1.Mose 8,18-22 „Nie wieder Sintflut“

mp3Predigt zum Anhören

Evangelisch-Freikirchliche-Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
Pastor Norbert Giebel. 29.10.2017

1. Mose 8, 18-22 „Nie wieder Sintflut“

18 So ging Noah heraus mit seinen Söhnen und mit seiner Frau und den Frauen seiner Söhne, 19 dazu alle wilden Tiere, alles Vieh, alle Vögel und alles Gewürm, das auf Erden kriecht; das ging aus der Arche, ein jedes mit seinesgleichen. 20 Noah aber baute dem HERRN einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem Altar. 21 Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. 22 Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Das tat gut, liebe Gemeinde:

Nach so langer Zeit endlich frische Luft in den Lungen. Nach so langer Zeit wieder den blauen Himmel sehen, überhaupt wieder etwas anderes sehen als die dunkle Archen-Decke und anderes zu riechenals die Tiere. Das tat gut! Die Luft war unerträglich geworden in diesem Holzkasten, der Menschen und Tiere vor den Fluten gerettet hatte. Fast allen – den Maulwürfen und Würmern vielleicht nicht – fast allen war das trübe Licht der vergangenen Monate aufs Gemüt geschlagen. Endlich Licht! Endlich Luft! Endlich raus hier!

40 Tage und 40 Nächte hatte es geregnet. 150 Tage stieg das Wasser, bis die höchsten Berge bedeckt waren. Wieder 150 Tage bis die Flut abgeschwollen war. Noch zweimal sieben Tage wartet Noah, bis der Boden wirklich trocken war. Dann fordert Gott ihn auf, die Arche zu verlassen. Ziemlich genau ein Jahr hat diese schwere Zeit angedauert. Jetzt fängt eine neue Zeit an, ein neuer Kalender. Es ist der erste Tag des ersten Monats, legt Noah fest. Ein absoluter Neuanfang.

Noah lehnt an der Archentür. Er sieht den davonstürzenden Tieren nach. Er hilft einem Igel über die Schwelle. Manche brauchen Hilfe, um den Schritt ins Licht zu wagen. Die Geschichte von Noah, von der Arche, den Tieren und der Sintflut, sie ist wohl die bekannteste Geschichte der Bibel überhaupt. Sie fehlt in keiner Kinderbibel. Aber was ist das für eine Geschichte? Worum geht es? Was hat das mit uns zu tun?

(1.) Es ist die Geschichte von einem Mann, der Gott glaubte.

Er „wandelte“ mit Gott, heißt es in Kapitel 6. (6,11) Er glaubte nicht nur an Gott, er lebte mit ihm, er ging Gottes Wege in seinem Leben. Noah ist ein herausragendes Vorbild im Glauben. Als Gott ihm sagte, er solle ein riesiges Schiff bauen, tat er es. Mitten auf dem Trockenen. Nicht wirklich ein Schiff. So etwas gab es noch nie. Ein riesiger Holzkasten, wie eine Hochgarage, aber aus Holz und geschlossen.

Noah baut groß, damit alle hineingehen, die Gott retten will. Wenn Gott retten will, darf man nicht zu klein denken! Es soll eine Flut geben, eine Sintflut. „Sint“ bedeutet umfassend, überall, eine „Umfassendflut“, eine „Überallesflut“ soll es geben. Gott hat Noah das wissen lassen und er hat ihm auch gesagt, weshalb es diese Flut geben wird: Die Bosheit der Menschen sei der Grund, hat Gott gesagt. Alles, was sie wollen und tun sei böse. Sie sind gottlos in ihrem Herzen, nicht nur an der Peripherie. In ihrem Kern sind sie verdorben. Tief drin. Von Jugend auf! Das ist nicht anerzogen, erworben, das sind keine schlechten Prägungen. Der Mensch selbst ist böse.

