Jeremia 23, 16-29 Alles wir gut!- Wirklich? Vorsicht vor falschen Propheten!

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Mönchebergstraße

Norbert Giebel 03.06.2018

Jeremia 23, 16-29: „Alles wird gut! – wirklich?“

Liebe Gemeinde,

ich habe einen schönen Text auf einer Postkarte gefunden. Das gibt es auch als Plakat. Ich lese ihn einmal vor:

Du bist einmalig
Und wunderschön in meinen Augen.
Ich sage zu dir: geliebtes Kind!
Nichts ist mir zu kostbar für dich!
Ich bin bereit alles wirklich alles für dich hinzugeben.
Mich selbst gebe ich hin für dich!

Was ich dafür von Dir möchte?
Deine Sorgen, deine Not, deine Unsicherheit,
deinen Schmerz, deine Ängste.
Gib sie mir und dazu deine Tränen
deiner Verzweiflung.
Und ich gebe dir dafür Anteil an meiner Freude,
an meiner Liebe, an meiner Kraft, an meiner Geduld,
an meiner Stärke, an meinem Königreich.

Keinen Schritt machst du, ohne dass ich bei dir bin.
Geh du deinen Lebensweg in der Gewissheit:
Du bist nicht allein.
Und in der Gewissheit, dass er dich nach Hause führt
zu deinem himmlischen Vater und zu mir.
Dein Freund Jesus.

Ein wunderschöner Text. Genau so könnte er in der Bibel stehen Ein moderner Psalm. Absolut tröstlich. Voller Verheißung. Und doch frage ich: Ist das Prophetie, also Wort Gottes an uns, oder ist das falsche Prophetie? „Alles wird gut!? Wirklich?“ Ich lese uns den heutigen Predigttext einmal vor. Der klingt gar nicht so tröstlich.

16 So spricht der HERR Zebaoth: Hört nicht auf die Worte der Propheten, die euch weissagen! Sie betrügen euch, sie verkünden euch Gesichte aus ihrem Herzen und nicht aus dem Mund des HERRN. 17 Sie sagen denen, die des HERRN Wort verachten: Es wird euch wohlgehen –, und allen, die im Starrsinn ihres Herzens wandeln, sagen sie: Es wird kein Unheil über euch kommen. 18 Aber wer hat im Rat des HERRN gestanden, dass er sein Wort gesehen und gehört hätte? Wer hat sein Wort vernommen und gehört? 19 Siehe, es wird ein Wetter des HERRN kommen voll Grimm und ein schreckliches Ungewitter auf den Kopf der Gottlosen niedergehen. 20 Und des HERRN Zorn wird nicht ablassen, bis er tue und ausrichte, was er im Sinn hat; zur letzten Zeit werdet ihr es klar erkennen. 21 Ich sandte die Propheten nicht, und doch laufen sie; ich redete nicht zu ihnen, und doch weissagen sie. 22 Denn wenn sie in meinem Rat gestanden hätten, so hätten sie meine Worte meinem Volk gepredigt, um es von seinem bösen Wandel und von seinem bösen Tun zu bekehren. 23 Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der HERR, und nicht auch ein Gott, der ferne ist? 24 Meinst du, dass sich jemand so heimlich verbergen könne, dass ich ihn nicht sehe?, spricht der HERR. Bin ich es nicht, der Himmel und Erde erfüllt?, spricht der HERR. 25 Ich höre es wohl, was die Propheten reden, die Lüge weissagen in meinem Namen und sprechen: Mir hat geträumt, mir hat geträumt. 26 Wann wollen doch die Propheten aufhören, die Lüge weissagen und ihres Herzens Trug weissagen 27 und wollen, dass mein Volk meinen Namen vergesse über ihren Träumen, die einer dem andern erzählt, so wie ihre Väter meinen Namen vergaßen über dem Baal? 28 Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen?, spricht der HERR. 29 Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?                                       Jeremia 23, 16-29

Der erste Text, den ich gelesen habe, ist wirklich tröstlich! Er könnte in der Bibel stehen! Und doch würde Jeremia einen solchen Text nicht verbreiten. Jeremia hat es mit falschen Propheten zu tun. Er ist einsam, sehr einsam in seinem Auftrag. Am Tempel stehen die Propheten und alle sagen das Gleiche:

Alles wird gut! Der Herr ist auf unserer Seite! Wir sind sein erwähltes Volk!
          Er hat uns dieses Land verheißen und geschenkt! Er hat uns seinen Frieden
           versprochen! Alles wird gut! – Dein Freund Gott! Dein Freund Jahwe!

