Micha 5, 1-4 Aus Bethlehem soll der Retter kommen

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg

Pastor Norbert Giebel, Weihnachten 25.12.2016

Micha 5, 1-4 Aus Bethlehem soll der Retter kommen

Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. Indes lässt er sie plagen bis auf die Zeit, dass die, welche gebären soll, geboren hat. Da wird dann der Rest seiner Brüder wiederkommen zu den Söhnen Israel. Er aber wird auftreten und weiden in der Kraft des HERRN und in der Macht des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, so weit die Welt ist. Und er wird der Friede sein.

Liebe Gemeinde,

was ist das für ein starker Text! Was ist das für eine Prophezeiung! Ein Text aus einer anderen Adventszeit. Das ist Michas Adventszeit. Er hat gewirkt zu Zeiten der Könige Jotam (757-736), Ahas (735-725) und Hiskia (725-697 v.Chr.) in Jerusalem: Etwa 740 – 700 vor Christus.

Das Land war geteilt in Nordreich und Südreich mit der Hauptstadt Jerusalem. Das Land war durch die Assyrer bedroht, die damalige Weltmacht.

Propheten wie Micha reden scharf in ihre Gegenwart hinein.

Sie schonen weder das Volk noch die Obrigkeiten. Das Volk ist von Gott abgefallen. Das Unrecht der Reichen und Mächtigen über die Armen schreit zum Himmel. – Micha sagt: „Sie ziehen den Armen die Haut von den Knochen!“(3,3)

Micha sagt das Gericht Gottes bevor. Er prophezeit, dass das Nordreich von den Assyrern eingenommen wird. – Genau so kommt es 722 vor Christus: Samaria, die Hauptstadt des Nordens, fällt.

Aber auch Jerusalem, auch das Südreich Juda wird nicht verschont. Jerusalem wird umgegraben werden, dass kein Stein mehr auf dem anderen liegt, sagt Micha (3,12). – Auch die Bewohner des Südreiches werden verschleppt werden.

Das erlebt Micha lange nicht mehr. Erst 200 Jahre nach ihm, Anfang des 5. Jahrhunderts, nehmen die Babylonier Jerusalem ein und schleifen Stadt und Tempel, dass kein Stein mehr auf dem anderen liegt.

Dann aber wird Gott einen neuen Anfang schenken, sagt Micha.

Ein kleines Dorf gerät in den Blickpunkt: Bethlehem. Übersetzt Brothaus oder Brothausen. Das ist ein so kleines Nest, dass Micha die Gegend nennt, in der es liegt: In Efrata.

Bethlehem hat heute knapp 30.000 Einwohner. Zurzeit Jesu waren es 200 – 300 Menschen. Zur Zeit Michas noch weit weniger. – Ein Kuhdorf. Besser gesagt ein Schafsdorf. Es gab sicher mehr Schafe als Einwohner in Bethlehem.

In der Provinz, in diesem Dorf, wird Gott neu anfangen, sagt Micha.

Aus diesem Dorf wird der kommen, der Herr über Israel sein wird. Dann werden sie sicher wohnen.  Er wird sie weiden wie ein guter Hirte seine Schafe weidet.

Bethlehem war schon einmal ins Rampenlicht der Geschichte Israels getreten. Im 10. Jahrhundert vor Jesu Geburt kam ein Prophet namens Samuel nach Bethlehem.  Gott hatte ihm gesagt, dass er hier den König Israels finden und ihn salben sollte.

Bethlehem war die Stadt Davids.

David wurde hier zum König gesalbt.

Ein Schafsbauer namens Isai holte alle seine Söhne und stellte sie vor Samuel, aber keinen von ihnen hatte Gott zum König berufen.

Hast du keinen weiteren Sohn?“ fragte Saul.

Doch, der Jüngste, der Kleinste, David, er ist auf dem Feld bei den Schafen!“     – Der der eigene Vater für am Unwürdigsten hielt, den sucht Gott aus, den zeigt er dem Propheten Samuel und den salbt er zum König.

Gott fängt im Kleinen an, im Schwachen, im Unscheinbaren.

Aller Prunk dieser Welt kann ihn nicht beeindrucken.

Man hat fast den Eindruck, dass Hochleistung, Reichtum, Karriere Stolz jedenfalls Gott eher im Wege stehen, als dass er solche Menschen gebrauchen und berufen könnte.

