Apg 15, 1-21 Ohne Konflikte geht es nicht. Ein kleiner Kurs in Gemeindeleitung.

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg

Norbert Giebel, 19.11.2017

Apostelgeschichte 15, 1-21

„Ohne Konflikte geht es nicht!“                                                             (Ein kleiner Kurs in Gemeindeleitung)


Hast du/ Haben Sie heute schon gestritten? Ist Streiten eigentlich immer etwas Schlechtes? Die Predigt heute hat die Überschrift: „Ohne Konflikte geht es nicht!“ („Ein kleiner Kurs in Gemeindeleitung“) Konflikte gehören zum Leben. Wo Menschen zusammen leben oder arbeiten darf es kein konfliktfreies Leben geben, behaupte ich. Es ist dann eine Sache der Definition, ob wir das streiten nennen oder diskutieren oder einen gemeinsamen Weg suchen, um eine gute Lösung ringen. Aber Menschen sind verschieden und wer von vorneherein keine Konflikte zulassen will, leugnet das. Oder er hat die Macht, Konflikte zu unterdrücken.

Es gibt Interessen-Konflikte: Soll der Gottesdienst um 10 Uhr oder um 11 Uhr anfangen? Es gibt Zielkonflikte: Was ist eigentlich jetzt in der Gemeinde dran? Wohin wollen wir als Gemeinde? Es gibt Weg-Konflikte: Wie erreichen wir das Ziel, Menschen für Jesus zu gewinnen, Menschen in die Gemeinde zu integrieren, Menschen zu begleiten, alte Menschen, Familien, Kranke aber auch Mitarbeiter zu begleiten. Es gibt Werte-Konflikte: Darf ein Paar vor der Ehe zusammenziehen? Es gibt theologische Konflikte: Dürfen Menschen ohne Taufe Gemeindemitglieder werden?

Das Negative ist nicht der Konflikt, sondern wie wir damit umgehen! Ein Konflikt ist keine Sünde! Aber wir können im Konflikt sündigen! Menschen weichen Konflikten aus, weil sie Angst haben verletzt zu werden. Man wird nicht ernst genommen. Oder eine Beziehung hält einen Konflikt nicht aus. Man fürchtet persönliche Ablehnung.

Es gibt Sturköpfe, die meinen, auf jeden Fall Recht zu haben. Dickköpfe, die kompromisslos ihre Meinung durchsetzen. Es gibt Feiglinge, die hinterm Rücken reden. Habe ich auch erlebt: „Weißt du was die oder der in der Gruppe über dich gesagt hat?“ Das tut weh, wenn man dachte, eine gute Beziehung zu dieser Person zu haben. Es gibt sehr empfindliche Menschen: „Du hast mir wehgetan! Das werde ich nie vergessen.“ Und, vielleicht das Traurigste, es gibt Hass, Ablehnung, harte Urteile über andere. „Mit denen rede ich nicht mehr!“ habe ich nach einem Konflikt von einem aus der Gemeinde über andere in der Gemeinde sagen gehört. Sache und Person werden nicht unterschieden. Man fällt aus der Liebe und fühlt sich gut dabei. Man fühlt sich im Recht.

Genug davon. Das wissen wir alle: Menschen sündigen in Konflikten. Auch Christen können sehr ungeistlich werden. Man kann sich von Jesus trennen in Konflikten. Aber schlimmer ist es immer noch, Konflikte zu meiden. Wenn man Konflikte vermeidet, sie nicht offen angeht, entscheidet entweder die Tradition, dann bleibt alles wie es ist, oder es entscheidet der Stärkere, der die Macht hat. Er spricht das Machtwort. Darum jetzt also ein positives Beispiel. Wir finden es in der Bibel. Ich lese und Apostelgeschichte 15, 1-21

1 Damals kamen einige Christen aus Judäa nach Antiochia und erklärten den Brüdern: »Ihr könnt nicht gerettet werden, wenn ihr euch nicht beschneiden lasst, wie es das Gesetz Moses vorschreibt!« 2 Paulus und Barnabas bestritten das und hatten eine heftige Auseinandersetzung mit ihnen. Die Brüder beschlossen deshalb, Paulus und Barnabas und einige andere aus der Gemeinde nach Jerusalem zu senden. Sie sollten den Aposteln und Gemeindeältesten dort die Streitfrage vorlegen. 3 Paulus und Barnabas wurden von der Gemeinde feierlich verabschiedet. Sie zogen durch Phönizien und Samarien und erzählten überall in den Gemeinden, wie die Nichtjuden Jesus als den Herrn angenommen hatten. Bei allen Brüdern und Schwester lösten sie damit große Freude aus.

