Matthäus 25, 14-30 Anvertraute Talente - Wie Gott mit Mitarbeitern umgeht.

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
Norbert Giebel, 18.02.2018

Matth 25, 14-30  
Anvertraute Talente: Wie Gott mit Mitarbeitern umgeht

14 Denn es ist wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: Er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an; 15 dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und ging außer Landes. Sogleich 16 ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann weitere fünf dazu. 17 Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu. 18 Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn.
19 Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen. 20 Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe fünf Zentner dazugewonnen. 21 Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! 22 Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe zwei dazugewonnen. 23 Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!
24 Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; 25 und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine. 26 Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, (dachtest du), dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? 27 Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen. 28 Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. 29 Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. 30 Und den unnützen Knecht werft hinaus in die äußerste Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

Liebe Gemeinde,
das ist ein hartes Gleichnis. Jesus fordert kompromisslos auf, dass wir unsere Gaben einbringen und dass wir sie vermehren. Wir sollen wuchern mit dem, was er uns anvertraut hat. Besonders das Ende ist hart: Wer sich weigert und nicht einbringt, was ihm anvertraut wurde, der wird gerichtet werden. Ein reicher Mann verlässt das Land auf unbestimmte Zeit. Er verteilt seinen ganzen Reichtum auf seine Knechte. Jedem so, wie er es tragen kann. Zwei von ihnen verdoppeln das Anvertraute, der dritte vergräbt es und wird gestraft dafür. Die Botschaft ist klar: Was Gott dir gegeben hat, das ist nicht für dich. Egal, was es ist. Deine Zeit, deine Kraft, dein Vermögen, dein Glaube. Das sollst du einbringen, auch wenn du vergleichsweise wenig hast. Positiv gesprochen: Gib was du empfangen hast. Sei wie du bist und vergleiche dich nicht mit anderen. Steh auch zu deinen Grenzen. Aber zieh dich nicht zurück, entzieh dich nicht der Gemeinschaft und dem gemeinsamen Auftrag. Die Botschaft ist klar. Dennoch liegt viel mehr in diesem Gleichnis. Ich möchte zwei Fragen an dieses Gleichnis stellen: 1. Wie geht Gott mit seinen Mitarbeitern um? Und 2.: Was bedeutet das für unseren Umgang mit Mitarbeitern?

  1. 1.Gott traut seinen Menschen etwas zu!

Gott vertraut ihnen. Er vertraut ihnen sein Vermögen an. Er glaubt an sie. Er schenkt (oder leiht, anvertraut) ihnen das Kostbarste, was er hat, und traut es ihnen zu, damit angemessen umzugehen. Im Griechischen steht, dass er ihnen Talente anvertraut hat. Luther hat es mit Zentnern übersetzt, denn ein Talent war damals eine große Maßangabe. Etwa 28 kg. Vom griechischen Text her könnte es sich um Silbertalente aber auch um Goldtalente gehandelt haben. Beides damals noch viel kostbarer als heute. In einem Kommentar las ich, dass es im Vergleich zu heute bei Silber vielleicht um 50.000 EUR pro Talent, bei Gold um 2,5 Millionen EUR handeln könnte. In jedem Fall sehr viel.

Gott schenkt seinen Menschen Vertrauen und er drückt eine sehr positive Haltung ihnen gegenüber aus, wenn er ihnen so viel anvertraut. Er vertraut sich ihnen selbst damit an, das, was ihm am Herzen liegt. Und er delegiert echte Verantwortung, Gestaltungsfreiheit. Er sagt den Knechten nicht, was sie nun genau damit machen sollen. Auch das gehört zum Vertrauen. Du darfst und du sollst damit kreativ umgehen. Eigenverantwortlich.