  • Er beruft den kleinen David.
  • Er fängt im kleinen Bethlehem neu an.
  • Er hat Mose berufen und gebraucht, einen Mörder und einen Mann mit schwerer Zunge. Einen, der nicht gut reden kann, man er zu seinem Sprecher.
  • Gott hat den schnell verzagten Jeremia gerufen und zu einem großen Propheten gemacht. Jeremia meinte, er sei doch viel zu jung, und Gott musste ihn besonders überzeugen.

Und auch Jesus hat gepredigt:

  • Selig sind die, die in dieser Welt nur noch von Gott etwas erwarten. (Das ist ein starker Satz: Die sind glücklich zu preisen, die in dieser Welt nur noch von Gott etwas erwarten!
  • Selig sind die, die in dieser heillosen Welt leiden, sagt Jesus.
  • Selig sind die, die auf Macht und Gewalt verzichten.
  • Selig sind die Armen.
  • Selig sind die, die nach Gerechtigkeit dürstet.

Das scheint Methode zu haben bei Gott, dass er zuerst das Kleine, das Schwache, das Gefallenen sieht und dort im Kleinen anfängt.

Micha erlebt eine völlig andere Adventszeit als wir sie erleben.

Micha wartet zusammen mit dem ganzen Alten Testament mit allen Propheten auf das erste Kommen des Messias, des Gesalbten, des Königs Gottes.

Und Micha sieht diesen Messias, der der Herr über Israel sein wird, in Bethlehem geboren werden. – Dass der Messias ein Sohn Davids sein würde, haben auch andere Propheten mit ihm gesehen. Jesaja sieht einen neuen Spross, einen neuen grünen Zweig heraufwachsen aus dem abgehauenen Baum, aus dem Baumstumpf Isai.

Mit einem neuen David wird Gott neu anfangen.

In Bethlehem wird er geboren werden, seinen Ausgang aber hat er in der Ewigkeit, vor Beginn der Erschaffung der Menschen. Seinen Anfang hat er im Anfang, sagt Micha.

Daniel, der Prophet Daniel, er hat in einer Vision den Thron Gottes gesehen und dann einen, der aussah wie ein Mensch, ein Menschensohn, den Gott mit aller Macht ausgestattet auf die Erde schickt. (Dan 7).

Er wird Macht, Ehre und alle Herrschaft über alle Völker und Menschen bekommen, so können wir es bei Daniel lesen.
– Daniel lebte unter Nebukadnezar in Babylon mehrere Jahrhunderte nach Micha.

Was sind das für Offenbarungen, die Gott Menschen schenkt!

Michas Zeiten sind dunkel. Kriege stehen bevor. Das soziale Unrecht droht das Volk zu zerreißen. Die Reichen prassen während Arme hungern.

In seine bedrohte Welt hinein sagt Micha den Advent des Herrn an. – Nichts ist davon zu sehen. Garnichts. Allein auf den Untergang Samarias kann er sich ab dem Jahr 722 als Zeichen berufen.

Micha sieht einen Herrscher von Gott kommen, dessen Ursprung in Gott ist. – Wann das sein wird, weiß er nicht.

                „Inzwischen, bis dahin, lässt Gott sein Volk leiden bis zu der     Zeit, dass die, welche gebären soll, geboren hat.“

Das Gericht wird kommen auch über Juda, da ist Micha sich sicher. Dann wird die, die gebären soll, gebären. – Ein merkwürdiger Hinweis auf die Mutter des Herrn. – Wird sie etwas Besonderes sein? Wird etwas Besonderes um die Geburt herum geschehen?

Wie hat Micha diese merkwürdige Formulierung gemeint?

Oder hat er einfach nur weitergegeben, was er empfangen hat?

Bei Jesaja, einem Zeitgenossen Michas, gibt es auch so eine Anspielung auf die Mutter:

„Eine junge Frau wird schwanger werden und einen Sohn         zur Welt bringen, den wird sie Immanuel nennen (Gott ist              mit uns.).“ (7,14)

 

Luther hat übersetzt „Eine Jungfrau wird schwanger“. Dass die „junge Frau“ eine Jungfrau sein soll, geht aber aus dem hebräischen Wort nicht zwingend hervor.

„Ein Kind ist geboren, er wird auf dem Thron Davids regieren, seine Herrschaft wird für immer Bestand haben! – Es wird dauerhaft Frieden sein“, kündigt Jesaja an (9,6)

Micha steht nicht alleine mit seiner Prophetie.

Keine zwei Propheten sehen genau das Gleiche.

Aber sie ergänzen und bestätigen sich.