4 Als sie nach Jerusalem kamen, wurden sie von der ganzen Gemeinde und den Aposteln und Gemeindeältesten freundlich aufgenommen. Sie berichteten ihnen, was Gott alles durch sie unter den Nichtjuden getan hatte. 5 Aber einige von der Richtung der Pharisäer, die Christen geworden waren, standen auf und erklärten: »Man muss sie beschneiden und von ihnen fordern, dass sie das Gesetz Moses befolgen!«

6 Daraufhin fand eine weitere Versammlung statt: Die Apostel und die Gemeindeältesten traten zusammen, um vor der gesamten Gemeinde die Frage zu erörtern. 7 Als die Diskussion heftig wurde, stand Petrus auf und sagte: »Liebe Brüder,4 ihr wisst doch: Gott hat schon seit langem unter euch seinen Willen kundgegeben. Er hat entschieden, dass die Menschen der anderen Völker durch mich die Gute Nachricht hören und zum Glauben kommen sollten.

8 Und er, der ins Herz sieht, hat diesen Menschen ein gutes Zeugnis ausgestellt: Er hat ihnen genauso wie uns den Heiligen Geist geschenkt. 9 In keinem Punkt hat er einen Unterschied gemacht zwischen ihnen und uns. Sie sind rein, weil er sie durch den Glauben im Herzen rein gemacht hat. 10 Warum also fordert ihr Gott heraus und wollt diesen Menschen eine Last auferlegen, die weder unsere Vorfahren noch wir selbst tragen konnten? 11 Es ist doch allein die Gnade Gottes, auf die wir unser Vertrauen setzen und von der wir unsere Rettung erwarten – wir genauso wie sie!«

12 Aus der ganzen Versammlung kam kein Wort des Widerspruchs und alle hörten aufmerksam zu, als nun Paulus und Barnabas noch eingehender berichteten, was für Staunen erregende Wunder Gott durch sie unter den Nichtjuden vollbracht hatte. 13 Als die beiden geendet hatten, stand Jakobus auf und sagte: »Hört mir zu, liebe Brüder! 14 Simon hat uns gezeigt, wie Gott selbst von Anfang an darauf bedacht war, aus den Nichtjuden Menschen zu sammeln, die sein Volk sind und ihn ehren. 15 Das stimmt mit den Worten der Propheten überein, denn bei ihnen heißt es: 16 ›Danach werde ich mich euch zuwenden, sagt der Herr, und die verfallene Hütte Davids wieder aufbauen. Aus den Trümmern werde ich sie von neuem errichten. 17 Das werde ich tun, damit auch die übrigen Menschen nach mir fragen, alle Völker, die doch von jeher mein Eigentum sind. Ich, der Herr, werde tun, 18 was ich seit Urzeiten beschlossen habe.‹ 19 Darum bin ich der Ansicht, wir sollten den Menschen aus den anderen Völkern, die sich Gott zuwenden, nicht eine unnötige Last auferlegen.

Wir sollten sie nicht dazu verpflichten, das ganze jüdische Gesetz zu befolgen, 20 sondern sie nur in einem Schreiben auffordern, dass sie kein Fleisch von Tieren essen, die als Opfer für die Götzen geschlachtet worden sind, denn es ist unrein; weiter sollen sie sich vor Blutschande hüten, kein Fleisch von Tieren essen, deren Blut nicht vollständig ausgeflossen ist, und kein Tierblut genießen. 21 Denn diese Vorschriften Moses sind seit alten Zeiten in jeder Stadt bekannt; jeden Sabbat wird ja überall in den Synagogen aus dem Gesetz vorgelesen.«


Die gute Nachricht vorweg: Wir brauchen uns nicht beschneiden lassen! Und die zweite gute Nachricht: Die Einheit der Christen damals wurde in einer sehr schwierigen Frage gewahrt. Wie aber wurde die Entscheidung getroffen? Wie ist man miteinander umgegangen?

Barnabas und Paulus waren von ihrer Missionsreise zurück nach Antiochia gekommen, die große Stadt im heutigen Syrien, das zweite große Zentrum der Christen neben Jerusalem. Im Süden der heutigen Türkei waren viele zum Glauben gekommen. Darunter viele Heidenchristen. Auch in Antiochia gab es sie: Christen, die vorher keine Juden waren. Menschen aus anderen Völkern, anderen Religionen, die Jesus als den Herrn angenommen hatten.

