Matthäus 22, 1-4 Eingeladen zu einer königlichen Hochzeit

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg

25.6.2017 Pastor Norbert Giebel

Matthäus 22, 1-14  Eingeladen zu einer königlichen Hochzeit!

Liebe Gemeinde,

so richtig königliche Hochzeiten gibt es nicht oft. Hier seht ihr ein Hochzeitsbild von Prinz William und Kate Middleton, Herzogin von Cambridge. Das war im April 2011. Ganz England stand Kopf.   Vermutlich 99% Einschaltquote im Fernsehen. Da wollen alle dabei sein. Oder hier: Zwei Bilder von der Hochzeit von Fürst Albert II. von Monaco und seiner Charlene im Juli 2011. Da werden keine Kosten gescheut. Tausende Menschen, rote Teppiche, eine umgebaute Luxuskarosse Lexus L 600 als Hochzeitswagen. Wer bei einer solchen Hochzeit dabei war, vergisst das nie. Ich war aber nicht eingeladen. Schade. Ich habe es aus der Presse erfahren. Im Predigttext geht es um eine königliche Hochzeit. Es geht um die Vorbereitung, um Gäste, die nicht kommen, und um Leute wie mich oder dich, die dann doch eingeladen werden und fürstlich feiern dürfen.

Ich lese Matthäus 22, 1-14 (NGÜ)

1 Jesus fuhr fort, ihnen Gleichnisse zu erzählen. Er sagte: 2 »Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der für seinen Sohn das Hochzeitsfest vorbereitet hatte. 3 Er sandte seine Diener aus, um die, die zum Fest eingeladen waren, rufen zu lassen. Doch sie wollten nicht kommen. 4 Daraufhin sandte der König andere Diener aus und ließ den Gästen sagen: ›Ich habe das Festessen zubereiten lassen, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!‹ 5 Aber sie kümmerten sich nicht darum, sondern wandten sich ihrer Feldarbeit oder ihren Geschäften zu. 6 Einige jedoch packten die Diener des Königs, misshandelten sie und brachten sie um. 7 Da wurde der König zornig. Er schickte seine Truppen und ließ die Mörder töten und ihre Stadt niederbrennen. 8 Dann sagte er zu seinen Dienern: ›Das Hochzeitsfest ist vorbereitet, aber die Gäste, die ich eingeladen hatte, waren es nicht wert, ´daran teilzunehmen`. 9 Darum geht hinaus auf die Straßen und ladet alle zur Hochzeit ein, die ihr dort antrefft.‹ 10 Die Diener gingen auf die Straßen und holten alle herein, die sie fanden, Böse ebenso wie Gute, und der Hochzeitssaal füllte sich mit Gästen. 11 Als der König eintrat, um zu sehen, wer an dem Mahl teilnahm, bemerkte er einen, der kein Festgewand anhatte. 12 ›Mein Freund‹, sagte er zu ihm, ›wie bist du ohne Festgewand hier hereingekommen?‹ Der Mann wusste darauf nichts zu antworten. 13 Da befahl der König seinen Dienern: ›Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn in die Finsternis hinaus, dorthin, wo es nichts gibt als lautes Jammern und angstvolles Zittern und Beben.‹ 14 Denn viele sind gerufen, aber nur wenige sind auserwählt.«

1. Gott will feiern!

Gott lädt zur Hochzeit ein! Das Leben mit Gott ist ein Fest! Er meint es gut mit uns. Gott ist reich und mächtig wie ein König, und er setzt alles dafür ein, um mit uns zu feiern! „Ein König richtet seinem Sohn die Hochzeitsfeier aus!“ erzählt Jesus in diesem Gleichnis. Gott ist der König, der Bräutigam ist Jesus. Und die Braut? Die Braut ist die Gemeinde. Jesus macht das hier nicht zum Thema. Er spricht es nicht direkt an. Aber die Braut Jesu ist seine Gemeinde. Die Braut ist jeder, der die Einladung annimmt. Gott will feiern mit jedem, der zu Jesus gehört, der seinem Sohn sein Jawort gibt.