Einig sind sich die Propheten in der weltweiten Bedeutung des kommenden Herrn. Israel wird nicht mehr die Rolle spielen, die es jetzt im Alten Bund spielt.

Der Rest Israels wird sich um ihn herum sammeln. aber er wird auf der ganzen Welt verherrlicht werden. – Nicht ganz Israel wird gerettet, sondern ein Rest Israels wird gerettet.

Jesaja hat es genauso gepredigt. Er hat sogar einen Sohn so genannt: „Ein Rest kehrt um!“ Hebräisch: „Schear-Jaschub“. Das war sein Drohwort gegen Israel.

Jesaja und Micha aber auch ihre Zeitgenossen Amos und Hosea feiern Advent mehr als 700 Jahre vor Jesu Geburt. Sie sind sozusagen „die vier Weisen ihrer Zeit“. – Und es ist erstaunlich, was Gott ihnen alles schon gezeigt hat.

Und er wird der Friede sein!“ schließt unser Predigttext.

Der kommende Herr wird Frieden bringen. Auch darin sind sich die Propheten einig. Friedefürst werden sie ihn nennen. Friede zwischen den Menschen und auch Friede in der Schöpfung.

Aber wo ist denn dieser Friede?

Um Bethlehem herum steht heute eine bis zu 9 Meter hohe Mauer als Schutz vor den Palästinensern. Friede sieht anders aus.

Sie werden sicher wohnen“? Das stelle ich mir anders vor.

Heute würden die  vier oder sechs Weisen, in der Bibel steht nicht wie viele es waren, heute würden die Weisen gleich am Checkpoint abgewiesen werden. Sie würden nicht hineinkommen nach Bethlehem.

Ein schwerer Lastwagen fährt auf einem Berliner Weihnachtsmarkt in die Menschenmenge. Frieden stelle ich mir anders vor.

Tausende Flüchtlinge ertrinken im Mittelmeer.

Habt ihr die Bilder von der zerbombten Stadt Aleppo gesehen?

Da liegt auch kein Stein mehr auf dem anderen.

Þ     Krieg in Syrien, Afghanistan, Irak, Somalia.

Þ     Angst vor Terroranschlägen überall auf der Welt.

Eine Autobombe in Ankara oder Jerusalem oder Bagdad würde uns erschrecken, aber nicht wundern. Man muss mit so etwas rechnen.

Der Traum von einer friedlichen Welt, einer Welt, die in diesem Herrn ihren Frieden findet, ist noch nicht erfüllt. Wie lange wird es noch dauern? – Frieden und Gerechtigkeit in der Welt lassen auf sich warten.

Heute ist Weihnachten. – Die Geburt Jesu in Bethlehem zeigt, wie zuverlässig Gott ist. Er tut, was er versprochen hat.

Die Geburt Jesu in Bethlehem zeigt aber auch, wie viel Geduld wir brauchen. 700 Jahre sind vergangen nach der Prophetie Michas.

Und die Prophezeiungen zeigen uns, dass wir auch noch nicht am Ziel sind. Da steht noch etwas aus. Da steht noch viel aus. Darauf warten wir noch mit Micha zusammen.

Die Adventhoffnung Michas geht bis in unsere Adventszeit hinein und sie reicht darüber hinaus. – So ist es oft bei den Propheten:

  • Manchmal sehen sie Dinge, die noch zu ihren Lebzeiten geschehen.
  • Oft sehen sie Dinge kommen, die wir noch im Alten Testament in der Geschichte Israels erfüllt sehen können.
  • Hier und da finden wir deutliche Hinweise auf die Geburt und Herrschaft Jesu Christi, auf einen neuen Bund im Gottes Geist.

  • Wir finden Worte, die scheinbar direkt in unsere Zeit sprechen.
  • Und wir finden Visionen, die wir auch noch lange nicht erleben.

Gottes Mühlen mahlen langsam.

Die meisten Propheten haben nichts gesehen, nichts selber erlebt, von dem, was Gott ihnen gezeigt hat.

In Bethlehem können wir sehen, dass Gott zu seinem Wort steht.

Wir erkennen uns in einer langen Geschichte Gottes mit dieser Welt. Und wir erkennen auch, dass wir noch nicht am Ziel dieser Geschichte angelangt sind.

Wir leben in einer anderen Adventszeit wie Micha.

Wir sehen auf das erste Kommen Jesu zurück.

Aber wir warten auch noch auf den Herrn, der der Frieden ist.

Und wir sagen seinen Advent, sein Wiederkommen, in unsere schwere Zeit hinein.