Verschiedene Gaben und unterschiedliche Zeiten brauchen jeweils einen anderen Einsatz der Gaben. Kindergottesdienst, Jugendarbeit, Seniorenarbeit, Schaukasten, Kaffee nach dem Gottesdienst, Moderation, man könnte jede Gabe und Aufgabe aufzählen: Das läuft nicht mehr wie vor 20 Jahren! Aber was ist heute dran? Wie bringst du heute das ein, was Gott dir anvertraut hat? Wie geben wir heute unser Bestes? Gott gibt uns einen unendlichen Spielraum, den wir verantwortlich gestalten dürfen und den wir verantworten. Jeder soll alles, was er hat einsetzen, das Beste wollen, nicht die Hälfte seiner Talente, seiner Ideen und Möglichkeiten vergraben. Ich glaube, das Erste, was wir von Gott lernen können, ist, Menschen etwas zuzutrauen.

  1. 2.Gott gibt Menschen einen Platz in seinem Reich.

Ich lese gerade ein Buch von einem Tomas Sjödin („Wo du richtig bist“). Darin schreibt er von einer Situation, in der vor der Gemeinde gesprochen hat und dann jemand auf ihn zu kam und sagte: „So einen wie dich brauchen wir!“ Und er schreibt, wie gut ihm das getan hat. Gebraucht zu werden, sinnvoll zu sein, sich einbringen zu können mit dem, was einem auf dem Herzen liegt, das ist die höchste Motivation! Du bist wichtig, wie du bist, und was Gott dir anvertraut hat, das brauchen wir hier. Tatsächlich habe ich das letzten Sonntag gedacht, als jemand vom Willow-Creek-Kongress erzählt hat. Da habe ich auch gedacht: „Dich brauchen wir hier! Du hast etwas auf dem Herzen, was wir brauchen, was uns anstecken kann.“

Umgekehrt kann es höchst demotivierend sein, wenn jemand das Gefühl hat, er wird nicht gebraucht, seine Gaben, das was er auf dem Herzen hat, wird nicht abgefragt, übersehen, hat keine Konsequenzen. Dann vergräbt man seine Gabe auch vielleicht und man fühlt sich selbst nicht zugehörig. Tomas Sjödin erzählt von einer Bekannten, die aus dem Iran nach Schweden geflohen ist. Der Bruder dieser Iranerin ist in Griechenland gelandet. Nach langer Zeit besucht er sie und bringt ganz viel Olivenöl mit, viel mehr als sie brauchte. Seine Schwester fasste Mut und klingelte ein paar Tage darauf bei ihren Nachbarn und bot ihnen das beste Olivenöl an. Die Nachbarn sagten, sie hätten noch genügend Öl zuhause. Sie könnten ihr Öl nicht brauchen, egal, wie gut es sei. Sjödin erzählt, dass die Frau zurück in ihrer Wohnung geweint hätte. Sie konnte ihre Gabe nicht loswerden! Wenn sie diese Episode nicht nachvollziehen können, nehmen sie es als Gleichnis. Sie hatte etwas, was nicht gewollt war. Sie hatte eine Idee, wollte etwas Gutes tun, und ist abgeblitzt. Und sie sie fühlte sich selbst dadurch nicht angenommen!

Umgekehrt habe ich von jungen Leuten, die zu uns in die Gemeinde gekommen sind, gehört: „Bei euch tut sich etwas. Ihr seid im Aufbruch. Hier kann man mitmachen.“ Menschen werden angezogen, wenn sie Teil von etwas Größerem sind und wenn sie gebraucht werden.

  1. Gott sieht den Menschen an, den er beauftragt

Er gibt jedem nach seiner Tüchtigkeit, übersetzt Luther. Er sieht jeden an und erkennt, was er tragen kann, was zu ihm passt, wie er gebaut ist. Er gibt verschiedene Gaben und er gibt sie unterschiedlich ausgeprägt, auch unterschiedlich intensiv. Nicht jeder singt das Gleiche und nicht jeder singt gleich gut. Es gibt sehr verschiedene Pastoren und sehr verschiedene Älteste und sehr verschiedene Arten, ein schönes Essen für die ganze Gemeinde zuzubereiten. Gott hat nicht allen alles gleich gegeben. Es gibt Menschen, die können scheinbar alles, was nie stimmt, wenn man genauer hinsieht! Und es gibt Menschen, die können etwas, aber sie brauchen in manchen Bereichen schneller Ergänzung.

