Lukas 15, 11-32 Die Heimkehr des Sohnes (Rembrandt)

mp3Predigt zum Anhören

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Kassel-Möncheberg 02.07.2017
Pastor Norbert Giebel

Lukas 15, 11- 32      Das Gleichnis der verlorenen Söhne

Jesus erzählte noch ein weiteres Gleichnis:

11  »Ein Mann hatte zwei Söhne. 12 Der jüngere sagte zu ihm: ›Vater, gib mir den Anteil am Erbe, der mir zusteht!‹ Da teilte der Vater das Vermögen unter die beiden auf. 13 Wenige Tage später hatte der jüngere Sohn seinen ganzen Anteil verkauft und zog mit dem Erlös in ein fernes Land. Dort lebte er in Saus und Braus und brachte sein Vermögen durch. 14 Als er alles aufgebraucht hatte, wurde jenes Land von einer großen Hungersnot heimgesucht. Da geriet auch er in Schwierigkeiten. 15 In seiner Not wandte er sich an einen Bürger des Landes, und dieser schickte ihn zum Schweinehüten auf seine Felder. 16 Er wäre froh gewesen, wenn er seinen Hunger mit den Schoten, die die Schweine fraßen, hätte stillen dürfen, doch selbst davon wollte ihm keiner etwas geben. 17 Jetzt kam er zur Besinnung. Er sagte sich: ›Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, und alle haben mehr als genug zu essen! Ich dagegen komme hier vor Hunger um. 18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; 19 ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden. Mach mich zu einem deiner Tagelöhner!‹ 20 So machte er sich auf den Weg zu seinem Vater. Dieser sah ihn schon von weitem kommen; voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 21 ›Vater‹, sagte der Sohn zu ihm, ›ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden.‹ 22 Doch der Vater befahl seinen Dienern: ›Schnell, holt das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an den Finger und bringt ihm ein Paar Sandalen! 23 Holt das Mastkalb und schlachtet es; wir wollen ein Fest feiern und fröhlich sein. 24 Denn: Mein Sohn war tot, und nun lebt er wieder; er war verloren, und nun ist er wiedergefunden.‹ Und sie begannen zu feiern.

25 Der ältere Sohn war auf dem Feld gewesen. Als er jetzt zurückkam, hörte er schon von weitem den Lärm von Musik und Tanz. 26 Er rief einen Knecht und erkundigte sich, was das zu bedeuten habe. 27 ›Dein Bruder ist zurückgekommen‹, lautete die Antwort, ›und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn wohlbehalten wiederhat.‹ 28 Der ältere Bruder wurde zornig und wollte nicht ins Haus hineingehen. Da kam sein Vater heraus und redete ihm gut zu. 29 Aber er hielt seinem Vater vor: ›So viele Jahre diene ich dir jetzt schon und habe mich nie deinen Anordnungen widersetzt. Und doch hast du mir nie auch nur einen Ziegenbock gegeben, sodass ich mit meinen Freunden hätte feiern können! 30 Und nun kommt dieser Mensch da zurück, dein Sohn, der dein Vermögen mit Huren durchgebracht hat, und du lässt das Mastkalb für ihn schlachten!‹ 31 ›Kind‹, sagte der Vater zu ihm, ›du bist immer bei mir, und alles, was mir gehört, gehört auch dir. 32 Aber jetzt mussten wir doch feiern und uns freuen; denn dieser hier, dein Bruder, war tot, und nun lebt er wieder; er war verloren, und nun ist er wiedergefunden.‹«

Ihr Lieben,

das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist wohl das bekannteste überhaupt. Ich habe zwei Prediger eingeladen, die uns helfen sollen, einen neuen Zugang zu dieser Geschichte Jesu zu bekommen. Ich habe Rembrandt van Rij eingeladen Er hat in Holland gelebt von 1606 – 1669. Bekannt geworden ist er unter seinem Vornamen Rembrandt und er ist einer der berühmteste Maler des Barock.

Der zweite Prediger, den ich mitgebracht habe, ist Henri Nouwen. Er hat in Canada gelebt, ist 1996 gestorben, ist Katholik und ein großer geistlicher Schriftsteller. Henri Nouwen hat ein wunderbares Buch zu einem Bild von Rembrandt geschrieben, das ich euch vorstellen möchte: „Nimm sein Bild in dein Herz!“ heißt das sehr berührende Buch, aus dem ich einiges für die Predigt übernommen habe. Die Heimkehr des Sohnesist das letzte Bild, das Rembrandt gemalt hat. Sozusagen ein Vermächtnis. Lasst uns das Bild ansehen:

Das Original des Bildes hängt in St. Petersburg. Es ist 2 Meter mal 2 Meter 60 groß! Ein mächtiges Bild! Wir sehen den alt gewordenen Vater, der den Sohn begrüßt, der lange von Zuhause weg war. Der Vater hat einen weiten roten Mantel an. Auch das Übrige seiner Kleidung weist darauf hin, dass er kein einfacher Bauer war. Der Vater ist reich und hat viele Knechte.

