Offenbarung 21, 1-8 "Was ist das für eine Welt?!"

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg

Norbert Giebel, 20.11.2016

Offenbarung 21, 1-8 „Was ist das für eine Welt?“

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! 6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. 7 Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein. 8 Die Feigen aber und Ungläubigen und Frevler und Mörder und Hurer und Zauberer und Götzendiener und alle Lügner, deren Teil wird in dem Pfuhl sein, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod.

Offenbarung 21,1-8 (NGÜ)

Liebe Gemeinde,

was ist das für eine Welt in der wir leben? Das ist wirklich apokalyptisch! Eine Welt, in der Tausende im Mittelmeer ertrinken. Menschen, die geflohen sind aus Angst, um ihr Leben zu retten. Und manche Länder in Europa machen ihre Grenzen dicht. Vielleicht gibt es eine geheime Freude darüber: Sie, die auf der Flucht ums Leben kommen, sie können schon mal nicht mehr in unser Land kommen.

Was ist das für eine Welt, in der wir leben? Ich habe keine Zahlen von 2016. Aber in 2015 gab es über 55 Tausend gezählte Tote im Land im Bürgerkrieg in Syrien, über 36 Tausend Tote durch den Krieg in Afghanistan, 22 Tausend im Irak, 17 Tausend durch den Drogenkrieg in Mexiko, 11 Tausend in Nigeria, Kriege in Somalia, Georgien, im Sudan.

Was ist das für eine Welt, in der Menschen sich selbst in die Luft jagen um möglichst viele mit sich zu reißen? Was ist das für ein Machtpoker der Weltmächte im Nahen Osten? Eine Weltmacht unterstützt die Kurden und die andere die Türkei. Eine Weltmacht fliegt gegen die Rebellen und die andere bombadiert die syrische Armee. Und die Menschen sterben, leiden schreien.

Die Demokratie ist auf dem Rückzug, der Nationalismus auf dem Vormarsch. Diktatoren haben Auftrieb. Putin, Erdogan, Kim Jong Un in Nordkoera. Und nun mit Donald Trump einen ausgesprochen ausgleichenden, weisen, diplomatischen Führer der westlichen Welt auf der anderen Seite. Was ist das für eine Welt, in der Präsidentschaftskandidat einer Weltmacht über die Kanzlerin einer befreundeten Nation sagt, die sei doch „geisteskrank“ und zu seiner Rivalin in den USA sagt im Fernsehen, er würde sie ins Gefängnis werfen, wenn er gewählt sei! Und er wurde gewählt! – Wer das meiste Geld hat, der kommt an die Macht

Ich schlage vor, wir sollten in Deutschland die Geissens aufstellen oder Dirk Roßmann (Drogeriekette): 3 Milliarden US-Dollar schwer, Günther Fielmann (Optiker): 4,9 Milliarden, Michael Otto (Versandhaus): 15,6 Milliarden. Die Aldi Brüder haben jeder über 26 Milliarden Dollar. Sie könnten in einer Stadt mit über 50 Tausend Einwohnern jeden inklusive aller Kinder und Alten im Altenheim mit einem Schlag zu Millionären machen.

Die Organisation World Food gibt an, dass 795 Millionen Menschen auf der Welt nicht genug zu essen haben. Jeder neunte Mensch muss jeden Abend hungrig einschlafen. Jedes Jahr sterben 3 Millionen Kinder an Unterernährung. Die Wochenzeitung ZEIT meldet: Täglich 24 Tausend Hungertote auf der Welt.

Was ist das für eine Welt, in der wir leben? In vielen Ländern werden Christen grausam verfolgt. Christen wurden schon oft verfolgt. In etlichen Ländern wurde die erste Generation von Missionaren oder Bekehrten getötet. Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder hat es im Bundestag bestätigt: Noch nie in der Geschichte wurden Christen so verfolgt wie in unserer Zeit. Schon wer eine Bibel besitzt wird in einigen islamischen Ländern ausgepeitscht. Volker Kauder nennt Zahlen. Bisher geht man für 2016 von 7.100 um ihres Glaubens willen ermordeten Christen aus und man hat 2.406 gewaltsame Angriffe auf Kirchen gezählt. In diesem Jahr!

Christen in Nordkorea brauchen nicht fragen, wer der Antichrist ist. Er ist schon da. Er ist bei ihnen. Er zerreißt ihre Familien, foltert und tötet ihre Führer, er zwingt Mütter und Väter in Arbeitslager.

Warum führe ich es uns so vor Augen, in was für einer Welt wir leben? Suchen wir nicht gerade heute, am Ewigkeitssonntag, Trost? Ja. Aber ich will uns klar machen, in welche Welt dieser Trost hineinkommt.

