1. Korinther 2, 12-16 Gottes Geist und menschlicher Geist

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg

Pfingsten – Predigt Pastor Norbert Giebel, 20.05.2018

1. Korinther 2, 12-16       “Gottes Geist und menschlicher Geist“

Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern des Geist aus Gott, dass wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist. Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie es menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen.
Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes. Es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, denn es muss geistlich beurteilt werden. Der geistliche Mensch aber beurteilt alles, und wird doch selber von niemandem beurteilt. Denn wer hat des Herren Geist erkannt, oder wer will ihn unterweisen? Wir aber haben Christi Geist.

Liebe Gemeinde,

das ist starker Tobak! Nimmt Paulus den Mund da nicht zu voll? Wir Christen haben nicht den Geist der Welt, sondern den Geist Gottes. Wir deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen. Der natürliche Mensch weiß nichts vom Geist Gottes. Der geistliche Mensch beurteilt alles! ... Um das gleich am Anfang zu sagen: Ich habe beides, in mir ist beides, der ganz menschliche Geist, der Geist der Welt, und der Geist Gottes. Und so meint Paulus das auch.

  1. Es geht nicht um einen Gegensatz von Glaube und Vernunft,

Das Thema hatten wir gerade im Gemeindeunterricht. Einige Teens meinten dann, Glaube und Wissenschaft ständen im Widerspruch. Sie seien Konkurrenten. Glaube und Wissenschaft ständen gegeneinander. Das ist nicht so. Gott hat uns den Verstand gegeben. Wir sollen diese Welt erforschen und gestalten. Wenn mit „Geist der Welt“ der Verstand gemeint wäre, wäre es etwas total Positives. Ohne Wissenschaft gäbe es keine Elektrizität, keine PCs, keine Handys, keine medizinische Forschung.

Glaube und Wissenschaft stehen nicht gegeneinander. Beide wissen nicht alles und haben ganz verschiedene Aufgaben. Alle Wissenschaft soll dem Wohl des Menschen dienen. Daran ist sie auch zu messen. Der Glaube soll dem Heil der Menschen dienen. Und beide müssen um ihre Grenzen wissen. Die Wissenschaft, die menschliche Vernunft überhaupt, sie anerkennt ihre Grenzen nicht, wenn sie meint, es gäbe nur das, es sei nur wirklich und wirksam, was man messen kann, was man im Experiment wiederholen kann, was man mit unseren Mittel beweisen kann. Unser Verstand ist begrenzt!

Der Glaube aber kann sich auch verrennen, wenn er alles ablehnt, was ihm nicht geheuer ist, was ihm fremd ist. Auch der Glaube kann seine Erkenntnisse absolut setzen und sich nicht vom Geist Gottes weiterführen lassen. Es schadet dem Glauben, wenn er sich der Vernunft versagt. Kopernikus musste seiner Lehre, dass die Erde keine Scheibe sondern eine Kugel sei, unter Androhung des Scheiterhaufens absagen.

Als die Dampflokomotive erfunden wurde hielten Christen sie für ein Teufelswerk und lehnten sie ab. „Frauen dürfen keine Hosen tagen“, wusste man früher. „Frauen mussten lange Haare tragen“. Sie abzuschneiden war Sünde, dachte man. „Frauen dürfen kein Abendmahl austeilen“, obwohl das nirgends in der Bibel steht. „Frauen dürfen nicht predigen“, obwohl es schon im neuen Testament Prophetinnen und weibliche Diakone und eine Apostelin gibt und Jesus Frauen zu den ersten Verkündigerinnen seiner Auferstehung gemacht hat.

Also: Erstens: Das menschliche Denken, Fragen, Forschen ist gut. Und es braucht Werte. Z.B. diese Schöpfung zu bewahren! Zweitens: Auch der Glaube soll denken. Natürlich. Vor allem soll er sich selbst kritisch befragen, von der Bibel her, und sich von Gottes Geist weiterführen lassen. Auch der Glaube ist, in dem, was wir tun sollen, wie wir denken und leben sollen, nicht fertig. Der Glaube denkt vor Gott und fragt Gott weiter.

Was meint Paulus dann, wenn er sagt, wir hätten nicht den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott empfangen? Wir wüssten um Dinge, wir hätten Erkenntnisse, die uns der Geist Gottes geschenkt hat und die auch nur „Menschen des Geistes“ vernehmen können?

  1. 2.Gottes Geist ist Gottes Dolmetscher.

