Trauansprache "Ehe als Hausaufgabe"

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Kassel-Möncheberg (Baptisten)
Pastor Norbert Giebel, 2. Juli 2016

Ansprache zur Trauung von Tanja und Daniel V.

Liebe Tanja und Daniel,

auch von mir noch einmal Gottes Segen für Eure Ehe. Es ist leicht, sich mit Euch zu freuen, weil es immer eine Freude ist, Euch beide zu sehen. Ihr seid beide freundliche Menschen, ohnehin. Aber man sieht es Euch an, dass Ihr Euch gut tut. Ihr strahlt immer mehr. Ihr wirkt als eine Einheit. Dass ihr beide Ja zueinander gesagt habt, hat man Euch schon lange abgespürt. Ihr habt mich gebeten, an Eurer Kaffeetafel noch eine Andacht zu halten. Ich freue mich darüber und spreche euch gerne an. Vier Dinge will ich Euch für Eure Ehe noch mitgeben. Vier Säulen der Ehe, vier wichtige Aspekte.

1. Die Ehe ist eine Gabe Gottes.

Dass ein Mann und eine Frau heiraten, das ist Gottes Idee. Die Formen der Hochzeit und auch die Ehe haben sich gewandelt. Schon in den Zeiten der Bibel. Das Standesamt gab es damals noch nicht. Aber dass eine Frau und ein Mann sich ein Leben lang binden, ihr Leben teilen, sich lieben, sich gegenseitig stützen und ergänzen, Kinder bekommen, gemeinsam Gott gehören, das ist Gottes Idee.

Tanja ist eine Gabe Gottes für dich, Daniel. Daniel ist eine Gabe Gottes für dich, Tanja. So seid ihr von Gott füreinander gedacht. Ihr sollt, ihr dürft einander beschenken, stärken, bereichern.

Ein Ehepartner wird nie Besitz des anderen. Paulus schreibt einmal, dass die Ehemänner ihre Frauen suchen sollen zu gewinnen, in Ehrbarkeit, in Heiligkeit (1. Thes 4,4). Sie sollen sie umwerben. Und das soll nicht bei der Hochzeit aufhören! Mann und Frau sind nicht Besitz des anderen, sondern sind einander anvertraut. Gott vertraut euch einander an, Tanja und Daniel. Er traut es euch zu, für den anderen da zu sein.

Das Erste und Größte aber, das wir an Gottes Liebe erkennen können ist: Liebe ist eine Entscheidung. Und die Liebe in der Ehe ist eine Entscheidung für einen Menschen. Liebe ist Erwählung. Gottes Liebe ist immer Erwählung. Er entscheidet sich zur Liebe. Er will lieben. Wir müssen seine Liebe nicht locken. Der Grund, dass er uns liebt, liegt nicht in uns, sondern in ihm selbst. Wir müssen nichts mitbringen, damit er uns liebt. Wir müssen nicht „lieb sein“ oder funktionieren. Dass er uns liebt, ist allein seine Entscheidung. Die Bibel nennt das Erwählung.

Ich kenne ein Paar, die hatten so ein kleines Spiel. Sie forderte ihn manchmal auf: „Nenne mir zehn Gründe warum du mich liebst!“ Und dann hat er gesagt: „Weil du so schöne Augen hast, weil ich dein Lachen mag, weil du so ehrlich bist, weil du so zärtlich bist, weil du so rasant Auto fährst, weil du gut riechst, ...“ Und dann hat er gesagt: „Aber im Tiefsten liebe ich dich, weil ich dich erwählt habe. Weil ich es will. Weil ich mich dazu entschieden habe. Weil du dich darauf verlassen können sollst. Vielleicht hast du irgendwann einmal nicht mehr so schöne Augen, und ich mag dein Lachen gar nicht mehr so, oder wir haben Probleme offen zu reden, oder du bist nicht mehr so zärtlich und du fährt gar nicht mehr rasant Auto, ... Dann liebe ich dich immer noch! Denn ich liebe dich nicht wegen irgendetwas. Ich liebe dich, weil ich mich entschieden habe!“

Das ist die Liebe, die wir bei Gott lernen. Der eine muss die Liebe nicht aus dem anderen herauslocken, ihm zu gefallen sein, lieb sein, sondern jeder liebt, weil er sich dazu entschieden hat. Jeder ist treu, stärkt den anderen, sucht, dass es ihm gut geht, weil er sich dazu entschieden hat.

Erstens also: Die Ehe ist eine Gabe! – Gottes Liebe ist eine Gabe.

2. Die Ehe ist eine Auf-gabe!

Es ist mit machen Gaben so, die Gott uns schenkt, das sie uns Mühe machen. Sie machen uns arbeiten. Sie nehmen uns in Dienst. Sie machen uns verantwortlich für seine Gabe. So ist es auch mit der Ehe.