Darum kann man nicht eine Position, einen Dienst, einfach wieder besetzten und sagen „Jetzt haben wir wieder einen Jugendleiter, Bezirksleiter, Hauskreisleiter...“ Ich bin sicher: Gott sieht jeden Einzelnen an und er sieht, was er tragen kann und wo er Grenzen hat, wo er Ergänzung braucht. Das entnehme ich dem Gleichnis: Niemand soll überfordert werden. Niemand soll Dinge tun oder entscheiden, die er nicht kann, weil Gott sie ihm auch nicht anvertraut hat!
Positiv gesagt: Jeder Einzelne ist wertvoll wie er ist und mit dem, was Gott ihm anvertraut hat.

Es gibt zwei Wege Menschen und Aufgaben zusammenzubringen. (a) Man kann Aufgaben haben, Ämter, Dienste, und dafür Menschen suchen. (b) Oder man sieht die Menschen und was Gott in sie hineingelegt hat und sorgt dafür, dass sie es leben können, dass sie gebraucht werden. In der Realität wird es wohl immer irgendwo dazwischen liegen. Irgendjemand muss immer die Heizung aufdrehen oder die Tür schließen und keine Gruppe kann sagen „Das liegt keinem auf dem Herzen von uns, da ist keiner begabt von uns.“

Es gibt auch so etwas wie christliche Grundaufträge. Ich glaube nicht, dass irgendein Christ sagen kann „Ich muss meinen Glauben nicht bekennen!“ oder „Ich muss meinen Nächsten nicht lieben“. Diese Aufträge kann niemand vergraben! Aber wie du es machst, in welcher Form und Intensität, da wird Gott der Letzte sein, der dich überfordert! Was er dir ermöglicht, das sollst du tun. Mehr verlangt er nicht. Ich habe einen guten Freund. Ein super Elektroingenieur. Der war z.B. beim Zahnarzt und repariert dem noch etwas an seinem Behandlungsstuhl bevor er wieder geht. Er hat schon als Student super Dinge entwickelt. Er ist selbstständig. Aber Angebote schreiben, Rechnungen einfordern, die Firma bei einer Messe präsentieren, das ist der Horror für ihn. Das kann er nicht. Er wäre schon lange pleite, wenn er nicht einen zweiten Ingenieur an der Seite hätte, der genau das kann.

Gott sieht die Menschen an, die er beauftragt. Und 99% aller seiner Menschen brauchen Ergänzung. Es wäre doch schade, wenn bei uns jemand den Büchertisch nicht übernimmt oder nicht im Gottesdienst moderiert oder nicht Ältester oder Bereichsleiter wird, weil er sagt: „Dazu gehört ja auch, dass ich dies und das tun muss, und das kann ich nicht.“ Wir würden ihn geradezu auffordern, sein Talent einzugraben, weil wir den Menschen nicht sehen und nur von seiner Funktion her kommen, die er ausfüllen soll. Gott sieht das Potential und die Grenzen seiner Menschen. Und danach setzt er sie ein.

  1. 4.Gott möchte, dass sich unsere Gaben weiterentwickeln

Er gibt Talente und die sollen wachsen. Die allermeisten Gaben, die er seinen Menschen schenkt, sind noch kleine Pflänzchen, wenn wir sie empfangen. Sie müssen gefördert werden. Begossen. Ohne Bild gesprochen: Sie müssen ausgeübt werden, geübt und begleitet werden. Gott will, dass wir unser Bestes geben. Kein Perfektionismus. Ich finde es gar nicht so schlimm, wenn uns zum Beispiel im Gottesdienst auch Fehler unterlaufen. Das ist menschlich. Aber jeder soll das geben, was er gut geben kann. Auch eine gute Qualität ist motivierend! Niemand bleibt gerne hinter seinen Möglichkeiten zurück. Jeder freut sich, wenn er etwas, das ihm am Herzen liegt, noch besser tun kann. Kein Koch freut sich, wenn die Gäste jedes Mal nur sagen „Konnte man essen“. Oder: „Deine Moderation war okay.“ „Du hast dir wieder viel Müde gegeben am Klavier.“

