Römer 9, 1-8 + 9,30-10,4

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
Pastor Norbert Giebel, 30.7.2016

Römer 9, 1-8  und 9,30-10,4        „Was ist mit Israel?“

Liebe Gemeinde,

was ist mit Israel? Wie steht es um das Judentum? Sind alle Juden Kinder Gottes? Sind sie alle gerettet? Gott hat dieses Volk erwählt, Gott hat sich an diesem Volk gezeigt, Gott hat Israel geführt und diesem Volk einen ewigen Bund gegeben. Aber was ist jetzt mit Israel, nachdem Gott seinen Sohn gesandt hat? Jetzt, wo es einen neuen Bund Gottes mit den Menschen gibt? Paulus interessieren diese Fragen brennend. Über drei Kapitel behandelt er in Römer 9-11 diese Fragen. Für ihn ist das ein sehr persönliches, ein leidenschaftliches Thema. Paulus ist Jude. Was ist nun mit Israel? Was wird aus Paulus‘ Volksgenossen? Ich lese den Anfang der drei Kapitel, die Verse 9, 1-8, dann weiter 9,30 – 10,4.

1 Was ich jetzt sage, sage ich in der Gegenwart Christi. Mein Gewissen bezeugt mir, und der Heilige Geist bestätigt mir, dass es die Wahrheit ist und dass ich nicht übertreibe: 2-3 Der Gedanke an die Angehörigen meines Volkes, an meine Brüder, mit denen mich die gemeinsame Herkunft verbindet, erfüllt mein Herz mit tiefer Traurigkeit. Ihretwegen bin ich in ständiger innerer Not; ich wäre sogar bereit, für sie ein Verfluchter zu sein, ausgestoßen aus der Gemeinschaft mit Christus.  4 Sie sind ja Israeliten; ihnen hat Gott die Sohneswürde geschenkt. Ihnen hat er sich in seiner Herrlichkeit gezeigt, mit ihnen hat er seine Bündnisse geschlossen, ihnen hat er das Gesetz und die Ordnungen des Gottesdienstes gegeben, ihnen gelten seine Zusagen. 5 Sie sind Nachkommen der Stammväter, die Gott erwählt hat, und aus ihrer Mitte ist seiner irdischen Herkunft nach der Messias hervorgegangen, Christus, der Herr über alles, der für immer und ewig zu preisende Gott. Amen.

6 Es ist nun nicht etwa so, dass Gottes Zusagen hinfällig geworden wären. Aber es gehören eben nicht alle Israeliten zum ´wahren` Israel. 7 Nicht alle, die von Abraham abstammen, sind deshalb schon seine ´wahren` Kinder. Vielmehr ´war zu Abraham gesagt worden`: »Als deine Nachkommen sollen die gelten, die von ´deinem Sohn` Isaak abstammen.« 8 Mit anderen Worten: Nicht die leibliche Abstammung macht Menschen zu Kindern Gottes; zur wahren Nachkommenschaft Abrahams werden nur die gerechnet, die aufgrund der Zusage (Verheißung), die Gott ihm gegeben hatte, von ihm abstammen. 

30 Welchen Schluss sollen wir nun daraus ziehen? Menschen, die nicht zum jüdischen Volk gehören, sind von Gott für gerecht erklärt worden, ohne sich darum bemüht zu haben. Sie haben  die Gerechtigkeit empfangen, deren Grundlage der Glaube ist. 31 Israel hingegen hat bei all seinem Bemühen, das Gesetz zu erfüllen und dadurch zur Gerechtigkeit zu gelangen, das Ziel nicht erreicht, um das es beim Gesetz geht.  32 Und warum nicht? Weil die Grundlage, auf die sie bauten, nicht der Glaube war; sie meinten, sie könnten das Ziel durch ihre eigenen Leistungen erreichen. Das Hindernis, an dem sie sich stießen (über das sie stolperten), war der »Stein des Anstoßes« 33 von dem es in der Schrift heißt: »An dem Grundstein, den ich in Zion lege, wird man sich stoßen; er ist ein Fels, an dem man zu Fall kommen wird. Aber wer ihm vertraut, wird vor dem Verderben bewahrt werden.«

