Matthäus 21, 28-32 Zwei Söhne. Die Frommen hören am Schlechtesten.

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Kassel-Möncheberg

Norbert Giebel 14.01.2018

Matthäus 21, 28-32:
Zwei ungleiche Söhne. Die Frommen hören am Schlechtesten. 

Liebe Gemeinde,

ich will mit einer Kindergeschichte anfangen. Ich will euch von Ali erzählen. Ali hat einen verantwortlichen Job. Er arbeitet weit mehr als 40 Stunden die Woche, und er hat einen großen Garten! Weil er sie so gerne isst, hat er nur Erdbeeren im Garten. Eigentlich ist es ein ganzes Erdbeerfeld. Eines Tags sieht Ali: „Die Erdbeeren müssen geerntet werden! Dringend! Wenn ich sie diesen Samstag nicht ernte, werden sie faul.“

Ali hatte die Erdbeeren gepflanzt und gedüngt, vor Vögeln geschützt und ganz oft, fast jeden Abend, ist er mit dem Fahrrad in den Garten gefahren, um sie alle zu gießen. Ali hat wirklich viel investiert. Er liebt Erdbeeren. Alleine aber kann er das große Feld nicht ernten. Aber er hatte zwei gute Freunde. Die würde er fragen. Die werden ihm helfen. Sofort ging Ali zu seinem ersten Freund: „Bernd, Du musst mir am Samstag helfen! Ich muss unbedingt meine Erdbeeren ernten. Die sind sehr reif. Wir wollen um 7.00 Uhr früh anfangen!“

„Ach weißt Du“, druckste Bernd herum. „Weiß du, am Samstag, schlafe ich aus. Ich muss ja die ganze Woche arbeiten. Samstags frühstücken wir spät, kochen was Schönes und am Nachmittag läuft Fußball. Nein, Ali!“ sagte Bernd. „Da musst du Deine Erdbeeren alleine ernten!“

Da ging Ali zu seinem anderen Freund. Der hieß Chris. „Ist doch klar, Ali, ich bin dabei!“ sagte Chris. Auf mich kannst du dich verlassen. Ich weiß, wie wichtig Dir die Erdbeeren sind. Ich weiß, was Du investiert hast. Die Zeit ist reif. Es soll heiß werden. Die Sonne wird alles kaputtmachen, wenn wir Samstag nicht pflücken. Sieben Uhr? Finde ich gut! Wichtige Aufgaben darf man nicht aufschieben! Da gibt es ein Heute und morgen wäre zu spät. „Also bis Samstag!“ sagte Chris.

Ali steht früh auf am Samstag. Er macht Brote, nimmt etwas zum Trinken mit. „Wer arbeitet, muss auch essen!“ hat er gedacht. „Meinem Freund Bernd soll es gut gehen!“ Ein paar Minuten vor sieben kam Ali zu seinem Erdbeergarten. Aber nicht Chris, sondern Bernd stand vor seinem Gartentor! „Bernd, was machst denn Du hier? Ich denke Du wolltest ausschlafen?“ sagte Ali. „Ach, ich habe noch mal darüber nachgedacht. Du hast ja Recht. Die Erdbeeren müssen geerntet werden. Ist doch klar, dass ich dabei bin.“

Ali und Bernd haben es nicht geschafft, alle Erdbeeren zu pflücken. Es waren zu viele. Einige sind dann doch verfault. Schade! Wäre Chris noch gekommen, hätte keine Beere verfaulen müssen. Ali und Bernd aber haben das Brot gegessen und ihren Becher zusammen gehoben. „Auf unsere Freundschaft!“ haben sie gesagt. Und sie haben den ganzen Tag fröhlich gearbeitet. Am Ende war Bernd der wahre Freund! Er hat wirklich geholfen! – Jesus hat eine ähnliche Geschichte erzählt:

Was meint ihr aber? Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, geh hin und arbeite heute im Weinberg. Er antwortete aber und sprach: Nein, ich will nicht. Danach reute es ihn und er ging hin. Und der Vater ging zum zweiten Sohn und sagte dasselbe. Der aber antwortete und sprach: Ja, Herr!, und ging nicht hin. Wer von den beiden hat des Vaters Willen getan? Sie antworteten: Der erste. Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr. Denn Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und obwohl ihr's saht, tatet ihr dennoch nicht Buße, sodass ihr ihm dann auch geglaubt hättet. (Mt 21,28-32)

