Jesaja 9, 1-6 Licht im Tunnel (Heiligabend)

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
Norbert Giebel

Heiligabend 2017

Jesaja 9, 1-6    Licht im Tunnel

 

  • Kann man eigentlich im Dunkeln jubeln?
  • Kann man sich in einem Tunnel freuen, auch wenn man das Ende nicht sieht?
  • Kann ein Mensch Hoffnung haben, Frieden, Freude haben in einer für ihn wirklich schweren Zeit? ... Geht das?

Jesaja, der größte Prophet Israels, er meint, man kann das: Im Dunklen jubeln! Sich freuen im Tunnel, wenn man noch kein Ende sieht. Hoffnung haben, Frieden finden, eine Freude haben, an der man sich festhalten kann, auch wenn das Leben gerade wirklich dunkel ist. Im 8. Jhdt. vor Jesu Geburt predigte Jesaja den Einwohnern von Jerusalem und Juda. Er ruft es laut heraus:

1 Das Volk, das in der Finsternis lebt, sieht ein großes Licht; hell strahlt es auf über denen, die ohne Hoffnung sind. 2 Du, Herr, machst Israel wieder zu einem großen Volk und schenkst ihnen große Freude. Sie sind fröhlich wie nach einer reichen Ernte; sie jubeln wie nach einem Sieg, wenn die Beute verteilt wird. 3 So wie du Israel damals aus der Gewalt der Midianiter gerettet hast, so befreist du sie dann von der schweren Last der Fremdherrschaft. Du zerbrichst die Peitsche, mit der sie zur Zwangsarbeit getrieben werden. 4 Die Soldatenstiefel, deren Gedröhn sie noch im Ohr haben, und alle ihre blutigen Umhänge, sie werden ins Feuer geworfen und verbrannt. 5 Denn uns ist ein Kind geboren! Ein Sohn ist uns geschenkt! Er wird die Herrschaft übernehmen. Man nennt ihn »Wunderbarer Ratgeber«, »Starker Gott«, »Ewiger Vater«, »Friedensfürst«. 6 Er wird seine Herrschaft weit ausdehnen und dauerhaften Frieden bringen. Auf dem Thron Davids wird er regieren und sein Reich auf Recht und Gerechtigkeit gründen, jetzt und für alle Zeit. Der HERR, der allmächtige Gott, wird dies eintreffen lassen, leidenschaftlich verfolgt er sein Ziel.

 

Jesaja selbst und das Volk, sie haben nicht viel Licht gesehen. In ihrer Zeit, in ihrem Leben, war es eher dunkel. 40 Jahre predigt Jesaja, und am Ende muss er sehen, wie Jerusalem zerstört und seine Bewohner verschleppt werden.

Jesaja wusste noch nichts von Bethlehem, von Jesus, von Weihnachten. Aber obwohl das Volk gerade alles verliert, schenkt Gott ihm eine Vision von einem hellen Licht, von einem neuen Herrscher, einer, der aus dem Haus Davids kommt, der ewigen, anhaltenden Frieden bringen wird. – Kein Glühwürmchen, wie es gerade im Video zu erraten war. – Vielleicht ein Kamin, von dem im Video gesprochen wurde: Ein Feuer, an dem man sich wärmen kann, wo man zuhause ist. In jedem Fall ein Licht, das freundlich ist, das auf uns zugeht und das mächtig ist!

Das Licht aber kommt noch. Das Heil ist noch nicht da. Das Volk hat schwere Jahre vor sich! Gott aber lässt Jesaja schon dahinter sehen. Es wird Frieden geben. Sie werden sich freuen wie bei einer guten Ernte. Ihr Leben wird wieder rund werden. Sie werden sich freuen wie Menschen, die eine große Beute unter sich verteilen können.

Jesaja ist Zeitzeuge des Untergangs Jerusalems. Dunkler geht es nicht. Länger kann der Tunnel nicht sein. Mehr kann man nicht verlieren im Leben. Der Prophet aber zeigt den Menschen ein großes Licht, das über ihnen leuchtet, ein großes Licht, zu dem hin sie unterwegs sind. Der Neuanfang soll aus dem Haus Davids kommen. Ein Nachkomme Davids soll ewig herrschen, er soll über die ganze Welt herrschen und er soll ewigen Frieden bringen.

Über 700 Jahre später wird ein Kind geboren. Ein Junge. In Bethlehem. Einer aus dem Haus Davids. Jesaja wird es sich so nie vorgestellt haben. Aber die Hirten zuerst und dann die Christen insgesamt, sie erkennen in diesem Kind den Erlöser, den Jesaja vorausgesagt hat.

Engel haben es dem Hirten gesagt: „Fürchtet euch nicht! Ich verkündige euch große Freude für das ganze Volk! Denn euch ist heute der Heiland geboren! Er ist der Christus, der Herr in der Stadt Davids!“ (Lukas 2,10) Weihnachten wird das Licht geboren, das Jesaja gesehen hat. Weihnachten kommt das Licht Gottes zur Welt.

Aber es kommt in eine dunkle Welt. Es wird noch nicht alles gut zu Weihnachten. Mancher Schmerz, Trauer, Einsamkeit, auch der Schmerz über Unrecht und Krieg in dieser Welt melden sich gerade zu Weihnachten besonders deutlich an. Es wäre dumm, zu sagen, Weihnachten wird alles gut. Das ist nicht so. Aber das Licht hat einen Namen bekommen: Jesus Christus. Jesus heißt übersetzt „Gott hilft“, „Gott rettet“.

Jesus selbst hat es gesagt und dabei Worte Jesajas gewählt: „Ich bin das Licht der Welt! Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben!“ (Johannes 8,12)

Vertrauen gehört dazu. Glauben gehört dazu. Sich an ihm festhalten. Wer ihm nachfolgt, der hat das Licht des Lebens. Jesus scheint nicht wie die Sonne. Sondern eher wie ein Licht, das man annimmt, in die Hand nimmt, mit dem man weitergeht, der vorausleuchtet und man dann immer weiter in das Licht hineingeht. Mit ihm kann man im Dunkeln Hoffnung haben. Freude im Tunnel. Frieden wo das Leben schwer ist.

Die Engel haben es zuerst verkündigt. Nach ihnen die Hirten. Nach ihnen Jesus selbst und seine Jünger. Nach ihnen die Christen in aller Welt bis zum heutigen Tag:

J  „Fürchtet euch nicht! Das ist eine große Freude! Für alle Menschen!
Euer Heiland ist geboren! Er ist der Christus, der Herr der Welt!“
(Lukas 2,10 abgewandelt)

J  „Das Volk, das in der Finsternis lebt, sieht ein großes Licht;
hell strahlt es auf über denen, die ohne Hoffnung sind!“
(Jesaja 9,1)

Amen.

 
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