Der vor ihm kniende Sohnweist alle Zeichen der Armut auf. Er trägt ein Untergewand. In Lumpen kommt er in das Haus des Vaters. Er ist kahlgeschoren, ein Zeichen, dass er als Sklave gedient hat. Kahlgeschoren werden auch Gefangene. Das nimmt ihnen ihre Identität. Das nimmt ihnen ihre Würde. Sie werden zu einer Nummer. Das Untergewand ist zerrissen. Dem linken Fuß ist die längst ausgetretene Sandale entgleitet. Man sieht Narben am linken Fuß. Auch die rechte Sandale ist zerrissen. Die Sole löst sich auf. Man sieht den Fußhacken.

Am rechten Bildrand der ältere Sohn. Rembrandt hat ihn mit in diese Szene gemalt. Auch er hat das Licht des Vaters in seinem Gesicht. Aber er ist nur Beobachter, wie die beiden anderen schwach erkennbaren Personen im Hintergrund. Der ältere Sohn hält Distanz. Seine Hände sind geschlossen. Stocksteif steht er da. Der Stock in seinen Händen unterstreicht seine Sturheit und Unbeweglichkeit. Was er sich wohl denkt bei diesem Zirkus um seinen verlorenen Bruder? „Um diesen Mann da“, wie er ihn abfällig nennt.

Das Bild selbst ist ganz ruhig. Keine Bewegung. Die Bewegungen fanden vorher statt. Der Heimgekehrte und der Vater, beide haben einen langen Weg hinter sich. Einen langen Weg zueinander. Festgehalten im Bild aber ist der Moment des Friedens. Der Vater war dem Sohn entgegen gelaufen. Unschicklich für einen alten Herrn. Gefährlich, falls er fallen würde. Der Vater hat sein Haus verlassen und ist ihm entgegengelaufen. So sehr hat er sich gefreut. Jeder konnte seine dünnen alten Beine laufen sehen, als er sein Gewand hochhob, um nicht zu stolpern.

Der Sohn, der sich dem Vater wieder zugewandt hat, wollte reden, wollte seine Fehler eingestehen, um Vergebung bitten. Er kam gar nicht dazu. So schnell und so sehr hat der Vater ihn umarmt, ihn an sich gedrückt. „Lauft, holt ein Festkleid, steckt ihm einen Ring an, schlachtet das Mastkalb: Mein Sohn ist wieder da!“ befiehlt der Vater den Dienern. Keine Bußübungen, keine Erniedrigungen, keine Beschämungen. Der Heimgekehrte wird sofort wieder als Erbe eingesetzt. Dafür steht der Ring. Ein Siegelring. Der Vater setzt den Sohn wieder als Sohn ein. Mit allen Rechten. Und er will mit ihm feiern!

Rembrandt stellt die drei handelnden Personen des Gleichnisses ins Licht. Ihr Charakter, ihre Lebensgeschichte, ihr Wesen und auch ihre Beziehungen zueinander finden sich in diesem Bild. Der Vater ist alt geworden. Er sieht erschöpft aus. Seine Augen fast geschlossen. Er ist halb erblindet. Wie viel mag der Vater geweint haben? Wie viele Tränen haben diese Augen verlassen. Voller Sehnsucht nach seinem Sohn. Wie hat er gelitten? Wie oft konnte er nicht schlafen, weil ihm sein geliebter Sohn fehlte.

Segnend, schützend, Halt gebend legt er seine Hände auf den Sohn. Seine Hände sind die Mitte des Bildes. Alle sehen darauf. Sie sind hell erleuchtet. Es sind zwei verschiedene Hände. Die linke Hand ist kräftig, männlich, muskulös. Die Finger sind gespreizt. Vom Daumen scheint ein gewisser Druck auszugehen. Die linke Hand scheint den Sohn nicht nur zu berühren, sondern ihn zu halten. Von der linken Hand geht Kraft aus. Die rechte Hand hat eine andere Kraft. Sie ist zärtlich, feingliederig, weiblich. „Gott tröstet seine Kinder, wie eine Mutter tröstet!“ Der Vater ist nicht nur der alte Patriarch, der sagt wo es langgeht. Der Vater ist auch Mutter. Er fühlt mit. Er berührt zart, wo es weh tut. Väterlichkeit und Mütterlichkeit Gottes zeigt Rembrandt in den Händen des Vaters. Väterlichkeit: Sein Gestaltungswille, seine Macht, seine Kraft. Mütterlichkeit: Seine unendliche Sehnsucht nach seinen Kindern. Mitfühlen, Zärtlichkeit, wo wir Trost brauchen.