Die Bekehrung der Heiden aber führte zu sehr großen Fragen. In Jerusalem hatte man von der Bekehrung der Heiden gehört: Müssen die Bekehrten sich beschneiden lassen? Sind nicht alle Christen auch Juden? Konnten diese Heiden außerhalb des Volkes Gottes Anteil an Gott haben, an Jahwe, dem Gott Israels? In Antiochia haben sie sich das erste Mal „Christen“ genannt, „die des Christus“, „die Christus gehören“. Sollten sie, wollten sie, konnten sie etwas anderes sein, neben Israel? Wie sah es aus es mit dem Alten Bund, mit dem Gesetz, mit den Geboten des Alten Testamentes?

Einige in Jerusalem hatten eine klare Meinung. Sie reisten nach Antiochia und lehrten die Christen, dass man sich beschneiden lassen muss, wenn man sich bekehrt hat und zur Gemeinde Jesu gehören wolle. „Sonst könnt ihr nicht gerettet werden!“ sagten sie. Die Beschneidung ist das Zeichen der Gotteskindschaft, älter als die zehn Gebote! Das kann doch nicht einfach wegfallen! Hier geht es am Ende um den ganzen Weg der Christenheit.

Es ist wichtig, Konflikte nicht zu scheuen!

Die Christen in Antiochia sagen ihre Meinung. Das ist die Voraussetzung für einen Konflikt. Zum Glück haben sie ihre Meinung gesagt! Und zum Glück wurden sie nicht einfach unterbuttert. Es wird diskutiert. Es wird heiß diskutiert. Es gab Streit in Antiochia. Einen „nicht geringen Streit“, schreibt Lukas. Muss man tun, was von Jerusalem kommt? Petrus war dort der große Mann, immerhin: Petrus! Der erste Papst ist er doch, oder? Darf man in Antiochia einen eigenen Weg gehen? Wie kann die Einheit der Gemeinde Jesu gewahrt werden? In Antiochia gab es Propheten und Lehrer, wissen wir aus Apostelgeschichte 13. Weder sie noch die Gemeindeleitung noch die Jerusalemer Gäste auch nicht Paulus und Barnabas entscheiden die Sache.

Es entscheidet weder einer alleine noch eine erwählte Gruppe.

Die Christen in Antiochia schicken eine Gesandtschaft nach Jerusalem, angeführt von Paulus und Barnabas. Diese Frage übersteigt die Kompetenz einer einzelnen Gemeinde. Da muss man sich abstimmen. Hier geht es um die Einheit der Christen über Antiochia hinaus.

Es entscheidet nicht eine Gemeinde alleine.

Die Gesandten von Antiochia aber wollen sich auch nicht einfach eine Entscheidung in Jerusalem abholen. Sie wollen argumentieren. Sie wollen ihre Sichtweise, ihre Erkenntnisdort zur Sprache bringen.

Es ist wichtig, seine Meinung zu sagen!

Eine kleine Notiz von Lukas ist noch interessant: Unterwegs besuchen die Brüder aus Antiochia andere Gemeinden in Phönizien und Samaria. Die Gemeinden hatten Kontakt untereinander. Man wusste voneinander, nutze solche Gelegenheiten. Auch die Christen in Phönizien und Samaria freuen sich über die Bekehrung der Heiden. Vielleicht gab es dort auch schon bekehrte Heiden. Die Frage der Beschneidung betrifft nicht nur die Gemeinde Antiochia.

In Antiochia also diskutiert die ganze Gemeinde. Wie wird es in Jerusalem sein? Lukas schreibt (V4): „Als sie in Jerusalem ankamen wurden sie empfangen von der Gemeinde und den Aposteln und Propheten.“ – Auch dort ist es keine Frage für die Spezialisten. Wieder erzählen Paulus und Barnabas ausführlich.

Alle Informationen müssen auf den Tisch. Volle Transparenz ist wichtig!

Auch Christen, auch Gemeindeleitungen, können taktieren. Die Entscheidung ist eigentlich schon gefallen. Die Gemeinde bekommt nur die Informationen, die die Entscheidung der Gemeindeleitung unterstützen. Eine offene Diskussion ist nicht erwünscht. Die Bundesleitung, die Bezirksleitung, der Pastor, der Jugendleiter will seine Entscheidung durchbekommen und hofft auf möglichst wenig Widerstand. Das macht eine Kirche, eine Gemeinde, eine Gruppe nicht mündig. Die anderen werden nicht ernst genommen. „Wissen ist Macht“ sagt man. Alle müssen alle nötigen Informationen bekommen, wenn sie mit denken und mit entscheiden sollen. Paulus und Barnabas erzählen ausführlich. Und dann geht in Jerusalem die Diskussion los.