 1 Liebe Geschwister, was ich den Israeliten von ganzem Herzen wünsche und von Gott für sie erbitte, ist, dass sie gerettet werden. 2 Denn an Eifer für Gottes Sache fehlt es ihnen nicht; das kann ich bezeugen. Was ihnen fehlt, ist die richtige Erkenntnis. 3 Sie haben nicht erkannt, worum es bei der Gerechtigkeit Gottes geht, und versuchen, durch ihre eigene Gerechtigkeit vor Gott bestehen zu können. Damit lehnen sie sich gegen Gottes Gerechtigkeit auf, statt sich ihr zu unterstellen.  4 Denn mit Christus ist das Ziel erreicht, um das es im Gesetz geht: Jeder, der an ihn glaubt, wird für gerecht erklärt. (NGÜ)

Liebe Gemeinde,

was ist mir Israel? Was haben wir mit Israel gemeinsam? Was trennt uns? Sind Juden unsere Schwestern und Brüder? Könnten sie mit uns Christen in der Ökumene zusammenarbeiten? Ich möchte einige Dinge klarstellen, die wir meines Erachtens nicht vergessen dürfen.

1. Jesus ist der Messias der Juden!

Das ist das Erste, das wir nicht vergessen dürfen! Jesus als der Messias, der Erlöser, der König der Endzeit, er ist Israel vorhergesagt und versprochen worden. Der neue Bund Gottes ist im Alten Testament Juda und Israel versprochen. „Mit Dir will ich einen neuen Bund machen!“ hat Gott seinem Volk damals versprochen. (Vgl. Jer 32,40). Der Messias, der Gesalbte heißt das übersetzt, der bevollmächtigte Bote und Retter Gottes, er wird in Zion, das ist Jerusalem, seine Herrschaft aufrichten. Er ist der Nachkomme Davids, des Königs Israels, der Sohn Davids, den Gott durch den Propheten Nathan versprochen hat und von dem er gesagt hat, dass er ewig herrschen wird.

Jesus ist der Messias der Juden. Das dürfen wir nie vergessen, wenn wir sagen, dass Jesus unser Herr ist und unser Heiland. Wenn wir Jesus vertrauen, zu ihm beten, ihm gehorchen, dann leben wir mit dem Messias der Juden! Israel ist für Christen kein Randthema, mit dem sich einige Spezialisten beschäftigen. Wir haben den größten Teil der Bibel mit den Juden gemeinsam! Das ganze Alte Testament lesen sie und wir als Gottes Wort an uns.

Jesus war Jude. Er wurde beschnitten wie alle jüdischen Jungen, er ging in die Synagoge, er war gekleidet wie Juden gekleidet waren. Er hat die jüdischen Feste gefeiert. Er hat die Wallfahrten nach Jerusalem mitgemacht. Auch die zwölf Jünger, die er ausgesucht hat, waren Juden. Zwölf sollten es sein in Erinnerung an die zwölf Stämme Israels. Sie waren ein Symbol für das neue Israel, das mit ihnen beginnen sollte.

Unser Glaube ist ohne das Judentum gar nicht zu verstehen. Jesu Predigten sind an Juden gerichtet. An wen denn sonst? Sie waren die ersten Adressaten. Sie waren sein Volk. Das Abendmahl ist das neue Passahmahl, das Mahl der Erlösung und Befreiung im Judentum. Die Taufe knüpft Waschungen und Zeichen der Umkehr im Judentum an. Und an das Kreuz wurde ein Schild gehängt mit der Aufschrift „König der Juden“.