Jesus war in Jerusalem im Tempel. Die Priester und Schriftgelehrten wollten ihm auf den Zahn fühlen. Jesus hatte die Händler aus dem Tempel vertrieben. Er hatte am Sabbat Kranke geheilt. „Mit welchem Recht macht er so etwas?“

Jesus hat sie gefragt, mit welcher Vollmacht denn Johannes der Täufer gepredigt und getauft hätte. Hat er in Gottes Auftrag gehandelt oder war das alles nur seine Idee? Hat Gott in Johannes gewirkt und aufgefordert, umzukehren und seine Leben in Ordnung zu bringen? Oder kam nur von Menschen?

Die fromme Elite, die gebildeten Frommen damals haben herumgedruckst. Wenn sie sagen, er hat in Gottes Namen gepredigt und zur Taufe aufgerufen, dann würde er fragen, warum sie dann nicht getan haben, was er sagte. Wenn sie sagen, es kam nicht von Gott, würden sie viele Menschen gegen sich aufbringen, die Johannes glaubten. Die Priester und Bibelleser wollten ihre Position nicht schwächen. In ihr Glaubenssystem jedenfalls passte auch Johannes nicht. Das was immer richtig war, das, was schon immer so war, das hat Johannes hinterfragt. Und Jesus war auch so einer.

Zöllner und Huren hatten sich auch taufen lassen. Verräter des wahren Glaubens und Prostituierte haben sich zu Gott bekehrt. Das war den Priestern ein Dorn im Auge. Wer rein war, wer rechtgläubig war, das entscheiden immer noch sie! Man konnte doch Zöllnern und Huren nicht einfach das Reich Gottes versprechen! Die Chefpriester und Bibelforscher haben Jesus keine Antwort gegeben. Sie wüssten nicht, wo Johannes seine Vollmacht hergehabt hätte. Sie wollten ihre Position nicht schwächen.

Und dann hat Jesus seine Kindergeschichte erzählt. Ganz einfach. Das versteht jeder: Ein Mann mit zwei Söhnen. Ein Neinsager, der sich noch einmal besinnt und umkehrt. Und ein Jasager, der gar nichts tut und dabei nicht einmal ein schlechtes Gewissen hat. „Wer hat des Vaters Willen getan?“ fragt Jesus. Das ist ja wie in der Kinderstunde! „Der Erste natürlich! Der Zweite hat doch nur Versprechungen gemacht. Nur der Erste hat den Willen des Vaters auch getan!“

Gleich geht es noch einmal weiter. Auf so ein paar Einzelheiten möchte ich noch hinweisen:

Beide wissen Bescheid. Söhne sind im diesem Gleichnis die, die Gott seine Söhne nennt und die Gottes Wort hören. Also auch Leute wie wir. Menschen, die Gott einbinden will in die Arbeit auf seinem Weinberg. Menschen, die er braucht.

Beide werden liebevoll mit „mein Sohn“ angesprochen. Darin ist väterliche Zuneigung. Sie gehören zu ihm. Sie sind seine Erben. Sie leben von und auf dem Weinberg. Es geht hier nicht um irgendwelche Fremden, die den Vater gar nicht kennen. Es sind seine Söhne, die er liebt, zu denen er spricht.

Und auch hier gibt es eine Dringlichkeit. Die Trauben sind reif. Was es dazu tun gibt, das soll heute getan werden. Nicht morgen, nicht irgendwann, nicht prinzipiell, sondern ganz praktisch: heute! Heute geh in meinen Weinberg!