Mir geht es aber gar nicht so sehr um die Gaben als um die Personen. Gott hat uns eine Art anvertraut, zu denken, zu fühlen; wir sind auch in geistlichen Dingen unterwegs, wie wir glauben, wie wir beten, wie wir uns in eine Gruppe einbringen. Das wäre mein Traum, dass Menschen, die zu unserer Gemeinde gehören, vielleicht nur für ihr Studium oder eine Phase ihres Lebens, dass sie erleben könnten, dass sie sich bei uns entwickelt haben, weil sie gesehen wurden, sich einbringen konnten, Ergänzung erfahren haben. Stellt euch nur einmal für einen Moment vor, wir hätten jemanden in der Gemeinde angestellt, der nur dafür zuständig ist, Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten, Mitarbeiter zu fördern, ihr Potential zu sehen, zu helfen, dass sie alle ihre anvertrauten Talente einbringen könnten: Ich glaube, wir würden Wunder erleben. Menschen würden die Wertschätzung erleben, die Gott ihnen schenken will.

  1. 5.Gott lobt seine Mitarbeiter

Beide Knechte, die sich ganz eingebracht haben, werden mit genau den gleichen Worten gelobt: „Recht so, du guter und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!“ Es wird gesehen und wertgeschätzt, was sie tun. Ich vermute einmal, dass wir auch da weit zurückbleiben hinter dem, was wir von Gott lernen könnten. Ich habe meiner Frau letzte Woche Blumen gekauft. Das erwähne ich, weil ich das sehr selten tue. Der Verkäuferin sagte ich „Danke, wirklich schön geworden!“ Und sie sagte: „Nichts zu danken, ist ja mein Job!“ Nichts zu danken, ist ja dein Job als Ältester, als Protokollschreiber, als Archivar. Gott ist da irgendwie anders aufgestellt. Er sagt nicht: „Ist ja dein Job, das zu machen! Dafür sitzt du ja an der Technik oder an der Buchhaltung.“ Gott sieht an, was seine Menschen tun, und er lobt es.

  1. 6.Gott setzt auf unser Vertrauen

Der dritte Knecht hat seinen Herrn gefürchtet, sagt er. Er hat Angst, das Falsche zu machen. Er versucht es gar nicht erst. Er wird es ja sowieso nicht gut genug machen. Er sieht nicht die Liebe und dass Vertrauen des Herrn. Der Herr selbst entlarvt ihn: „Wirklich? Dachtest du ich bin ein ungerechter Herr? War es wirklich Angst vor mir, dass du deine Talente vergraben hast? Dann hättest du es wenigstens zur Bank bringen können.“ Die Zinsen waren doch damals. Der dritte Knecht hat Gott nicht vertraut. Er wollte kein Risiko eingehen. Vielleicht sein Ansehen nicht verlieren, vielleicht seine Kraft und Zeit nicht vergebens investieren.

Gott vertraut uns und er sucht unser Vertrauen zu ihm. Besitzstandswahrung reicht nicht aus im Reich Gottes. Der sicherste Weg ist nicht Gottes Weg.

(0) Gott fordert, dass wir unsere Gaben einbringen uns vermehren. Und – da können wir von ihm lernen: (1) Gott traut seinen Menschen etwas zu! (2) Gott gibt seinen Menschen einen Platz in seinem Reich. (3) Gott sieht den Menschen an, den er beauftragt. (4) Gott möchte, dass sich unsere Gaben weiterentwickeln. (5) Gott lobt seine Mitarbeiter. (6) Gott sucht das Vertrauen seiner Menschen.                                                                                          Amen.

 
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