Offenbarung 21,6 Wasser für die Durstigen (Jahreslosung 2018)

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Mönchebergstraße
Norbert Giebel, 7.1.2018

„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst!“
(Offenbarung 21,6 – Jahreslosung 2018)

Wasser verspricht Gott uns in der diesjährigen Jahreslosung. „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst!“ Gott verspricht lebendiges Wasser.

Unser Körper besteht bis zu 80 % aus Wasser. Ohne Wasser würden wir zu Staub zerfallen. Wasser fließt nicht nur in unserem Blut durch unsere Adern, auch unsere Zellen sind gefüllt mit Wasser. Wir sind angewiesen auf eine ständige Zuführung von Wasser. Ohne Wasser kein Leben. Wenn Forscher auf fernen Planeten nach Leben suchen, ist ihre erste Frage: Gibt es dort Wasser? Wenn nicht, ist Leben nicht denkbar. Dasselbe gilt auch für Tiere und Pflanzen. Auch was wir essen besteht überwiegend aus Wasser: Kartoffeln zu 70%. Äpfel zu 83%. Erdbeeren zu 90 %. Rhabarber zu 95%. Das ist erstaunlich: Was feste Materie zu sein scheint, ist voll mit Wasser. Wir bräuchten nur einmal mit Trinken aufhören und warten was geschieht. Wir bekämen Kopfschmerzen, können nicht mehr klar denken, der Mund wird trocken, die Haut wird welk. Mit trockenem Mund können wir nicht schlucken. Die Gelenke werden steif und tun weh. Feuchtigkeit hält die Gelenke geschmeidig. Ohne Wasser gibt es kein Leben.

In den Ländern der Bibel war Wasser oft rar. Es gab zahlreiche Wüsten und Steppen, in denen nur spärlich Gras wächst. Zu wissen, wo eine Oase ist oder eine Quelle, konnte Leben retten. Wo Wasser ist, da kann man siedeln, Ortschaften gründen, leben. Kein Wunder, dass darum in der Bibel Wasser oft für das Leben steht, zumindest für ein gesundes, starkes, blühendes Leben. Fließende Bäche sind ein Zeichen für das Paradies. Eine sprudelnde Quelle ist das Symbol für den Ursprung des Lebens.

Trinken also, dem Körper Wasser zuzuführen, das ist keine Nebensache, nicht verzichtbar. Wasser ist unser Lebenselixier schlechthin. „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst!“ Diese Zusage Gottes steht in der Offenbarung des Johannes, im letzten Buch der Bibel (Off 21,1-6): Johannes sieht das Ende der Welt. Er sieht einen neuen Himmel und eine neue Erde. Gott wird bei den Menschen wohnen und sie werden sein Volk sein. Dann wird er alle Tränen abwischen. Der Tod wird dann nicht mehr sein. Auch kein Leid, kein Geschrei. Niemand wird noch Schmerzen haben. Das Alte ist vergangen. Gott macht alles neu. Und dann kommt der Satz: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst!

Diese Verheißung Gottes ist von ihrem Ursprung nicht für das Jahr 2018 gedacht! Wir können nicht einfach einen Satz aus dem Zusammenhang reißen, eine Zusage Gottes für die neue Welt herausnehmen und behaupten, fordern, zusagen, dass diese Verheißung schon für diese Zeit gelte. Warum gilt diese Zusage auch uns? Heute und im Jahr 2018? Weil Jesus selbst das „lebendige Wasser“, das „Wasser des Lebens“, für unser Leben hier versprochen hat.

Auf dem Laubhüttenfest in Jerusalem etwa, da hat Jesus eingeladen: „Wer durstig ist, soll zu mir kommen und trinken!“ (Joh. 7,37) Jetzt, wo er da ist, von ihm, nicht erst in der Ewigkeit.

