1. Petrus 1, 3-9 Neu geboren

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
Pastor Norbert Giebel, 24.6.2018

1. Petrus 1, 3-9  „Wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung!“

1. Wer möchte neu geboren werden?

Sich wie neu geboren fühlen, wer möchte das?! Wiedergeboren werden. Nicht später einmal, sondern jetzt. Noch einmal ganz von vorne anfangen. Die Fehler, die man machte, nicht mehr machen. Ganz neu an das Leben herangehen. Andere Schwerpunkte setzen. Etwas anderes lernen. Neue Interessen und Gaben entwickeln. Wiedergeboren zu werden mitten im Leben.

Viel zu oft machen wir die andere Erfahrung: Es bleibt alles beim Alten. Das Leben kommt einem vor, wie steckengeblieben. Man bewegt sich auf kleinem Raum, hin und her, aber große Veränderungen, die bleiben aus. Es geht nicht wirklich voran. Was habe ich mir nicht alles vorgenommen! Mit welcher Hoffnung bin ich einmal gestartet! Ich habe gar nicht gemerkt, wie eintönig mein Leben geworden ist. Alles Profil ist abgefahren. Ich bin glatt geworden. Ohne Gripp. Kann mein Leben noch einmal Schwung aufnehmen?

Für alle, die nicht wollen, das alles bleibt wie es ist, für alle, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben,  für alle , die in ihrem Leben noch etwas erwarten wollen, für die ist der Predigttext aus  dem ersten Petrusbrief Kapitel 1, 3-9:

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, 4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, 5 die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereitet ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit. 6 Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, 7 auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. 8 Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, 9 wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

Ein Segelschiff dümpelt vor der südamerikanischen Küste. Der Mannschaft war das Wasser ausgegangen. Sie sind erschöpft, ohne Kraft, sie leiden Durst. Da kommt ein anderes Schiff. Die Durstigen geben Signale: "Wasser! Wasser!" Die anderen signalisieren zurück: "Unter euch ist Wasser! Das ist Süßwasser!" Sie probieren. Tatsächlich: Es ist trinkbar! – Sie waren an einer Stelle, wo der Amazonas, der wasserreichste Strom der Erde, in den Ozean mündet und sein Wasser weit ins Meer hinausschickt, dahin, wo man das Land noch nicht sehen kann. – Sie wären fast verdurstet auf einem Meer von Trinkwasser.

Ich weiß, das ist sehr vereinfacht. Aber das ist unsere Situation als Christen. Nach Ostern, nach Pfingsten: Gott lässt uns auf einem Ozean voller Leben segeln. Alles, was wir zum Leben brauchen ist erreichbar! Wir müssen nur zulangen. Wir müssen nur trinken. „Gelobt sei Gott, der Vater unsers Herrn Jesus Christus, der uns in seiner Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung!“

2. Wir haben eine lebendige Hoffnung!

Dazu sind wir geboren. Lebendige Hoffnung ist das Kennzeichen des neuen Lebens. Jesus, der Auferstandene, er ist unsere Hoffnung! Unsere Hoffnung stirbt nicht zuletzt! Wir haben eine Hoffnung, die durch unser Leben mitgeht. Keine Hoffnung nur für eine Phase unseres Lebens, nur für die Jugend, nur für den Anfang des Glaubens, nur für gute Tage. – Hoffnung ist für Petrus genauso das entscheidende Kennzeichen der Christen, wie für Paulus der Glaube. Unsere Kraft, auch die von morgen, unser Trost, auch der von morgen, unsere Geborgenheit, auch die von morgen, ist immer um uns. Wie das Meer um ein Schiff herum.

Wir haben Hoffnung für jede Phase unseres Lebens! Unsere Hoffnung geht mit, wenn wir alt werden, auch wenn wir scheitern. Sie rückt uns nicht von der Seite, wenn wir ausgebrannt sind, wenn wir meinen, wir verdursten. Jesus gibt uns frisches Wasser. Sein Strom reicht bis zu uns hinaus, bis dahin, wo wir Angst haben und kein Land mehr sehen. Ohne Hoffnung zu sein würde bedeuten, ohne Jesus zu sein! Er geht durch jede Tür unsers Lebens mit! Durch Türen, die wir geplant haben, aber auch durch die Türen, die uns überfallen haben, die wir uns nicht ausgesucht haben.