Die Babylonier standen vor der Tür. Diese Militärmacht und Kulturmacht aus dem Osten veränderte die Welt. Ein Volk nach dem anderen, eine Stadt nach der anderen wurde von ihnen eingenommen. Sie überrannten die damalige Welt! Aber Jerusalem galt als sicher. Jerusalem war uneinnehmbar. Nicht nur ihrer Mauern wegen, sondern zuerst um ihres Gottes willen! Jerusalem war Gottes Stadt! In Jerusalem stand sein Tempel! Mit Gottes Wort im Rücken predigten alle Propheten: Habt keine Angst! Alles wird gut! Sie können uns nichts tun! Unser Leben ist sicher!

Allein Jeremia stellt sich dagegen. Jeremia spielt sich als Spielverderber auf. Jeremia sagt, dass Gott sein Volk richten wird! Gott würde seinen Zorn ausgießen wird! Donnernd predigt er von dem bevorstehenden großen Unwetter Gottes über Jerusalem. Die falschen Propheten sind überzeugt von ihrer Sache. Sie stützen sich auf Gottes Verheißungen! Die falschen Propheten lassen Plakate drucken:

Du bist wunderschön in meinen Augen. Dich habe ich erwählt, Jerusalem. Was ich
           von Dir möchte? Gib mir deine Sorgen, ich zerstreue sie. Sag mir deine Ängste, sie
           sind unbe-   gründet! Ich wische deine Tränen ab! Geh nur deinen Lebensweg und
           sei dir sicher: Es gibt keinen Schritt, den du gehst, bei dem ich nicht an deiner Seite
           bin! Dein Freund Jahwe. Der Gott Israels!

Sie predigen das Heil Gottes in einer Zeit, in der sich das Volk weit von Gott entfernt hat. Der Tempelgottesdienst ist zu einem nur noch äußerlichen Kult verdorben. Die Reichen werden reicher, die Armen werden ärmer. Es gibt keine Barmherzigkeit mehr. Die Oberen des Volkes setzen auf Bündnisse mit Nachbarvölkern. Keiner gefragt nach Gottes Willen. Jeder setzt auf seine eigenen Pläne. Niemand ist stille vor Gott. Keiner hält die aktuelle Situation vor Gott aus. Man setzt auf Menschen.

Die falschen Propheten machen aus Gottes Zusagen eine Heilsgarantie. Sie predigen Worte Gottes, Zusagen, die aber einem Volk gegeben sind, das den Bund mit Gott hält, das seinen Willen tut! Wer Gott zu seinem Herrn macht,  denen ist er auch Freund. Wer Jesus zu seinem Herrn macht, denen ist er auch Freund. „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete!“ sagt Jesus. (Joh. 15,14)

Der Herr ist mein Hirte!“ fängt der wohl bekannteste Psalm an. Wenn er der Herr ist, wenn man sich ihm anvertraut, wenn man einer in seiner Herde ist, dann führt er zu frischem Wasser und auf grüne Auen. Es ist falsch, zu sagen und zu predigen, dass Gott aller Menschen Freund ist, dass er alle gut führt, dass uns immer festhält, wenn man nicht zuerst sagt: „Wenn er dein Herr ist, dann wirst du ihn als deinen guten Hirten erleben.“

Menschen damals und Menschen heute, die Gottes Gnade mit der Gießkanne übers Land gießen und sagen „Ist alles gut!“ „Don’t worry, be happy!“, das sind Falschproheten. Sie lügen! Bitte entschuldigt diesen kleinen Ausflug. Ich weiß es sind auch Christen hier im Gottesdienst, die anders denken. Aber das ist ein Irrtum der Säuglingstaufe, dass man mit der Gießkanne übers Land geht und Kleinkinder tauft und ihnen zusagt, dass sie Kinder Gottes seien, dass sie Gottes Geist in sich hätten, dass sie das ewige Leben haben. Es fehlt der Bußruf: „Tut Buße, und lasst euch taufen“. Kehrt um! Entscheidet euch zu leben, wie es Gott gefällt! Legt ab, hört auf damit, was ihm nicht gefällt! Lebt ein neues Leben ... und lasst euch taufen zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr die Kraft des Heiligen Geistes empfangen. Das hat Petrus Pfingsten gepredigt.