Jesus ist nicht uns versprochen worden! Uns Heiden, uns Hessen! Wir sind in das Heil, in die Gotteskindschaft, glücklich mit hineingerutscht „Überhebe dich nicht!“ mahnt Paulus die Christen in Rom, die nicht aus dem Judentum kommen, im 11. Kapitel des Römerbriefes. „Überhebe dich nicht, Du Christ, denn die Wurzel trägt dich und nicht umgekehrt!“ Israel ist die Wurzel, der Stamm, die Mutter! Wir sind aufgepfropfte Zweige! Glücklich dazu gekommen und jetzt mit ernährt von den Verheißungen, die Gott Israel gegeben hat.

Wer an Jesus glaubt, der betritt an seiner Hand immer auch den geistlichen Raum des Judentums. Wir können als Christen einen Synagogengottesdienst besuchen, das können wir hier in Kassel auch einmal tun, und wir können mit den Juden beten! Mit keiner anderen Religion können wir das! Juden beten zum gleichen Gott wie Christen!

Paulus zählt sieben (?) Gaben Gottes an Israel auf: „Ihnen hat Gott die (1) Kindschaft geschenkt. Ihnen hat er sich in seiner (2) Herrlichkeit gezeigt. Mit ihnen hat er seine (3) Bündnisse geschlossen, ihnen hat er das (4) Gesetz gegeben und die Ordnungen des (5) Gottesdienstes, ihnen gelten seine (6) Versprechen. 5 Sie sind Nachkommen der (7) Stammväter, die Gott erwählt hat, und aus ihrer Mitte ist seiner irdischen Herkunft nach der (8) Messias hervorgegangen, Christus, der Herr über alles, der für immer und ewig zu preisende Gott.“

Jesus ist der Messias der Juden! Wer das vergisst, der hat einen sehr geschichtslosen Glauben,
der ist ganz in seiner kleinen Welt heute gefangen.

2. Die Juden haben ihren Messias nicht erkannt.

Das ist das zweite, was wir nicht vergessen dürfen: Israel hat den aus seiner Mitte stammenden und ihm versprochenen Messias nicht erkannt. Das ist das Problem, mit dem sich die Kapitel 9-11 im Römerbrief befassen. Paulus ist verzweifelt darüber. Paulus leidet ohne Ende. Die Worte, mit denen Paulus seine Ausführungen zu Israel beginnt, klingen wie ein Schwur:

„Ich sage die Wahrheit!“ beginnt er. „Was ich jetzt sage, rede vor Christus!“ „Mein Gewissen bezeugt es mir, der Heilige Geist bestätigt es mir, dass ich nicht übertreibe: Ich trauere ohne Aufhören um meine Brüder, meine Stammverwandten nach dem Fleisch, also nach der menschlichen Abstammung. Sie haben ihren Messias nicht erkannt.“ – „Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf!“ hat Johannes geschrieben. (Joh. 1,11)

 

„Israel hat bei all seinem Bemühen, das Gesetz zu erfüllen und so zur Gerechtigkeit zu gelangen, das Ziel nicht erreicht, um das es auch beim Gesetz geht“ schreibt Paulus. – „Sie haben das Ziel nicht erreicht!“ „Was ich den Israeliten von ganzem Herzen wünsche und von Gott für sie erbitte, ist, dass sie gerettet werden!“

Paulus nennt die Isareliten seine Brüder. Aber er sagt auch, wie er es meint. Es sind seine Brüder der Abstammung nach, nach ihrer Herkunft. Das ist hier nicht die christliche Bruderanrede. Ich als Christ kann Juden nicht einfach als Bruder oder Schwester ansprechen. Paulus sagt hier ganz bewusst „meine Brüder, meine Stammverwandten nach dem Fleisch“, von der Abstammung her. Aber sie sind nicht Schwester oder Bruder in Jesus Christus!

Alle, die an Jesus glauben, egal, ob sie aus den Juden oder aus anderen Völkern und Religionen kommen, alle, die Jesus als Messias, als ihren Herrn angenommen haben, sie sind Brüder und Schwestern in Christus. Sie sind das neue Gottesvolk! Aber eben nicht alle Juden! Das ist doch gerade der Schmerz des Paulus. Darum schreibt er doch, dass noch nie alle Isareliten wahre Israeliten waren. Die reine Abstammung hat nie gereicht.

