Hebräer 11, 1.8-10 Glaube ist Vertrauen

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg

Predigt Norbert Giebel, 23.4.2017

Hebräer 11, 1.8-10 „Glaube ist Vertrauen!“

(Ich setze mich in einen Sessel, Stehlampe, Handmikro.)

Liebe Gemeinde,

habt ihr auch so einen schönen Sessel zuhause? So ein Sessel ist ein Symbol für Zuhause-Sein, finde ich. Zuhause zu sein, das ist schön. In seinem Leben zuhause zu sein! Wer wünscht sich das nicht? Gibt es etwas Größeres, als in seinem Leben angekommen zu sein, ganz zufrieden zu sein? Ich finde es großartig, Ruhe zu haben. In meinen Sessel zu sitzen. Ich habe meine Frau, ich habe Kinder, ich weiß, wo ich wohne, ich habe Arbeit, und Freunde, ich weiß, wo ich einkaufen gehen kann, komme mit meinem Geld zurecht, ich habe gute Ärzte, ein Auto, das läuft, vielleicht sogar zwei, ich wohne gerne, wo ich wohne, ich lebe gerne, wo ich lebe, ich habe Hobbies, denen ich nachgehe, ich weiß, wo ich mich in der Gemeinde engagiere, und wo nicht, ich habe feste Überzeugungen.

Nun sagen sie nur nicht, dass sie das nicht auch großartig finden. Abraham fand sein Leben bestimmt auch großartig. Er hatte eine super Frau, fromm und schön, Kinder hatte sie keine, okay, man kann nicht alles haben, das hat schon wehgetan, aber ansonsten ging es ihm gut. Gesunde Tiere, große Sippe, treue Diener und Knechte. Es fehlte Abraham an nichts. Er hatte eine Heimat mit allem, was man mit Heimat verbindet. Eine Kultur, in der der zuhause war, gutes Einkommen und Auskommen, Abraham war ein angesehener Mann. Er war sicher in seinem Leben.

(Ich stehe aus dem Sessel auf und gehe zur Kanzel)

Was nur hat Abraham bewogen, seinen sicheren Platz im Leben zu verlassen? Warum verlässt ein Mensch, der alles erreicht hat, seinen bequemen und wohlverdienten Lebens-Sessel? Was ist nur in diesen Mann gefahren? Warum läuft Abraham wieder herum und verlässt alles, was ihm vertraut und lieb ist? – Spinnt Abraham? – Nein, er glaubt. Er glaubt Gott. Glauben heißt, aufbrechen und unterwegs bleiben. Abraham ist ein Vorbild im Glauben.

(ich stehe an der Kanzel und lese)

Ich lese Hebräer 11, 1 und 8-10

(1) Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.

(8) Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme. (9) Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung. Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.

In Hebräer 11 werden uns einige Personen aus dem Alten Testament vorgestellt. Sie alle hatten eines gemeinsam: Sie haben Gott geglaubt! Darum haben sie ihm gehorcht! Darum sind sie aufgebrochen, sie haben sich auf das ihnen versprochene Ziel hin auf den Weg gemacht. Noah hat eine Arche gebaut, wo noch kein Regen zu sehen war. Er hat Gott geglaubt und dem entsprechend gehandelt. Viele haben ihn dafür belächelt.

Die Prostituierte Rahab wird genannt. Sie hat die Kundschafter Israels, Boten, Spione Israels damals im verfeindeten Jericho freundlich aufgenommen und ihr Leben gerettet, weil sie Gott geglaubt hat. Sie hat ein großes Risiko auf sich genommen. An Daniel wird erinnert, der Gott treu war und ihm in einem fremden Land, in Babel, gehorcht hat, der dafür den Löwen zum Fraß vorgeworfen wurde und wunderbar gerettet wurde. Der Schreiber des Hebräerbriefes will müde, ermüdete Christen neu zu einem lebendigen Glauben helfen. Und was Glaube ist, das zeigt er besonders an Abraham.

  1. 1.Glaube ist, etwas für wahr halten.

Glaube heißt immer auch, etwas glauben. Christen glauben: Dass Gott die Welt geschaffen hat. Dass Gott heilig ist und alle Menschen einmal vor ihm gerichtet werden. Dass Gott in Christus Mensch geworden ist. Dass kein Mensch vor Gott bestehen kann, weil jeder ein Mangelhaft verdient in Sachen Liebe und Gerechtigkeit. Dass Jesus aber für die Sünden dieser Welt gestorben ist. Dass Jesus auferstanden ist glauben Christen und dass er durch den Heiligen Geist überall ist, wo man ihn anruft oder wo man in seinem Namen handelt. Dass Jesus für alle Welt sichtbar wiederkommen wird. – So ähnlich haben wir es mit anderen Worten gerade im apostolischen Glaubensbekenntnis bekannt. Das glauben alle Christen, egal zu welcher Kirche sie gehören.

