Macht hoch die Tür (Liedpredigt mit Bildern und Psalm 24)

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Mönchebergstraße
Musikgottesdienst zum 2. Advent, Norbert Giebel, 04.12.2016

„Macht die Tore auf!“
Liedpredigt mit Bildern von Toren; inkl. Psalm 24

Liebe Gemeinde,

Folie 1 Drei Namen

„Macht die Tore auf!“ hat der Gospelchor gerade gesungen. Text von Christoph Zehendner, Journalist, Liedermacher und Theologe, geboren 1961. Was für Tore sollen wir denn aufmachen? – Das Lied erinnert an ein anderes altes Adventslied: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!“ Georg Weißel hat dieses alte Lied geschrieben. Geboren 1590, Lehrer und Pfarrer in Königsberg.

Und beide Liederdichter beziehen sich auf ein viel älteres Lied: Psalm 24, geschrieben von David. Hirte, Feldherr und König in Jerusalem, geboren im 10. Jh. vor Jesu Geburt. „Machte die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!“ hat David geschrieben (V7+9)

Was für Tore sollen wir denn aufmachen? David hat an das Tempeltor gedacht. Oder an ein Stadttor?
Jedenfalls war es ein Tor, das man eng oder auch weit öffnen konnte, dass man nur unten oder auch oben öffnen konnte. Vielleicht wie so ein Scheunentor:

Folie 2 Scheunentore

Hier kann man unten und auch oben Türflügel öffnen. Da kann man es verstehen, wenn es heißt, die Tore sollen weit und hoch geöffnet werden. Der da kommt, der ist groß und mächtig. „Ihm gehört die ganze Erde!“ sagt David in seinem Lied. „Er ist stark und gewaltig. Er ist Sieger in jedem Kampf!“ Psalm 24.

Er ist „der Herr der Herrlichkeit“, „der König aller Königreiche“, “der „Heiland aller Welt“, „der Heil und Segen mit sich bringt!“ dichtete Georg Weißel. Wer wollte da nicht alles aufmachen! Da muss man auch die Fenster aufmachen und jede Tür im Haus. Er ist gerecht, ein Helfer, mächtig und doch sanftmütig, barmherzig. Er kommt mit Rat und Tat und Gnad! Georg Weißel spürt man die Freude ab auf den, der kommt. Er will sich ganz öffnen, bedingungslos, und er will die ganze Welt dazu einladen.

In einem aber sind sie sich alle drei einig: David, Weißel und Zehendner: Der Herr kommt, aber: Den Menschen muss man sagen, dass sie ihre Türen öffnen. Dem mächtigen König kann es gehen wie dieser Frau:

Folie 3 Frau vor verschlossenen Türen
Sie steht vor verschlossenen Türen. Keiner macht ihr auf. Der König kommt. Der Heiland kommt.
Er, der mir und dir und allen seine Gnade und Liebe zeigen will, er kommt. Aber er bricht nicht ein. Er bricht keine Türen auf, die ihm nicht geöffnet werden. Er klingelt. Oder Jesus hat gesagt: Er klopft an. Und dem, der ihm öffnet, dem deckt er den Tisch fürstlich, königlich. Dieser König zeigt seine Macht und Liebe nur denen, die sie sehen wollen, die sie erleben wollen. Er zwingt nicht.

Zehendner hat geschrieben, der Chor hat es uns gesungen: „Er kommt, und wer ihn einlässt, kann gewinnen, kann spüren: Er ist Liebe in Person. Er kommt, um neue Freundschaft zu beginnen. Gott will mit uns sein!“ – Gott will mit uns sein! Dass ist die Botschaft, die große Nachricht, das unfassbare Angebot der Adventszeit. Gott will mit uns sein! Wollen wir auch mit ihm sein? Dann müssen wir unsere Türen aufmachen, unsere Tore weit und hoch machen.

Warum soll die Tür weit offen sein?
Folie 4 Frau öffnet Tür nur einen Spalt

Was signalisiert jemand, was drückt jemand damit aus, der eine Tür nur einen Spalt aufmacht? Vielleicht weiß so jemand nicht wer kommt. Wir aber wissen es. Oder diese Frau ist nicht vorbereitet. Es sieht aus wie Sau in ihrer Wohnung. Vielleicht sieht sie mal vor ihre Tür und denkt: „Hoffentlich kommt er noch nicht!“ Vielleicht will sie sich selber nicht ganz zeigen. Kann auch sein. Vielleicht scheut sie den Blick, dem König Auge und Auge gegenüber zu stehen. Aber wir brauchen keine Angst haben. Wir dürfen uns ihm ganz zeigen. Wir brauchen nichts zu verstecken. Darum sollen wir unsere Türen weit auf machen!

Wer seine Tür nur einen Spalt öffnet, hat irgendeine Angst. Er will diese Begegnung einfach nicht. Er will ausweichen, sich verstecken. Was ist das für ein Empfang, wenn der König zu dir kommt, der Heiland der Welt, mit Rat und Tat und Gnad, und du schielst ihn durch einen Türspalt an. „Will ist du wirklich in mein Leben kommen, Jesus? Muss das sein? Jetzt gleich?“

Wir sollen die Türen weit aufmachen, damit wir selbst und damit der Herr weiß: Er ist willkommen. Er soll bitte kommen. Wir freuen uns auf ihn. Wir brauchen ihn. Wir wollen ihm rückhaltlos in die Arme fallen. – Mein Vater war einmal in einer Kur. Drei Wochen waren es wohl. Herzkreislauf. An dem Tag, an dem wiederkam, schmückten wir drei Söhne die Haustür. Wir bastelten einen großen Bogen über der Haustür: „Herzlich willkommen!“ stand darauf.