Paulus geht in seinen Gedanken hinter Israel und Gottes Bund mit diesem Volk zurück. Paulus erinnert an Abraham. Abraham war kein Jude. Ebenso wenig wie Adam oder Noah. Israeliten werden erst die Nachkommen Jakobs genannt. Jakob hatte von Gott den Ehrennamen Israel bekommen. Der Bund Gottes mit Abraham ist der ältere Bund, schreibt Paulus in Römer 4. Gott hat Abraham erwählt und ihm gesagt, dass aus ihm ein großes Volk werden wird, so zahlreich wie der Sand am Meer! Das Gesetz gab es da noch gar nicht, schreibt Paulus in Römer 4. Die Verheißungen an Abraham gelten Beschnittenen und Unbeschnittenen, also Juden und anderen Völkern.

Abraham hat geglaubt, er hat Gott vertraut, das war seine Gerechtigkeit. Die Menschen, die glauben, sie sind Abrahams Kinder. Das hat schon bei den Kindern Abrahams begonnen. Seine Frau Sarah wurde nicht schwanger. Darum hatte Abraham wie damals erlaubt auch mit der Magd Sarahs, mit Hagar, Verkehr. Hagar wurde schwanger und gebar ihm einen Sohn: Ismael. Erst darauf wurde auch Sarah schwanger und gebar ihm den zweiten Sohn: Isaak. Und der zweite Sohn, der jüngere Sohn, Isaak, auf ihm allein lagen die Verheißungen Gottes. Er wurde gesegnet. Paulus sieht darin schon ein Abbild des alten und des neuen Bundes. Es geht nicht darum, Kind der Abstammung nach zu sein, sondern Kind der Verheißung.

Paulus zitiert in unserm Text auch den Propheten Jesaja: „Siehe (sagt Gott), ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und einen Fels des Ärgernisses (einen Stolperstein). Und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werde!“ Israel ist über seinen eigenen Messias gestolpert! Wer an ihn glaubt soll gerettet werden, und für die anderen ist es ein Stein des Anstoßes.

Es gibt Gott sei Dank seit Jahrzehnten einen breiten Dialog zwischen Juden und Christen. Wir brauchen Versöhnung untereinander! Wir müssen reden miteinander! Christen haben Juden Schreckliches angetan! Nicht erst im Holocaust im 2. Weltkrieg! Juden waren an allem Schuld. Juden wurden gekennzeichnet, in ihren Rechten beschnitten, ausgegrenzt, unterdrückt und verfolgt. Auch hier in Hessen konnten Juden nur siedeln weil und solange sie von Fürsten geschützt wurden. „Schutzjuden“ nannte man sie. Fürsten konnten sich „ihre Juden halten“, könnte man sagen; und sie haben genau bestimmt, was Juden dürfen und nicht dürfen als Bürger zweiter oder dritter Klasse.

Dass Christen und Juden miteinander reden und dass Christen Juden unterstützen, dass Christen und Juden zusammengehören durch den einen himmlischen Vater, das dürfen wir auch nie wieder vergessen. Aber nichts, kein Dialog, kann das größte Ärgernis für Juden, ihren Stolperstein, aus dem Weg räumen: dass Jesus Gottes Sohn sein soll, Mensch geworden, dass Jesus selbst Gott ist, dass wir zu ihm beten, dass sein Tod Rettung bedeutet, weil Gott unsere Strafe getragen hat. Das glauben die allermeisten Juden nicht. Das trennt uns.

Paulus erinnert an die Gaben Gottes an Israel und endet mit einem Gotteslob: „Meine Stammverwandten“ schreibt er, „aus denen Christus gekommen ist, der Herr über alles und der ewig zu preisende Gott! Amen.“ (Röm 9,5) Christus, der Herr über alles, der für immer und ewig zu preisende Gott. – Dazu sagen Juden nicht Amen. Das ist die Gotteslästerung der Christen in den Augen der Juden.

