Matthäus 11, 28-30 Jeder kann kommen

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Kassel-Möncheberg 27.8.2017
Norbert Giebel

Matthäus 11, 28-30 Jeder darf kommen

Liebe Gemeinde,
Jesus ist heute wieder mitten unter uns. Und er hat eine Einladung mitgebracht:

28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. 29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.    (Mt 11,28-30)

(1)

Man nennt diese Worte Jesu auch den Heilandsruf. Der uns retten will, der uns gerettet hat, der uns mit seinem Heil beschenken will, er ruft uns heute. Wer ist denn von uns mühselig und beladen? Würde ich nach Handzeichen fragen, würde ich bitten, dass sich alle melden, die mühselig und beladen sind, würde wohl die Hälfte von uns die Hände strecken. Wenn Jesus hier vorne stände, wenn er hier in einer Ecke des Raumes auf uns warten würde und rufen würde „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“, ich wette, die halbe Gemeinde würde sofort aufstehen. Viele müssten gar nicht überlegen. Bei vielen ist es sofort präsent, es liegt ganz oben auf, was sie belastet, was sie ihre ganze Kraft kostet. Viele würden weinen vor Jesus, bevor sie auch nur ein Wort herausgebracht hätten. Er weiß es ja auch schon. Ich wette, eine lange Schlange würde sich vor Jesus bilden. Alle wollen von ihm gesegnet werden. Der Rest der Gemeinde könnte dann singen, Gott loben, singen, beten, einige von uns, Mercy wäre bestimmt dabei, sie würden Halleluja rufen.

Vielleicht würden wir am Ende alle stehen. Vor Jesus. Mühselig und beladen. Die, die Sorgen um ihre Kinder haben. Die ihre berufliche Belastung manchmal nicht mehr aushalten. Die sich einen Partner wünschen. Die Probleme in ihrer Ehe haben. Die, die ihre Schmerzen nicht mehr aushalten können. Und die, die unter einer Sucht leiden, oder an einer schädlichen, dummen Gewohnheit in ihrem Leben, unter der sie verzweifeln. Die nichts mehr auf die Reihe bringen, sie würden kommen. Auch die verletzt wurden in ihrem Leben, die zerbrochenen Herzens sind. Die Schuldigen, die Täter, die Sünder, alle, die ein schlechtes Gewissen haben. Die Feiglinge und die Halbherzigen. Sie würden vielleicht wieder zuletzt aufstehen. Oder sie wären dieses mal ganz vorne: „Ich bin mühselig und beladen, Herr. Jesus, bitte segne mich. Heile mich!

Am Ende würden alle vor Jesus stehen und er würde allen die Hand auflegen. Jesus meint alle mit seiner Einladung. „Die Gesunden brauchen den Arzt nicht, sondern die Kranken!“ hat Jesus einmal gesagt (Lukas 5,31) Am Ende brachen wir ihn alle. Wenn wir nur aufhören würden, immer die Gesunden zu spielen.

Jeder darf kommen. Jesus macht keine Unterschiede. Er begrenzt seinen Ruf nicht. Keiner muss sich entschuldigen. Niemand muss sich schämen. Keiner muss sich verteidigen oder verbiegen. Niemand muss vorher eine Leistung vollbringen. Jede und jeder darf kommen. Das ist ein zarter Ruf. Liebevoll. Und doch mächtig. Aber einladend. „Komm ins Licht! Heraus aus deinem Dunkel. Lass dich ansehen.“ „Komm, lass dir meinen Frieden schenken.“ Hier darf alles ruhig werden, was unruhig ist. Der hier ruft, er ist sanftmütig und von Herzen demütig. Heilig! Und doch voller Trost. Er will uns dienen. Von Herzen. Aus Liebe.

Mühselig und beladen sind auch sein Jünger. Gerade hatte er sie ausgesandt, zu zweit. Sie haben viel erlebt, auch viel Widerstand. Seine Jünger brauchen ihn, die, die sich fragen, ob es die ganze Mühe denn lohnt. Für Menschen, die sie lieben, zu kämpfen und zu beten. Ob sich ihr Einsatz lohnt in der Gemeinde. Sie ruft der Heiland zu sich. Seine Jünger und die, die es werden wollen.

(2)

Jesus will alle, nein, mehr noch, er will jeden einzelnen „erquicken“ hat Luther übersetzt. Jesus will jeden erfrischen, herunterfahren, neue Kraft geben. „Anapauso“ ist das griechische Wort. Da denkt man gleich an Pause. „Ana“ heißt so viel wie „wieder“. Wieder in die Ruhe bringen. Wieder in Ordnung bringen. Wieder fest gründen. Wieder herstellen. Wer mühselig und beladen ist, der weiß, was gemeint ist.

Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.“ sagt der Auferstandene. „So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir!“ (Off 3, 20) Das Abendmahl mit Jesus ist nicht nur Brot und Kelch. Er will sich selber schenken. Er will uns den Tisch decken. Und er sieht jede und jeden an, der zu ihm kommt, und er sieht, was er braucht. Er klopft, wir müssen ihm aufmachen, und er wird uns dann den Tisch decken. So ist er heute hier und klopft bei uns an. Und er deckt nicht jedem den Tisch gleich. Der eine braucht einen heißen Kakao, der andere ein großes Eis. Der eine braucht Kuchen, der andere etwas Festes für den Magen. Wenn wir uns bei Jesus anstellen, in der Schlange, und wenn wir dann dran kommt, dann hat Jesus keine kleinen „Givaways“, keine Mitgebsel, nicht für jeden das gleiche Geschenk. Bei dem einen sieht er die Kinder, bei dem anderen die Schmerzen, bei dem dritten die Not, die er mit sich selber hat.

Ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen!“ sagt Jesus hier. Das ist der Wahnsinn. Das ist die Spitze, das Größte auf der Welt, wenn Menschen Ruhe finden für ihre Seelen. Die Seele, das bin ich, mit meinen Gefühlen, mit meinen Grenzen, meine Geschichte, meine Kräfte, meine Schwäche, meine tiefste Motivation, meine Sehnsüchte, seien sie begründet, normal, realistisch, oder nicht. Meine Seele ist durstig. Durstig nach Frieden mit Gott und dann auch mit mir, mit meinem Leben. Frieden, den ich auch ausstrahle. Meine Seele ist durstig nach Gott. – Nur Gott selbst, nur der Heiland, der uns ruft, er kann uns diesen Frieden geben. „Ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen!“ je mehr wir diese Ruhe haben, desto mehr sind wir glücklich, in jeder Lebenslage.

(1) Jeder darf kommen.
(2) Er will uns erquicken.

Und: (3) Er will uns ein Joch auflegen?

Was soll das jetzt? Bringt die Ruhe, die Jesus uns schenken will, eine neue Last mit sich? Das Bild vom Joch weist darauf hin. Die ersten Hörer Jesu wussten, was ein Joch ist. Da spannt man einen Ochsen oder zwei zusammen vor einen Pflug oder eine Karre. Sie sollen den Karren ziehen. Niemand – kein Ochse – braucht ein Joch, wenn er nichts zu tragen oder zu ziehen hat. Joch bedeutet Dienst und Arbeit. Aber das Joch ist nicht die Last selbst. Ein Joch ist ein Hilfsgerät, ein Werkzeug. Ich nehme ein Joch auf mich, um tragen zu können! Denn es gibt Arbeit im Leben, Lasten, die zu tragen sind. Krankheiten, durch die man durch muss, seelische und körperliche Mühen.

Dass Jesus für jeden ein Joch hat, sozusagen als Mitgebsel, das zeigt, dass er nicht alles Lasten von uns nimmt. Wir haben Verantwortung im Leben. Das Leben ist kein Ponyhof, auch nicht für die, die sich von Jesus segnen lassen. Und es gibt wirklich Schweres.

Die Schriftgelehrten damals nannten das Gesetz des Mose ein Joch. Schwer zu tragen, aber es sollte helfen, seinen Karren durchs Leben zu ziehen. Und sie fanden immer mehr Gebote, die helfen sollten, wie sie es sich vorstellten, ein erkennbares Leben mit Gott zu führen. Das Gesetz wurde zur Last. Diese äußerlichen Dinge des Glaubens einzuhalten, wurde das Wichtigste

Das ist auch uns Christen dann passiert. Das eine ist, was Gott von uns will! Um das aber richtig zu tun, muss man vor dem Essen beten, muss man jeden Morgen eine stille Zeit haben, darf man nicht so viele Kontakte mit Nichtchristen haben, früher musste man sich auf bestimmte Weise anziehen. Wenn solche Gebote wichtig werden, zum Erkennungszeichen, nennt man das Gesetzlichkeit.  Dann hat man bestimmte Gebote im Kopf und wer die erfüllt, der ist meine Schwester oder mein Bruder.

Das heißt ja gar nicht, dass jedes Gebot schlecht ist. Auch nicht das, was von Menschen kommt. Ich würde es lieber einen Rat nennen, eine gute Gewohnheit, einen bewährten Weg. Ich bete vor jedem Essen, weil es eine Gelegenheit ist, mich Gott zuzuwenden, ihm zu danken, ihn über allem Guten zu sehen, was ich empfange. Ich bete auch vor jeder längeren Reise, vor jeder Sitzung, vor jedem Besuch, den ich als Pastor mache. Ich lese fast jeden Morgen in der Bibel und bete. Ich würde allerdings gerne viel mehr Kontakte zu Nichtchristen haben. Aber alles das sind keine Gesetze und noch nicht einmal Gebote Jesu.

Das Gesetz, was wir selbst zu erfüllen haben, ist nicht der Weg zum Heil. Es ist nicht das Joch, das uns leben hilft. Wir werden uns nicht selbst an den Haaren aus dem Sumpf ziehen können. Und wir brauchen es nicht! Das Joch, das Jesus uns auferlegt, ist er selbst. Seine Einladung anzunehmen, zu ihm zu kommen. Das Heil in ihm zu suchen. Die Beziehung zu ihm zu pflegen. Auf ihn zu hören. Demütig vor ihm zu sein. Jesus an die erste Stelle meines Lebens zu setzen.

