Traupredigt 1. Kor 13,4-17 Zweite Ehe

Ort, Datum und Namen sind geändert.
Kassel, 27.8.2016

Traupredigt Birgit Müller und Rolf Meier
Voraus ging das Lied von Christina Stürmer: Seite an Seite
(Liedtext hier unten nach der Ansprache)

Liebe Birgit, lieber Rolf,

herzlich willkommen in eurer Ehe! Herzlich willkommen im Namen Gottes in eurer neuen Ehe. Herzlich willkommen im Segen Gottes für eure Zweit- oder Drittehe. Ihr wart schon einmal verheiratet. Das macht manches anders. Herzlich willkommen auch in einer Patchwork-Familie; das macht auch vieles anders und manchmal einiges schwieriger.

Jede Ehe ist ein Original. Jede Ehe ist anders. Menschen, die heiraten sind Originale, einzigartig, und alle Ehen sind es auch. Dennoch ist eine neue Ehe immer noch eine andere Situation wie eine erste Ehe. Ihr seid älter. Ihr seid erfahrener. Ihr seid nicht mehr die, die ihr vor 10 oder 20 oder mehr Jahren wart. Eure Geschichten haben euch geprägt.

Ihr beide, Birgit und Rolf, seid auch enttäuscht und verletzt worden. Und ihr habt vermutlich auch selber jemanden anderen enttäuscht. Bei der zweiten Ehe fängt man nicht bei Null an. Man bringt sich selber mit. Man geht ernsthafter an die Ehe heran. Mit mehr Erfahrungen. Wohl auch mit einer höheren Be-reitschaft, für die Ehe etwas zu investieren, weil man weiß, dass man scheitern kann. Die Hoffnungen sind andere in einer neuen Ehe, aber auch die Ängste.

Jede Ehescheidung ist ein Scheitern. Niemand beginnt eine Ehe mit der Aussicht, dass sie nicht ein Le-ben lang hält. Und als Christen haben wir die Entscheidung vor Gott getroffen, haben gebetet, haben uns von Gott geführt gesehen, und waren es wohl auch, wir haben uns segnen lassen und einen ewigen Bund geschlossen. Und doch scheitern auch Ehen von Christen. Jeder dritte Ehe ist Deutschland wird geschieden. Und auch Christen können Scheitern.

Es ist mir so wichtig, es euch beiden zu sagen, Birgit und Rolf, aber es auch euer Hochzeitsgemeinde zu sagen: Unser Gott, der lebendige Gott, er ist ein Gott für die Gescheiterten! Er heißt euch willkommen in der neuen Ehe. Er ist barmherzig. Auch wenn es immer einige Fromme gibt, die den ersten Stein wer-fen, die sich ein Urteil anmaßen und verurteilen. Ich selber bin auch geschieden, wie ihr wisst, und habe in der Zeit der Trennung eine unglaublich barmherzige Gemeinde erlebt. Das ist leider nicht immer so. Im Namen Gottes, Birgit und Rolf, herzlich willkommen in eurer Ehe!

Ihr habt euch ein Leid ausgesucht, das in eurem Traugottesdienst gespielt werden sollte. „Seite an Seite“ von Christina Stürmer. Ich will auf einige Zeilen daraus eingehen.

Wir sind zum Mond geflogen, haben Pyramiden gebaut

haben nie die Neugier verlorn
und sind durch Meere getaucht, wir haben Tränen vergossen

wir haben gelacht und geweint, wir haben Frieden geschlossen
und uns wieder vereint

So beginnt das Lied. An was denkt ihr dabei, Birgit und Rolf? Tatsächlich gehört das alles zur Liebe in ei-ner Ehe: Hochgefühle, Leidenschaft, Schwärmen: Ihr seid zum Mond geflogen! Schwere Aufgaben zu meistern, zu denen man Geduld braucht, die einen zunächst zu überfordern scheinen: Ihr habt Pyrami-den gebaut. Staunen, den anderen immer wieder neu entdecken: Nie die Neugier zu verlieren. Den an-deren nicht festlegen.