Und eine solche Antwort eines Sohnes auf eine ganz selbstverständliche Bitte des Vaters war in den damaligen Verhältnissen absolut unverschämt. Den Vater beschämend. Seine Autorität untergrabend, respektlos. Der Vater hätte alles Recht gehabt, ihn zu strafen, ihn zu enterben. Der Vater wird tief enttäuscht und verletzt gewesen sein. Mit so einer Antwort rechnete man nicht  als Vater damals. Unmöglich: Wenn der Vater etwas bittet und der Sohn ihm ins Gesicht sagt: „Nein. Ich will nicht! Ich habe schon etwas anderes vor. Ich bin zu etwas anderem berufen! Oder: Ich will ausschlafen. Da muss ich Fußball spielen! Auf dem Weinberg arbeiten, das ist echt nicht meine Gabe!“

Hätte Jesus die Priester und Frommen seiner Zeit gefragt: „Wer von beiden was der Höflichste?“ dann wäre es der Zweite gewesen. Er hat respektvoll geantwortet. Er hat erkannt, mit wem er spricht. Er hat dem Vater die Ehre gegeben!“ Aber Jesus hat nicht noch dem Anständigeren gefragt, sondern danach, wer den Willen des Vaters getan hat!

Gott ist der Vater in diesem kleinen Gleichnis. Es kommt Gott nicht darauf an, dass seine Kinder möglichst anständig sind. In seiner Gegenwart geben sie ihm dann die Ehre. Sie fehlen in keinem Gottesdienst. Sie singen alle Lieder. Das gehört sich so. Sie wissen, wie man sich benimmt wenn man sich vor Gott versammelt. Alles gut. Alles nicht verkehrt. Die Frage aber, die Jesus in diesem Gleichnis stellt, lautet: Was tun sie dann, am Montag und Dienstag, wenn sie zuhause sind, in der Schule, im Beruf, in der Familie. Leben sie auch, was sie hören? Bekennen sie mich? In Worten und Taten, wie sie es in der Taufe versprochen haben? Christsein besteht doch nicht im Hören und Ja sagen! Dann wären wir wie CHRIS, der Möchtegernfreund von Ali. Er möchte gerne Freund sein, aber er ist es nicht.

Als die Priester und Schriftgelehrten Jesus bestätigen, dass der Erste, der zunächst sehr grobe Sohn, getan hat, was der Vater wollte, sagt Jesus:

„Das sage ich euch mit Sicherheit. Hört genau her! Die Zöllner und die Huren kommen eher in das Reich Gottes als ihr! Denn sie haben die Predigt von Johannes dem Täufer gehört und sie sind umgekehrt und haben Gottes Willen getan. Ihr aber seid nicht umgekehrt und habt Gottes Willen nicht getan.“

Zöllner waren Verräter, die mit den Römern arbeiten. Sie waren unrein, weil sie sich ständig mit Heiden abgaben. Huren waren das Sinnbild für Sünder überhaupt. Eine Hure durfte sich in keiner Synagoge sehen lassen. Mit anderen Worten bedeutet das: „Räuber und Säufer kommen eher in den Himmel als ihr! Lästerer und Betrüger kommen eher in den Himmel als ihr! Denn sie haben sich bekehrt, sie haben Gottes Wort gehört und haben es getan. Ihr seid geblieben wie ihr wart. Ihr habt Gottes Willen nicht getan! Ihr wolltet nur eure Position und eure Tradition sichern.

Das ist echt der Hammer, was Jesus hier sagt. Niemand hat den Glauben so ernst genommen wie die Priester und Schriftforscher. „Große Sprüche und nichts dahinter!“ das ist Jesu Analyse. Wohlerzogen und völlig unbeweglich. Sie haben den Glauben mit der Muttermilch aufgesogen. Sie haben von Kind an im Kindergottesdienst, bei ihren Eltern, in der Jungschar, in der Jugend, in der Gemeinde alles vom Glauben gelernt. Sie kannten sich in den Heiligen Schriften aus, kannten vieles auswendig. Was heißt denn Glauben, Kind Gottes sein, wenn nicht das?

Sie haben Gott nicht gehorcht, wenn er sie gebrauchen wollte. „Die Frommen gehorchen am Schlechtesten.“ So könnte man zusammenfassen, was Jesus den Frommen gesagt hat. Kann uns auch passieren? Gottes Wort hören, ihm begeistert recht geben und nichts tun. Den Glauben wie ein Kleid anziehen und sein altes Herz behalten. Das ganze Leben Fasching, Maskenball. „Ich geh als Christ. Ich zieh mir ein Christenkostüm an.“ Wie Chris, der nicht gekommen ist, als sein Freund ihn brauchte.