Christen glauben auch etwas, es gibt Inhalte ihres Glaubens. Und das Allererste, die Mitte des christlichen Glaubens, ist der Glaube an Christus. Was er für uns getan hat haben wir gerade zu Karfreitag und Ostern wieder gehört. „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ hat Jesus gefordert. (Johannes 14,1) An Gott, an irgendeinen Gott, glauben viele Menschen. Jesus aber meint den Gott Israels, der uns im Alten Testament begegnet, und Jesus redet von sich selbst als Gottes Sohn, von Gott gekommen.

Glaube heißt also auch, etwas Bestimmtes als wahr anzunehmen. Aber alles das, was ich gerade aufgezählt habe, das weiß auch der Teufel. Der Teufel weiß, wer Gott ist, wer Jesus ist, dass er durch seinen Heiligen Geist wirken will, dass Jesus als der Herr wiederkommen wird.

Das weiß alles auch der Teufel. Ist er aber deshalb ein Christ? Glaubt der Teufel an Gott?? – Nein! Nach dem, was das Wort Glauben in der Bibel heißt, tut er das nicht! Denn Glaube heißt vertrauen. Aus Vertrauen zu Gott handeln, aufbrechen, zielgerichtet zu leben, Gott die Ehre über alles zu geben, nicht hier in der Welt zuhause zu sein, sondern bei Gott zuhause zu sein! Etwas zu glauben, etwas als wahr anzunehmen, das ist nur die Voraussetzung für den wahren Glauben.

  1. 2.Glaube ist, jemandem vertrauen und im Vertrauen loszugehen.

(Ich weise hin auf eine Schubkarre, die vorne steht.)

Viele von euch kennen sicher die Geschichte. Ein Seilkünstler lässt über die Niagarafälle in Canada ein Seil spannen. Er balanciert auf dem das Seil, überquert die Fälle, führt atemberaubende Kunststücke vor, die Leute klatschen und jubeln. Er schiebt eine Schubkarre mit Steinen über das Seil. Sicher zwei Zentner, 100 kg hat er in der Schublade. Das Volk jubelt.

„Jetzt werde ich einen Menschen in die Schubkarre setzen und ihn sicher über die Fälle bringen!“ „Ja!“ jubelt das Volk. Und dann fragt der Seilkünstler: „Wer steigt ein? Wer fährt mit mir rüber? Wer vertraut mir?“ Und keiner meldet sich. Außer einer Frau; seiner Mutter, wie sich herausstellt. Die kennt ihn. Die vertraut ihm. Sie vertraut sich ihm an, bei allem Risiko!

Glaube heißt, sich bei Jesus in die Schubkarre zu setzen. Nicht jubelnd am Rand zu sitzen. Glaube heißt, sich auf Gott zu verlassen und aus seinem Sessel heraus zu kommen, wenn Jesus mich gerufen hat! Glaube ohne eine praktische Umsetzung, ohne Gehorsam, ohne mutige Entscheidungen, ohne Losgehen gibt es nach biblischem Verständnis nicht!

„Ich glaube an Gott!“ das kann man schnell sagen. Aber wie gesagt, das tut der Teufel auch. Das kann es doch wohl nicht sein! Du kannst alles von Gott wissen und nicht glauben, nicht losgehen, nichts wagen, nicht aufstehen, nicht gehorchen. Der Hebräerbrief redet anders vom Glauben. Abraham glaubt nicht an Gott. Abraham glaubt Gott. Das ist ein Unterschied.
Noah glaubt Gott, darum baut er eine Arche. Abraham glaubt Gott, darum verlässt er sein sicheres Leben, steht auf und geht los.

„Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.“ (V8) Der lebendige Glauben ist menschlich gesehen, unter der rein weltlichen Perspektive, immer ein Risiko. Jemandem vertrauen, sich auf das Wort eines anderen, auf seine Treue zu verlassen, das ist immer ein Risiko. Ganz besonders, wenn der andere der Herr ist, mein Herr sein will, mich aus meinem satten, zufriedenen, fertigen Leben herausruft.

  1. 3.Glaube bedeutet, als Fremder in dieser Welt zu leben.

Von Abraham heißt es hier: „Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen .... und er wohnte in Zelten in dem ihm versprochenen Land!“ Worin soll sich das denn zeigen, das Christen hier wie Fremde leben, anders leben, sich unterscheiden? Bei den Christen tragen Frauen Dutt und Männer tragen Krawatte. Christen mögen Orgelmusik und sie lieben Bach. Christen halten sich von Sündern fern. Christen halten sich für etwas Besseres.

Nein, das ist es alles nicht! Christen sind in ihrer Kultur, in ihrer Sprache, in ihren Interessen und Geschmäckern ganz Teil dieser Welt. In Kleidung, Ernährung, Musik brauchen wir uns in nichts zu unterscheiden. Und hoffentlich halten wir uns nicht für besser als andere.

