Lukas 17, 7-10 Dankbare Diener

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg, 12.02.2017

Pastor Norbert Giebel

Lukas 17, 7-10 „Christen sind dankbare Diener!“

Liebe Mitchristen, liebe Schwestern und Brüder,

wie würdet ihr eure Beziehung zu Gott beschreiben?

Was macht eure Beziehung aus? Ich vermute einmal, da ist ein ganz tiefes Vertrauen, das Wissen, geliebt zu werden. Gott ist unser Vater im Himmel. Zu ihm können wir immer kommen. Er weist uns nie ab. Er hört zu. Er schenkt uns seine Güte. Gott ist für uns da. Ist doch klar. Eben unser Vater im Himmel.

Wie anders liest sich folgendes Gleichnis, das Jesus seinen Jüngern erzählt hat:

»Angenommen, einer von euch hat einen Knecht, der ihm den Acker bestellt oder das Vieh hütet. Wenn dieser Knecht vom Feld heimkommt, wird dann sein Herr etwa als Erstes zu ihm sagen: ›Komm und setz dich zu Tisch!‹? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: ›Mach mir das Abendessen, binde dir ´einen Schurz` um und bediene mich! Wenn ich mit Essen und Trinken fertig bin, kannst auch du essen und trinken.‹? Und bedankt er sich hinterher bei dem Knecht dafür, dass dieser getan hat, was ihm aufgetragen war? 10 Wenn ihr also alles getan habt, was euch aufgetragen war, dann sollt auch ihr sagen: ›Wir sind Diener, weiter nichts; wir haben nur unsere Pflicht getan.‹«

Gott ist der Herr und ich bin sein Diener.

So sieht das aus in diesem Gleichnis. Mein Verhältnis zu Gott ist ein Arbeitsverhältnis, ein Dienstverhältnis. Dass er der HERR ist, sagen wir ja ständig,  die Konsequenz aber davon ist, dass ich sein Knecht oder seine Magd bin. Griechisch steht hier: doulos, Sklave! Das ist ja vielleicht ein Bibeltext! Ich arbeite den ganzen Tag, tu alles für Gott, komm nach Hause und dann gibt es noch was oben drauf. Kein Dankeschön. Keine Anerkennung. Ungerecht werde ich ein unnützer Knecht genannt, so in der Übersetzung Martin Luthers. Und dann soll ich Gott den Tisch decken. So sieht es aus! Das ist ja vielleicht eine Stellenbeschreibung! Wer will dann noch Christ sein? ... „Pass auf, was du sagst, Jesus!“

Jesus sagt nichts gegen die Sklaverei in diesem Gleichnis. Sie war damals sehr verbreitet aber hier nicht sein Thema. Sklaven gehörten ihren Herren wie das Vieh. Ihre Herren konnten über sie verfügen. Gefühle oder Wünsche von Slaven brauchen sie nicht zu interessieren. Kein Sklave konnte sagen: „Nächsten Montag kann ich nicht, da hat meine Frau Geburtstag“. Das hätte auf den Witzseiten damaliger Zeitungen gestanden, wenn es Zeitungen gegeben hätte. Das wäre wie eine Kuh, sie sagt: „Morgen gebe ich mal keine Milch!“ Ha, ha. Jesus verwendet das Verhältnis eines Sklaven zu seinem Herrn als Bild für unsere Beziehung zu Gott.

Stellt euch vor, ihr hättet einen Sklaven, der arbeitet den ganzen Tag auf dem Feld, würdet ihr ihm etwa den Tisch decken, wenn er nach Hause kommt? – Nein! Natürlich nicht!“ Ihr würdet ihm sagen „Nun deck mir den Tisch, ich habe Hunger, oder?“ – Ja, natürlich, das würden wir. Würdet ihr ihm danken, wenn er alles getan hat?  – „Nein, was soll das, wie kommst du darauf? Wir würden ihm natürlich nicht danken. Es ist doch seine Pflicht.“