„Es sei denn, dass jemand neu geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen!“ (Joh. 3,4) Das hat Jesus gepredigt. Er fordert ein neues Leben in der Kraft des Geistes, das er ermöglicht! Die falschen Propheten verkündigen Gottes Heil Menschen, die faktisch, praktisch, in ihrem Leben, ohne Gott leben. Sie predigen Heil ohne Buße! Ohne Umkehr! Und so bestärken sie das Volk noch auf ihren gottlosen Wegen. Die Menschen haben das Gefühl, sie dürfen bleiben wie sie sind. Alles wird gut, egal, ob sie Gott vertrauen und gehorchen.

Gott kann nur als Gott und als Herr, dein Freund sein. Gott sein und Herr sein sind keine Eigenschaften, die er ablegen kann! Wenn Gott nicht dein Herr ist, dann macht man ihn mit solchen Postkarten zu einem Prinzip Liebe, zu einem Prinzip Gnade. Du kannst leben wie du willst. Bringt ihm deine Sorgen, deine Leiden, deine Schwäche, dann freut er sich. Mehr will er gar nicht. – Wenn wir so predigen, dann sind wir Falschpropheten.

Gott ist nicht der himmlische Vater aller Menschen! Es reicht nicht, zu wissen, dass es ihn gibt und zu wissen, dass man auch zu ihm zurückkehren könnte und er wieder vergeben würde und er mich immer wieder aufnehmen würde. Ich muss kommen und mich von ihm aufnehmen lassen. Ich muss ihn als Gott anerkennen und mit ihm als meinem Herrn leben. Sonst stelle ich mich selbst außerhalb seines Bundes und außerhalb seiner Verheißungen. Gott ist Vater für die, die sich in seinen neuen Bund stellen, den er uns mit Christus angeboten hat! „Bin ich denn nur der nahe Gott? Bin ich nicht auch der ferne Gott?“ fragt der lebendige Gott durch Jeremia auch uns heute.

Wenn es doch immer so einfach wäre, wahre Prophetie und falsche Prophetie zu unterscheiden. Wo predigt jemand Gottes Wort und wo predigt er nur sein eigenes Wort? Ich freue mich, wenn ich für eine Predigt gelobt werde. „Das war eine gute Predigt!“ Aber wann ist eine Predigt eine gute Predigt? Kann es sein, dass gut so viel bedeutet wie harmlos, gut verständlich, die Gemeinde auf ihrem Weg bestätigend? Wenn man keinen geärgert hat, ist das dann eine gute Predigt? Alle wurden getröstet und gehen gestärkt ihren Weg weiter? Und als Schlusslied singen wir schunkelnd „Wir kommen alle alle in den Himmel!“ Ist es das, was wir wollen? – Und in der zweiten Strophe heißt es dann: „Das hast du nun davon, Gott, dass du so gnädig bist!“

Der Gottesdienst ist dazu da, mir Kraft für die nächste Woche zu geben! Glaube wird als Mittel zur seelischen Stabilisierung gebraucht. Wenn es mir gut tut, gehe ich in den Gottesdienst. Wenn es mir gut tut, bete ich und lese sogar in der Bibel.

Habe ich heute Gott reden gehört, oder habe ich nur das wieder gehört, was ich hören wollte? Habe ich meine Wünsche, meine Träume mit Gottes Reden verwechselt? Wer Träume hat, soll sagen „Ich habe geträumt! Ich habe geträumt!“ sagt Jeremia. Aber wer das Wort Gottes hat, der soll das Wort Gottes predigen! „Dieses Volk folgt ihren Träumen,“ sagt Jeremia, “so wie unsere Väter dem Gott Baal gedient haben!“ Ihre Träume sind zu ihrem Gott geworden. Ihre Lebensträume erfüllen sie sich! Und Gott muss seinen Traum alleine weiter träumen!

