2. Korinther 5, 1-10 Ein ewiges Haus im Himmel (Ewigkeitsssonntag)

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg 26.11.2017
– Ewigkeitssonntag – Norbert Giebel

2. Korinther 5, 1-10 „Ein Haus im Himmel!“

1 Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. 2 Denn darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, dass wir mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden, 3 weil wir dann bekleidet und nicht nackt befunden werden. 4 Denn solange wir in dieser Hütte sind, seufzen wir und sind beschwert, weil wir lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden wollen, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben. 5 Der uns aber dazu bereitet hat, das ist Gott, der uns als Unterpfand den Geist gegeben hat. 6 So sind wir denn allezeit getrost und wissen: Solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn; 7 denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. 8 Wir sind aber getrost und begehren sehr, den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem Herrn. 9 Darum setzen wir auch unsre Ehre darein, ob wir daheim sind oder in der Fremde, dass wir ihm wohl gefallen. 10 Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeder empfange nach dem, was er getan hat im Leib, es sei gut oder böse.

Liebe Gemeinde am Ewigkeitssonntag,

da drüben wohnen sie, die beiden Alten. Sie haben dort immer gewohnt. Vor 80 Jahren wurde der Mann in diesem Haus geboren. Damals sag ich euch ging es herrschaftlich zu in diesem Haus. Kastanienbäume standen im Garten. Dienstboten benutzten einen Extraeingang. In der ersten Etage wohnte der Geheimrat. Im Obergeschoss logierte ein Oberstudienrat. Dann kam der Krieg. Dieses Haus hat Schreckliches gesehen. Es wurde in den Grundfesten erschüttert! Und blieb doch stehen. Stürme gingen darüber hinweg. In den fünfziger Jahren musste der Vorgarten hergegeben werden, weil die Straße verbreitert wurde. Der Lärm wurde unerträglich. Mieter zogen aus. Jetzt sind die beiden mit dem Haus alt geworden. Das Haus ist heruntergekommen: Durch einige Fenster pfeift der Wind. Das Dach ist nicht mehr ganz dicht. Das alte Ehepaar ist bedrückt. Nicht, weil sie keinen Aufzug haben, nicht weil sie Kohlen schleppen müssen. Auch nicht, weil sie als Einzige noch in dem großen Haus wohnen. Nein: Es liegt ein Schreiben vor, mit amtlichen Briefkopf, dass ihr Haus im Januar abgerissen werden soll. Das Haus steht im Sanierungsgebiet. Andere Häuser um sie herum hat es schon getroffen! Planierraupen werden kommen. Irgendwann musste es kommen. Der Abschied steht bevor von ihrem alten Haus. Es war eine Frage der Zeit, wann sie gehen mussten. Aber sie haben keine neue Heimat. Bisher haben sie vergeblich gesucht. Sie müssen gehen und wissen nicht wohin. Das ist ihr Schmerz.

Wer sind die beiden Alten? Ich bin es und du bist es. Jeder von uns ist es. Unser Leben gleicht einem Haus, in das wir geboren werden. Vielleicht sieht in jungen Jahren alles herrlich aus. Aber jedes Haus wird vom Leben gezeichnet. Jedes Haus muss Stürme aushalten. Wehmütig blickt man vielleicht zurück: Früher ging es hoch her. Was waren das für Zeiten, als ich jung war! Die Welt lag mir zu Füßen. Freunde besuchten uns und wir besuchten sie. Wir konnten reisen. Feiern.

Dann kam der Krieg. Manches ist kaputt gegangen an unserem Lebenshaus nie wieder zurückzuholen. Dann kam die erste Krankheit, dann der erste Einbruch im Leben. Wie durchs Eis gebrochen ins eiskalte Wasser. Dann wurde es einsamer. Die Kinder zogen aus, Freunde zogen weg, oder sie starben. Die Lebenskreise werden immer kleiner. Immer mehr ist man angewiesen auf Hilfe, Ärzte, Medikamente, auf die Familie, wenn es denn eine gibt.