Vielleicht hat Gott übertrieben. Es gibt auch Gutes, das Menschen wollen und tun. Aber er hat übertrieben, um es auf den Punkt zu bringen: Der Mensch ist ein Risiko in Gottes Schöpfung! Der Mensch wird sich und die Schöpfung kaputt machen. Es klappt nicht, wie Gott es sich gedacht hat: Frieden zwischen den Menschen, Gerechtigkeit, Achtsamkeit, Liebe untereinander. Der Mensch ist ganz tief egoistisch, selbstbezogen, selbstherrlich. „Darum will ich alle Menschen vertilgen und alle Tiere mit ihnen!“ hat Gott gesagt. Nur Noah und seine Familie und von jedem Tier ein Paar sollte überleben. Noah hat Gott geglaubt. Darum baute er die Arche. Die Sintflut ist die Geschichte von einem Mann, der weiß was kommt, und der sein ganzes Leben darauf einstellt. Das ist ein vorbildlicher Glaube!

(2.) Die Sintflut ist die Geschichte einer Rettung.

Gott bietet eine Möglichkeit, dem Chaos und dem Tod zu entkommen. Die Arche ist das Gefährt seiner Rettung. Gott bietet einen Ort an, an dem sein Gericht niemanden trifft, auf dem alle geborgen sind.

(3.) Und sie ist eine Geschichte vom Gericht Gottes.

Sie ist eine schreckliche Geschichte. Kein Kinderbuch erzählt, wie die Menschen oder Tiere schreien, die ertrinken. Da ist Schreckliches passiert außerhalb der rettenden Arche. Der heilige Gott richtet und rettet. Er will diese Welt zurecht bringen. Er will sich das Unrecht nicht länger ansehen. Und er will retten. Die Sintflut ist eine Geschichte von Gottes Leid und Schmerz an dieser Welt. Es tut ihm weh, seine Menschen zu sehen.

(4.) Die Geschichte ist auch eine Geschichte von Mensch und Tier.

Der Mensch ist ein Teil der Schöpfung. Mensch und Tier hängen zusammen. Sie sind angewiesen aufeinander. Sie leben in einer Welt. Sie gehen zusammen unter oder überleben zusammen. Die Welt ist gefährdet. Es ist der Mensch, der sie gefährdet. Er zieht die ganze Schöpfung mit ins Verderben. Der Mensch ist die Krone und das Kreuz der Schöpfung. Er soll sie bewahren und er ist ihr schlimmstes Raubtier.

Paulus schreibt an die Römer, dass die alle Kreatur, alles, was geschaffen ist, Wälder, Meere, Tiere, alle seufzen und sehnen sich danach, dass die Gerechten, die Heiligen Gottes endlich sichtbar werden. Die ganze Schöpfung sehnt sich nach der Erlösung von Menschen, die sie misshandeln.

Auch der Igel hat es geschafft und kommt langsam außer Sichtweite. „Wie wird es weitergehen?“ denkt Noah. Was ist anders nach der Flut?  Noah bereitet ein Opfer vor. Das soll das Erste sein, was er tut. Viele Tiere haben Junge bekommen auf der Arche. Jetzt opfert Noah Vieh und Vögel. Noah ist gerettet und er will Gott dafür danken. Noah feiert Gottesdienst und teilt das Wenige, was er hat, mit Gott. Das soll das Erste sein in seinem neuen Leben nach der Sintflut. Nicht die Suche nach Nahrung oder der Beginn eines Hausbaus. Das Erste ist der Dank an Gott! Noah tut es mit einem großen Opfer. Was wir heute nicht mehr verstehen: Wer opfert, gibt sich selbst. Der sagt: „Ich hätte den Tod verdient!“ “Ich will dir mein Leben geben in diesem Opfer!“

Dann wird ganz menschlich von Gott geredet: „Gott riecht den Geruch des Opfers und es gefällt ihm, was Noah tut: Und Gott sagt: „Ich will nie wieder die Erde um der Menschen willen verfluchen, denn das Wollen und Sehnen des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.“ (...) „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

Das ist das Neue nach der Sintflut: Gott schließt einen Bund mit den Menschen, die von Grund auf böse sind. Gott lässt sie leben. „Das will ich nie wieder tun!“ sagt Gott. Es reut ihn, was er getan hat. „Es hat nichts gebracht.“ Durch Strafe sind diese Menschen nicht zu bessern. Durch Strafe sind wohl die allermeisten Menschen nicht zu bessern. Die Änderung muss in ihnen drin passieren. Ihr Herz muss neu! „Die Menschen werden nicht besser. Darum sollen sie weiterleben wie sie sind! Ich lade sie ein, auf meiner Erde zu leben. Solange die Erde steht. Das verspreche ich!“

Gott begründet seine Entscheidung mi den gleichen Worten, mit denen er vorher sie Sintflut begründet hat: „Ich will nie wieder die Erde um der Menschen willen verfluchen, denn das Wollen und Sehnen des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.“ (...) Er stellt die sündige Welt unter seinen Schutz! Er gibt dem sündigen Menschen verlässliche Ordnungen: Tag und Nacht, Sonne und Regen, Sommer und Winter, Saat und Ernte, damit er leben kann.