Wer bin ich in dem Bild? In wem finde ich mich wieder? Bin ich der heimgekehrte Sohn? Wo habe ich Anteile von ihm in mir? Wäre ich vielleicht gerne der heimgekehrte Sohn? Würde ich gerne diese Geborgenheit, den Frieden, die große Barmherzigkeit Gottes erleben? Wo bin ich von Gott weggelaufen? Womit habe ich sein Erbe verprasst, das er mir anvertraut hat? Wo bin ich wie er unter die Schweine geraten und habe mich an ihrem Futter sättigen wollen? Wo habe ich mich entfernt von Gottes Haus und habe mein eigenes Lebenshaus gebaut, mit der Kraft, dem Geld, den Möglichkeiten, die ER in mein Leben gelegt hat? Was ist meine Sucht? Worin suche ich mein Leben? Was bindet mich? Sucht kommt von Suchen. Bin ich schon weit genug unten, dass ich mich besinne? Oder bin ich beim Vater angekommen und genieße seine Nähe, seinen Geruch, seine Hände?

Wenn Du dich von Gott entfernt hast, kannst du jetzt umkehren. Wenn du unter die Schweine gekommen bist, kannst du jetzt umkehren. Du kannst zu deinem himmlischen Vater gehen. Er wartet auf dich. Er weint um dich. Er läuft dir entgegen. Bleibe jetzt nicht sitzen, wenn du dich nach Gott sehnst. Sage ihm, dass du nicht würdig bist, in seinem Haus zu wohnen. Dann wird er dich würdig machen. Lass dich von Gott küssen und dir seinen Ring aufstecken! Ich darf und du darfst in das Bild des knienden Sohnes hineinkriechen, dich selbst darin wiederfinden. In stiller Anbetung kniet er vor seinem Vater und ist absolut geborgen. Angekommen bei ihm. Komm wie du bist: Dein Vater im Himmel will mit dir feiern!

LIED     Herr, ich komme zu dir!

Bist du der Sohn, der sich weit von Gott entfernt hat? Oder bist du der Sohn, der bei seinem Vater geblieben ist? Bist du vielleicht der ältere Sohn? Hast du Anteile von ihm in dir? Der ältere Sohn kommt vom Feld, erzählt Jesus. Er hat gearbeitet, wie er jeden Tag gearbeitet hat. Er hört Musik, als er nach Hause kommt. Er riecht das gegrillte Kalb. Er hört das fröhliche Treiben. Die Leute tanzen! Er sieht seinen Vater lachen. Was ist denn hier los? Der ältere Bruder wird zornig. Der Ältere fragt nicht direkt seinen Vater, schon gar nicht geht er zu seinem Bruder. Er fragt einen Knecht: Was ist hier los? So geht das nicht? Was für ein Lärm? Warum wurde das Mastkalb geschlachtet? Warum weiß ich von alledem nichts? Warum wurde ich nicht gefragt? Was geht hier ab auf dem Hof meines Vaters, in unserem Haus, denn ich bin sein Sohn, ich trage hier Verantwortung, ich habe dieses Haus mit gebaut!

Rembrandt malt den älteren Bruder leicht lächelnd. Er versteckt seinen Zorn. Das traut er sich nicht, seinen Ärger zu zeigen. Äußerlich ist er dabei. Er ist dem Vater ähnlich: mit seinem Bart, mit dem roten Mantel. Aber er geht nicht einen Schritt auf seinen Bruder zu. Sein Herz ist weit weg vom Herzen des Vaters! Am Ende ist er der verlorene Sohn! Er war doch immer treu, er hat sich nichts zu Schulden kommen lassen. Aber jetzt wo er die Freude sieht und wie sie alle für ihn feiern, jetzt kommt sein ganzer Stolz um Vorschein. Wie viel Härte und Selbstgerechtigkeit ist da in ihm! Der bei Vater geblieben ist, er ist verbittert. Wie herzlos er sich zeigt, hinter seiner treuen Fassade. Was für ein frommer Egoismus kommt jetzt zum Vorschein! Nicht Liebe zum Vater war sein Antrieb gewesen. Er wollte besser sein und auch besser behandelt werden. Er hat sich mehr Rechte ausgerechnet. Er hat immer herabgesehen auf seinen jüngeren Bruder, die Schande der Familie: „Soll er ruhig wiederkommen, aber er kann doch nicht ihm gleichgestellt werden?“ Soll der etwa mit bestimmen? Soll der hier etwas zu sagen kriegen? Ich weiß, wie das hier läuft im Haus Gottes. Das weiß so einer doch gar nicht!“