Auch einer Frau hat Jesus dieses lebendige Wasser versprochen. (Man kann die griechische Wendung, die hier steht sowohl „lebendiges Wasser“ als auch „Wasser des Lebens“ übersetzen.) Jesus war weit gegangen mit seinen Jüngern bis nach Samaria. Er war allein und durstig, als er an einem Brunnen sitzt und diese Frau sich ihm näherte. Der Brunnen war tief, Jesus hatte kein Gefäß zum Schöpfen, darum bittet er diese Frau um einen Schluck Wasser. Es entsteht ein Gespräch, in dem Jesus der Frau sagt: „Wenn du wüsstest, wer ich bin, du würdest mich um lebendiges Wasser bitten.“ (vgl. Joh. 4,10)

„Wer dieses Wasser trinkt, wird wieder durstig“, sagt Jesus, „wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird in Ewigkeit keinen Durst mehr haben. Ich gebe ihm das Wasser, das in ihm zu einer Quelle wird, die bis ins ewige Leben weitersprudelt!“ (Joh. 4, 13) Das was er uns im Himmel geben wird, soll hier schon anfangen! Sowohl beim Laubhüttenfest allgemein als auch dieser Frau ganz persönlich sagt Jesus Menschen das Wasser des Lebens zu. „Herr gib mir dieses Wasser!“ antwortet die Frau. „Ich will keinen Durst mehr haben!“

Den Durstigen will Gott Wasser geben, heißt es in der Jahreslosung. Offensichtich hatte diese Frau Durst und sie hat etwas verstanden: Es ist nicht Wasser für den Körper, das Jesus ihr anbietet, es geht um Wasser für die Seele. Wozu brauchte sie Wasser für ihre Seele? Was war sie für eine Frau? Auch das kommt in dem Gespräch noch zutage: Fünf Mal war sie verheiratet, fünf Männer hat sie gehabt, und der, mit dem sie jetzt lebt, ist nicht ihr Mann. Mit ihm lebt sie ohne Trauschein zusammen.

Entweder hatte diese Frau ständig wechselnde Partner, einen hohen Männerverschleiß, oder sie ist fünf Mal geschieden worden, fünf Mal verstoßen. Entweder hat sie mit den Männern gespielt und darin versucht sich selbst zu finden, Anerkennung, Lust, vielleicht wollte sie ihren Lebensdurst mit Männern stillen. Oder es war umgekehrt: Männer haben sie verletzt: Fünf Mal hat sie wieder neu Hoffnungen aufgebaut, fünf Mal wurde sie verstoßen, wenn die Männer ihrer überdrüssig wurden. Frauen konnten sich damals nicht scheiden lassen. Männer konnten ihre Frauen wegen geringster Anlässe wegschicken. Sie brauchten ihr nur einen Scheidebrief in die Hand drücken. Dann waren sie sie los und aller ihrer Pflichten entbunden.

Was war sie für eine Frau? Was hatte sie für einen Durst? Worin hatte sie bisher ihre Erfüllung gesucht? War sie leichtlebig, nicht in der Lage zur Liebe zur Treue? Hat sie verantwortungslos gelebt? Oder war es umgekehrt: Sie war eine Frau, der das Leben, der Männer böse mitgespielt hatten. Und jetzt war sie dankbar, dass sie überhaupt noch einen Mann fand, der sie bei ihr leben ließ?

Diese Frau hatte Durst! Sie hatte Durst nach Vergebung. Durst nach Würde. Nach Sicherheit, nach Geborgenheit, angenommen und geliebt zu werden. Sie hatte Durst, irgendwo hin zu gehören. Egal, wie viele Anteile sie oder andere dabei hatten: Ihr Leben hat viele Risse. Ihre Seele ist so völlig ausgetrocknet. Und Jesus sagt ihr zu: „Ich gebe dir das Wasser des Lebens, das in dir sprudelt von jetzt an bis in Ewigkeit.“

Was ist DEIN Lebensdurst? Wo oder wie suchst du deinen Lebensdurst zu stillen? Viele Menschen kämpfen ihr Leben lang um Anerkennung. Was sie auch Tun oder Lassen ist von ihrer Sehnsucht nach Anerkennung motiviert. Gehörst du auch dazu? Eigentlich kämpfen sie ihr Leben lang um Liebe. Andere sind ihr Leben lang heimatlos, nicht in sich selbst zuhause. Sie wissen nicht, wo sie hingehören. Andere finden nicht aus ihrer Sucht heraus. Sie sind irgendwann in ein Karussell gestiegen, sie tun etwas, die nicht gut für sie ist, aber sie finden keinen Ausstieg. Das Karussell dreht sich immer weiter. Sie schaden sich selbst, immer wieder, und andere auch. Aber sie sind so durstig. Immer wieder gehen sie zu ihrem „bitteren Brunnen“ und werden nicht satt.