Einige kennen den Witz sicher. Ein Mann irrt im Urwald umher. Da trifft er einen Eingeborenen.
Der dunkle Mann zeigt mit dem Zeigefinger auf ihn. (Fingerzeig) Der Weiße macht schnell das Peace-Zeichen. (V-Zeichen) Der Eingeborene formt ein Dach mit seinen Händen. (Dach) Der Weiße bewegt winkend die Hand auf und ab (Wink-Wellen), dreht sich um und läuft ganz schnell weg. Als der Weiße in seinem Lager ankommt, erzählt er: „Ich hab einen gefährlichen Indianer getroffen! Ich wollte nach dem Weg fragen, aber er drohte mich umzubringen. (Fingerzeig) Ich habe ihm gesagt „Friede!“ (V-Zeichen) Aber er meinte nur: Zieh ab nach Hause. (Dach) Da habe ich schnell gewunken, damit er sieht, dass ich keinen Streit will, und bin weggelaufen.“ Auch der Eingeborene erzählt zuhause am Lagerfeuer von der Begegnung: „Ich hab heut einen Weißen im Wald getroffen: Völlig verrückt! Ich frag ihn: Wer bist Du? (Fingerzeig) Darauf er: Eine Ziege ( V-Zeichen) Ich dachte: Huch!, wollte aber nicht unhöflich sein. Frag: Hausziege? (Dach) Nein, sagt er: Flussziege (Winken) und dann lief er weg.“ 

Zwei Welten treffen hier aufeinander. Zwei ganz verschieden Sprachen. So kann es einem gehen, der nach dem Glauben fragt. Er hört „Gott ist Liebe“, „Jesus ist für dich gestorben“, „Jesus ist auferstanden“, „Vertraue ihm und lass dich taufen!“ Und er versteht kein Wort! Er sieht uns beten, aber er sieht und fühlt und weiß Gott nicht. Er sieht uns in der Bibel lesen, und fragt sich, warum dieses alte Buch für uns so eine Bedeutung hat. Und die Mitte unseres Glaubens, dass Jesus für uns gestorben ist, ist für ihn ein Buch mit sieben Siegeln. Lässt Gott da einen Menschen für mich sterben? War das nötig? Hat er das nötig? Hab ich das nötig? Wie kann ein Mensch – Jesus – gleichzeitig auch Gott sein? Wie kann das sein, dass diese Menschen so ein tiefes Vertrauen zu Gott haben, den sie doch gar nicht sehen? Wie kann es sein, dass sie glauben oder wissen, dass Jesus jetzt gerade hier ist, mitten unter uns?

Das ist es, was der Heilige Geist uns offenbart. Durch ihn können wir es wissen. Durch ihn können wir Gott vertrauen. Durch ihn erfahren wir Gottes Liebe, werden wir getröstet und von Gott ermahnt. Gottes Geist öffnet uns Gottes Wort. Er öffnet unsere Herzen und er öffnet unsere Münder, dass wir von ihm reden. Und so kann es sein, dass Christen miteinander reden und Menschen, denen Gottes Geist es noch nicht gezeigt hat, sie kommen sich vor, als würden sie vor einer „Gruppe von Eingeborenen“ stehen, die aus einer völlig fremden Welt kommen.

Alles Fragen im Glauben macht Sinn. „Der Mensch denkt und Gott lenkt“, sagt man. Dazu ist aber auch das Denken nicht überflüssig. Auch im Denken will Gott lenken! „Der Herr blickt vom Himmel herab auf die Menschen“ kann man in Psalm 33 nachlesen. „Er hat ihnen Verstand und Willen gegeben und er weiß, was sie tun und treiben!“ Alles Fragen im Glauben macht Sinn. Darum machen auch Glaubenskurse, Bibelgespräche, theologische Diskussionen Sinn. Aber das Entscheidende für den Glauben macht der Heilige Geist.

Niemand kommt zum Glauben, indem er auf alle seine Fragen Antwort bekommt. Noch einmal: Darum sind Fragen trotzdem berechtigt und gut! Aber zu einem lebendigen Glauben kommt man nur, wenn man Gott selber sucht, ihn um seinen Geist bittet, anfängt zu beten, ihm zu vertrauen und zu gehorchen, wenn man ihm sein Leben gibt, wenn man eine Beziehung zu ihm sucht, wenn man demütig vor ihm ist und seine eigenen Grenzen anerkennt.

Zum Glauben kommt man nur, wenn man Gott Gott sein lässt, und ihm glaubt, dass er sich in Jesus Christus dieser Welt gezeigt hat und uns durch Jesus Christus einlädt, jetzt und ewig mit ihm m verbunden zu leben.

Jeder Mensch ist ein Geheimnis. Niemand kennt einen anderen Menschen ganz oder kann ihn immer verstehen. Aber man kann ihn lieben, ihm vertrauen, sich ihm schenken. Nur wer sich einem anderen Menschen schenkt, hat die Chance ihn wirklich zu erkennen. Gott ist ein noch viel größeres Geheimnis. Er ist Geist. Er ist nicht von dieser Welt. Man kann ihn nicht messen, in einem Experiment beweisen. Aber man kann ihm vertrauen, ihn ehren und ihn lieben. Wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist! Das ist die erste und wichtigste Wirkung des Heiligen Geistes!

  1. 3.Der Heilige Geist ist Kritiker und Freund der menschlichen Vernunft.

Pfingsten, das kann man wohl so sagen, Pfingsten ist eine radikale Kritik aller menschlichen Vernunft. Was Menschen Pfingsten erlebt haben, wie Menschen ihn heute erleben, das übersteigt alle Vernunft. Gottes Geist ist nicht unvernünftig, aber er ist – wie Gott selbst auch – übervernünftig. Sein Wirken ist mit unserem Verstand nicht zu fassen. Wir können ihn nicht kontrollieren.

