Matthäus 14, 22-33 Der sinkende Petrus

Nachtreffen Mölln-Senioren-Fahrt, 22.2.2018
Norbert Giebel

Matthäus 14, 22-33    Der sinkende Petrus

22 Und alsbald drängte Jesus die Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm ans andere Ufer zu fahren, bis er das Volk gehen ließe. 23 Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er auf einen Berg, um für sich zu sein und zu beten. Und am Abend war er dort allein. 24 Das Boot aber war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen. 25 Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem Meer. 26 Und da ihn die Jünger sahen auf dem Meer gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst!, und schrien vor Furcht. 27 Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht! 28 Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. 29 Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. 30 Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich! 31 Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? 32 Und sie stiegen in das Boot und der Wind legte sich. 33 Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!

Wer bist du in dieser Geschichte?

1. Einer von denen, die im Boot sitzen

Das ist gut. Jesus selbst hat die Jünger in das Boot gesetzt. Sie sollen über den See fahren, weil er die Menschen am Ufer verabschieden will und sich Zeit zum Beten nehmen will. Wer im Boot sitzt, sitzt da, wo Jesus ihn hingesetzt hat. Das Boot liegt nicht im Hafen. Es ist unterwegs. Das Boot gibt ihnen aber auch Schutz. Wer im Boot sitzt, gehört mit den anderen zusammen. Es ist eine eingeschworene Gesellschaft. Und Jesus betet während das Boot auf dem Wasser ist. Eine schöne, eine wichtige, eine tröstliche Vorstellung.

Das Boot ist die Gemeinde, oder eine Gruppe in der Gemeinde, zu der du gehörst. Die Gemeinde ist unterwegs und sie gibt Schutz, Heimat, vielleicht Familie. Der Text gibt das nicht her. Aber ich stelle mir gerade vor, dass das Boot ein Rettungsboot ist. Es ist noch Platz darin. Es können und sollen noch welche dazu kommen. Wer aussteigt und selber schwimmt, der hat es schwerer, ans Ziel zu kommen. Im Boot fassen alle mit an. Das Boot kommt sicher ans Ziel. Einzelschwimmer haben es schwerer. Also: Es ist gut, wenn du einer bist, der im Boot sitzt.

2. Oder: Du bist ein Getrösteter

Jesus kommt dem Boot auf dem Wasser entgegen. Und er sagt: „Seid getrost, ich bin’s, fürchtet euch nicht!“ Was für eine schöne Zusage. Vielleicht geht es gar nicht immer nur friedlich und einheitlich zu auf dem Boot. Keine Ahnung. Vielleicht sind auch welche im Boot, die zweifeln und sich fragen, ob sie wirklich ans Ziel kommen. Vielleicht schwankt das Boot auch oder einige müssen ständig Wasser aus dem Boot herausschöpfen. Oder es sind Menschen im Boot – in der Gemeinde – die Sorgen haben, schwer zu tragen haben, die ihren Alltag kaum bewältigen müssen, die Jesus so gerne in ihrem Leben mehr erleben möchten. Ihnen allen kommt Jesus entgegen. Er ist gar nicht mehr weit weg. Man kann ihn schon sehen. Man kann ihn auch schon hören und er sagt: „Seid getrost, ich bin’s, fürchtet euch nicht!

Ich weiß nicht, wie du in dem Boot sitzt, dass ich jetzt mal Gemeinde genannt habe, ich weiß nicht, was du für ein Leben mitbringst, wenn du da zwischen den anderen sitzt. Vielleicht tauscht man sich so persönlich gar nicht aus. Vielleicht gibt es Dinge in deinem Leben, die niemand weiß. Jesus sieht auch unsere Abgründe und unsere Geheimnisse! Ich wünsche dir, dass du ein Getrösteter bist und dass du hörst, was Jesus sagt: „Sei getrost, ich bin’s, fürchte dich nicht!

3. Oder: Du bist Petrus, der das Boot verlässt.

Sagen wir mal, das Boot ist der Gemeindealltag, das was wir kennen. Das Boot hat eine klare Route und alle Abläufe sind lange bewährt. Dann sage ich einmal: Wir brauchen Menschen, die das Boot im Namen Jesu verlassen. Bist du so eine / einer? Petrus geht nicht einfach auf eigene Faust. Er fragt Jesus. Er bitte Jesus, es ihm zu befehlen. Er will diesen Schritt nur in seinem Auftrag wagen.

Ich weiß, das gibt der Text so auch nicht ganz her. Aber ich verstehe den Schritt von Petrus aus dem Boot einmal ganz positiv. Petrus hat eine neue Idee. Petrus denkt, man könnte etwas einmal ganz anders machen oder ganz neue Wege ausprobieren. Petrus ist vielleicht jemand, dem Gott etwas aufs Herz gelegt hat. Er will eine neue Gruppe gründen, er will neue Wege zu Menschen probieren, er will sich in einer Art und Weise einbringen, wie es sie noch nie gegeben hat. Bin ich noch so ein Petrus? Der Glauben hat und sich auf das Wasser wagt?

Petrus verlässt den sicheren Boden, er geht aus der Geborgenheit und dem Vertrauten der Gemeinde heraus. Er wagt sich selbst. Das ist doch lebendiger Glaube, oder? Aber er will es nur im Auftrag  und  mit Jesus tun! Was könnte das für dich sein? Beim Besuchsdienst der Gemeinde mitmachen, Verantwortung für jemanden übernehmen, junge Leute zum Essen einladen, eine Handarbeitsgruppe oder Gymnastikgruppe aufmachen, dich um eine Flüchtlingsfamilie kümmern, ... Ab wann ist man zu alt dafür, dass Gott einem etwas aufs Herz legen kann und man im Glauben die gewohnten Bahnen verlässt, sich selber riskiert? Ich bitte Gott darum, dass er in diesem Sinne Petrusse schenkt: Menschen, die in Jesu Namen und in der Kraft Jesu aufs Wasser gehen.

4. Oder bist du Petrus, der absäuft?

Hast du den Mut verloren? Hast du den Blick auf Jesus verloren? Sind dir die Sorgen und Probleme so groß geworden, dass du nur noch sie siehst und denkst, der Blick auf Jesus allein trägt nicht mehr? Bist du unters Wasser geraten in deinen Aufgaben, in deinen Problemen mit dir selbst oder in der Familie vielleicht? Auch für Christen kann manchmal einfach alles zu viel werden! Auch Christen können ausbrennen, in Schwermut fallen, nicht mehr wissen, „wie sie ihren Kopf über Wasser halten können“.

Wie schön, dass Jesus uns auch dann sieht. Er sieht uns, er verurteilt nicht. Und wie schön: Er ist es, der Petrus aus dem Wasser zieht. Wir müssen uns nicht selber halten. Wir müssen uns nicht am eigenen Schopf aus dem Schlamassel ziehen. Jesus ist da und er greift nach uns. Er greift unsere Hand. Er zieht uns heraus. Und dann gilt die Tageslosung von heute auch dir: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“

Das ist voller Trost. Das ist ein ganz barmherziger Satz. Keine Verurteilung. Das ist seine Ermutigung an uns, wenn wir das Gefühl haben, unserem Kopf nicht über den Meeresspiegel zu bekommen.

Ich bin da.
Ich sehe dich.
Ich greife deine Hand.
Ich zeihe dich heraus.
Neben mir kannst du auf dem Wasser laufen:
Was dein Leben schwer macht, wird dich nicht ersäufen.
Das kannst du mir glauben!
Amen.

 
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