Jesaja 40, 1-8 "Tröstet mein Volk!"

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Evangelisch-Freikirchliche-Gemeinde (Baptisten) Kassel-Mönchebergstraße

2. Advent 10.12.2017

Jesaja 40, 1-8     Tröstet mein Volk!

1 Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott. 2 Redet mit Jerusalem freundlich und prediget ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; ... denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des HERRN für alle ihre Sünden.  3 Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! 4 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; 5 denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat's geredet. 6 Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde.7 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! 8 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.

Liebe Gemeinde,
„Advent - das ist gute Nachricht für schlechte Christen" habe ich in einer Predigt gelesen. (www.bezirksreiter.de/Predigt/Jes4001.htm) Natürlich sollen sich auch „gute Christen“ im Advent freuen, aber Advent ist besonders eine gute Nachricht für schlechte Christen: Christen, die gar nicht perfekt sind. Christen, bei denen nicht alles glatt läuft. Christen, die sich von Gott entfernt haben. Christen, die sich im Leben verlaufen haben, die viele Sünden aufgehäuft haben: Für sie gilt diese Botschaft besonders: „Tröstet, tröstet mein Volk. Redet mit Jerusalem freundlich.“

Gott denkt realistisch von uns. Er weiß, wie tief wir fallen können. Selbst die Frömmsten. Gott weiß, wie viel Böses in uns schlummert. Er weiß, was wir verstecken. Gott sieht hinter die frommen Fassaden. Da findet er Stolz. Empfindlichkeiten. Begehren. Neid. Schlechtes Denken und Reden über andere. Böses Verurteilen. Das sind ja noch Sünden, die wir zum Teil selbst aneinander wahrnehmen. Gott aber kennt auch das verborgene Böse. Er weiß, wem wir wirklich dienen im Leben. Er weiß, was wir tun, wenn keiner zusieht. Er sieht, was wir alles verdrängen, wo wir selbst ihn nicht heranlassen, und wir krank unser Leben darum ist.

Trotzdem sagt Gott: "Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des Herrn für alle ihre Sünden."

Israel hatte sich weit entfernt von Gott. Sie haben treu ihre Gottesdienste besucht, sie haben ihre Opfer gebracht. Den Tempel verehrten sie. Aber der, dem der Tempel gehört, er hatte in ihrem Leben, wie sie lebten, was sie taten, keine Rolle mehr gespielt. Sie hatten sich Götzenbilder geschaffen. Der Wohlstand war ihnen zu Kopf gestiegen. Der Mammon war ihr Gott geworden. Reiche Frauen haben sich mit teuerstem Schmuck behangen. Jahrelang hätte eine arme Familie davon leben können. (Der Prophet Amos kritisierte den kostbaren Schmuck der Frauen.) Arme, Witwen, Waisen, Fremde waren arm dran im reichen Israel.

Nicht, dass Gottes Volk es nicht besser gewusst hätte: Immer wieder hatte der Herr ihnen seine Propheten geschickt, die sie an Gottes Wort erinnerten und sie warnten. Es half alles nichts: Gottes Volk lebte, als hätte es nie Gottes Wort gehört. Es verharrte auf seinem gottlosen Weg. Nie würden sie sagen, dass sie nicht an Gott glauben würden. Aber sie haben Gott zu einer Fußnote in ihrem Leben gemacht. Gott gab es nur noch „im Kleingedruckten“. Im eigentlichen Text ihres Lebens hatte er nichts zu suchen.

Darum hat Gott sie gestraft. Die Babylonier haben Jerusalem zerstört. 587 vor Christus. Das Volk wurde nach Babel verschleppt. Jetzt lebten sie wirklich fern von Gott. Jetzt waren sie in der Wüste angekommen. Babylon war eine Hochkultur. Es ging ihnen gar nicht nur schlecht. Sie konnten Handel treiben, sich frei bewegen, hatten Bildungsmöglichkeiten. Nicht wenige brachten es in Babel zu einem gewissen Wohlstand.