Das ist nicht das Letzte, was Gott tut. Gott sehnt sich immer noch nach Menschen, die ihn über alles ehren, die seinen Willen tun. Der Bund mit Noah ist nicht der letzte Bund Gottes. Und er beinhaltet keine Hoffnung auf ein ewiges Leben. Er verspricht nicht, dass Menschen Gottes Kinder werden können. Aber auch diese Schöpfung ist ein Zeichen der Gnade Gottes! Jeder Tag, der beginnt, jeder Regen, der fällt, jeder Sonnenstrahl, der mein Gesicht berührt, der kommt von ihm. Der Unterschied ist nur, dass Menschen, die Gott kennen, das wissen!

Gott verspricht allen Menschen Saat und Ernte. Die „dümmsten Bauern“ können die dicksten Kartoffeln ernten. „Gott lässt die Sonne scheinen über Gute und Böse!“ hat Jesus einmal gesagt.   Da hat Jesus von der Feindesliebe gesprochen: „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel seid. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und er lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte!“ (Mat 5,44)

Was ist neu nach der Sintflut? Nach der Sintflut beginnt Gottes Feindesliebe! Seit der Sintflut leben alle Menschen von der Feindesliebe Gottes. Er vernichtet die Welt nicht mehr um ihretwillen. Gerechte und Ungerechte haben Erfolg im Beruf, sind gut in der Schule, haben eine zuverlässige Gesundheit. Der Unterschied ist, dass Kinder Gottes wissen, wem sie dafür zu danken haben. Von Gottes Treue und Liebe leben auch die Heiden! Aber die Nachfolger Noahs opfern. Sie danken Gott für ihr Leben.

Was aber bedeutet der Noahbund für Gott? Unendliches Leiden bedeutet das für Gott! Gott muss so viel Böses mit ansehen. Er muss Verbrechen ertragen, ohne Tätern zu wehren. Er muss Ungerechtes, Böses, den Egoismus der Menschen zulassen, ohne sofort zu strafen. Er sieht wie Menschen Menschen quälen ohne die Opfer sofort zu rächen. Gott muss ansehen, dass die meisten Menschen, die von ihm leben, nicht mit ihm leben. Der Noahbund ist teuer. Für Gott und für diese Welt. Gott widersteht dem Menschen nicht mehr. Bis zum jüngsten Gericht, bis zum letzten Tag, an dem Gott wieder richten und retten wird.

Viele viele Menschen leben heute wieder nach dem Motto: „Nach uns die Sintflut!“ Sie achten die Schöpfung nicht. Sie achten Tiere nicht. Sie achten andere Menschen nicht. Einsam thront der Mensch, als hätte er mit dieser Schöpfung und dem Leid auf dieser Welt nichts zu tun. Obwohl Jesus davor gewarnt, wie die Menschen vor der Sintflut zu leben (Matth 24,37-38). Wenn er wiederkommen wird sagt, er, wird es sein wie in den Tagen vor der Sintflut: Sie aßen, sie tranken, sie liebten und heirateten, bis an den Tag, als Noah in die Arche ging.“

Egoismus und Dummheit zählen einen Erfolg nach dem anderen. Und Gott leidet darunter. Despoten und Diktatoren, Politiker, die alles tun, um an der Macht bleiben. Oppositionelle werden eingesperrt. Gott sehnt sich nach Gerechtigkeit und er will retten. Aber er hält das Gericht zurück. Es wäre nicht damit getan, den einen oder anderen Menschen von der Bildfläche zu nehmen. Der Mensch ist im Kern egoistisch, selbstherrlich. Gott hätte viele Gründe eine Sintflut zu schicken, aber er tut es nicht mehr. Das ist neu nach der Sintflut! Wenn es auf jede Bosheit regnen würde, ständen wir ständig im Wasser! Aber es bleibt trocken! „Nie wieder Sintflut!“, sagt Gott. Die Arche kann verschrottet werden.