Eine Hochzeit wurde damals über mehrere Tage gefeiert. Eine königliche Hochzeit allemal. Da wurde gegessen, getrunken, Musik gehört, getanzt. Tagelange Freude pur. Gott will feiern. Schon die Einladung ist eine Ehre. Stellt euch vor, ihr wärt eingeladen zur Hochzeit von Manuel Neuerund seiner Nina oder zur Hochzeit des Fürsten von Monaco. Das ist eine Ehre. Gott will feiern und er hat alles vorbereitet. Keiner muss etwas mitbringen. Gott plant, Gott zahlt, Gott lädt ein. Dieses Fest in seine Leidenschaft.

Die Geladenen wissen lange vorher von diesem Fest. Sie sollten es im Kalender eintragen. Sie sollten sich schon darauf freuen und vorbereiten. Keiner sollte fehlen, darum gab es schon lange vorher ausgewählte eingeweihte Gäste. Als alles fertig ist, schickt der König seine Boten: „Sagt ihnen Bescheid, es ist alles fertig. Sie können kommen!“ Das war damals üblich. Brot wurde gebacken, Wein wurde bestellt, die Kleider für die Gäste wurden fertig gestellt, Tiere wurden geschlachtet. Da wusste keiner den genauen Tag im Voraus. Jetzt ist alles vorbereitet: „Sagt den Geladenen, sie können kommen!“

2. Die Geladenen kommen nicht

Die Geladenen wollen nicht. Stell dir vor, du hast Nachbarn eingeladen. Du hast Kochbücher gelesen, Rezepte ausgesucht, groß eingekauft, den ganzen Tag in der Küche gestanden, der Grill ist heiß, die Getränke kalt, die Tische gedeckt und jetzt klingelst du bei deinen Nachbarn. Seit Wochen kennen sie den Termin. Und jetzt wollen sie nicht. „Läuft gerade Fußball im Fernsehen.“ sagt der eine. „Der Tag war so anstrengend.“ sagt der andere. „Ich habe schon gegessen“ der dritte. Alle sagen ab! Keiner Kommt!

Der König im Gleichnis lässt nicht locker. Er lädt sie nochmal ein! „Geht nochmal los“, sagt er den Boten. „Sagt ihnen, dass alles bereit ist, die Tiere geschlachtet, die Weinfässer geöffnet, die Musiker sind da, ich habe alles vorbereitet! Die Tiere sollen doch nicht umsonst, für nichts, gestorben sein. Kommt her zu mir ihr Geladenen.“ Der König wirbt um seine Gäste. Er argumentiert mit ihnen. Sie aber wollen nicht.

Im Thomasevangelium aus dem 2. Jhdt. gibt es dieses Gleichnis auch. Da heißt es: „Da ging der Kalkanstreicher zu seinem Kalk, der Töpfer zu seinem Lehm, der Schmied zu seiner Kohle, der Walker zu seinem Waschhaus.“ Die Leute haben Wichtigeres zu tun. Keine Zeit, zum Gottesdienst. Ein Mal pro Woche muss man ausschlafen. Keine Zeit zum Gebet, zur Stille. Keine Zeit zum Lobpreis, zum Feiern und Tanzen mit Gott. Der König will uns seine kostbare Zeit schenken. Wir aber müssen noch mal „aufs Feld“, ein Geschäft abschließen, das Schöne im Leben genießen.

Einer will lieber zwei neue Ochsen ausprobieren. Als würde heute jemand seinen neuen Traktor, sein neues Auto oder sein Segelboot ausprobieren. Das bringt ihm mehr als mit Gott zu feiern!