Ich zitiere aus einer Predigt eines Pastors aus Göttingen-Volkmarshausen:
(www.selk-volkmarshausen.de ; Name des Redners mir nicht bekannt):

„Gott fragt durch seinen Propheten: „Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, - und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?“ Aber ich frage mich, ob wir aus dem Feuer nicht längst eine Wärmflasche gemacht haben, und aus dem Hammer ein Wattebäuschchen. Ob wir nicht längst eine Kultur des Predigens und des Predigthörens uns angewöhnt haben, die uns gegen das Wort Gottes immunisiert. Lassen wir ihn noch an uns heran? Setzen wir uns seinem Anspruch wirklich aus? Haben wir Gott inzwischen soweit gezähmt, dass er uns kaum noch infrage stellt? Sein Wort soweit entschärft, dass es nicht mehr weh tut?“

Ein Prophet des letzten Jahrhunderts war Dietrich Bonhoeffer. Er hat Unrecht beim Namen genannt. Er hat Entwicklungen seiner Zeit gesehen, die gottlos waren und gewarnt, wohin das führen würde. Er ist dafür ins Gefängnis gegangen. Am 9. April 1945 wurde er im KZ Flossenbürg hingerichtet. Dietrich Bonhoeffer hat gegen die billige Gnade gepredigt und geschrieben: (Zitiert in genannter Predigt aus der SELK Volkmarshausen)

„Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. (...) Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, verschleuderte Vergebung, verschleuderter Trost, verschleudertes Sakrament; Gnade als unerschöpfliche Vorratskammer der Kirche, aus der mit leichtfertigen Händen bedenkenlos und grenzenlos ausgeschüttet wird; Gnade ohne Preis, ohne Kosten. (...) Billige Gnade heißt Gnade als Lehre, als Prinzip, als System; heißt Sündenvergebung als allgemeine Wahrheit (...) In dieser Kirche findet die Welt billige Bedeckung ihrer Sünden, die sie nicht bereut und von denen frei zu werden sie erst recht nicht wünscht. (...). Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde und nicht des Sünders. Weil Gnade doch alles allein tut, darum kann alles beim Alten bleiben. (...)
Also, der Christ folge nicht nach, aber er tröste sich der Gnade! Das ist billige Gnade als Rechtfertigung der Sünde, aber nicht als Rechtfertigung des bußfertigen Sünders, der von seiner Sünde lässt und umkehrt. Billige Gnade ist Predigt der Vergebung ohne Buße, ist Taufe ohne Gemeindezucht, ist Abendmahl ohne Bekenntnis der Sünden, ist Absolution ohne persönliche Beichte. Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz, Gnade ohne den lebendigen, menschgewordenen Jesus Christus.
Teure Gnade ist der verborgene Schatz im Acker, um dessentwillen der Mensch hingeht und mit Freuden alles verkauft, was er hatte; die köstliche Perle, für deren Preis der Kaufmann alle seine Güter hingibt; (...) der Ruf Jesu Christi, auf den hin der Jünger seine Netze verlässt und nachfolgt.
Teuer ist sie, weil sie in die Nachfolge ruft, Gnade ist sie, weil sie in die Nachfolge Jesu Christi ruft; teuer ist sie, weil sie den Menschen das Leben kostet, Gnade ist sie, weil sie ihm so das Leben erst schenkt; teuer ist sie, weil sie die Sünde verdammt, Gnade, weil sie den Sünder rechtfertigt. Teuer ist die Gnade vor allem darum, weil sie Gott teuer gewesen ist, weil sie Gott das Leben seines Sohnes gekostet hat – „ihr seid teuer erkauft“ -, und weil uns nicht billig sein kann, was Gott teuer ist. Gnade ist sie vor allem darum, weil Gott sein Sohn nicht zu teuer war für unser Leben, sondern ihn für uns hingab.