Die Geschichte von Noah und der Arche ist

  1. eine Geschichte von einem Mann, der Gott glaubte
  2. eine Geschichte von Gottes Rettung,
  3. eine Geschichte von Gottes Gericht
  4. eine Geschichte von den Menschen als Teil der Schöpfung
  5. eine Geschichte von Gottes Leiden an den Menschen,
  6. und von seiner Liebe zu den Menschen.
  7. Es ist eine Urgeschichte, warum Gott dieser Schöpfung treu ist
    und warum er den Menschen nicht widersteht.

Aber es ist eine Interimslösung, eine Zwischenlösung, für die Zeit, wie es diese Erde so gibt, wie sie ist. Einmal wird Gott seine Herrschaft aufrichten. Dann wird er richten und retten. Und es gibt wieder einen Ort, an dem sein Gericht niemanden treffen wird, auf dem alle geborgen sind. Was wird dann die Arche sein? Die Gemeinde vielleicht? Ich weiß nicht, ob die Gemeinde, alle Gemeinden, die Kirche Jesu, nicht viel zu sehr auch Teil dieser Welt ist, menschlich. Irgendwie kann ich mir die Gemeinde Jesu auch als Arche vorstellen. Das kann aber nur ein Akzent sein. Im Neuen Testament ist die Gemeinde der Leib Jesu. Der tut etwas. Der ist unterwegs in dieser Welt. Jesus zieht sich nicht zurück und sein Leib tut es auch nicht! Jesus ist gesandt in diese Welt und sein Leib ist es auch.

Ich fürchte, wenn wir zu schnell die Gemeinde für die Arche halten, würden wir Gemeinde bauen nach dem Motto: „Nach uns die Sintflut“! Hautsache wir sind gerettet! Was geht uns die Welt an? Lass sie schreien, die Menschen, die verloren gehen. Sie sind selber schuld! ... Wie anders reagiert Gott schon bei Noah und dann erst in seinem Sohn Jesus Christus: Niemand ist ihm gleichgültig! Gott tut alles, um möglichst viele zu retten. Jede Gemeinde Jesu ist eine Rettungsstation, ein Seenotkreuzer, en jeden an Bord holt, der gerettet werden will. Aber keine geschlossene Arche.

Im Neuen Testament wird die Arche nicht mit der Gemeinde verglichen, aber mit der Taufe. Petrus tut das. Er schreibt in seinem ersten Brief: „Die Arche (...) ist ein Vorbild für die Taufe, die jetzt euch rettet!“ (1. Petr, 3,20f) Petrus nennt die Taufe „unsere Bitte um ein gutes Gewissen (vor Gott!) durch die Auferstehung Jesu Christi“.

Der Regenbogen ist das Bundeszeichen des Noah-Bundes. Die Taufe ist das Bundeszeichen des neuen Bundes. Der Noahbund gilt allen Menschen. Sie alle werden durch den Regenbogen an Gottes Treue mit seiner Schöpfung erinnert. Der neue Bund in Jesus Christus fordert meine Antwort, die ich Gott in der Taufe gebe. Die Taufe ist nicht die Bitte meiner Eltern oder eines Taufpaten, die Taufe ist meine Bitte Gottes Kind zu sein durch die Kraft der Auferstehung Jesu. Ich nehme Gottes Rettungsangebot an in der Taufe. Ich steige in die Arche. Jesus selbst ist die Arche des neuen Bundes. Die Taufe ist die Tür. „Die Arche (...) ist ein Vorbild für die Taufe, die euch jetzt rettet!“ hat Petrus geschrieben.

Nie wieder Sintflut. Darüber können wir uns jeden Tag freuen, Gott danken für alles. Jeder Tag ist ein Zeichen der Treue Gottes. Solange die Erde steht. Für immer bei Gott durch die Taufe. Für immer ein Kind Gottes. Darüber können wir uns ewig freuen. So lange Jesus lebt.

                                                                        Amen.

 
Zum Anfang