Offenbarung 5, 1-5 (und 6-14) Wem gebührt Anbetung?

mp3Predigt zum Anhören

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
1. Advent, 03.12.2017
Pastor Norbert Giebel

Offenbarung 5, 1-5 (und 6-14) “Wem gebührt die Anbetung?“

 

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt? Von wegen! In der Welt geht es dunkel zu:

Johannes sitzt fest auf der Insel Patmos. Die Römer hatten ihn verbannt dorthin. Für ihn ist Patmos eine Insel ohne Wiederkehr. Und Johannes sieht Großartiges auf dieser Insel. Nicht das Meer und nicht die Palmen. Gott lässt ihn in den Himmel sehen. Gott zeigt ihm verborgene Zusammenhänge. Gott hilft ihm verstehen, was in der Welt passiert und sagt ihm, was noch kommen wird.

Und Johannes schreibt ein großartiges Trostbuch an sieben Gemeinden in der heutigen Türkei. Kaiser Dominitian in Rom hat eine schreckliche Verfolgung der Christen losgetreten. Von 81-96 nach Christi Geburt war er Kaiser. Er hat sich als Gott verehren lassen. „Herr und Gott“ war sein Titel. „Vollkommener Gott“ ließ er sich nennen. Jupiter sei sein himmlischer Vater. Aus ihm sei er geboren, behauptete Dominitian. Für die Christen wurde er zu einem Ungeheuer, einem schrecklichen Tier aus dem Abgrund, ein Werkzeug des Teufels.

Dominitian wollte mit der Verehrung seiner Person sein Reich einen. Er sollte der eine Herr sei, dem alle dienen. „Kyrios“, Herr der Welt, ließ er sich nennen. Jeder sollte weiter seine Götter verehren, aber jeder sollte auch vor Dominitian auf die Knie gehen, auch Dominitian anbeten, mehr nicht. Für die Christen undenkbar. Viele Christen wurden getötet, weil sie den Kniefall vor einer Kaiserstatue nicht vollzogen. Sie wollten nicht Christus und Dominitian anbeten.

Johannes muss den verfolgten Christen verschlüsselt schreiben, in Bildern reden, Symbole verwenden, Visionen weitergeben, die Gott ihm schenkt. Johannes wird zum Seher. Und er sieht Großartiges, Trostvolles für die verfolgten Christen seiner Zeit. Er beginnt sein Buch mit einem Gruß an die sieben Gemeinden in Kleinasien. Dann schreibt er an jede dieser sieben ein Sendschreiben (Kap. 2-3) . Und dann beginnt seine große Vision vom Thronsaal Gottes Kap 4):

Als Allererstes, bevor Gott ihm weitere Blicke in eine verborgene Welt eröffnet, als Allererstes soll er wissen, wer der Herr ist! Als Allererstes soll er wissen, wer wirklich anzubeten ist. Der Heilige Geist ergreift Johannes und plötzlich steht er mitten im Thronsaal Gottes. Einer wie aus Jaspis sitzt auf dem Thron. Das kräftiges warmes Rot dieses Edelsteines bildet die Mitte. Ein Regenbogen wie aus Smaragd umspannt den Thron. Hell leuchtendes Grün. Der Regenbogen ist das Zeichen des Bundes Gottes: Gott bleibt seiner Welt treu! Helles buntes Licht umstrahlt den Thron. Bei Gott geht es bunt zu.

24 Throne sieht Johannes um Gottes Thron herum. Darauf 24 Älteste. Doppelt so viele, wie es Stämme in Israel hat. Jeder der 24 trägt eine Krone. Blitze und Donner gehen von Gottes Thron aus. Gott ist nicht harmlos. Er glüht. Von hier aus das Gericht über die Welt. Vier überaus mächtige himmlische Gestalten stehen nahe am Thron. Eine Gestalt sieht aus wie ein Löwe, eine andere wie ein Stier, eine dritte wie ein Mensch, die vierte wie ein Adler. Jedes dieser Vier hat vier Flügel. Und jedes von Ihnen hat überall am Körper Augen. Und alle vier rufen „Heilig, heilig, heilig ist Gott der Allmächtige, der da war, der da ist und der da kommt!“

Auch die Ältesten fallen immer wieder auf die Knie. Ohne Aufhören beten sie den in der Mitte an. Sie legen ihre Kronen auf die Erde. Nur ihm gebührt die Anbetung. Ihm allein gehört alle Macht und Ehre. „Herr, unser Gott, du bist würdig zu nehmen Preis und Ehre und Kraft, denn Du hast alle Dinge geschaffen (...)!“ singen sie.