Altwerden kann man nicht üben. Da gibt es keine Generalprobe. Da muss man durch und hat irgendwann das Gefühl, immer mehr ausgezogen zu werden, immer mehr zu verlieren, an Würde, an Freiheit, an Selbstbestimmung. Altwerden ist kein Zuckerschlecken. Und dann steht der Abschied bevor. Das Haus ist gekündigt. Man muss gehen und weiß nicht wann. Wer hat eine neue Heimat? Wer weiß wohin?

Meins und deins, alle Lebenshäuser stehen auf Sanierungsgebiet. „Wir wissen, dass diese unsere irdische Hütte abgebrochen wird!“ schreibt Paulus. Dass unser „Zelt“ abgebrochen wird, kann man übersetzen. Dieses Leben ist ein „Zeltplatz“. Wir sind alle Camper. Und die Stürme treffen nicht nur die alten Zelte! Manche Zelte werden schon in jungen Jahren abgerissen. Sie waren doch noch mitten im Aufbau! Und schon waren sie weg! Der Tod ist kein Freund. Er schneidet ein. Er zerreißt. Der Tod gibt keine Antwort. Er lässt uns mit Fragen zurück. Das Alter ist nicht gerecht und der Tod ist es auch nicht.

(1.) Wir alle müssen sterben. Ohne das Bild von der Hütte ist das die erste Aussage des Paulus.

(2.) Aber die eigentliche Aussage, auf die es ihm ankommt, ist, dass Gott uns ein Haus gebaut hat. Wir sind nicht ohne Heimat, wenn wir sterben müssen. „Wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.“

Das hat Paulus sich nicht ausgedacht. Er bezieht sich auf ein Wort Jesu selbst. Jesus hat gesagt: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen: Wenn es nicht so wäre, hätte ich dann zu Euch gesagt, ich gehe hin, um euch die Stätte zu bereiten?“ (Johannes 14,-12) Wir wissen wann, auch nicht die Umstände unseres Sterbens, aber wir wissen, wohin wir umziehen, zu wem wir umziehen.

Letzte Woche hörte ich von einem Vater, der schon sehr früh angefangen hat, für seine Kinder in eine freiwillige Rentenversicherung einzuzahlen. Er wollte, dass seine Kinder keine Angst vor Armut im Alter haben müssen, egal wie das Leben spielt. Die Kinder sind noch lange nicht im Rentenalter, aber der Vater hat vorgesorgt. So hat Gott für uns vorgesorgt. Für die Ewigkeit. Er hat ein besseres Haus für uns bereit. Ein Haus, das nicht vergeht. Bezugsfertig. Alles ist bezahlt! Und da brauchen wir nie wieder auszuziehen.

„Darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, dass wir mit unserer Behausung vom Himmel überkleidet werden.“ (V1) „Wir hätten Lust, den Leib zu verlassen, und zuhause zu sein, bei dem Herrn sein.“ Schreibt Paulus (V8).

Paulus sehnt sich nach dem Himmel, nach dem Leben in Gottes Reich. Er will mehr von dem, was er hier schon durch den Heiligen Geist erlebt. Er durchschaut dieses Leben mit all seiner Vergänglichkeit und er will das ewige Leben. Von dem Maler Michelangelo ist ein Gespräch mit einer Gräfin überliefert. "Nun bin ich 84 Jahre alt und ich hoffe, dass mein Herr mich bald heimholt!" meinte der große Maler. "Seid ihr lebensmüde?" soll die Gräfin gefragt haben. "Nein, ich bin lebenshungrig!" sagte Michelangelo.