Folie 5 Willkommen

Das ist nicht die Haustür an meinem Elternhaus. Ich habe kein anderes Bild gefunden. Aber wer an eine solche Tür kommt, der weiß, er ist willkommen. Die Menschen, die hier wohnen, haben nicht vergessen, dass er kommen würde. Sie sind vorbereitet. Ich könnte mir vorstellen, dass durch die Tür auch Musik und Gesang zu hören ist: „Preist den König, der da kommt!“ Oder: „Freue dich Welt, der Herr ist da! Nimm deinen König! Und jedes Herz empfange ihn, mach‘ für ihn Raum und singe ihm!“

Welche Tür wir öffnen sollen, da sind sich Christoph Zehendner und Georg Weißel sicher: Unser Leben sollen wir öffnen. Unser Herz sollen wir öffnen. In dem Adventslied von Zehendner heißt es immer wieder: “Macht die Tore auf, öffnet eure Herzen!“

Folie 6 Herz

Das Herz ist in den biblischen Sprachen nicht Sitz meiner Gefühle, sondern meines Willens. Das Herz denkt und lenkt. Das Herz trifft Entscheidungen. Da sitzen meine tiefsten Werte und Überzeugungen. Das Herz ist die Personenmitte. Mein Kern. Hier möchte Jesus gefeiert werden. Hier soll ihm gespielt werden. Hier will er der Herr sein, der geehrt wird, und der Heiland, dem man sich anvertraut. Denn: Nur wenn er der Herr ist, dann kann er auch heilen.

Bleibt eine Frage: (Animation, Frage wird ergänzt)
Wie öffne ich ihm mein Herz?

Das geht nur im Gebet und in der Stille, denke ich. Ein Herz kann man nicht nebenbei öffnen. Das geht nur konzentriert, als eine bewusste Handlung.

Wie kannst du dein Herz öffnen? Du kannst jetzt hier sitzen, in dich gehen, ganz bei dir sein, dir vorstellen, du hast ein großes Tor vor deinem Leben, ein Scheunentor vor deinem Herzen, und jetzt öffnest du es, leise aber entschieden, und du bleibst in der Vorstellung, dass du an deinem weit geöffneten Tor stehst und du sagst: Komm Herr Jesus! Tritt ein! Ich habe dein Klopfen gehört! Komm, ich freue mich, ich bin ganz offen für dich. Komm tritt ein, sei der Herr über alles, was mich ausmacht.

Vielleicht muss man das Herz auch nacheinander öffnen. Wie in einem Adventskalender.

Folie 7 Adventskalender

Vielleicht haben unsere Herzen auch ganz viele Tore oder Türen. Ich kann mir bewusst machen, was alles zu meinen Leben gehört, was mein Herz alles beschwert oder erfreut oder herausfordert.

  • Vielleicht mache ich eine Tür auf und da ist meine Ehe drin. Und ich mache die Tür weit auf und lade Jesus ein hereinzukommen. „Sei du der Herr und Heiland meiner Ehe!“

  • Dann mache ich noch eine Tür auf und da ist vielleicht die Beziehung zu meiner Tochter, zu meiner Mutter, zu meinem Sohn. Und ich stelle mir vor, dass ich auch diese Tür weit öffne und Jesus einlasse. Vater im Himmel, segne mich als Vater, segne mich als Sohn, je nachdem, an welche Beziehung ich gerade denke.

  • Und ich öffne eine andere Tür und meine Gesundheit ist darin. Meine Selbstfürsorge. Mein Körper. Was ich alles in hin hineinstopfe. Was ich alles mit ihm tue. Wo ich meine Gesundheit vernachlässige.

  • Und ich öffne ganz bewusst noch ein Törchen und dahinter ist meine Beziehung zu dem einen Bruder oder der einen Schwester in der Gemeinde. Und mache mein Tor weit auf und Jesus kommt in diese Beziehung hinein.

  • Mein Stolz ist hinter einem anderen Törchen.
  • Meine Angst, meine Selbstzweifel sind hinter wieder einer anderen Tür.

Das wäre doch eine wunderbare geistliche Übung, sich auf ein großes Blatt Papier einen Adventskalender zu zeichnen und den 24 Törchen Namen zu geben. Und dann Jesus nacheinander, Stück für Stück, ganz bewusst im Gebet in mein Leben einziehen zu lassen.

Dann können wir die dritte Strophe singen, die Georg Weißel vor über 300 Jahren gedichtet hat:

O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
so diesen König bei sich hat!
Wohl allen Herzen insgemein,
da dieser König ziehet ein!
Er ist die rechte Freudensonn',
bringt mit sich lauter Freud' und Wonn'.
Gelobet sei mein Gott,
mein Tröster früh und spat.

Das Lied von Georg Weißel singen wir nun zusammen:
„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!“

 
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