Der ältere Bruder, erist verloren. Verloren in seiner Bitterkeit, in seiner Selbstgerechtigkeit. Wer verbittert ist, kann sich nicht mit freuen. Wer verbittert ist, kann nicht vergeben. Wer selbstgerecht auf andere herabsieht, kann nicht von Herzen mit ihnen feiern. Wer vergeben will, der muss über seinen Schatten springen! Anders geht es nicht! Es gibt immer viele Gründe, nicht zu vergeben: Ich würde mein Gesicht verlieren. Der andere sieht ja gar nichts ein! Er hält an seiner Version fest, er entschuldigt sich nicht richtig.

Das Gleichnis von dem älteren verlorenen Sohn ist auch ein Gleichnis über Israel. Israel ist der ältere Sohn. Israel hat das Gesetz und die Verheißungen auf seiner Seite. Und jetzt kommen da die Heiden, die keine Ahnung haben, die Sünder, die Hunde, die Schweinefresser, und Gott vergibt ihnen! Gott macht sie zu seinem Haugenossen und zu Erben? „So geht das nicht“, sagen die Juden.

„So geht das nicht“, sagen auch manche Christen, die sich für etwas Besseres halten, die meinen besondere Erbansprüche zu haben, die sich nicht mitfreuen können, wenn andere singen und tanzen.

Die Engel feiern und sie sitzen schmollend in der Ecke. So haben sie sich die Erweckung nicht vorgestellt! Der ältere Sohn ist wie „ein Fremder im eigenen Haus“, weil er das Herz des Vaters nicht hat. Der Vater ist „ganz aus dem Häuschen“, wenn nur einer umkehrt und zu hm nach Hause kommt. Dem älteren Sohn geht es nur um sich! Sein Heil, sein Erbe, seine Rechte, seine Unbeweglichkeit.

Der jüngere Sohn geht anbetend auf die Knie. Der ältere Sohn verlässt das Haus. Jetzt geht er! Und jetzt geht der Vater ihm nach! Er will beide an einem Tisch haben. Er vergleicht sie nicht. Er will beide gleich beschenken! Aber der Vater kommt nicht heran an das Herz des Älteren. So wie er den Jüngeren nicht gezwungen hat, zu bleiben, so zwingt er nun auch den Älteren nicht, zu ihm zurück zu kommen. Er bittet ihn. Er zeigt ihm sein Herz. Jetzt liegt es an ihm, ob er umkehrt.

Habe ich auch etwas von dem Älteren in mir? Mein ich mehr Rechte zu haben, weil ich länger dabei bin? Brauche ich es, auf andere herabzusehen? Rede ich schlecht über andere? Bin ich neidisch, wenn Gott es mit anderen so gut meint? Geht es mir, so fromm ich scheine, in Wahrheit nur um mich? Geht es mir nur um mich? Auch der ältere Sohn hat es nötig, gefunden zu werden. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist die Geschichte, die Wahrheit über den Vater, der hinausgeht, um Verlorene zu suchen. Jetzt hat er mich gefunden. Jetzt steht vor mir und sagt mir: „Alles, was mein ist, ist auch dein!“

Bist du der ältere Sohn? Neidisch, ärgerlich, zornig? Hast du Anteile auch von diesem Sohn in dir? Dann mache nicht seinen Fehler, sondern gehe in das Bild hinein. Geh zum Vater und zu deinem Bruder, öffne deine Hände, lege den Stock weg, mit dem du dich immer noch verteidigen willst. Knie dich neben deinen Bruder oder umarme ihn, wie es dein Vater tut.

LIED:    Wo ich auch stehe

Bist du der heimgekehrte oder der ältere, am Ende verlorene Sohn? Hast du Anteile von einem oder von beiden in dir? Kannst du dir auch vorstellen, dich mit dem Vater zu identifizieren? Könntest du hier im Bild auch in die Person des Vaters hineinschlüpfen? Kannst du dir vorstellen oder wenigstens wünschen, so barmherzig zu sein wie er ist? Das Herz des Vaters ist voll Liebe und Sehnsucht nach Kindern, die sich von ihm entfernt haben. Kannst du es ihm nachempfinden? Kannst du mit dem Vater mitfühlen? Hast du sein Herz? Oder bist du ein Zuschauer wie die beiden Personen hinten im Bild, die im Hintergrund bleiben?