Einer hat Durst, seine Seele ist kurz vorm Austrocknen, weil er so viel Arbeit hat, weil er es einfach nicht mehr schafft. Ein Anderer hat Durst, weil er keine Arbeit findet, weil er nichts mehr richtig zustande bringt. – Was ist DEIN Durst? Und wie oder bei wem suchst du ihn zu stillen?

Die Frau am Jakobsbrunnen, die fünf Männer hatte, sie wird satt. Endlich darf sie sich geliebt wissen, angenommen, geborgen. Endlich hat sie eine Heimat gefunden, die sie nie verlieren wird. Vermutlich ist sie deshalb mitten am Tag, um die heiße Mittagszeit, zum Brunnen gegangen, weil sie dann niemanden trifft, weil dann alle in ihren Häusern sind. So jemand wie sie, mit ihrer Geschichte, sie geächtet im Dorf. Die Leute wendeten sich ab von ihr und tuschelten über sie. Jesus gibt ihr ihre Würde zurück! Bei Jesus ist diese Frau willkommen! Jesus wendet sich ihr zu. Sie muss nichts schönreden. Sie muss nichts geheim halten. Er weiß ja sowieso alles. Wirklich so, wie sie ist, bekommt sie das Wasser des Lebens. Umsonst. Genauso wie es in der Jahreslosung heißt: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst!“

Unser Körper braucht lebensnotwendig Wasser. Durst ist der „Wassermangelanzeiger“. Auch die Seele oder unser Herz, wie immer wir es nennen, unser Ich, unser innerer Mensch, verfügt über Warnsysteme, wenn uns das lebendige Wasser fehlt: Wir werden dann leicht reizbar, schnell zum Zorn. Unsere Geduld trocknet aus. Die Demut gibt ihren Geist auf. Wir werden getrieben, kriegen keinen Abstand mehr zu uns selbst hin.  Wir können Prioritäten nicht mehr erkennen und setzen. Wir drehen uns wie in einem Hamsterrad. Oder wir kommen beim besten Wetter nicht mehr aus dem Bett heraus. Wir schlafen nicht, wir machen uns Sorgen, wir haben Ängste, die wir nicht abstellen können. Wir können nicht mehr vertrauen.

Alles das sind Wassermangelsignale der Seele, oder des Herzens oder unseres inneren Menschen, wie wir es auch nennen. Jesus kann und will für unser Herz, für unsere Seele, das tun, was das Wasser für den Körper tut: Er will, dass wir leben, dass wir aus der Fülle leben. Er will, dass wir geistlich und seelisch nicht austrocknen. Unser Glaube und unsere Liebe sollen prall gefüllt sein.

Jesus selbst ist die Quelle, von der er spricht. Das lebendige Wasser ist Gottes nie versiegende Zuwendung. Ein Strom, der mich packt und bis in die Ewigkeit hinein sprudelt, das ist der Heilige Geist.