Immer, wenn wir Gott anbeten, stimmen wir in den Lobgesang des Himmels ein. Dort wird er ohne Aufhören angebetet. Gott allein gebührt die Anbetung! Das ist die Botschaft an die bedrängten Christen. Und jetzt kommt unser Predigttext (Off. 5, 1-5):

1 Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, beschrieben innen und außen, versiegelt mit sieben Siegeln. 2 Und ich sah einen starken Engel, der rief mit großer Stimme: Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen? 3 Und niemand, weder im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde, konnte das Buch auftun noch es sehen. 4 Und ich weinte sehr, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch aufzutun und hineinzusehen. 5 Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegel.

Die ganze Aufmerksamkeit gilt jetzt einem Buch, eigentlich einer Buchrolle. Der auf dem Thron hat es in der rechten Hand: Das ist die Hand, mit der er regiert! Die Hand mit der er handelt. In der Buchrolle steht geschrieben, was Gott tun wird! Das Papyrus der Buchrolle ist über und über beschrieben, von beiden Seiten. Hier findet man die ganze Geschichte bis zu ihrem Ende aufgeschrieben. Kein Zentimeter Platz wird verschenkt.

Ein starker Engel steht auf. Mächtig, imposant, ihm traut man alles zu. Aber der Engel ruft: „Wer ist würdig dieses Buch zu öffnen?“ Niemand rührt sich. Die 24 Ältesten nicht. Die vier mächtigen Gestalten nicht. Was hier in diesem Buch steht, ist auch ihnen verborgen. Auch sie sind nicht würdig, die Geschichte Gottes mit dieser Welt freizusetzen.

In Griechenland oder in Rom war es üblich, Testamente zu versiegeln; tatsächlich auch mit mehreren Siegeln. Wenn der Erblasser verstorben war wurden die Siegel von Bevollmächtigten geöffnet und ab dem Moment trat in Kraft, was auf der Testamentsrolle verzeichnet war. So können wir es uns hier auch vorstellen: Gott hat etwas verfügt, wie es mit der Welt weitergehen soll, aber keiner ist würdig, die Siegel zu öffnen. Darum weint Johannes. Gottes Ratschluss kann nicht vollzogen werden. Zu groß ist das Leid, zu quälend die Fragen, zu drängend die Sehnsucht. Weiß denn niemand, was dieses Leiden soll, wie es weitergeht? Wann wird Gott eingreifen? Wann wird seine Herrschaft sichtbar? Wie viele Christen müssen noch sterben? Wer legt dem Antichristen Dominitian das Handwerk?

                                                                                                                        

Da kommt einer der Ältesten zu Johannes: „Weine nicht! Sieh doch, der Löwe aus dem Stamm Juda hat gesiegt, die Wurzel Davids, er ist würdig das Buch und seine sieben Siegel zu öffnen.“ Der Älteste redet vom Messias. Keine Frage. Wie so oft in der Offenbarung spielt Johannes auf bekannte Bibelstellen an: Jakob, der Vater Israels, er hatte seine 12 Söhne gesegnet und zu seinem Sohn Juda hatte er gesagt: „Du bist ein junger Löwe! Das Zepter wird nie von dir weichen. Du wirst herrschen bis der Held kommt, dem alle Völker anhängen!“ (1. Mose 49, 11) Und der Prophet Jesaja, er hatte auch ein Bild gesehen: Aus der „Wurzel Davids“, aus dem Baumstumpf des Davidhauses wird ein neuer grüner Zweig sprossen. Und dieser neue Zweig wird die ganze Welt richten! (Jesaja 11,1-2)

Die Christen damals werden sofort verstanden haben, wen Johannes mit dem Löwen meint: Der König kommt! Der König Davids! Der Löwe Juda betritt den Thronsaal. Er hat diese Welt in der Hand. Er ist würdig, die Siegel zu öffnen. Mit ihm wird Gottes Geschichte mit dieser Welt neu starten.

Wir lesen noch ein Stück weiter in der Thronvision: (V6-14)

6 Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Wesen und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande. 7 Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß. 8 Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Wesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen, 9 und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen 10 und hast sie unserm Gott zu einem Königreich und zu Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden.

11 Und ich sah, und ich hörte eine Stimme vieler Engel um den Thron und um die Wesen und um die Ältesten her, und ihre Zahl war zehntausendmal zehntausend und vieltausendmal tausend; 12 die sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob. 13 Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! 14 Und die vier Wesen sprachen: Amen! Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.