Ein Auto, das seinen Eigentümer fährt und sich lenken lässt den ganzen Tag, kann doch auch keinen Dank erwarten. Es tut, wozu es da ist. Es tut seine Pflicht. So auch die Sklaven! Alle nicken. Worauf aber will Jesus hinaus? Und Jesus sagt: So ist es auch mit euch und mit Gott. „Wenn ihr also alles getan habt, was euch aufgetragen war, dann sollt auch ihr sagen: ›Wir sind Diener, weiter nichts; wir haben nur unsere Pflicht getan.‹“

Heute verabschieden wir Sarah K. nach 6 Monaten Praktikum in unserer Gemeinde. Dank hat sie nicht verdient nach diesem Gleichnis, oder? Lob schon gar nicht. Das würde ihr nicht guttun! Setzt dich hin und heul nicht rum, Sarah. Du hast deine Pflicht getan! Fertig! Oder??

Das Gleichnis sagt etwas Wichtiges über unsere Beziehung zu Gott! Sonst hätte Jesus es seinen Jüngern nicht erzählt! – Aber dieses Gleichnis allein ist völlig unzureichend, unsere Beziehung zu Gott zu beschreiben. Es sagt nicht alles über unsere Beziehung zu Gott.

Es geht nicht darum, dass wir Mitarbeitern nicht danken oder sie nicht loben dürften. Manche christliche Werke haben Christen ausgebeutet, schlecht bezahlt, nicht auf ihre Mitarbeiter geachtet. Es sei doch alles für den Herrn. Da braucht man doch keine freien Tage und keinen Urlaub! Jesus hat ein anderes Gleichnis erzählt: Da geht ein Herr außer Landes und vertraut seine Gelder seinen Knechten an. Als der Herr wiederkommt, wird in diesem anderen Gleichnis jeder einzelne Knecht ausdrücklich gelobt, der das ihm Anvertraute vermehrt hat: „Gut gemacht du treuer Knecht!“ sagt der Herr dort. „Du warst über wenig treu. Ich werde dir noch mehr Verantwortung übertragen!“ (Vgl. Matth 25,14-30; Lukas 19,11-27)

Jesus sieht seine Mitarbeiter. Er überfordert sie nicht. Er gibt ihnen, was sie zu ihrem Dienst und zu ihrem Leben brauchen. Er begabt sie und fordert nichts von ihnen, was sie gar nicht zu leisten imstande sind. Jesus hat gesagt: "Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert.“ (Luk 10, 7) Paulus greift das in einem Brief auf und schreibt: „Du sollst dem Ochsen, der für dich drischt, nicht das Maul verbinden. Und: Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert!“ (1. Tim 5,18)

Jesus ist gerade nicht wie der Herr in diesem Gleichnis!

Und uns geht es gerade nicht wie dem Sklaven in diesem Gleichnis!

Jesus hat gesagt „Ich bin nicht gekommen, mir dienen zu lassen, sondern dazu, dass ich diene und mein Leben gebe als Lösegeld für die Vielen!“ (Mat 20,28) Kurz vor seinem Tod wäscht Jesus seinen Jüngern die Füße! Das ist niedrigste Sklavenarbeit. Petrus will das nicht und sagt „Niemals sollst du mir die Füße waschen!“ Er ist doch der Herr, ich bin sein Knecht! Und Jesus antwortet: „Wer sich von mir nicht waschen lässt, wer sich von mir nicht dienen lässt, der ist mein nicht wert!“ (Joh 13)

Alles beginnt damit, dass Jesus uns dient.

Alle unsere Kraft, unser neues Leben mit ihm, das beginnt immer wieder damit, dass wir uns von ihm dienen lassen! Als Jesus seine Jünger ausgesandt hatte, immer zu zweit, und als sie dann zu ihm zurückkamen, sagt er ihnen: „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“ (Mat 11,28) Er will uns erquicken. Er will uns erfrischen. Er will uns dienen! Das heißt doch ganz klar: Jesus ist nicht wie der Herr in diesem Gleichnis. Und wir sind nicht seine Diener wie der Sklave dort. Aber warum erzählt Jesus es dann seinen Jüngern? Es geht darum, wie WIR uns selbst und unseren Dienst verstehen. Es geht um meine Haltung Gott gegenüber.