Jesus war ein vorbildlicher Jude. Darauf lassen sich manche Juden ein. Das ist die Überzeugung des Reformjudentums. Der bekannte jüdische Schriftsteller Pinchas Lapide kann den Glauben Jesu rühmen. „Glauben wie Jesus“, darin könne man sich annähern. Aber Glauben an Jesus, das ist die Haltung der Christen.  

3. Es gibt nur einen Weg zum Vater: Jesus Christus.

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich!“ das hat Jesus seinem Volk gepredigt. (Joh. 14,6) Juden ohne Jesus als ihrem Messias kommen nicht zum Vater. Das ist das dritte, das wir nicht vergessen dürfen. Ich kann es nicht anders erkennen aus den Predigten Jesu und den Lehren der Apostel. Diese Meinung teilen aber lange nicht alle Theologen heute.

In einer Predigt las ich Folgendes: „Keiner von uns darf oder muss gar den Juden sagen: ihr kommt nicht zu Gott. Das ist - mal platt ausgedrückt - nicht unser Bier. Gott ist der, der entscheidet. Gott ist der, der Gnade schenkt, sowohl uns als auch den Juden!“ (internet, Stefan Opalka, 8.8.2010, Evangelischen Kirchengemeinde Schüren in Dortmund)

Ich würde diesem Prediger gerne Recht geben, aber ich denke, Paulus sagt mehr als das. In Kapitel 11 verwendet er ein altes Bild für Israel:  Das Bild vom Ölbaum. Der Ölbaum, das ist das wahre Israel Gottes. Und dann schreibt Paulus: (a) Viele Juden sind aus dem Ölbaum herausgebrochen worden, weil sie nicht an Jesus glauben. (b) Sie können aber auch wieder eingefügt werden in den Ölbaum Gottes, wenn sie nicht in ihrem Unglauben beharren.

Der Ölbaum, das alte Bild für Israel, wird jetzt zu einem Bild für die Gemeinde Jesu. Die Gemeinde Jesu ist der Ölbaum Gottes. Er wurzelt in Israel, aber jetzt gibt es nur noch Zweige in diesem Baum, die an Jesus glauben. Egal, ob sie vorher Juden oder Heiden waren. Und von diesen heißt es: Sie haben die Gotteskindschaft (Röm 8,16) Sie sind die Kinder der Verheißung, Abrahams Kinder. (Gal 3,29) Sie sind jetzt das Israel Gottes (Gal 6,16).

Im Hebräerbrief lesen wir zum alten und neuen Bund Gottes: „Indem Gott sagt, dass er mit ihnen einen neuen Bund schließen will, erklärt er der alten Bund für veraltet. Was aber veraltet und überlebt ist, das ist seinem Ende nahe.“ (Hebr. 8,13) Juden brauchen Gottes Gnade ganz genauso wie alle Menschen.  Sie brauchen Vergebung, ein neues Herz, Gottes Geist. Sie brauchen Christus. Es gibt keine zwei Wege zum Vater, einen über das Judesein nach der Abstammung und einen anderen über den Glauben an Jesus als den Christus.

Paulus sagt: „Ich wünschte selber verflucht und von Christus getrennt zu sein für meine Mitjuden!“ Das ist ernst gemeint. So sehr leidet Paulus. Und gleichzeitig weiß er, dass es so nicht geht. Er kann sich nicht für seine Volksgenosssen hingeben. Das hat Christus schon getan. Sie haben es nur nicht angenommen. „Ich bitte Gott, dass sie gerettet werden!“ schreibt Paulus. (10,1)