Die Gäste wollen nicht. Anderes ist ihnen wichtiger. Einige verspotten die Boten. Andere Boten werden verprügelt. Einige sogar getötet! Das ist natürlich stark überzogen. Es ist ja ein Gleichnis. Es geht nicht um eine wahre Geschichte mit Menschen. Es geht um Gottes Geschichte mit den Menschen. Was Jesus erzählt, wird unter Menschen kaum passieren, aber Gott erlebt es so! Gott erlebt es so! Gott will die Hochzeit seines Sohnes feiern. Es ist alles vorbereitet. Und keiner kommt.

3. Gott straft die Geladenen

Nein, das ist kein schönes Gleichnis. Für viele gibt es kein happy end. Der König straft die Sturheit der Geladenen. Sie wollen nicht mit dem Sohn feiern. Damit lehnen sie auch den Vater ab. Zuerst geht es in diesem Gleichnis um Israel, um die Juden. Sie merken es auch sofort: „Er meint uns! Er meint Israel! Wir sind die Geladenen. Wir waren eingeweiht. Wir haben seine Propheten mundtot gemacht oder getötet.“ Das Gleichnis gibt einen Blick auf die ganze Heilsgeschichte. Israel hätte es wissen müssen und lehnt dankbar ab. Israel wird gerichtet werden. Und das Gleichnis ist eine Mahnung an alle, die Gott zu sich eingeladen hat. Man muss sich entscheiden. Damals und heute. Man muss JA sagen oder NEIN. Aufstehen oder sitzenbleiben. Kommen und feiern oder Ausreden finden.

Wir wissen auch Bescheid! Viele von uns haben seinen Ruf gehört: „Komm folgte mir nach!“ „Kehr um!“ „Ordne dein Leben neu!“ Und es sind keine großen Sachen, es sind Harmlosigkeiten, Alltäglichkeiten, die Menschen hindern zu kommen, JA zu sagen, aufzustehen, wenn der König ruft. Helmut Thielicke hat einmal sinngemäß gesagt, der Weg zur Hölle sei nicht mit großen Sünden gepflastert. Gott will doch jede Sünde gerne und sofort vergeben! Der Weg zur Hölle sei mit lauter Harmlosigkeiten und Alltäglichkeiten gepflastert, die Menschen davon abgehalten haben, zu Gott zu kommen und mit ihm zu feiern. „Geht nicht Gott. Bin gerade verliebt.“ „Geht nicht Gott, da habe ich Ferien!“ „Kann nicht Gott, ich habe gerade zwei Ochsen gekauft!“ – Und das Schlimme, das Tragische, das Traurige ist: Man gewöhnt sich daran, Nein zu sagen. Man hört Gott rufen und bleibt sitzen. Man tut so, als hätte man ihn nicht gehört. Und nächstes Mal macht man es wieder, und wieder. Und irgendwann wird man sauer auf diese blöden Boten, die einem immer wieder Gottes Einladung bringen.

4. Gott lädt Gute und Böse ein.

„Wenn Israel nicht will, dann nehme ich die Heiden.“ sagt Gott. „Geht an die Hecken und Zäune“, sagt der König. „Geht heraus aus der Stadt, wo die Weiden sind und die Heiden leben, sie, die nicht in die Stadt dürfen. Geht bis an die Enden der Straßen – also in alle Welt – und ladet jeden ein, der euch begegnet. Macht keinen Unterschied. Ihre Sprache oder Kultur ist mir egal. Achtet nicht auf Herkunft oder Moral. Ihr werdet alles Mögliche finden da draußen. Ladet sie alle ein. Ich will, dass mein Haus voll wird! Die Diener gingen und sie brachten jeden mit: „Gute und schlechte Leute“ sagt Jesus! Man muss nicht erst gut werden, um zu Jesus zu kommen! Man kann kommen, wie man ist und Jesus macht einen dann gut! Er vergibt, er liebt, er tröstet und heilt, er rüstet aus, er zieht neue Kleider an. Bring deinen ganzen Dreck mit! Du bist willkommen! Gott sehnt sich nach dir! Er will mit dir feiern.