Aber jetzt war ihre ganze Sehnsucht nach Gott aufgebrochen. Ihre innere Hoffnungslosigkeit, ihre Selbstanklagen, das war ihre Wüste. Gab es noch Hoffnung? War Gott ihnen noch gnädig? Würden sie je wieder nach Jerusalem zurückkehren? Alle begrenzten Freiheiten in Babel zählten nicht mehr. Sie hatten Sehnsucht nach Gott.

Und jetzt spricht Gott zu seinem Volk, das sich weit von ihm entfernt hat, das in ihrer selbst verschuldeten Wüste lebt: „Tröstet, tröstet mein Volk! Redet freundlich mit ihnen. Sagt ihnen, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist!“ Das ist eine Botschaft an Menschen Gottes, die sich weit von ihm entfernt haben.

Oft haben sie Gott ins Gesicht geschlagen mit ihrem Ungehorsam. Oft haben sie Gott für dumm verkauft mit ihren Ausreden. Sie haben aus dem lebendigen Gott einen Hausgötzen gemacht, eine Puppe, die sie zuhause in der Ecke stehen haben und der sie sich ab und zu zuwenden, wenn sie sie ihn brauchen.

Jetzt, in der Wüste, wo es sie hungert nach Gott, da redet der lebendige Gott wieder zu ihnen.

Was Jesaja hört, ist ein Befehl, ein Auftrag, ein Marschbefehl an alle, die es hören, alle im Himmel und auf Erden: „Tröstet, tröstet mein Volk! Redet freundlich mit ihnen!“ Wie ein Vater einen verlorenen Sohn wieder aufnimmt, so läuft Gott ihnen entgegen. Seine Liebe ist ungebrochen. Er selbst will seinem Sohn wieder ein Zuhause sein! Advent ist eine gute Nachricht für schlechte Christen.

Christen können unter Umständen weit weg von Gott sein. Sehr weit. Es können so genannte große Sünden sein wie Ehebruch, Betrug, Geiz aber auch solche Sünden, die wir meinen, uns selbst vergeben zu können: Üble Nachrede, Verurteilung anderer, Stolz, die uns von Gott entfernen. Gott redet mit mir freundlich. Auch wenn ich Unmögliches getan habe, worüber ich mit keinem reden mag. Gott redet mit mir freundlich. Gerade dann, wenn ich denke: So kann es nicht mehr weitergehen. Ich halte das nicht mehr aus. Advent ist die gute Nachricht für schlechte Christen: Gott ist immer noch mein Vater. Und ich liege ihm am Herzen.

Die meisten Christen entfernen sich nicht mit einem großen Knall von Christus, sondern leise und allmählich. Sie gehen still. Gebetet wird anfangs noch, beim Essen. Wichtige Entscheidungen werden nicht mehr aus dem Glauben getroffen, oder im Gebet. Man plant und führt sein Leben, ohne Gott. Anfangs denkt man noch, dass man ihn irgendwann wieder ins Boot holt. Am Ende aber wird er ganz vergessen.


(2)

Advent heißt, Gott kommt uns entgegen. Aber Jesaja weiß auch, dass das keine harmlose Sache sein wird. Gott kommt gewaltig. Gott braucht Platz. Da kommt keine Gemse oder Ziege, die mit einem schmalen Pfad auskommt. Da reicht kein kleines Törchen und auch kein kleines Fenster, um ihn hereinzulassen.

Wenn Gott bei dir ankommt, dann bekommst du eine neue Chance, dann soll etwas heil werden bei dir, dann wird etwas anders werden in deinem Leben. Wenn Gott kommt, dann ist er nicht mehr der kleine Götze, den du irgendwo in deinem Haus platzieren kannst. Dann ist er der Platzhirsch, sage ich mal: Der Herr. Dann will er nicht in den Kofferraum deines Lebens. Dann geht er ans Steuer.