J  Er lässt Menschen in fremdem Sprachen sprechen, und alle, die dabei sind, verstehen es.

J  Er schenkt Heilungen von Menschen, an Leib und Seele. Ohne das wir eine Methode daraus machen können, ohne dass es immer geschieht.

J  Er lehrt Menschen Christus, prägt ihn in ihre Herzen, lehrt sie, zu lieben, demütig zu sein, freigiebig zu sein, barmherzig mit anderen. Auch wenn wir uns da auch oft wünschten, dass er etwas schneller an uns arbeiten könnte. Auch Christen sind nicht immer voll des Geistes und darum voll der Liebe.

J  Er lässt und von Jesus reden, gibt uns die rechten Worte, macht uns frei und mutig für unser Bekenntnis.

J  Der Heilige Geist macht uns mit Jesus gleichzeitig. Er lässt und nacherleben, was Menschen mit ihm erlebt haben, als er als Mensch auf der Erde war. Der Heilige Geist setzt uns neben Jesus, macht uns im nahe, dass wir ihn hören, spüren, um ihn wissen. – Er ist es, der uns Christus ehren lässt.

J  Der Heilige Geist ist der große Kritiker einer menschlichen Vernunft, die sich selber absolut setzt. Aber darin ist er auch ein Freund der Vernunft: Er zeigt ihr Recht auf und ihre Grenze. Das ist keine Schelte der Vernunft, sondern eigentlich ist es eine Befreiung, eine Entlastung der Vernunft: Sie muss nicht alles verstehen, begreifen und erklären.

J  Der Heilige Geist schafft eine neue Kreatur in uns. Er macht uns neu. Er macht und nicht perfekt, allwissend, fehlerfrei, aber er macht uns zu wahren Menschen, die um ihren Ursprung und um ihr Ziel wissen, die Gott kennen und mit ihm leben.

  1. 4.Wir alle haben ein Feuer in uns!

Wir alle haben ein Feuer in uns, auch wenn es doch immer mehr brennen würde! Der Heilige Geist ist ein Feuer in uns, ein gutes Feuer der Kraft, der Hingabe an Jesus und an Menschen, ein Feuer das weiter brennen will, dem wir uns aussetzen können, das wir aber nicht kontrollieren können. Wer das Feuer in sich kontrollieren will, der grenzt es ein der löscht es aus.

„Wir haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist aus Gott.“ (V12) Vorhin habe ich gesagt: Ich habe beides in mir, den Geist der Welt und Gottes Geist. Da habe ich von der Vernunft gesprochen, von guten menschlichen Möglichkeiten, diese Welt zu gestalten. Paulus verwendet den Begriff hier aber wirklich negativ. Der Geist der Welt ist der Geist, der Gott nicht kennt, der ganz auf diese Welt fixiert ist.

Der Geist der Welt sucht seine Anerkennung in der Welt. Der natürliche Mensch hat den Geist der Welt empfangen, und er braucht Anerkennung. Dem Geist der Welt ist es absolut wichtig, was andere on ihm denken. Das macht einen großen Stress. Habe ich das gut gemacht? Wie habe ich gewirkt? Habe ich die richtigen Worte gefunden? Hatte ich das Richtige an? Wie haben mich die Leute angesehen? Was haben sie jetzt für ein Bild von mir?

Der Geist der Welt strebt nach Macht und Erfolg. Macht mindestens über das eigene Leben, gerne auch über andere. Wir wollen bestimmen, wie die Dinge laufen. Wir wollen oben sein, nicht unten. Menschen sollen tun, was ich für richtig halte.

Der Geist der Welt strebt nach Besitz. Viel zu besitzen ist das höchste Gut für den „natürlichen Menschen“, wie Paulus ihn nennt. Denn der natürliche Mensch weiß nichts von Gott.

Das will Gottes Geist in uns wirken und das können Menschen ohne den Heiligen Geist nicht verstehen: Geistliche Menschen wissen um ihre Anerkennung bei Gott. Sie brauchen die Anerkennung der Menschen nicht. Geistliche Menschen geben ihre Macht an Christus ab. Sie müssen nicht selber bestimmen. Sie können sich zu Gott hin fallen lassen. Und geistliche Menschen ist das der höchste Beitz, zu wissen, was Gott ihnen geschenkt hat. Das macht sie frei von der Sucht nach immer mehr Besitz in dieser Welt.

Amen.

Zusatz:

Ich finde an Papst Franziskus kann man etwas vom Geist Gottes sehen. In einem Autokorso in Rom fahren lauter große schwarze Karossen. Mittendrin ein schwarzer Fiat Panda, kleiner geht es nicht, mit Chauffeur, das ist die Staatskarosse des Papstes. – Und er wohnt in einer einfachen Pension, nicht in seinem Palast. – Papst Franziskus will zeigen: Man kann mit wenig auskommen.

 
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