Wir sollen Gott nicht dienen, um gelobt zu werden.
Da steckt eine Gefahr drin. Wenn wir ihm dienen, weil andere uns danken, weil wir Anerkennung bekommen, machen wir uns von Menschen abhängig. Dann sind wir nicht mehr frei zu hören, zu gehorchen, zu tun, was er von uns getan haben will. Dann stehen wir in der Gefahr, Menschen zu Gefallen zu reden und zu arbeiten. Passt auf, dass ihr Gott nicht dient, um gelobt zu werden.

Wir sollen nicht dienen, um einen Gewinn daraus zu ziehen.
Es kann nicht darum gehen, dass wir groß heraus kommen. Eigene Ehre darf uns nicht leiten, wenn wir Gott dienen. Womöglich dann Ansprüche in der Gemeinde zu erheben, weil wir doch so treu gedient haben. Wir dürfen durch unseren Dienst nicht insgeheim herrschen wollen. Wie peinlich ist es, wenn Christen damit prahlen, was sie alles für ihren Herrn getan haben. Sie müssen etwas Besonderes sein. Sie brauchen eine besondere Behandlung. Sie brauche ihren kleinen Thron im Reich Gottes. Sie wollen etwas höher sitzen als alle anderen, etwas näher sitzen bei Christus.

Wir sollen nicht meinen, Ansprüche an Gott zu haben, weil wir ihm dienen.
Im Lateinischen gibt es den Satz „Do ut des!“ „Ich gebe, damit du gibst!“ So wurde Religion verstanden. Sie hat man die Beziehung zu Gott beschrieben. Ich gebe Gott etwas, damit er gibt. Dass ist ein Deal. Ein Geschäft. Ich gehe in Vorleistung und jetzt ist Gott mir etwas schuldig! Nein. Wir haben nichts in der Hand, Gott zu zwingen, ein schönes, leichtes immer erfolgreiches Leben zu fordern, weil wir ihm ja schließlich so viel geben. Das ist billige menschliche heidnische Religiosität.

Gott muss uns nicht dankbar sein! Wir aber haben allen Grund, ihm zu danken.

Direkt nach diesem Gleichnis erzählt Lukas, dass Jesus zehn Leprakranke, zehn Aussätzige, geheilt hat.  Zehn Menschen, die niemand mehr an sich heranlassen wollte. Alle geheilt. Aber nur einer kommt wieder und dankt Jesus. Lukas hat da einen Zusammenhang gesehen. Unsere Liebe zu Jesus, unser Dank soll der Grund sein, warum wir ihm dienen. Mehr nicht. Wir haben ihm zu danken. Wir sind die Leprakranken, die geheilt wurden. Wir sollen kommen, und ihm danken und nicht denken, er müsste vor uns auf die Knie fallen, weil wir ihm nun dienen. Er hat uns freigekauft. Wir gehören ihm! Christen sind dankbare Diener!

Ich weiß nicht wer von euch beim letzten Primetime-Gottesdienst dabei war. Letzen Sonntag.