Jesaja schreibt: „Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! 4 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; 5 denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat's geredet.“

500 Jahre später, 560 Jahre später, steht ein Mann auf und predigt. Ein seltsamer Mann. Auch ein Prophet. Er lebt in der Wüste. Er predigt in der Wüste. Am Jordan. Und dieser Mann bezieht dieses Wort Jesajas auf sich. Wie Jesaja kündigt auch Johannes den kommenden Herrn an. Man nennt ihn Johannes den Täufer, denn er hat die Taufe gepredigt als Zeichen dafür, dass man sich bereit macht für den Herrn, der kommen wird.

Jesaja sagt: „Macht Bahn, der Herr kommt. Tragt die Hügel ab und füllt die Täler auf, dass er kommen kann.“ Johannes sagt: „Kehrt um. Verlasst eure „ver-kehrten“ Wege. Denn das Reich Gottes ist nahe!“ „Der Messias wird kommen. Der Erlöser Israels. Alle Welt soll ihn sehen!“ predigt Johannes. Auch Jesaja hatte vorausgesagt, dass alles Fleisch, also alle Menschen, ihn sehen werden. Die Herrlichkeit Gottes wird in ihm zu sehen ein. Gottes Wesen. Gottes Retterliebe. Gottes Vaterliebe in Person wird der Messias sein, den Johannes kommen sieht.

(1) Advent ist eine gute Nachricht an alle Menschen. (2) Advent ist aber auch die Aufforderung, sich dem entschieden wieder zuzuwenden, der kommt. Ich habe diese Tage bei Propheten Sacharja gelesen: Gott spricht: „Kehrt euch wieder um zu mir, denn ich will mich wieder zu euch umkehren!“ (Sach. 1,3)

„Was soll ich predigen?“ fragt Jesaja. Das Ziel ist klar: Er soll freundlich reden. Er soll von Vergebung sprechen und von einem neuen Leben. Ihre Knechtschaft soll ein Ende haben! Aber werden sie ihm glauben? Was soll er sagen, dass sie ihm vertrauen, dass sie neue Hoffnung haben, dass sie sich wirklich auf den Kommenden Herrn einstellen?

Jesaja predigt von der Vergänglichkeit dieses Lebens: „Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.“

Was ist es, das dich hindert, jetzt für Gott offen zu sein? Was sind das für Hügel oder für Täler, die du für überwindlich hältst? Gott redet freundlich mit dir. Alle Schuld soll dir vergeben sein. In neuer Freiheit sollst du leben. Was hindert dich, Gott zu vertrauen? Vielleicht nimmst du dieses Leben hier mit dem, was es zu bieten hat, zu wichtig. Du musst lernen, dein Beruf fordert dich, du bist verliebt, du machst Sport und musst viel trainieren. An sich alles gut Aber vielleicht setzt du dein ganzes Leben auf Dinge die vergänglich sind und vergisst das Ewige?

Jesaja musste die Verbannten in Babylon ermutigen: Kehrt um! Verlasst Babel. Kommt nach Hause, nach Jerusalem! Gott kommt euch entgegen. Und das ist auch die Botschaft heute: Kehrt um. Kommt nach Hause. Lasst euch taufen. Der Herr kommt!

Die Taufe ist das Zeichen der Umkehr. „Kehrt um und lass euch taufen“ das hat Johannes am Jordan gepredigt und Petrus nach Pfingsten (Apg 2) In der Taufe spricht Gott einem zu, dass ihm alle Sünde vergeben ist, dass er den heiligen Geist empfängt, dass er Kind Gottes ist, und dass er jetzt zum Volk Gottes gehört.

(1) Advent ist gute Nachricht für schlechte Christen!

(2) Und Advent ist die Chance, Gott neu zu vertrauen!

Ich schließe mit einem Zitat aus der Pfingstpredigt des Petrus:

„Kehrt um und jeder von euch lasse sich taufen zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen! Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.“

Amen

In diesem Gottesdienst wurden im Anschluss an die Predigt drei Personen getauft.

 
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