Denken sie an Heilbäder, wo gesundes Wasser fließt, Heilwasser mit gesunden Nährstoffen. Menschen, die krank sind, kommen, weite Wege vielleicht, und trinken das Heilwasser. – Wenn möglich mehrfach am Tag. Und immer an der Quelle, nicht durch lange Leitungen geführt, aus zweiter Hand sozusagen, irgendwo aus einem Wasserhahn. Reines Heilwasser gibt es nur an der Quelle. Jesus ist die Quelle und er sagt: „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“ (Matt 11,28)

Bei Jesus zu sitzen, mit ihm Zeit zu haben, sich bewusst in seine Gegenwart zu begeben, das ist zutiefst sinnvoll. Wer betet, der trinkt. Der führt seiner Seele lebensnotwendiges Wasser zu. Das Gebet ist die Schöpfkelle. Egal, ob man schweigt, wieder zu sich selber findet, Ruhe auffüllt, oder ob man beichtet, seine Sünden bekennt, Vergebung empfängt, oder alle Trauer und alle Erschöpfung zulässt und weint. Wer vor Gott leer ist, traurig, schuldig, wer vor Gott weint, der spürt, wie er ihm jetzt schon die Tränen abwischt und ihn tröstet. Zeit mit Gott zu haben, sich selber bei ihm wiederzufinden, ihn anzubeten, das ist für die Seele so wichtig wie das Wasser für den Körper.

Das ist erstaunlich. Wir sehen doch so fest aus! „Seht mal, was wir für eine Kraft haben!“ Und in Wahrheit bestehen wir zu 80% aus Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung, Trost, Sinn im Leben. Wir sehen so fest aus, aber 80% unserer Seele hat Durst nach ihm.

In der Ewigkeit werden wir es einmal vollkommen erleben: Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst!“ Im neuen Jahr 2018 werden wir ganz besonders erinnert und eingeladen zu erleben, dass Jesus uns dieses Wasser schon hier schenken will. Beim Laubhüttenfest hat Jesus gesagt: „Wer durstig ist, soll zu mir kommen und trinken! Jeder, der mir vertraut!“ (Joh. 7,38)

Das gehört dazu. (1) Dass man zu seinem Durst steht. Das man ihn zulässt. Das man nicht so tut, als sei man satt. (2) Dass man kommt, dass man zu Jesus hingeht. (3) Und dass man ihm vertraut. Dass man an ihn glaubt. Wer ihm schon hier nicht glaubt, wer kann ihm dann glauben, dass er in der Ewigkeit alle Tränen abwischt?!

Ein Letztes möchte ich ergänzen. Es steht nicht in der Jahreslosung. Aber es ist ebenso wahr und ich finde es wichtig. Jesus hat gesagt: „Wer an mich glaubt, wie es die Schrift sagt, von dem werden Ströme lebendigen Wassers ausgehen!“ (Joh. 7,38) Wer sich so geliebt weiß, angenommen, geborgen, wie Jesus es z.B. der Samariterin am Jakobsbrunnen geschenkt hat, der liebt andere, auch wie sie sind, der nimmt andere auf, geht auf sie zu, der bietet in seiner Person anderen ein Zuhause. Gottes nie endende Liebe und Güte will uns erfüllen, aber sie will überfließen, überlaufen. Wir sollen keine Sackgasse für seine Liebe sein.

Der Jordan ist der prägende Fluss in Israel. Er fließt von Norden nach Süden. Er fließt in zwei große Seen hinein. Der erste, nördlichere See, ist der See Genezareth. Da blüht das Leben. Da wimmelt es von Fischen. Viele Orte haben sich da gebildet. Der See Genezareth ist eine Quelle des Lebens. Der südlichere See ist Tod. Das Tote Meer. Völlig versalzen. Da blüht gar nichts. Da lebt kein Fisch drin. Niemand wohnt an den Ufern des Toten Meeres. Wer davon trinkt, der stirbt. In beide fließt der Jordan. Aber der eine gibt das Wasser weiter. Aus dem See Genezareth fließt ein Strom des Lebens. Das Tote Meer ist eine Sackgasse. Da fließt das Wasser nicht weiter. Das ist der einzige Unterschied.

Ich wünsche uns beides für das Jahr 2018:

Dass wir unsere Seele nicht vernachlässigen. Das wir unserer Seele das Wasser zuführen, das sie zum Leben braucht. Dass wir immer wieder erleben, wie von Jesus her neues Leben bei uns einzieht. Und das zweite: Das von uns aus, weil wir Jesus vertrauen, Ströme lebendigen Wassers ausgehen.

Amen.

 
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