Wenn er das Joch ist, die Beziehung zu ihm, er als mein Herr, dann fange ich sicher an, zu beten, dann bete ich vielleicht vor jeder Mahlzeit, dann suche ich vielleicht morgens die Stille bei ihm, dann lese ich die Bibel, dann gehe ich in den Gottesdienst, in einen Hauskreis, dann besuche ich vielleicht das Bibelgespräch regelmäßig, dann suche ich Hilfe und lasse für mich beten von einem anderen Christen. Alles das aber nicht, weil ich es muss, sondern weil ich den Heiland erlebt habe und ihn immer wieder erleben will. Er heilt zerbrochene Herzen. Er stellt mein Leben auf neue Füße. Er tröstet, er gibt mir Kraft, wo mein Weg schwer ist. Ihn will ich lieben, ihm will ich dienen. Er erquickt mich. Er gibt mir Halt und Richtung. Bei ihm kann ich Demut lernen, und Geduld, sanftmütig zu sein, nicht weich, nicht ohne Position, sondern umgekehrt: Ich weiß, was ich will, was ich denke, was mich ausmacht, und ich kann es angemessen vertreten.

Luther hat übersetzt: „Nehmt auch euch mein Joch, denn mein Joch ist leicht!“ Leicht ist keine gute Übersetzung. Chrestos steht da im Griechischen. Chrestos heißt brauchbar, nützlich. Vielleicht ist es gar nicht immer leicht, mit Jesus zu leben! Aber das Joch, das er uns auferlegt, das hilft wirklich. Das macht frei. Da finde ich Freude. Nicht Druck und Enge, schon gar nicht Angst macht meinen Glauben aus, sondern Freude an Jesus. Staunen und Frieden. Sein Joch ist sein Hilfsgerät. Stellen sie sich ein Schulterjoch vor. Eine geschwungene Holzstange. Genau ihrer Schulter angepasst. Und daran tragen sie zwei große Eimer mit Wasser. Das ist leichter als sie in den Händen zu tragen. Damit kommen sie weiter. Mit diesem Joch können sie mehr tragen. Das ist dann leichter. So hat es auch Martin Luther gemeint. Mit Jesu Joch ist es leicht.

Der Heiland ruft: Kommt her zu mir. Kommt her zu mir alle, die keine Kraft mehr haben, alle, die keinen Mut mehr haben, alle, die zu tragen haben. Ich will euch erquicken. Ihr sollt getröstet werden. Ihr werdet neue Kraft und neue liebe bekommen. Und ich lege ein Joch auf euch, mit dem ihr tragen könnt. Wer möchte da die Hand heben? Ich werde gleich danach fragen. Wer nicht sagt, dass er Hilfe braucht, dem kann man nicht helfen. Wer nichts sagt, dass er nichts mehr tragen kann, dem kann man nichts abnehmen.

Wir singen gleich ein Lied. Danach werde ich fragen: Wer möchte zu Jesus kommen, wer möchte ihm heute ein Zeichen geben, und dann werde ich für die Personen beten. Egal, ob es jemand ist, der das erste Mal zu Jesus kommt. Vielleicht ist jemand hier, der sagt, ich kann nicht mehr, und ist noch nie damit zu Jesus gekommen. Und ebenso können sich dann die melden, die mit Jesus leben und an ihre Grenzen gekommen sind.

Wir singen das Lied „Jesus, zu dir darf ich so kommen wie ich bin!“  

1. Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin. Du hast gesagt, dass jeder kommen darf. Ich muss dir nicht erst beweisen, dass ich besser werden kann. Was mich besser macht vor dir, das hast du längst am Kreuz getan. Und weil du mein Zögern siehst, streckst du mir deine Hände hin, und ich kann so zu dir kommen, wie ich bin.

2. Jesus, bei dir darf ich mich geben, wie ich bin. Ich muss nicht mehr als ehrlich sein vor dir. Ich muss nichts vor dir verbergen, der mich schon so lange kennt. Du siehst, was mich zu dir zieht, und auch, was mich von dir noch trennt. Und so leg ich Licht und Schatten meines Lebens vor dich hin, denn bei dir darf ich mich geben, wie ich bin.

3. Jesus, bei dir muss ich nicht bleiben, wie ich bin. Nimm fort, was mich und andere zerstört. Einen Menschen willst du aus mir machen, wie er dir gefällt, der ein Brief von deiner Hand ist, voller Liebe für die Welt. Du hast schon seit langer Zeit mit mir das Beste nur im Sinn. Darum muss ich nicht so bleiben, wie ich bin. Du hast schon seit langer Zeit für mich das Beste nur im Sinn. Darum muss ich nicht so bleiben, wie ich bin.

Frage nach Handzeichen und Gebet schließen sich an.

Für diese Predigt habe ich vieles übernommen aus der Predigt der Gemeinde Greifbar in Greifswald vom 10.5.2009

 
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