Im Hebräerbrief lesen wir zwei Kapitel weiter: “Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die Zukünftige suchen wir!“ (Hebräer 13,14) Wer hier in dieser Welt ganz zuhause sein will, der wird nicht bei Gott zuhause sein. Wem alles an dieser Welt liegt, dem kann nicht alles an Gottes Welt liegen. Wer sich seinen privaten Himmel hier auf Erden bauen will, als würde er hier ewig leben, der hat den Ruf Gottes nicht gehört, der ist nicht „bei Gott in die Schubkarre gestiegen“.

Jesus hat gepredigt: Wer sein Leben zu gewinnen will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's gewinnen.“ (Lukas 9,24) Abraham bricht auf, Abraham geht los, Abraham verlässt seinen sicheren Platz. Und er wird und bleibt ein Fremder in dieser Welt. Er lebt in Zelten. Er bleibt ein Wanderer Gottes, beweglich, ungebunden. Er wird nirgendwo ansässig.   Er sucht sich seinen Sessel nicht hier auf der Erde. Der Hebräerbrief erinnert an Menschen aus dem Alten Testament, die geglaubt haben. Einige Verse weiter lesen wir: „Diese alle (…) haben bekannt, dass sie Gäste und Fremdlinge auf Erden sind. (V13)

  1. 4.Glaube bedeutet, trotz seiner Zweifel zu gehorchen.

Jesus sagt einem Mann einmal diesen wunderbaren Satz: „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt! Und der Mann antwortet ihm auf seine innere Zerrissenheit sehend: Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9, 24) Es wäre schön, wenn es den puren Glauben gäbe, den reinen immer starken Glauben. Den aber gibt es nicht. Der lebendige Glaube, der sich oder etwas bewegen will, der wird immer angegriffen. Da gibt es Zweifel, Ängste, ob die Schubkarre wirklich oben bleibt, die Jesus schiebt und in die ich mich gesetzt habe.

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (V1) haben wir in Vers 1 gelesen. Glaube heißt, seinen Zweifeln nicht Recht zu geben. Nicht seiner Angst und dem Kleinmut gehorchen, sondern mit  der Angst, die man hat, an der Hand Jesu in neues fremdes Land aufzubrechen.

Veränderungen können Angst machen! Sich für ein Leben mit Jesus zu entscheiden. Anzufangen, seinen Glauben zu bekennen, auch vor Freunden oder Kollegen von seinem Glauben zu reden. Eine neue Aufgabe anzunehmen, weil man den Ruf Gottes gehört hat. Sich taufen zu lassen – Das ist ja das Thema am nächsten Sonntag. Glaube setzt Vertrauen gegen die Angst und Hoffnung gegen die Zweifel.

Abraham ist frei von sich selbst geworden. Das ist das Größte. Er hat sich in Gottes Hand gegeben. Er findet seine Identität nicht im Istzustand, in den Sicherheiten und Annehmlichkeiten, die er sich aufgebaut hat. Abraham findet seine Identität in Gott. Und da liegt sie immer vor ihm. Wer in seinen Fragen und Zweifeln sein Leben lang stecken bleibt, der bricht nicht mit Abraham auf und kommt nicht in verheißene Land. Der stirbt sozusagen in Ur in Chaldäa, wo Abraham hergekommen ist

  1. 5.Glaube ist, auf dem Weg in die himmlische Heimat bleiben.

Von Abraham heißt es hier: „Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist!“ Gott hat ein Zuhause vorbereitet. Mein Sessel steht schon bei ihm! Jesus hat gesagt: „Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe hin um euch die Stätte zu bereiten?“

Paulus schreibt: „Wir wissen, wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, (dieses Leben hier, wenn unser Leib) abgebrochen wird, dann haben wir einen Bau von Gott gebaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel!“ (2. Korinther 5,1) Christen sind Menschen auf dem Weg in ihre himmlische Heimat. Wenn Christen sterben, kann man sagen: „Jetzt sehen sie, was sie hier geglaubt haben!“

  1. Glaube ist, etwas für wahr halten.
  2. Glaube ist, jemandem vertrauen und losgehen.
  3. Glaube bedeutet, als Fremder in dieser Welt leben.
  4. Glaube bedeutet, trotz Zweifel gehorchen.
  5. Glaube bedeutet, auf dem Weg in seine himmlische Heimat zu sein.

Ich gehe zum Sessel und setze mich.

Jetzt gehen wir wieder nach Hause. Dahin, wo unser Sessel steht.

Ich schweige einen Moment.

Ich stehe auf und gehe zur Schubkarre.

Oder haben wir Gottes Ruf gehört? Sind wie bereit zu einem Wagnis?

Ich gehe auf die Kanzel.

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (V1)

Amen.

 
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