Amen.

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg

Pastor Norbert Giebel, Weihnachten 25.12.2016

Micha 5, 1-4 Aus Bethlehem soll der Retter kommen

Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. Indes lässt er sie plagen bis auf die Zeit, dass die, welche gebären soll, geboren hat. Da wird dann der Rest seiner Brüder wiederkommen zu den Söhnen Israel. Er aber wird auftreten und weiden in der Kraft des HERRN und in der Macht des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, so weit die Welt ist. Und er wird der Friede sein.

Liebe Gemeinde,

was ist das für ein starker Text! Was ist das für eine Prophezeiung! Ein Text aus einer anderen Adventszeit. Das ist Michas Adventszeit. Er hat gewirkt zu Zeiten der Könige Jotam (757-736), Ahas (735-725) und Hiskia (725-697 v.Chr.) in Jerusalem: Etwa 740 – 700 vor Christus.

Das Land war geteilt in Nordreich und Südreich mit der Hauptstadt Jerusalem. Das Land war durch die Assyrer bedroht, die damalige Weltmacht.

Propheten wie Micha reden scharf in ihre Gegenwart hinein.

Sie schonen weder das Volk noch die Obrigkeiten. Das Volk ist von Gott abgefallen. Das Unrecht der Reichen und Mächtigen über die Armen schreit zum Himmel. – Micha sagt: „Sie ziehen den Armen die Haut von den Knochen!“(3,3)

Micha sagt das Gericht Gottes bevor. Er prophezeit, dass das Nordreich von den Assyrern eingenommen wird. – Genau so kommt es 722 vor Christus: Samaria, die Hauptstadt des Nordens, fällt.

Aber auch Jerusalem, auch das Südreich Juda wird nicht verschont. Jerusalem wird umgegraben werden, dass kein Stein mehr auf dem anderen liegt, sagt Micha (3,12). – Auch die Bewohner des Südreiches werden verschleppt werden.

Das erlebt Micha lange nicht mehr. Erst 200 Jahre nach ihm, Anfang des 5. Jahrhunderts, nehmen die Babylonier Jerusalem ein und schleifen Stadt und Tempel, dass kein Stein mehr auf dem anderen liegt.

Dann aber wird Gott einen neuen Anfang schenken, sagt Micha.

Ein kleines Dorf gerät in den Blickpunkt: Bethlehem. Übersetzt Brothaus oder Brothausen. Das ist ein so kleines Nest, dass Micha die Gegend nennt, in der es liegt: In Efrata.

Bethlehem hat heute knapp 30.000 Einwohner. Zurzeit Jesu waren es 200 – 300 Menschen. Zur Zeit Michas noch weit weniger. – Ein Kuhdorf. Besser gesagt ein Schafsdorf. Es gab sicher mehr Schafe als Einwohner in Bethlehem.

In der Provinz, in diesem Dorf, wird Gott neu anfangen, sagt Micha.

Aus diesem Dorf wird der kommen, der Herr über Israel sein wird. Dann werden sie sicher wohnen.  Er wird sie weiden wie ein guter Hirte seine Schafe weidet.

Bethlehem war schon einmal ins Rampenlicht der Geschichte Israels getreten. Im 10. Jahrhundert vor Jesu Geburt kam ein Prophet namens Samuel nach Bethlehem.  Gott hatte ihm gesagt, dass er hier den König Israels finden und ihn salben sollte.

Bethlehem war die Stadt Davids.

David wurde hier zum König gesalbt.

Ein Schafsbauer namens Isai holte alle seine Söhne und stellte sie vor Samuel, aber keinen von ihnen hatte Gott zum König berufen.

Hast du keinen weiteren Sohn?“ fragte Saul.

Doch, der Jüngste, der Kleinste, David, er ist auf dem Feld bei den Schafen!“     – Der der eigene Vater für am Unwürdigsten hielt, den sucht Gott aus, den zeigt er dem Propheten Samuel und den salbt er zum König.

Gott fängt im Kleinen an, im Schwachen, im Unscheinbaren.

Aller Prunk dieser Welt kann ihn nicht beeindrucken.

Man hat fast den Eindruck, dass Hochleistung, Reichtum, Karriere Stolz jedenfalls Gott eher im Wege stehen, als dass er solche Menschen gebrauchen und berufen könnte.