Jeder kann seine Meinung sagen und findet Gehör.

Einige bekehrte Pharisäer reden als Erste. Nicht die Apostel, nicht die Ältesten! Daher ist es auch falsch, dieses Kapitel „Apostelkonzil“ zu nennen! (Meistens wird diese Versammlung so bezeichnet. Auch in meiner Lutherbibel steht „Die Apostelversammlung“.) Hier diskutieren und entscheiden nicht Apostel. Das ist eine große Gemeindeversammlung, eine „Bundeskonferenz“ könnte man sagen. (so die Bezeichnung der jährlichen Gesamtversammlung der Evangelischen-Freikirchlichen Gemeinden in Deutschland). Für die bekehrten Pharisäer ist die Sache klar: Man muss diese Heidenchristen beschneiden. Sie müssen das Gesetz halten. Nach einiger Diskussion ziehen sich die Apostel und Ältesten zurück, um über die Frage zu beraten (V6).

Die Verantwortlichen denken vor, entscheiden aber nicht.

Es kommt zu einem verschachtelten Miteinander des Leitungsgremiums und der Gemeindeversammlung. Die Apostel denken vor, beten darüber, überlegen vielleicht, was Jesus dazu sagen würde; die Apostel kannten ihn ja.Dann geht die Gemeindeleitung wieder vor die Gemeinde.

Petrus redet als erster (V7):

„Als die Diskussion heftig wurde, stand Petrus auf und sagte: »Liebe Brüder, ihr wisst doch: Gott hat euch seit langem seinen Willen wissen lassen. Er hat entschieden, dass die Menschen der anderen Völker durch mich die Gute Nachricht hören und zum Glauben kommen. Und er, der ins Herz sieht, er hat diesen Menschen ein gutes Zeugnis ausgestellt: Er hat ihnen genauso wie uns den Heiligen Geist geschenkt. 9 In keinem Punkt hat er einen Unterschied gemacht zwischen ihnen und uns. Sie sind rein, weil er sie durch den Glauben im Herzen rein gemacht hat. 10 Warum also fordert ihr Gott heraus und wollt diesen Menschen eine Last auferlegen, die weder unsere Vorfahren noch wir selbst tragen konnten?“

Petrus berichtet von seinen Erfahrungen. Er hat es auch erlebt, dass Heiden zum Glauben kommen. Und er hat erlebt, dass Gott zwischen ihnen und den Judenchristen keinen Unterschied macht. Er hat ihnen auch ohne Beschneidung und ohne das Gesetz des Mose den Heiligen Geist gegeben.

Und dann heißt es: „Es, es gefiel der ganzen Menge wohl!“ (ML) „Aus der ganzen Versammlung kam kein Wort des Widerspruchs und alle hörten aufmerksam zu!“ (GN) Nicht Macht und Amt entscheiden, sondern Argumente. Petrus überzeugt mit dem, was er sagt, nach langer Diskussion auch in Jerusalem. Direkt nach dem gelesenen Text in V22 heißt es: „Die Apostel und Ältesten beschlossen zusammen mit der ganzen Gemeinde!“

Danach - als sie schwiegen, schreibt Lukas noch einmal! - steht Jakobus auf. Er prüft oder bestätigt das, was Petrus gesagt hat, mit einem Wort Gottes, mit einem Wort aus den Heiligen Schriften: „Gott hat durch den Propheten Amos zu uns gesprochen:“

16 ›Danach werde ich mich euch (Israel) zuwenden, sagt der Herr, und die verfallene Hütte Davids wieder aufbauen. Aus den Trümmern werde ich sie von neuem errichten. 17 Das werde ich tun, damit auch die übrigen Menschen nach mir fragen, alle Völker, die doch von jeher mein Eigentum sind. Ich, der Herr, werde tun, 18 was ich seit Urzeiten beschlossen habe.“

Da werden auch die anderen Völker Gottes Eigentum genannt und er hat gesagt, dass er sie retten will. Auch Jakobus kommt zu dem Schluss: Das Gesetz ist den Juden gegeben, nicht den Heiden. Die Beschneidung ist das Zeichen der Zugehörigkeit zu Israel und zum Gesetz. Die Christen aber sind die, die Christus gehören aus Juden und aus Heiden.