Kein Kind bleibt immer Kind. Jedes Kind wird ein Erwachsener. Und ein Erwachsener kann Vater oder Mutter werden. Auch geistlicher Vater oder geistliche Mutter. Erbe dieses Vaters zu sein, bedeutet doch nicht nur, auf seine Kosten zu feiern! Erbe dieses Vaters zu sein, bedeutet voller Erbarmen zu sein wie er, meinen Mantel weit machen, nicht so eng und verschlossen wir der Mantel des älteren Bruders. Erbe dieses Vaters zu sein, bedeutet Hände wie die seinen zu haben. Möchtest du ein solches Herz haben? Möchtest du wie der Vater werden? Bist du bereit, erwachsen zu werden und dich mit ihm zu sehnen und zu leiden, weil ihm Menschen verloren gegangen sind?

Viele überlegen, welcher der beiden Söhne sie wohl sind. Ist es nicht viel entscheidender, viel segensreicher, zu überlegen, wie ich werden kann wie der Vater? Nicht nur, dass mir vergeben wird, sondern das ich vergebe! Nicht nur, dass ich gefunden werde, sondern das ich mit ihm suche! Nicht nur, dass ich Erbarmen finde, sondern dass sein Erbarmen mich verwandelt! Möchtest du ein geistlicher Vater sein, eine geistliche Mutter werden? Viele Christen drücken sich vor dieser Aufgabe. Es reicht ihnen Kinder zu sein, die Geborgenheit des verlorenen Sohnes zu erleben. Christen verweigern sich, Vater oder Mutter zu werden, Verantwortung anzunehmen, im Glauben erwachsen zu werden.

Seid barmherzig wie eure Vater im Himmel barmherzig ist!“ hat Jesus gesagt. Den „Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes“ nennt Paulus den Vater Jesu Christi. Wir dürfen nicht immer Kinder bleiben, zumindest nicht so, dass wir unsere Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen. Es geht nicht nur darum, dass Gott uns gnädig ist, dass wir bei ihm bleiben. Was heißt es für dich, geistlich erwachsen zu werden? Wie will das Vaterherz Gottes dein Herz verändern?


Was wahre Sohnschaft ist, das hat uns Jesus gezeigt. Jesus zeigt, Gottes Sohn wurde Fleisch, damit verlorene Kinder Gottes Söhne und Töchter werden können. Die Liebe Gottes, seinen Retterwillen, sein Mitleiden an dieser Welt, alles das kann man an Jesus sehen. Haben wir geistliche Väter und Mütter unter uns? Ich denke ja! Ich könnte einige hier Anwesende aufzählen. Geistliche Mutterschaft oder Vaterschaft hat nichts mit Macht zu tun, nichts mit Kontrolle. Geistliche Menschen lassen andere frei. Sie binden andere nicht an sich.

Geistliche Väter und Mütter sind barmherzig wie dieser Vater barmherzig ist. Sie sind weit und offen, wie dieser Vater offen ist sowohl für den Heimgekehrten als auch für die Zuhausegebliebenen. Geistliche Menschen vergleichen andere nicht. Sie sind offen für sie und sind voller Güte. Sie freuen sich, wenn andere sich im Glauben freuen. Sie laufen anderen entgegen und wenn sie sich damit lächerlich machen und man ihre dünnen alten Beinchen sieht, wenn sie laufen und ihre Kleider dabei hochnehmen.

(Schluss)

  1. Bist du der jüngere Sohn? Dann komm zum Vater.
    In deinen Lumpen. Du glaubst nicht, wie er sich freut!

  2. Bist du der ältere Bruder? Dann kehre um und tu Buße.
    Knie dich neben deinen Bruder.
    Nimm ihn in den Arm, wie es dein Vater tut.

  3. Möchtest du vom Vater lernen, wie der Vater sein?
    1. Dann leide mit ihm über das Leid und die Verlorenheit vieler Menschen.
    2. Dann lerne allen zu vergeben und über deinen Schatten zu springen.
    3. Dann öffne dein Herz, sei großmütig, über die Maßen gütig.

Denn so wartet Gott auf dich:
Voll Mitgefühl, Vergebung und Güte.

Amen.

Musikstück

 
Zum Anfang