Was ist das für eine Welt, in der Johannes lebte!? Verbannt auf eine Insel im Mittelmeer schrieb er sein Buch der Offenbarung. Sieben Gemeinden in der heutigen Türkei waren die Adressaten. Die Siebenzahl ist aber auch ein Hinweis, dass sein Buch an alle Gemeinden geschrieben ist. Auch damals wurden Christen verfolgt. Jeder im Römischen Reich musste Kaiser Dominitian (81 – 96 nach Chr.) als höchsten Gott verehren. Große Statuen von ihm wurden aufgestellt. Jeder musste ihn anbeten. Im Jahr 86 lässt er sich den Titel „Gott der Herr“ verleihen. Herr heißt Kyrios auf Griechisch. Das ist der mitgebrachte Titel für Jesus im Neuen Testament. Ein Hofdichter hält die Verehrung Dominitians mit folgender Zeile fest: „Siehe, das ist Gott, da ist er, vom Vater im Himmel, eingesetzt mit Vollmacht!“ Todesurteile begannen: „Es hat dem Herrn unserem Gott in seiner Gnade gefallen ...“ Dann wird das Todesurteil ausgesprochen.

Die Christen in der damaligen Türkei brauchten nicht zu fragen, wer der Antichrist sei. Er war mitten unter ihnen. Wer Dominitian nicht anbetete, wurde getötet. Er ist ein schreckliches Tier, das alle zerfleischt, die sich ihm in den Weg stellen. Andere Antichristusse sind ihm gefolgt, Hitler, Idi Amin, Kim Jong Il und Kim Jong Un. In seinen Briefen hat Johannes von mehreren Antichristussen gesprochen. Auch Jesus sagt, dass viele kommen werden, die sagen, sie seien der Messias, die den Herrschaftsanspruch über ein ganzes Volk oder über die ganze Welt beanspruchen und mit Gewalt durchsetzen.

Johannes auf Patmos liest die heiligen Schriften. Er liest die Propheten, besonders Apokalypsen aus dem Judentum. Und Gott schenkt ihm eine große Schau, eine Vision, eine Offenbarung. Alles wird zu Bildern zusammengefügt, Johannes hört Engel, die ihm die Bilder deuten, die er sieht. Johannes schreibt ein großes Trostbuch für die Christen seiner Zeit und für die Christen aller Zeiten. Verborgen, in Bildern, tröstet und mahnt er. Aber das ist kein billiger Trost. Es ist ein Trost für diese Welt: Gottes Trost, dass er kommen wird, dass er diese Welt richten wird, dass er eine neue Welt errichten wird.

Bevor Johannes irgendetwas für die Zukunft sagt, führt Gott ihn zunächst vor seinen Thron. Gott allein gebührt alle Ehre! Und dem Lamm auf dem Thron, Jesus Christus.

Im Bibelgespräch lesen wir gerade die Offenbarung. Letzte Woche lasen wir seine Thronvision in Kapitel 4. Bei Gott ist Licht. Und was mich besonders berührt hat: Es ist ein buntes Licht. Edelsteine in allen Farben leuchten wir ein Regenbogen, beschriebt Johannes, was er sieht. Der ganze Thron wie von einem Regenbogen umgeben. Thronengel stehen um den Thron herum und sie rufen die ganze Zeit, Tag und Nacht: „Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr!“ Das sollen die angefochtenen Christen wissen: Der Herr ist nicht Dominitian und kein Mensch nach ihm. Der Herr ist Gott allein! Und er wird kommen!

Die Kämpfe dieser Welt sind Rückzugsgefechte des Teufels. Er ist besiegt, aber er nutzt noch alle Kraft die er hat, um Unrecht, Leid, Gottlosigkeit in diese Welt zu bringen. Bis der Herr wiederkommt und ihn in den feurigen See wirft, in dem er verbrennt, getötet wird, nie wieder kommt.

Aber noch leben wir in dieser Welt! Eine Welt, in der Menschen leiden. Eine Welt, in der Menschen sterben. Eine Welt, in der Menschen Schmerzen haben. Es gibt in dieser Gemeinde Menschen, die können keinen Tag beginnen, ohne starke Schmerzmittel. „Jeden Morgen schleppe ich mich hinkend ins Bad“ hat eine ältere Person mir letzte Woche gesagt. Es gibt Menschen in dieser Gemeinde, die weinen jeden Tag. Aus Trauer. Oder weil sie einfach kraftlos sind. Leer. Was ist schlimmer: Eine gebrochenes Bein oder eine gebrochene Seele? Menschen, die aus ihrer Depression und Traurigkeit nicht mehr herausfinden.

Bald ist Adventszeit und dann singen wir „O Heiland reiß den Himmel auf!“ – JA. Wir brauchen Trost. Den Trost Gottes. Seine Kraft. Sein Eingreifen. – Und Menschen brauchen Menschen, die ihnen beistehen in ihrer Not, so wie Johannes den Christen seinerzeit beigestanden ist.

„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.“ (V1) „Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.“ (V2) Das himmlische Jerusalem: ein altes Hoffnungssymbol. Gott wird es auf die Erde kommen lassen. Er wird das neue Jerusalem aufrichten. Dann wird gefeiert. Dann wird Hochzeit gefeiert. Ohne Aufhören. Geschmückt wie eine Braut wird das neue Jerusalem sein, die neue Stadt, die neue Welt.

„Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein!“ (V3) Das ist die alte Bundesverheißung an Israel: „Ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein!“ Dann wird das neue Israel, das Volk des Lammes, das Volk des Christus ganz in der Herrschaft Gottes leben. Da ist Freiheit. Da ist Freude. Da ist Friede.

Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (V4) Wie zärtlich ist das denn? Wie empfindsam! Wie weich dieser König sein kann. Tränen kann man nur jedem einzelnen abwischen. Der Reihe nach. Jeden sieht er dabei an. Bei jedem weiß er, woher die Tränen kommen. Und er wischt auch die Tränen ab, sieht sie noch einmal an, würdigt sie, die schon lange geweint sind, die schon lange getrocknet sind. Kein Leid geht an ihm vorbei. Keine Verletzung an Leib oder an der Seele, die er nicht sieht und die er heilt durch seinen Trost. Und der auf dem Thron saß, sprach zu Johannes: „Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!“ (V5)

Aber nicht erst dann, wenn wir gestorben sind, auch nicht erst dann, wenn Gott sein Jerusalem am Ende der Zeiten aufrichten wird, sondern heute schon will er trösten. Er, der auf dem Thron sitzt, sagt: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (V6)

Hier ist ein altes Wort des Propheten Jesaja aufgenommen: In einer neuen Übersetzung (Neue Evangelistische) lesen wir bei Jesaja (55,1-3):

„He, ihr Durstigen alle, / kommt her zum Wasser! Kommt her, auch wenn ihr kein Geld habt! / Kauft und esst! / Ja, kommt, kauft ohne Geld, / kauft Wein und Milch! / Es kostet nichts. 2 Warum gebt ihr Geld aus für Brot, das gar keins ist, / den Lohn eurer Mühe für das, was niemand satt machen kann? / Hört doch auf mich, dann bekommt ihr das Beste, / dann esst ihr euch an Köstlichkeiten satt! 3 Hört auf mich und kommt zu mir! / Dann lebt eure Seele auf, und ich schließe einen ewigen Bund mit euch. / Ich erfülle, was ich schon David versprach. 4 Ihn habe ich zum Zeugen für die Völker bestimmt, / zum Herrscher und Gebieter vieler Nationen.

Diese Welt hat auch viel Gutes im Angebot. Gott ruft seine Angebote in diese Welt hinein, aber es gibt auch andere Marktschreier: „Mach Karriere, verdiene viel Geld, lebe dein Leben, halte dein Wort nicht, sei glücklich, auch wenn es auf Kosten anderer geht!“ rufen sie. Jesaja hatte Dinge vor Augen, nach denen sich Menschen sehnen, die Menschen tun, weil sie meinen, da ihr Glück und ihr Heil zu finden. Für einen Moment der Lust riskieren sie alles. Sie kaufen, sie geben ihr Leben aus für Dinge, die nicht satt machen. Immer wieder sind sie hungrig. Nie sind sie zufrieden.

„Wenn ihr satt werden wollt, dann esst und trinkt bei mir“, sagt Gott. Wenn ihr satt werden wollt, dann geht zu Jesus: In ihm sind die Verheißungen erfüllt, die ich schon David versprochen habe. Er ist der Zeuge für alle Nationen.

Wer hier nicht mit Jesus leben wollte, der wird auch dort in der Ewigkeit nicht dazu gezwungen. Der lebt ohne den Sohn und ohne den Vater in der Ewigkeit.

Johannes schreibt: „Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.“ (V7) „Die Feigen aber und Ungläubigen aber“ .... auf sie wartet „der zweite Tod.“ (V8) – Es gibt einen Tod nach dem Tod. Einen ewigen Tod oder ein ewiges Leben ohne Gott.

Das Buch der Offenbarung ist ein Trostbuch! Aber Johannes mahnt auch, nichts und niemand anderen als Gott und das Lamm auf dem Thron anzubeten. Christus treu zu bleiben.

Wie passt dieses Kapitel der Offenbarung von der neuen Welt und dem neuen Himmel zum Ewigkeitssonntag? Was Gott Johannes sehen lässt, stellt unser Leben in eine andere Perspektive. Wenn wir das, was er in Bildern sieht als wahr annehmen, wirkt sich das auf unser Leben aus.

Was Johannes seiht tröstet uns, weil die, die in Christus gestorben sind, schon jetzt dort sind. In der Ewigkeit gibt es keine Zeit, auch wenn Johannes in Bildern der Zeit sprechen muss. Wer hier in Jesus stirbt, egal was für ein guter oder schlechter Mensch er gewesen ist, für den gilt das Wort Jesu am Kreuz: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein!“ (Lukas 23,42.43)

Die Verstorbenen sind uns vorausgegangen, sie sind schon umgezogen! Ihr alles ihnen vertrautes Haus hier ist abgerissen aber dort leben sie herrlich. – Und die gute Nachricht für uns: Es sind noch viele, sehr viele Wohnungen frei im neuen Jerusalem.

Amen

 
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