Von Gottes Liebe wissen wir, dass er die Welt – die verlorenen Menschen dieser Welt – so sehr liebt, dass er seinen einzigen Sohn, dahingab, aufgab, damit alle, die an ihn glauben nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. (Joh 3,16) Liebe ist zu Opfern bereit. Jede Liebe gibt etwas auf. Sie verzichtet auf manche eigene Interessen. Die Liebe überlegt und tut, was dem anderen gut tut, was ihm hilft, sich zu entwickeln, was er braucht.

In der Bibel heißt es „Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen!“ (1. Mose 2,24) Wenn Mann und Frau eins werden, wird der Mann Vater und Mutter verlassen. Das ist äußerst bemerkenswert, denn in der Praxis war das meistens umgekehrt. Die Frauen haben wegen der Ehe ihre Eltern verlassen und sind zum Mann gezogen. Die Frauen haben viel aufgegeben. Und Gottes Wort nimmt die Männer in Pflicht. Löse dich von Vater und Mutter. Sein ein Mann. Sei nicht mehr in erster Linie ein Sohn sondern ein Ehemann.

Wie das praktisch ausgesehen hat weiß ich nicht. Aber Ehepartner, die sich nicht von ihren Eltern selbstständig machen, sind eine Gefährdung für die Ehe. Das weiß ich. Das sind so die typischen Situationen. Die Ehefrau zieht am Mann, Mutter oder Vater ziehen ihn an der anderen Seite. Und er ist wie ein Knochen, um den sich zwei Hunde streiten, anstatt ein Mann zu sein, der weiß, wohin er gehört. Das ist schlimm für eine Ehe, wenn ein Ehepartner das Gefühl hat „Mein Mann oder meine Frau gehört immer noch zuerst ihrer Mutter und ihrem Vater. Da komme ich nie gegen an!“

Die Ehe ist eine Gabe Gottes und sie ist eine Aufgabe.
Sie ist Arbeit. Sie braucht unser Ja immer wieder.

3. Die Ehe ist eine Haus-Aufgabe

Hausaufgaben muss man zuhause machen. Es gibt Schüler, die schütteln ihre Hausaufgaben aus dem Ärmel. Sie nehmen sie nicht ernst. Schnell schmieren sie ein paar Zeilen aufs Papier, um ihre Pflicht zu erfüllen, oder sie schreiben am nächsten Morgen vor der Schule noch schnell ab.

Auch die Ehe ist eine Hausaufgabe. Was allgemein Ehe ist, kann man woanders lernen. Worauf es bei der Ehe ankommt kann man in Ehebüchern lesen. Aber wie die eigene Ehe glücklich wird, das kriegt man nur zuhause heraus.

Jede Ehe ist einzigartig. Jede Frau ist einzigartig. Jeder Mann ist einzigartig. Es sind nicht alle Frauen gleich. Um Tanja zu stärken, zu schützen, glücklich zu machen, musst du Tanja immer mehr kennenlernen, Daniel, und sie achten. Und umgekehrt du, Tanja, wirst Daniel immer mehr kennenlernen.

In der Ehe fallen nicht nur Textilhüllen. Da lernt man nicht nur die schönen Seiten des anderen kennen, sondern auch seine ganze Schwäche, seine ganze Dummheit. Jeder Mensch braucht Barmherzigkeit, Vergebung, Gnade, Geduld. Euch das zu schenken, das ist eure Hausaufgabe.

Eure Ehe wird anders sein als die eurer Eltern oder eurer Cousins oder eurer Freunde. Wie ihr einmalig seid. Niemand wird sich so lieben, wie ihr euch liebt. Mit euch fängt etwas ganz Neues an, etwas Einmaliges. Gott ist Fachmann in Sachen Schöpfung. Er ist Fachmann darin, ganz neues zu schaffen. Er hat auch eure einmalige Ehe geschaffen.

4. Die Ehe ist eine lebenslange Hausaufgabe

Ja ihre beiden Süßen. Jetzt habt ihr lebenslänglich! Lebenslänglich einen, der bei euch ist. Euer Ehepartner ist der Zeuge für eure Leben. Der weiß alles. Wie gut für euch! Wie schön ist es jetzt schon. Und hr werdet sehen: Es wird immer schöner!

Ehen werden auch geschieden. Ich glaube nicht, dass das dann am falschen Partner liegt! Ich glaube, da liegt daran, dass man seine Hausaufgaben nicht mehr gemacht hat. Man hat den anderen vernachlässigt, aufgegeben. Man hat seine eigene Entscheidung, für den anderen zu sein, nicht mehr ernst genommen. Oder man war schlicht nicht mehr zuhause. Man hat keine gemeinsame Zeit mehr gehabt. – Paulus schreibt: „Die Liebe hört niemals auf!“ (1. Kor 13,8a) Gott gibt niemals einen Menschen auf.

Liebe Tanja, lieber Daniel:

In dieser unfassbar großen Liebe Gottes dürft ihr euch weiter lieben lernen.
Ich – wir alle – wünschen euch dabei viel Vergnügen.

Amen.

 
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