5. Zieh das neue Kleid an!

Ohne neue Kleider wird man rausgeschmissen, sagt Jesus. Als das Fest begonnen hat, entdeckt der König einen, der kein Hochzeitskleid trägt, der nicht festlich gekleidet ist. „Wie kommt denn du hier rein, mein Freund?“ fragt der König. Das mit dem Freund ist ernst gemeint. Das ist kein Spott. Der König kennt, er schätzt, er liebt diesen Gast. Er hat nichts gegen ihn. Er spricht ihn als Freund an. Der Mann sagt kein Wort. Er hat keine Erklärung. Reiche Leute haben den Gästen die Festkleider gestellt. Es lag am Eingang bereit. Er hätte es nur anziehen brauchen. – Ihr glaubt doch nicht, dass die vielen weiß gekleideten Leute bei der Hochzeit des Fürsten von Monaco ihre Kleider selbst bezahlt haben!? Dieser Mann trägt sein altes Kleid. Das, was er selbst verdient hat. Er will mit feiern aber er will sich nicht verändern.

Was ist gemein mit diesem Kleid? Die Taufe? Der Heilige Geist, den Gott uns schenken will, der uns verändern will? Dass jemand nicht in der Vergebung oder der Erneuerung leben will? Es gibt zwei Gründe, weshalb Menschen nicht zu Gottes Hochzeit kommen. Sie wollen nicht oder sie kommen aber sie wollen sich selbst und ihr Leben nicht mitbringen. Sie wollen nicht annehmen, was Gott für sie, für ihr Leben, vorbereitet hat. Sie wollen so bleiben wie sie sind. Du kannst nicht zum Herrn gehen und dein eigener Herr bleiben wollen. Zieh das weiße Kleid an, das er für dich gemacht hat! Lass dir vergeben. Lass dich erneuern. „Nun ziehet an die Liebe, Geduld, Güte und Sanftmut, Selbstzucht und Demut!“ schreibt Paulus zum Beispiel den Kolossern.

Gott möchte mit uns feiern! Das Leben mit Gott ist eine Feier! Gott erlebt das immer wieder, dass geladene Gäste nicht kommen. Aber er lädt immer wieder ein! Mit dir, mit uns zu feiern, dass ist seine Leidenschaft.
Amen.

Viele evangelische und katholische Ausleger erkennen in dem Kleid, dass der Mann beim Eingang hat liegen lassen, die Taufe. Er hat sich nicht taufen lassen. Er hat sich damit nicht unter Gottes Gnade gestellt. Vielleicht hat Jesus die Taufe gemeint!

Andere Ausleger erinnern an die Paulusbriefe, in denen Paulus den jungen Christen und Getauften sagt: „Nun ziehet an die Liebe, die Geduld mit anderen, Güte und Sanftmut, Selbstzucht und Demut!“ Diese Ausleger meinen, hier sei einer gemeint, der sich gegen das Wirken des Heiligen Geistes an einem selbst und dem eigenen Leben stellt. Er will nicht demütig sein, dienstbereit, gehorsam, liebevoll, den unteren Weg gehen. Vielleicht ist es auch der gelebte Glaube, die Liebesbeziehung der Braut, die hier fehlt,  weil sie kein Brautkleid hat.

Hat Jesus also die Taufe gemeint oder das Wirken des Geistes oder eine neue Lebensführung oder das Gebet? Der Text ist ein Gleichnis, und Gleichnisse sind auch Rätsel. Da muss man überlegen, raten und deuten. Jesus erklärt nicht jedes Detail.

Gerade die Offenheit der Deutung soll uns zum Nachdenken bringen. Vielleicht kommen wir weiter, wenn jeder für sich selbst fragt: Was könnte es denn bei mir sein? Gibt es ein Angebot Gottes, etwas, das zum Christsein dazu gehört, das ich nicht anziehe, das ich liegen lasse? Wo sage faktisch ich Nein zu ihm obwohl ich mit dem Mund Ja sage?

 
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