Viele Menschen leben so, als wäre dieses Leben „das Beste, was ihnen passieren könnte“. Das stimmt nicht. Dieses Leben ist nicht der Himmel. Dieses Leben istvon Tod und Unrecht gezeichnet. „Das Beste kommt noch.“ Das ewige Leben ist nicht die schlechtere Alternative zu diesem Leben, sodass wir hier noch möglichst viel herausholen müssten. Als Siegfried Lenz gestorben war schreibt sein Schriftstellerkollege Martin Walser: „Da denke ich: Warum er und nicht ich? Eine Spur von Neid“ (kommt bei mir auf)“

Alles Leben hier ist Fragment. Teilweise gut, teilweise gelungen, manches ganz zerbrochen, anderes hat Risse, aber dann wird es ganz vollendet! Gottes Geist ist der Unterpfand, schreibt Paulus. Er ist Gottes Anzahlung und der Garant, den wir haben. Gottes Geist lässt uns schon schmecken, was dann kommen wird. „Aber wir leben im Glauben und noch nicht im Schauen!“ schreibt Paulus.


Strittig, aktuell, von großem Interesse war in Korinth die Frage nach der leiblichen Auferstehung.

An eine Existenz nach dem Tod glaubten damals sehr viele Menschen. Jeder Mensch hat eine Seele und die Seele lebt weiter, dachte man. Das „eigentliche wahre Leben“ findet nicht auf dieser sichtbaren Welt statt. Das wahre ewige Leben ist unsichtbar. Ohne Gestalt. Aber auch ohne Personen, ohne Gesicht. Gott wurde als der Urgrund allen Seins verstanden. Gott war „das Sein selbst“. Gott war das „reine ewige Licht“ und in jedem Menschen sei ein göttlicher Funke. Das sei seine Seele. Alle Lichtfunken, alle Strahlen, alle Seelen kehren am Ende wieder zu dem einen Licht zurück und gehen in ihm auf, verschwinden, verglühen in ihm.

Nach dem Tod gäbe es kein ICH und kein DU mehr und auch keinen Leib, keinen Körper. Der Leib sei das Gefängnis der Seele. Der Leib stirbt. Er hört auf. Und es gibt auch keinen neuen. Endlich würde der Tod die Seele von allem Leiblichen „entkleiden“ und sie würde in Gottes ewiges Sein und Licht zurückfließen. Die entscheidende Frage war darum in Korinth: „Gibt es eine leibliche Auferstehung?“

Christen glauben nicht, dass es irgendwie weitergeht. Wir werden ewig bei Jesus leben, im Haus des Vaters, in Gemeinschaft mit ihm: Das ist das christliche Bekenntnis. Christen glauben an die Auferstehung des Leibes. Darauf liegt auch hier der Ton, wenn Paulus schreibt, „wir werden nicht nackt bleiben, sondern vom Himmel überkleidet werden.“ Wirklich ICH und wirklich DU werden vor Jesus stehen. Wer hier in einer Beziehung mit Jesus lebt, der wird auch dort in Beziehung zu ihm leben. Wir gehen nicht in ein ewiges Sein auf, wie Cappuccino Pulver im heißen Wasser. Unsere Identität „löst sich nicht auf“. Wir bleiben Person. Gott will in Gemeinschaft leben. „Ich werde Euch wiedersehen!“ hat Jesus gesagt.

"Unser jetziger Körper ist nicht der Auferstehungsleib!" schrieb Paulus schon in seinem ersten Brief nach Korinth. "Unser Körper ist das Saatkorn, aber nicht die Frucht." Die Frucht ist ganz anders wie die Saat: "Es wird gesät verweslich. Es wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit. Es wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit. Es wird auferstehen in Kraft. Es wird gesät ein Leib des Fleisches. Es wird auferstehen ein Leib in der Kraft des Geistes."

Was das für ein Leib ist, können wir uns nicht vorstellen. Vor einiger Zeit gab es in einem Fernsehmagazin einen Beitrag, ob ein Leben auf dem Mars vorstellbar sei. Was ich behalten habe ist das Stichwort "exotische Chemie". Exotisch wurde gesagt, bedeute so viel wie "außerhalb des Gewohnten", "außerhalb des Seienden". Man kann es Chemie nennen, aber es ist etwas ganz anderes als wir heute von Chemie verstehen. Wenn es Chemie auf dem Mars gibt, dann ist sie „exotisch“. In diesem Sinn werden wir „exotische Körper“ haben: Ganz anders als das, was wir jetzt als Körper kennen. Unser Leib wird verwandelt. Wie eine Raupe zu einem Schmetterling. Wenn wir sterben, werden wir nicht nackt sein, nicht ohne Kleider, nicht ohne Leiber. Wir werden „überkleidet werden“ und „das Sterbliche wird verschlungen werden vom Leben“.