  • Er beruft den kleinen David.
  • Er fängt im kleinen Bethlehem neu an.
  • Er hat Mose berufen und gebraucht, einen Mörder und einen Mann mit schwerer Zunge. Einen, der nicht gut reden kann, man er zu seinem Sprecher.
  • Gott hat den schnell verzagten Jeremia gerufen und zu einem großen Propheten gemacht. Jeremia meinte, er sei doch viel zu jung, und Gott musste ihn besonders überzeugen.

Und auch Jesus hat gepredigt:

  • Selig sind die, die in dieser Welt nur noch von Gott etwas erwarten. (Das ist ein starker Satz: Die sind glücklich zu preisen, die in dieser Welt nur noch von Gott etwas erwarten!
  • Selig sind die, die in dieser heillosen Welt leiden, sagt Jesus.
  • Selig sind die, die auf Macht und Gewalt verzichten.
  • Selig sind die Armen.
  • Selig sind die, die nach Gerechtigkeit dürstet.

Das scheint Methode zu haben bei Gott, dass er zuerst das Kleine, das Schwache, das Gefallenen sieht und dort im Kleinen anfängt.

Micha erlebt eine völlig andere Adventszeit als wir sie erleben.

Micha wartet zusammen mit dem ganzen Alten Testament mit allen Propheten auf das erste Kommen des Messias, des Gesalbten, des Königs Gottes.

Und Micha sieht diesen Messias, der der Herr über Israel sein wird, in Bethlehem geboren werden. – Dass der Messias ein Sohn Davids sein würde, haben auch andere Propheten mit ihm gesehen. Jesaja sieht einen neuen Spross, einen neuen grünen Zweig heraufwachsen aus dem abgehauenen Baum, aus dem Baumstumpf Isai.

Mit einem neuen David wird Gott neu anfangen.

In Bethlehem wird er geboren werden, seinen Ausgang aber hat er in der Ewigkeit, vor Beginn der Erschaffung der Menschen. Seinen Anfang hat er im Anfang, sagt Micha.

Daniel, der Prophet Daniel, er hat in einer Vision den Thron Gottes gesehen und dann einen, der aussah wie ein Mensch, ein Menschensohn, den Gott mit aller Macht ausgestattet auf die Erde schickt. (Dan 7).

Er wird Macht, Ehre und alle Herrschaft über alle Völker und Menschen bekommen, so können wir es bei Daniel lesen.
– Daniel lebte unter Nebukadnezar in Babylon mehrere Jahrhunderte nach Micha.

Was sind das für Offenbarungen, die Gott Menschen schenkt!

Michas Zeiten sind dunkel. Kriege stehen bevor. Das soziale Unrecht droht das Volk zu zerreißen. Die Reichen prassen während Arme hungern.

In seine bedrohte Welt hinein sagt Micha den Advent des Herrn an. – Nichts ist davon zu sehen. Garnichts. Allein auf den Untergang Samarias kann er sich ab dem Jahr 722 als Zeichen berufen.

Micha sieht einen Herrscher von Gott kommen, dessen Ursprung in Gott ist. – Wann das sein wird, weiß er nicht.

                „Inzwischen, bis dahin, lässt Gott sein Volk leiden bis zu der     Zeit, dass die, welche gebären soll, geboren hat.“

Das Gericht wird kommen auch über Juda, da ist Micha sich sicher. Dann wird die, die gebären soll, gebären. – Ein merkwürdiger Hinweis auf die Mutter des Herrn. – Wird sie etwas Besonderes sein? Wird etwas Besonderes um die Geburt herum geschehen?

Wie hat Micha diese merkwürdige Formulierung gemeint?

Oder hat er einfach nur weitergegeben, was er empfangen hat?

Bei Jesaja, einem Zeitgenossen Michas, gibt es auch so eine Anspielung auf die Mutter:

„Eine junge Frau wird schwanger werden und einen Sohn         zur Welt bringen, den wird sie Immanuel nennen (Gott ist              mit uns.).“ (7,14)

 

Luther hat übersetzt „Eine Jungfrau wird schwanger“. Dass die „junge Frau“ eine Jungfrau sein soll, geht aber aus dem hebräischen Wort nicht zwingend hervor.

„Ein Kind ist geboren, er wird auf dem Thron Davids regieren, seine Herrschaft wird für immer Bestand haben! – Es wird dauerhaft Frieden sein“, kündigt Jesaja an (9,6)

Micha steht nicht alleine mit seiner Prophetie.

Keine zwei Propheten sehen genau das Gleiche.

Aber sie ergänzen und bestätigen sich.