Genau das werfen Menschen, die nicht an Jesus glauben, den Christen manchmal vor: Ihr redet groß. Ihr haltet euch für etwas Besseres. Aber was tut ihr denn? Wo seid ihr bei Menschen, die euch brauchen? Was ist euch Jesus wert in eurem Leben? Astrid Eichler, eine bekannte Pastorin aus der ehemaligen DDR, sie schreibt in ihrer Biographie von einem Moment, in dem es ihr klar wurde: „Wenn Jesus für mich gestorben ist, dann kann mein Leben so nicht weitergehen!“ Und sie entscheidet sich, sich ganz von Jesus führen zu lassen, sich immer wieder auf unbekanntes Land führen zu lassen, Jesus zu bekennen, egal welche Nachteile es mit sich bringt, auch auf eine Ehe verzichtet sie um Jesu willen.

„Wenn Jesus für mich gestorben ist, dann kann mein Leben so nicht weitergehen!"

Also: Was können wir lernen aus der Geschichte mit Ali, Bernd und Chris und aus der Geschichte von Jesus und dem Vater und den zwei Söhnen?

1. Ja sagen ist gut!

Das sage ich nur noch mal, um das klarzustellen. Wenn Gott etwas von uns will, ist es gut, Ja zu sagen. Ich freue mich und Gott freut sich, wenn wir Ja zu ihm sagen. Wenn Menschen Gottesdienst feiern, sagen sie Ja zu ihm. Sie kommen, weil Gott ihnen etwas zu sagen hat. Es ist gut, Gottesdienst zu feiern. Oder wenn Menschen singen und Gott loben, dann sagen sie Ja zu ihm. Es ist gut, Gott mit Liedern zu ehren. Wenn sich jemand zur Taufe meldet, sagt er Ja zu ihm, weil er Gottes Wort gehört hat. Es ist immer gut, Ja zu sagen, wenn man Gott gehört hat.

2. Ja sagen und Nein tun ist böse!

Man spielt Gott eine Rolle vor und denkt, er merkt es nicht. Und die Früchte, bei deren Ernte man helfen sollte, sie verfaulen. Ja sagen und nichts tun ist so ungefähr das Schlimmste.
Solche Menschen kommen schwerer in das Reich Gottes, sagt Jesus, wie Zöllner, Huren, Diebe und Betrüger, die zum Glauben kommen. Denn die wissen, dass sie Sünder sind und sie kehren um und sie sind noch begeistert von Gottes Liebe. Fromme Menschen können sich sehr an Gott gewöhnen und nicht mehr hingehen.

3. Nein sagen ist dumm!

Gott ist nicht irgendwer. Gott ist auch kein Ali, der seinen Freund bittet, ihm beim Erdbeerpflücken zu helfen. Gott ist der allmächtige Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, der zu uns „mein Sohn“ oder „meine Tochter“ gesagt hat. Wir leben auf seiner Welt und stehen vor seinem Thron. Zu Gott Nein zu sagen, das ist dumm.

4. Es ist nie zu spät, Ja zu sagen!

Das ist das Schöne an der Geschichte Jesu. Umkehr ist möglich! Nein zu sagen ist schlimm, aber man kann seine Meinung ändern! Man kann sie immer ändern. Es gibt keine hoffnungslosen Sünder. Es gibt keine hoffnungslos schwerhörigen Christen. Es gibt keine Menschen, die hoffnungslos verloren sind. Umgekehrt: Gerade die, die wissen, dass sie Sünder sind, und sich noch nicht so an alles Fromme gewöhnt haben, gerade die hören Gott oft besser. Sie kommen eher ins Himmelreich, weil sie eher in der Lage sind, Gott ihr Leben zu geben.

5. Es ist nie zu spät, Ja zu tun!

Wer Nein zu Gott gesagt hat, kann in Ruhe und mit Abstand alleine noch einmal überlegen, ob er nicht doch noch Ja tun will!

Ò- Ja sagen ist gut!

Ò- Ja tun aber ist das, was Jesus will!

Ò- Alles andere sind falsche Freunde!

Ò- Und: Es ist nie zu spät Ja zu tun!

Amen.

 
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