Der Löwe ist ein Lamm! Ohne Reißzähne. Ohne Krallen! Ein König ohne Waffen, ohne Gewalt. Er ist ein Lamm und er trägt tödliche Wunden. Es sieht aus, wie geschlachtet, aber es lebt! Und doch hat das Lamm alle Insignien der Herrschaft. Seine sieben Hörner stehen für unendliche Kraft. Seine sieben Augen stehen für unendliches Wissen. Und sieben Geister sendet es in alle Welt. Dieses Lamm weiß alles, es hat alle Macht und es ist allgegenwärtig.

Als Jesus auf einem Esel nach Jerusalem hineinritt, auf dem Reittier der armen Leute, da jubelte die Menge: „Hosianna, gelobt sei, der da kommt, der Sohn Davids!“ Und sie hatten Recht! Gottes Herrschaft kommt nicht hoch zu Ross. Gottes König wird in keinem Palast geboren. Gottes Sohn liegt im Futtertrog in Bethlehem. Er tritt nicht stark auf, sondern dienend. Er leidet mit und er trägt unsere Leiden. Er ist das Lamm, das geopfert ist.

Nein, die angefochtenen Christen erwarten keinen König, der mit dem Schwert kommt, der mit weltlicher Macht die Bösen dieser Welt, die Dominitians, die Leiden dieser Welt verjagt. – Noch nicht. Auch das wird kommen. Auch das sieht Johannes noch zu einem späteren Zeitpunkt. – Mit einem Lamm als König kann man nicht in den Krieg ziehen. Wir haben einen König, der selber gelitten hat, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird. Vielleicht ist das auch schon ein Trost für die Christen in Not, denn dieser König, das Lamm, hat die Welt überwunden. Er hat das Böse besiegt und den Weg zu Gott frei gemacht.

Johannes sieht, wie das Lamm auf den Thron zugeht. Dann nimmt es, empfängt es das Buch aus der rechten Gottes. Da fallen alle Ältesten und die vier Gestalten auf die Knie. Und sie singen ein neues Lied: „Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen. Du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen aus allen Stämmen und aus allen Völkern zu Gott gebracht!“ (V9-10)

Und jetzt wird das Lamm angebetet. Alle fallen vor dem Lamm nieder. Die 24 Ältesten, die immer wieder vor dem Thron Gottes auf die Knie gingen um anzubeten, sie fallen jetzt immer wieder vor dem Lamm auf die Knie. Sie singen noch eine zweite Strophe. Vorher aber kommen Tausende Engel dazu. Der ganze Himmel betet das Lamm an: „Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre, Lobpreis und Anbetung!“ (V12)

Und bei der dritten Strophe singt die ganze Schöpfung mit (V13): „Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Lobpreis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ Und die vier Gestalten, die aussahen wie ein Löwe, wie ein Stier, wie ein Mensch und wie ein Adler, die übersäht waren mit Augen am ganzen Körper, und die 24 Ältesten mit ihren Kronen, alle fielen nieder und sagten: „Amen!“

Millionen von Menschen beten Dominitian an. Sie gehen vor dem römischen Kaiser auf die Knie. Sie schwören ihm ihre Treue. Millionen und Abermillionen Engel und Wesen im Himmel aber beten den an, der auf dem Thron sitzt, und das Lamm. Dem Löwe, der ein Lamm ist, ihm hat Gott alles übergeben. Er ist der Herr. Er allein. Egal wer oder was noch alle Ansprüche stellt auf dieser Welt. Das Lamm hat eine ganz neue Welle der Anbetung ausgelöst. Wer Gott und seinen Christus anbetet, stimmt mit dem Himmel ein, denn da wird Christus schon jetzt ohne Aufhören gelobt.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt? Ja. Ein Lichtlein brennt. Ein gewaltiges Licht brennt. Das Dunkel dieser Welt wird nicht ausgelöscht. Aber wir haben einen Herrn im Himmel, der selber gelitten hat. Auch er war nicht stark, war kein Held. Aber er hat das Dunkel überwunden.

Ein Licht hat er uns schon jetzt angezündet hier für unser Leben. Aber dann einmal, wenn er wiederkommt, dann wird alles hell und wir dann werden den ganzen Himmel singen hören und mit ihm alle Geschöpfe dieser Erde: „Dem auf dem Thron und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Alle Engel und die Ältesten fielen nieder und beteten an. Und die vier Wesen sprachen: Amen!

 
Zum Anfang