  1. Wir werden alle sterben.
  2. Gott hat uns ein Haus gebaut.
  3. Wir werden einen neuen Leib haben.

Und ein Letztes noch: 4. Diese Hoffnung soll unser Leben verändern!

Wie lebt man in dieser vergänglichen, ungerechten Welt mit der Hoffnung auf die kommende Welt? Paulus redet nicht von den letzten Dingen, ohne Bezug auf unser Leben. Die Hoffnung, die wir haben, soll unser Leben verändern. Sie soll unser Leben bestimmen. Wir werden alle einmal vor dem Richterstuhl Christi erscheinen. Da wird unser ganzes Leben noch einmal beleuchtet werden. Auch unser Unrecht, wo wir lieblos waren, egoistisch, wo wir nur unseren Vorteil im Leben gesucht haben, wo wir gelogen und betrogen haben: Alles wird dann sichtbar werden. Es wird uns nicht vernichten, wir sind aus Gnade gerettet, aber es wird uns wehtun. Wir werden uns schämen. Gott wird es bewerten, er wird es strafen und lohnen, was wir getan haben. Wo Gott sich in unserem Leben jetzt schon zeigen kann, wo Gottes Geist durch uns wirken kann, wo Gottes Liebe an uns sichtbar wird, das wird bleiben und da wird unser Lohn sein.

Paulus konnte auch an sich selbst sehen, wie das Leben an ihm zehrt. Er war krank, chronisch krank. Seine Glieder zuckten. Er konnte keine eigene Zeile mehr schreiben. Er hat Gefängnisse von innen gesehen. Vielleicht sehnt er sich auch deshalb so nach dem vollendeten Leben bei Gott!? Seine Sehnsucht nach der ewigen Heimat bei Gott führt nicht dazu, dass er nicht mehr ganz auf dieser Welt lebt.

Zwei Sätze schreibt er, wozu es führen soll, dass wir diese Hoffnung haben: (1) Darum sind wir allezeit getrost! Wir sind nie ohne halt. Wir sind nie ohne Hoffnung. Wir sind nie ohne Zukunft. (2) Darum setzen wir unsere ganze Ehre darein, dass wir ihm gefallen, wo immer wir auch leben.

Stellen sie sich einmal vor, ab einem bestimmten Zeitpunkt hat nur noch eine einzige Währung wert. Alles andere zählt nicht mehr. Nehmen wir einfach mal das Britische Pfund. (Vielleicht haben wir es ja bald wieder.) Ab irgendeinem Moment zählt auf der ganzen Welt nur noch das britische Pfund. Das Vertrackte dabei: Niemand weiß, ab wann das ist! Und ab dem Moment kann man keine anderen Währungen mehr eintauschen. Was würde man tun? Jeder, der an seine Zukunft denkt, würde sich möglichst viele Pfund beschaffen und zurücklegen. Nur für das Nötigste würde er Geld in der eigenen vertrauen Währung behalten.

Irgendwann zählt nur noch eine Währung: Wo Jesus dich beschenken konnte im Leben. Und wo Jesus dich gebrauchen konnte im Leben. Wo du ihm alle Ehre gegen hast im Leben.

Wir müssen alle sterben.

Gott aber hat vorgesorgt.

Unser Haus ist schlüsselfertig.

Das wird herrlich werden.

Wir werden einen exotischen Körper haben.

Der Heilige Geist ist Gottes Anzahlung schon heute.

Darum sind wir allezeit getrost.

Und wir setzen unsere ganze Ehre darein, ihm zu gefallen.

Amen.

Die Einstiegsgeschichte mit den beiden Alten im alten Haus habe ich übernommen von Konrad Eißler.
Die veröffentlichte Quelle ist mir jedoch leider nicht bekannt.

 
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