Die Sprache des Paulus ist uns fremd. Sein Leiden ist uns fremd. So feierlich würden wir höchstens bei einer Hochzeit reden: „Ich sage die Wahrheit! Was ich jetzt sage soll vor dem Herrn Jesus Christus geredet sein. Der Heilige Geist ist mein Zeuge! Ich leide furchtbar, ich trauere ohne Aufhören, weil meine Mitjuden verloren gehen. Ich würde mich selber hingeben, wenn sie dadurch gerettet würden.“

So eine Sprache ist uns fremd! Vielleicht aber auch die Sache. Eine solche Liebe, eine solche Verbundenheit mit anderen Menschen ist uns fremd. Es sei denn, sie gehören zum engsten Kreis unserer Familie. Paulus leidet, weil er sich wünscht, dass möglichst viele aus seinem Volk gerettet würden. Für wen flehen wir zu Gott, dass er oder sie gerettet würde? Um wen trauern wir und haben Schmerzen, dass er Jesus nicht erkennt? Für welche Menschen wären wir bereit, uns aufzugeben, damit sie gerettet werden?

Diese Zeilen des Paulus sind auch eine Anfrage an unsere Leidenschaft. „Die Liebe wird in vielem erkalten“ hat Jesus über die letzten Tage vorausgesagt. (Mat 24,12) Ist das so? Wird man mit der Zeit ruhiger darüber, dass man selbst aus Gnade gerettet ist, aber andere verloren gehen? Nimmt die Liebe zu Christus ab nach der ersten Begeisterung? Hört es irgendwann auf, weh zu tun, dass Menschen, die man kennt, mit denen man seinen Alltag teilt, verloren gehen?

4.   Nur geschenkte Gerechtigkeit kann vor Gott bestehen.

Das ist das vierte, das wir nie vergessen dürfen. Paulus attestiert den meisten seiner Volksgenossen, dass sie Eifer haben, Glaubenseifer, dass sie mit ganzem Ernst bei der Sache sind und jedes Gebot Gottes halten wollen. So meinen sie vor Gott bestehen zu können. So vergleichen sie sich mit anderen und erheben sich über die, die nicht so viel leisten wie sie. Gott freut sich, wenn Menschen seinen Willen tun. Aber man wird nicht sein Kind, indem man seinen Willen tut! Das muss man sich schenken lassen. Dazu muss man adoptiert werden. Gottes Kind wird man nur aus Gnade und nicht solange man meint, man müsse selber erst gut genug dazu werden. – Das wird man nie.

5. Es gibt noch Hoffnung für Israel.

Das ist das letzte, was Paulus zu sagen hat. Jesus Christus bleibt die Hoffnung für Israel. „Gott hat sein Volk nicht verworfen!“ sagt Paulus am Anfang von Kapitel 11. „Seht doch mich an! Ich bin gerettet! Alle, die Jesus als den Messais der Juden anerkennen, bleiben im Ölbaum oder sie werden wieder eingefügt.“

Weil Gott sein Volk nicht vergisst, darum gibt es gibt noch Hoffnung für Israel. Gott hat Israel nicht enterbt, aber der Großteil Israels hat sein Erbe nicht angetreten. Am Ende der Zeiten aber wird ganz Israel gerettet, scheibt Paulus am Ende von Kapitel 11 (Vers 26). Dann werden sie alle oder sehr viele aus dem Judentum Jesus als ihren Messias erkennen. Dann wird ganz Israel ein „Damaskuserlebnis“ haben. In einem Moment werden sie Jesus als den Messias erkennen. Am Ende werden viele Juden Jesus sehen und sie werden sagen: Er war es doch!

Heute ist Israelsonntag.

Was mir dabei wichtig ist:

1.         Jesus ist der Messias der Juden!
            Wir sind untrennbar mit dem Judentum verbunden.

2.         Die Juden haben ihren Messias nicht erkannt!

3.         Es gibt nur einen Weg zum Vater: Jesus Christus.

4.         Nur geschenkte Gerechtigkeit kann vor Gott bestehen.

5.         Es gibt noch Hoffnung für Israel.
            Am Ende werden auch sie ihren Messias sehen!

Amen.

 
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