Eins aber fügt Jakobus noch hinzu. Das wir dann auch entschieden: Die Heidenchristen sollen sich fernhalten von Fleisch von Götzenopfern Unzucht, also Ehebruch und Prostitution. Und von ersticktem Fleisch sagte man damals, von verendeten Tieren, in denen das Blut noch ist, von Tieren, die nicht nach jüdischer Ordnung geschächtet und ausgeblutet sind. Und vom Genuss des Blutes selber sollten sie sich fernhalten.

Das sind nicht die Hauptgebote aus den Heiligen Schriften! Das waren die Gebote, die man auch von den Freunden der Synagoge, den so genannten Proselyten einzuhalten forderte. Nein Jakobus begründet diese Liste: „Denn in allen Städten gibt es auch Synagogen.“ Schon diese Proselyten, die Freunde der Juden, die auch an Jahwe glaubten, sich aber nicht beschneiden lassen wollten, auch sie brauchten nicht das ganze Gesetz zu befolgen. Um der Juden willen, um ihres Gewissens willen, sollen die Proselyten   und   nun auch die Heidenchristen darauf verzichten. Eine Rücksichtnahme auf die Juden wird gefordert, damit sie nicht vor den Kopf gestoßen werden.

Die Apostel und Ältesten schreiben einen Brief an alle Gemeinden. Heiden, die Christen werden, brauchen nicht beschnitten werden. Ihnen wird nicht das ganze Gesetz auferlegt. Einige Dinge aber sollen sie beachten. Was die Heiden beachten und worauf sie verzichten sollen ist kein neues Gesetz. Sonst dürften WIR kein einziges Produkt von einem normalen deutschen Metzner verzehren. Schon in Korinth und in Rom wird wenige Jahre später wieder diskutiert, ob Christen nicht doch Opferfleisch essen dürfen. Das gab wieder einen Konflikt. Einen nötigen Konflikt in einem religiös und kulturell ganz anderen Umfeld. Korinth, das war nicht Antiochia und nicht Jerusalem. D a ist vielleicht eine andere Antwort nötig. (1. Kor 8) Die Apostel und Ältesten machen ihre Entscheidung nicht zu einem Gesetz. Das darf auch noch einmal diskutiert werden. Später. Das darf sich weiter entwickeln.

Das menschliche Urteil wird nicht mit Gottes Wort gleichgestellt.

Jakobus hat mit anderen Worten in Jerusalem gesagt: „Das war schon immer so. Das ist in allen Synagogen so!“ Und in Korinth sagen sie einige Jahre später: „Bei uns war das nie so und soll nicht gelten. Wir befragen den Entschluss von damals kritisch!“ – In Korinth gab es viele Christen, die Fleisch gegessen haben, das vorher Götzen geopfert wurde.

Es gibt gute Entscheidungen für eine Zeit, die keine Entscheidungen für die Ewigkeit sind.
Auch frühere Entscheidungen dürfen kritisch geprüft werden.

Wenn es anders wäre, wie gesagt, dürften wir Christen heute bei keinem normalen deutscher Metzger unser Fleisch kaufen: die Tiere sind nicht voll ausgeblutet, nicht geschächtet worden. Im weiteren Verlauf in Apostelgeschichte 15 wird der Brief an alle Gemeinden dann zitiert. Mit einer Formulierung darin will ich schließen: „Es gefällt uns und dem Heiligen Geist euch weiter keine Last aufzulegen!“ (V 28) schreiben die Absender.

Das ist das Ziel. Darum geht es bei solchen Konflikten in der Gemeinde. Was will der Herr der Gemeinde? Wo hören wir seinen Geist? Was uns gefällt kann absolut falsch sein. Auch Mehrheitsentscheidungen können falsch sein. Die Frage ist: Haben wir auf Gott gehört? Haben wir gebetet und überlegt, wo Gottes Geist uns hinhaben will? Haben wir Jesus unser Vertrauen und unseren Gehorsam gezeigt in dieser Frage? Was uns gefällt muss Gottes Geist deshalb noch lange nicht gefallen.

Konflikte gehören zum Leben und wir dürfen sie um Gottes Willen nicht scheuen! Und er schenke es uns, dass wir dann immer wieder auch sagen dürfen – nicht mit Sicherheit aber mit einer inneren Gewissheit: „Es gefällt uns und dem Heiligen Geist“ so zu entscheiden.

Amen.



 
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