das Todesurteil. Das ist das Urteil, das ich verdient habe. Und Sie auch. Und Gott spricht dieses Urteil. Und das Urteil wird vollstreckt. Aber nicht an mir. Und nicht an Ihnen. Sondern an Jesus Christus, dem Einzigen, den dieses Urteil nicht treffen dürfte. Der erleidet das Todesurteil. Der schreit am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Er erleidet unser Urteil und er schenkt uns seine Freiheit.

Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist. Auch im himmlischen Prozess gibt es einen Ankläger, einen Verteidiger und einen Richter. Jesus tritt für uns ein und der Richter spricht das Urteil: „Er hat alle Strafe verdient!“ Aber dann steht er auf, zieht seine Richterrobe aus und sagt: „Aber ich werde die Strafe tragen. Ich habe die Rechnung schon bezahlt!“ – Und jetzt wird es wichtig! Dann wird der Angeklagte vor Gericht gefragt: „Nehmen sie das Urteil an?“ Und wir werden vor dem Gericht Gottes gefragt: „Nehmen Sie diesen Freispruch an? Nehmen Sie das an, dass Jesus Ihr Urteil getragen hat? Nehmen Sie das an, dass er Sie so sehr liebt, dass er Sie freikauft, dass er für Sie stirbt? Wollen sie in dieser Freiheit leben und sich daran freuen, sich ihr Leben lang daran freuen?“

Wer von Gott weggehen will und nein sagt, der kann das tun. Man muss den Freispruch annehmen. Aber es gibt Menschen, die gehen immer wieder hin zu Gott, die hören das Evangelium, die lesen solche Verse wie wir heute in Römer 8, die uns zu ihm hoch heben wollen, und sie sagen immer wieder: „Nö. Das reicht mir noch nicht Gott. Ich kann mich nicht entscheiden!“ – Nimmst du Gottes Freispruch an oder soll Jesus für dich vergeblich gestorben sein? Was soll Gott noch tun, dass du ihm seine Liebe glaubst? Wer gehen will, kann gehen. Römer 8 ist kein Text für Menschen, die Gott den Rücken kehren wollen. Aber es ist ein Text für Menschen, die Gott brauchen, die ihn suchen, die um ihre Sünde wissen, die ihr Leben zu Gott hin öffnen wollen.

  1. Gott ist für uns!
  2. Wer kann uns dann och etwas anhaben?
  3. 3.Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes!

35 Was kann uns da noch von Christus und seiner Liebe trennen? Not? Angst? Verfolgung? Hunger? Entbehrungen? Lebensgefahr? Das Schwert ´des Henkers`? 38 Ja, ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch ´unsichtbare` Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch ´gottfeindliche` Kräfte, 39 weder Hohes noch Tiefes, noch sonst irgendetwas in der ganzen Schöpfung uns je von der Liebe Gottes trennen kann, die uns geschenkt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.

Das Leben ist kein Ponyhof. Im Leben geht nicht alles gut. Im Leben ist nicht alles niedlich. Da wird nicht nur gestreichelt. Hätte Rosamunde Pilcher unsere Drehbücher geschrieben, gäbe es immer ein happy end. Wir wohnten alle in großen Häusern, am Meer, wären klug, gebildet, hätten Kultur. Jeder würde seine große Liebe finden. Wir alle würden gut aussehen und alle würden sich am Ende immer wieder vertragen. – So ist das Leben aber nicht. Paulus zählt Dinge auf, die für die Christen damals zum Alltag gehörten. Oder zumindest, was zum Leben gehört und auch ihnen wiederfahren kann: „Not! Angst! Verfolgung! Hunger! Entbehrungen! Lebensgefahr! Das Schwert ´des Henkers!“

Gott schützt uns nicht vor allen Leiden! Aber er schützt uns in allen Leiden! Paulus hat den Römern ja nicht geschrieben „Was kann uns denn schon passieren?“ Paulus hat den Römern und uns geschrieben: „Was auch passieren mag: Es trennt dich nicht von Gott! Seine Liebe ist immer stärker!“ Römer 8 ist das große Kapitel der Glaubensgewissheit. Glaubensgewissheit aber wächst und trägt an dem Ort, an dem wir leben. Da, wo unser Leben wankt,  wo wir Not und Angst haben,    wo wir Hohes und Tiefes erleben, da dürfen wir lernen zu sagen: „Ich bin gewiss! Gott ist für mich! Nichts kann mich von seiner Liebe trennen!“

Die ersten Christen haben Verfolgung erlebt. Leiden um Christi Willen, bis hin zum Märtyrertod. „Not? Angst? Verfolgung? Hunger? ... und so weiter,“ sagt Paulus: „Mit all dem müssen wir rechnen,` denn es heißt in der Schrift: »Deinetwegen sind wir ständig vom Tod bedroht; man behandelt uns wie Schafe, die zum Schlachten bestimmt sind.« Und doch: In all dem tragen wir einen überwältigenden Sieg davon durch den, der uns ´so sehr` geliebt hat.“

In der vergangenen Woche erzählte mir jemand aus der Gemeinde, dass seine Arbeit ausläuft. Ende Juli ist Schluss. Und es ist völlig unklar wie es weitergeht. Diese Person würde alles annehmen, wenn am Monatsende nur wieder regelmäßig Geld aufs Konto käme. Und am selben Tag kommt jemand aus der Familie ins Krankenhaus und es sieht ernst aus!“ Und dann sagte diese Person: „ich musste einmal kurz schlucken. Aber ich bin nicht in Panik geraten. Ich bin nicht zusammengebrochen. Ich konnte meinen Blick auf Jesus richten und bin ruhig geblieben. Er wird mich weiter führen.“ – Da hat wieder jemand die Erfahrung gemacht: Was auch passiert: Ich bin nicht allein. Gott ist für mich. Nichts kann mich von seiner Liebe trennen.

Es gibt viele schreckliche Bilder in dieser Welt. Und wir können uns auch für unser Leben viele Schreckensbilder ausmalen. Wir können uns selbst nach unten ziehen. Gott aber will sozusagen bei uns einen anderen Film einlegen. Er will uns andere Bilder schenken, die real sind:

  1. Ich bin für dich!
  2. Wer kann dir dann noch etwas anhaben?
  3. Nichts kann dich trennen von meiner Liebe.
    Nichts kann mich aufhalten, dich zu lieben.
    Im Leben und im Sterben halte ich dich fest.

Amen

Für diese Predigt habe ich besonders profitiert von der Predigt im Internet
von Martin Hecker zum selben Text vom 18.1.2010

 
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