Aber auch Tiefen zu erleben, zu Fallen, Tränen zu weinen. Es gibt keine Liebe ohne Leiden. Im Schwa-benland sagt man „Unter jedem Dach ein Ach!“ Das will sagen: In jedem Haus, in jeder Familie, gibt es etwas zu tragen, etwas Schweres. Das Paradies findet man nicht in einer Ehe. Vielleicht fühlt man die ersten Monate den Himmel auf Erden. Ehen aber werden auf der Erde geführt. Da gibt es auch Abgrün-de. Und Täler. Und Berge. Und Meere. Wir „sind durch Meere getaucht haben Tränen vergossen!“ singt Christina Stürmer. Auch das gehört zur Liebe. „Wir haben gelacht und geweint (...) und uns wieder ver-eint.“

Ich wünsche euch das für eure Ehe, dass ihr zum Mond fliegt, dass ihr Pyramiden baut, dass ihr die Neu-gier nie verliert, und das ihr Schweres gemeinsam tragt. Noch etwas Großes kommt in eurem Hochzeits-lied vor: Die Vergebung: „Wir haben Frieden geschlossen und uns wieder vereint.“ „Es ist nicht immer einfach zu verzeihn, aber das Größte, was wir können, ist Mensch zu sein.“

Es gibt keine Liebe ohne Gnade. Das können wir bei Gott lernen. Wie sehr haben wir ihn enttäuscht: Und er liebt uns doch. Aus Gnade, Als Geschenk. Einfach, weil er es will. Wie oft verletzen wir ihn mit Versprechen, die wir nicht halten, mit unserer Halbherzigkeit, mit unserer Dummheit: Und er liebt uns doch. Weil er sich dazu entscheiden hat. Wie oft haben wir uns von Gott entfernt. Und wir können im-mer wieder kommen. Er weist uns nicht ab, wenn wir umkehren. Er schickt uns nicht weg, geht nicht auf Distanz, wenn wir wieder zu ihm kommen.
Es gibt keine Liebe ohne Gnade. Weil wir Menschen sind. Wir sind nicht nur nicht perfekt, wie Christiane Stürmer singt, wir können sehr wund sein, sehr empfindlich, sehr stur, richtig böse. Gott liebt uns so sehr, dass er einmal ganz unsere Position eingenommen hat. Er ist einer geworden wie wir, versuchlich wie wir, er hat gespürt, was Versuchung ist, aber er ist ohne Sünde geblieben. Wir haben keinen Gott, der nicht mit uns fühlen könnte, heißt es einmal in der Bibel.

Ein Bibelwort möchte ich euch beiden mitgeben, Birgit und Rolf.
In 1. Korinther 13 , 4-7 beschriebt Paulus die Liebe Gottes zu uns:

4Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht,
die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf,
5sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre,
sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,
6sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit;
7sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

So liebt uns Gott. Man kann auch an die Stelle der Liebe den Namen Jesu setzen. Mit einer neuen Über-setzung (Gute Nachricht) heißt es dann:

Jesus ist geduldig und gütig. Jesus eifert nicht für den eigenen Standpunkt,
Jesus prahlt nicht und spielt sich nicht auf. Jesus nimmt sich keine Freiheiten heraus,
Jesus sucht nicht den eigenen Vorteil. Jesus lässt sich nicht zum Zorn reizen
und trägt das Böse nicht nach.
Jesus ist nicht schadenfroh, wenn anderen Unrecht geschieht,
sondern er freut sich mit, wenn jemand das Rechte gelingt.
Jesus gibt nie jemand auf, in jeder Lage vertraut und hofft Jesus für andere;
alles erträgt Jesus mit großer Geduld. Die Liebe Jesu wird nie vergehen.

Ich glaube, dass man viel für die Liebe in einer Ehe tun kann. Hape Kerkeling hat einmal gesagt, die Liebe bestände aus drei Faktoren: Arbeit, Arbeit und Arbeit. Ich glaube, dass sich Beziehungsarbeit lohnt. Das kann man wollen, das kann man einplanen:

Zeit haben miteinander, gemeinsam etwas unternehmen, offen kommunizieren, achtsam sein füreinander, was der andere braucht, eigene Erwartungen loslassen, aber auch eigene Wahrnehmungen und Bedürfnisse ernst nehmen. Rechtzeitig, früh, Beratung suchen, Hilfe annehmen, sich jemandem anver-trauen.

Wir sind nicht einfach Opfer in unseren Beziehungen. Beziehungen sind immer ein Wechselspiel, sie haben eine Dynamik, mein Verhalten löst beim anderen ein Verhalten aus und so weiter. Eine Bezie-hung wird immer von beiden gestaltet und man kann etwas dafür tun.

Aber was ich euch als Motor wünsche, als Basis, als den Raum, in dem ihr Eure Ehe erlebt, das ist diese Liebe Gottes,
die nie aufhört, deren Geduld nicht aufhört, deren Güte kein Ende hat,
eine Liebe, die den Vorteil für dich sucht, Gewinn für dich,
eine Liebe, die sich nicht zum Zorn reizen lässt und die das Böse nicht nachträgt.