  • Wir hatten keinen Tontechniker. Eine Studentin der SMD hat ihren Schwager gefragt. Er arbeitet in Wetzlar bei Evangeliumsrundfunk. Er ist extra von Wetzlar hierhergekommen und hat die Technik gemacht!
  • Einer der beiden Lichttechniker hat mehrere Scheinwerfer für unsere Gemeinde besorgt und zunächst aus eigener Tasche gezahlt. Nach dem Gottesdienst fast bis Mitternacht hat er die verschiedenen Scheinwerfer aufgebaut und ausprobiert, welches Licht für unseren Raum am besten ist. Er gehört nicht hier zur Gemeinde, aber die Sache ist ihm wichtig.
  • Für die letzten Primetime-Gottesdienste ist jemand mit dem PKW bis nach Güterloh gefahren und hat die Scheinwerfer für uns geholt. Er gehört nicht hier zur Gemeinde, aber er gehört Jesus und diese Gottesdienste für Studenten sind ihm wichtig.
  • Eigentlich wollte jemand tanzen in dem Gottesdienst und mit einem Tanz das Thema Einsamkeit, um das es ging, untermalen. Er wurde krank. – Da hat eine andere Studentin ein wirklich tolles Gedicht, einen längeren Text, zu diesem Thema geschrieben und vorgelesen.
  • Eine Sängerin der Primetimeband hat sich ein Schlüsselbein gebrochen. Manuel Schienke fehlte auch in der Musik. Da haben andere eben mehr gemacht, mehr geübt. – Eine Studentin aus der Gemeinde Calden-Meimbressen hat ein super Solo gesungen und sich selbst am Klavier begleitet.
  • Andere haben das Bistro vorbereitet.
  • Andere haben den Raum umgestellt und dekoriert.
  • Die Flyer macht jedes Mal ein junger Mann, der früher auch bei der SMD war und jetzt beruflich damit zu tun hat.
  • Andere haben die Flyer schon für die nächste Primetime am 2.4. auf alle Stühle gelegt.
  • Zwei Studenten haben moderiert.
  • Eine junge Frau aus unserer Gemeinde hat gepredigt.
  • Als alles vorbei war, musste aufgeräumt werden, gefegt, abgewaschen, zurückgestellt. – Auch die, die vorher schon viel gemacht haben, haben wieder geholfen.

Þ    Und sie alle bekommen nichts dafür!

Þ    Wenn man von etwas begeistert ist, dann sieht man nicht auf das Geld oder die Zeit.

Þ    Wenn man etwas aus Liebe tut, macht das Tun selber schon einen Sinn.

Vor dem Gottesdienst haben wir zusammengestanden und gebetet, zehn Leute bestimmt. Alle haben laut gebetet. Das Gebet eines der Technikers sprach mir so aus dem Herzen: „Alles, was wir hier tun, soll dich ehren. Bitte, Herr, erfülle diesen Raum. Führe auch Menschen her, die dich nicht kennen, die viele Fragen haben. Lass hier durch Primetime Menschen zum Glauben finden.“ So etwa hat er gebetet. Das ist seine Motivation.

Es gibt so ein altes Motto von Diakonissen aus dem 19. Jhdt. Sie haben gesagt: „Ich diene weder um Lohn noch um Dank; mein Lohn ist, dass ich darf!“ (Löhe) Das klingt antiquiert, aber diesen Geist kann man auch bei jungen und alten Christen heute finden. „Ich diene weder um Lohn noch um Dank; mein Lohn ist, dass ich darf!“ Dasselbe erleben die Mitarbeiter im Winterspielplatz. Dasselbe erleben diejenigen, die jeden Samstag hierher kommen und den Ostergarten aufbauen. „Herr, möge alles, was wir tun, dich ehren. Möge alles dazu dienen, dass du dadurch zu den Menschen ankommst.“

Sobald aber jemand anfängt, Gott zu dienen, weil er sich dabei einen Gewinn ausrechnet, weil er so gerne gelobt wird, weil er dann im Mittelpunkt steht, weil er sich dann für etwas Besseres hält oder weil er meint, sich bei Gott Vorteile zu erarbeiten, dann empfehle ich ihm, es dem Sklaven im Gleichnis Jesu nachzusprechen: „Wir sind Diener, weiter nichts; wir haben nur unsere Pflicht getan!“

Ich schließe etwas ungewöhnlich mit der Aufschrift auf einem Grabstein: Johannes Rau war Politiker, Ministerpräsident, Bundespräsident. Er hat viel geleistet. Manche Menschen nannten ihn etwas schnippisch „Bruder Johannes“. Er war Christ. Rau war auch einmal zu Gast auf einem Bundesrat unseres Gemeindebundes. Auf seinem Grabstein steht nur ein Satz: „Der war auch mit diesem Jesus von Nazareth!“ Kein Dank. Kein Ruhm. Keine Titel. Er hat seine Pflicht getan, denn der war auch einer mit diesem Jesus von Nazareth.

Das wäre das Größte, wenn ich einmal sterbe, wenn wir einmal sterben, wenn Menschen dann sagen würden: „Der oder die war auch einer oder eine mit diesem Jesus!“ Weil Jesus ihm alles geschenkt hat, darum war er ein dankbarer Diener!

Amen.

 
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