Wie kann ich herausbekommen, wann Gott redet? Was für eine Haltung muss ich mitbringen, um falschen Prophetien nicht zu schnell aufzusitzen? Wir müssen bereit sein, uns provozieren zu lassen, wenn wir Gott hören wollen. Gottes Wort ist nicht bequem und unverbindlich. Gottes lebendiges Wort, ist selten das, was uns bestätigt. Er sagt uns eher, was wir noch nicht erkannt haben, noch nicht getan haben, was wir noch nicht leben.

Wer Gottesdienste besucht mit der inneren Haltung „Ich will gehen, wie ich gekommen bin!“ „Ich will mich nicht öffnen für Dinge, die mir fremd sind!“ der wir Gott nicht hören. Bin ich nur der nahe Gott, bin ich nur der bekannte Gott? Bin ich nicht auch der ferne Gott? Kann ich Dir etwas sagen, wogegen du dich bisher gesträubt hast?“

Jesus hat gewarnt vor falschen Propheten. Sie treten als Schafe auf. Kuschelig. Harmlos. Sie tun keinem weh. Und sie machen alles kaputt. Jesus sagt: „Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“ (Matthäus 7, 15+16a)

„Irret euch nicht. Gott lässt sich nicht spotten!" schreibt Paulus den Galatern. Bei ihnen haben die falschen Propheten eine neue Gesetzlichkeit gepredigt. (Gal. 6,7) Die Hörer Jeremias und auch die Briefempfänger des Paulus glaubten an Gott. Das war nicht die Frage. Die Mahnung beider wendet sich an Menschen, die Gott kennen. Die Galater wussten auch um Gottes Sohn! Nicht Ungläubige, sondern Menschen, die Gott kennen, werden zur Buße gerufen. Sie wollen den Heiland, ohne dass er ihr Herr ist.

Woran kann man wahre Prophetie erkennen? Prophetie wird hier verstanden als Gottes Reden direkt in unser Leben hinein. Eine Wahre Prophetie zeigt die wunden Stellen bei mir auf. Wahre Prophetie zeigt mir, wo mein Leben nicht stimmt. Wahre Propheten höre ich vielleicht nicht gerne, sie ärgern mich, sie reizen mich, vielleicht kränken sie mich sogar, aber ich merke: Gott redet!

Gottes Wort will auch trösten. Er will uns leiten und schützen. Aber wer zu Gott kommt und nur seinen Trost, seine Kraft, seine Gnade sucht, der weiß nicht, wem er da begegnet! Der hat den lebendigen Gott zu seinem Götzen gemacht, der ihm gefälligst in Leben zu dienen hat.

Jeremia leidet unter seiner eigenen Verkündigung. Es macht ihm keinen Spaß. Er kommt nicht von oben herab auf die Menschen zu. Jeremia sagt, er sei zu jung. Man kann doch als Jugendlicher, als junger Mann, nicht Gottes Wort sagen und sich anderen Propheten gegenüber stellen! Jeremia findet kein Gehör. Erst als Israel tatsächlich 586 v.Chr. nach Babylon verschleppt wird, heben die Leute den Daumen. Jeremia hatte Recht. Jeremia hat Gottes Wort gepredigt! Wie schade, wenn man das erst so spät erkennt und die ganze Zeit nicht hören wollte. Jeremia weiß sich in der Pflicht, alles zu sagen, was er von Gott weiß. Das macht einen Propheten aus.

Israel damals und wir heute müssen es hören: Gott liebt uns. Wir sind absolut wertvoll in seinen Augen. Er hat alles für uns gegeben. Und er hat einen absoluten Anspruch auf unser Leben.

Amen.

Ein weitere Gedanke: Gott ist die Liebe heißt es bei Johannes. Er ist die Liebe, die dem verlorenen Sohn entgegen läuft, wenn er zum Vater kommt. Aber er ist auch die Liebe, die sich in einem Gleichnis Jesu dem Reichen entgegen stellt und ihn straft, weil er den armen Lazarus vor seiner Tür nicht sehen wollte. Gott ist Liebe. Aber er ist auch eine Liebe, die sich gegen alles stellt, was Menschen schadet, was Leben zerstört, was der Liebe nicht entspricht. Gott ist zornig, weil er uns liebt.

 
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