Diese Liebe will Gottes Geist in unser Herz gießen. Die mit Jesus leben, sie sollen in dieser Liebe wach-sen. Ich will euch nicht überfordern, Birgit und Rolf, aber ich will es euch wünschen, dass ihr in dieser Liebe wachst und es immer mehr oder immer wieder auch heißt:

Birgit und Rolf sind geduldig und gütig.
Rolf und Birgit kämpfen nicht um jeden Preis für einen Standpunkt,
sie prahlen nicht und wollen nicht größer sein als der andere.
Birgit und Rolf nehmen sich keine Freiheiten heraus,
sie beschneiden den anderen nicht in seiner Selbstbestimmung.
Sie suchen nicht nur den eigenen Vorteil.
Sie lassen sich nicht zum Zorn reizen. Sie sind nicht nachtragend.
Rolf und Birgit geben einander nie auf. Sie vertrauen und hoffen für den anderen in jeder Lage. Sie ertragen alles mit großer Geduld.
Ihre Liebe hört niemals auf.

Noch einmal! Das ist nicht die Liebe, die man von einem Menschen erwarten kann! Aber das ist die Lie-be, mit der Gott jeden hier im Raum liebt, und das ist die Liebe, zu der hin er uns wachsen lassen will.

„Denn das größte was wir können ist Mensch zu sein!“ singt Christina Stürmer. Mit der Zeile werde ich nicht so richtig glücklich. Es ist auch das Traurigste manchmal, das Kleinste und Beschämendste, was wir feststellen müssen, dass wir Menschen sind. Die Menschlichkeit steht hoch im Kurs, und so, positiv, hat es natürlich auch Frau Stürmer gemeint. Aber was Menschen auf dieser Erde tun, was sie einander an-tun, im Großen und im ganz Kleinen, das ist auch schrecklich. Gar nicht große sondern ganz klein und elend.

Ich könnte die Zeile so gut hören: Das Größte, was wir können, ist ein Mensch Gottes zu sein, ein Mensch vor Gott, ein Mensch in der Liebe Gottes. Vielleicht sogar so: Das größte was wir können ist, uns von Gott lieben zu lassen. Das Größte für uns alle hier im Raum. Daraus wird viel anderes Großes in un-serem Leben kommen.

Herzlich willkommen in eurer Ehe, Birgit und Rolf.
Im Namen Jesu Christi und unter seinem Segen.

Das ist der Refrain eures Hochzeitsliedes:

Und wir gehen den Weg, von hier
Seite an Seite ein Leben lang, für immer
Denn wir gehen den Weg, von hier
weiter und weiter ein Leben lang, für immer.

Birgit und Rolf gehen den Weg von hier
Seite an Seite ein Leben lang für immer!

Amen.

„Seite an Seite“ Songtext

Wir sind zum Mond geflogen, haben Pyramiden gebaut
haben nie die Neugier verlorn und sind durch Meere getaucht
wir haben Tränen vergossen
wir haben gelacht und geweint, wir haben Frieden geschlossen
und uns wieder vereint

Doch all diese Dinge sind so klein
denn das Größte was wir können ist Mensch zu sein

Und wir gehen den Weg, von hier
Seite an Seite ein Leben lang, für immer
Denn wir gehen den Weg, von hier
weiter und weiter ein Leben lang, für immer

Wir haben Welten entdeckt, die wir vorher nicht kannten
wir haben sprechen gelernt und uns Liebe gestanden
wir haben Lieder geschrieben, wir haben getanzt und gesungen
wir haben Geister gerufen, und Dämonen bezwungen

Es ist nicht immer einfach zu verzeihen
doch das Größte was wir können ist Mensch zu sein

Und wir gehen den Weg, von hier
Seite an Seite ein Leben lang, für immer
Denn wir gehen den Weg, von hier
weiter und weiter ein Leben lang, für immer

Wir sind sicher nicht perfekt, doch wer will das schon sein
wir haben alle kleine Fehler, und sind damit nicht allein, nicht allein,
nicht allein

Und wir gehen den Weg, von hier
Seite an Seite ein Leben lang, für immer

Und wir gehen den Weg, von hier
Seite an Seite ein Leben lang, für immer
Denn wir gehen den Weg, von hier
weiter und weiter ein Leben lang, für immer
Und wir gehen den Weg, von hier
Seite an Seite ein Leben lang, für immer
Denn wir gehen den Weg, von hier
weiter und weiter ein Leben lang, für immer
Und wir gehen den Weg, von hier
Seite an Seite ein Leben lang, für immer.

 
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