Einig sind sich die Propheten in der weltweiten Bedeutung des kommenden Herrn. Israel wird nicht mehr die Rolle spielen, die es jetzt im Alten Bund spielt.

Der Rest Israels wird sich um ihn herum sammeln. aber er wird auf der ganzen Welt verherrlicht werden. – Nicht ganz Israel wird gerettet, sondern ein Rest Israels wird gerettet.

Jesaja hat es genauso gepredigt. Er hat sogar einen Sohn so genannt: „Ein Rest kehrt um!“ Hebräisch: „Schear-Jaschub“. Das war sein Drohwort gegen Israel.

Jesaja und Micha aber auch ihre Zeitgenossen Amos und Hosea feiern Advent mehr als 700 Jahre vor Jesu Geburt. Sie sind sozusagen „die vier Weisen ihrer Zeit“. – Und es ist erstaunlich, was Gott ihnen alles schon gezeigt hat.

Und er wird der Friede sein!“ schließt unser Predigttext.

Der kommende Herr wird Frieden bringen. Auch darin sind sich die Propheten einig. Friedefürst werden sie ihn nennen. Friede zwischen den Menschen und auch Friede in der Schöpfung.

Aber wo ist denn dieser Friede?

Um Bethlehem herum steht heute eine bis zu 9 Meter hohe Mauer als Schutz vor den Palästinensern. Friede sieht anders aus.

Sie werden sicher wohnen“? Das stelle ich mir anders vor.

Heute würden die  vier oder sechs Weisen, in der Bibel steht nicht wie viele es waren, heute würden die Weisen gleich am Checkpoint abgewiesen werden. Sie würden nicht hineinkommen nach Bethlehem.

Ein schwerer Lastwagen fährt auf einem Berliner Weihnachtsmarkt in die Menschenmenge. Frieden stelle ich mir anders vor.

Tausende Flüchtlinge ertrinken im Mittelmeer.

Habt ihr die Bilder von der zerbombten Stadt Aleppo gesehen?

Da liegt auch kein Stein mehr auf dem anderen.

Þ     Krieg in Syrien, Afghanistan, Irak, Somalia.

Þ     Angst vor Terroranschlägen überall auf der Welt.

Eine Autobombe in Ankara oder Jerusalem oder Bagdad würde uns erschrecken, aber nicht wundern. Man muss mit so etwas rechnen.

Der Traum von einer friedlichen Welt, einer Welt, die in diesem Herrn ihren Frieden findet, ist noch nicht erfüllt. Wie lange wird es noch dauern? – Frieden und Gerechtigkeit in der Welt lassen auf sich warten.

Heute ist Weihnachten. – Die Geburt Jesu in Bethlehem zeigt, wie zuverlässig Gott ist. Er tut, was er versprochen hat.

Die Geburt Jesu in Bethlehem zeigt aber auch, wie viel Geduld wir brauchen. 700 Jahre sind vergangen nach der Prophetie Michas.

Und die Prophezeiungen zeigen uns, dass wir auch noch nicht am Ziel sind. Da steht noch etwas aus. Da steht noch viel aus. Darauf warten wir noch mit Micha zusammen.

Die Adventhoffnung Michas geht bis in unsere Adventszeit hinein und sie reicht darüber hinaus. – So ist es oft bei den Propheten:

  • Manchmal sehen sie Dinge, die noch zu ihren Lebzeiten geschehen.
  • Oft sehen sie Dinge kommen, die wir noch im Alten Testament in der Geschichte Israels erfüllt sehen können.
  • Hier und da finden wir deutliche Hinweise auf die Geburt und Herrschaft Jesu Christi, auf einen neuen Bund im Gottes Geist.

  • Wir finden Worte, die scheinbar direkt in unsere Zeit sprechen.
  • Und wir finden Visionen, die wir auch noch lange nicht erleben.

Gottes Mühlen mahlen langsam.

Die meisten Propheten haben nichts gesehen, nichts selber erlebt, von dem, was Gott ihnen gezeigt hat.

In Bethlehem können wir sehen, dass Gott zu seinem Wort steht.

Wir erkennen uns in einer langen Geschichte Gottes mit dieser Welt. Und wir erkennen auch, dass wir noch nicht am Ziel dieser Geschichte angelangt sind.

Wir leben in einer anderen Adventszeit wie Micha.

Wir sehen auf das erste Kommen Jesu zurück.

Aber wir warten auch noch auf den Herrn, der der Frieden ist.

Und wir sagen seinen Advent, sein Wiederkommen, in unsere schwere Zeit hinein.

Amen.

 
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