Wir können unsere biologische Uhr nicht zurückstellen. Wir können nicht in den Bauch unserer Mutter zurück. In dem Sinn können wir nie wieder neu anfangen: Wir können nicht noch einmal eine Kindheit erleben, eingeschult werden, uns das erste Mal verlieben. Wir können unser Leben nicht noch einmal auf null stellen.

Vielleicht ist jemand hier, der in einem großen ihm wichtigen Beriech seines Lebens gescheitert ist. (Bestimmt ist nicht nur einer hier, der das erlebt hat.) Das wird man nicht einfach rückgängig machen können. Aber das neue Leben ist schon um dich her! Du hast Hoffnung! Ein Freund erzählte mir letzte Woche, dass sein Vater immer gesagt habe. „Das Spiel ist noch nicht aus, solange der Schiedsrichter es nicht abgepfiffen hat!“ Der Vater hat das im Blick auf das Fußballspielen gesagt, aber das stimmt auch für das Leben: Solange Jesus an unserer Seite ist, solange der Vater uns ansieht, solange seine Gnade währt, leben wir mit einer lebendigen Hoffnung.

3. Leiderfahrungen gehören zum Christsein.

Petrus schreibt seinen Brief an die Gemeinden in der heutigen Türkei. Die Christen dort erleben Anzeichen erster Verfolgungen. Aus seinem Brief entnehmen wir, dass die Christen Gutes tun wollten, aber sie erfahren nur Spott und Ablehnung. (3, 14.17; 4,14). Einigen wurde Hab und Gut genommen. Einige Menschen fügen Christen ganz gezielt Schaden zu.  Man meidet sie, macht keine Geschäfte mit ihnen. Sie werden ausgegrenzt. Es kommt zu ersten Verhaftungen, nur weil Menschen sich Christen nennen. Auch in einer christusfeindlichen Umwelt bleibt Jesus die lebendige Hoffnung der Christen. Das ist die Botschaft des 1. Petrusbriefes.

Die Christen leiden. Petrus schreibt seinen Brief an die Gemeinden in der Zerstreuung. Sie sind Fremdlinge in dieser Welt (1,1). Sie sind in dieser Welt nicht mehr zuhause. – Petrus hilft ihnen, ihre Leiden einzuordnen:

(1.) „Das geschieht, damit sich euer Glaube bewährt, damit er sich als tragbar zeigt.“ Euer Leiden hat einen Sinn. Gott will sich in eurem Leiden zeigen! Euer Glaube, ihr selbst sollt tiefer werden. Euer Glaube und ihr selbst werdet reifen durch diese Leiden.

(2.) Ihr habt durch eure Leiden Anteil an den Leiden Jesu. Schweres zu tragen, Leiderfahrungen zu machen, das gehört zum Glauben. Petrus schreibt: „Wundert euch nicht über die Hitze, die ihr als Angriff und Anfechtung erlebt, als würdet ihr etwas Fremdes erleben. Sondern freut euch, dass ihr mit Christus leidet, damit ihr auch an der der Freude Anteil habt, wenn Jesu Herrlichkeit allen sichtbar wird.“ (4,12)

(3.) „Euer Leiden ist zeitlich begrenzt!“ „Ja, ihr seid traurig! Euer Glaube wird angegriffen durch das, was ihr erlebt. Aber nur für eine kleine Zeit!“ (V6) „Ihr werdet aus Gottes Macht bewahrt durch euer Vertrauen bis zu eurer Rettung in der letzten Zeit!“ (V5) Petrus tröstet mit dem Blick auf die Ewigkeit! Das enttäuscht vielleicht. Aber es ist ehrlich und es rückt dieses Leben und unser Leiden in einen größeren Horizont: In diesem Leben wird nicht alles gut werden! Wir müssten Texte von Paulus lesen, der es oft betont, dass Leiden zum Christsein gehören. (z.B. 2. Kor 4, 7-17) „Dann aber werdet ihr euch freuen mit einer unaussprechlichen und herrlichen Freude!“ (V9) schreibt Petrus. Eure Hoffnung stirbt nicht! Euer „Lebensschiff“ fährt auf Süßwasser! Ihr habt das, was ihr zum Leben braucht, direkt unter euch!

4. Wir sind wiedergeboren aus Wasser und Geist

Der jüdische Gelehrte Nikodemus geht in der Nacht zu Jesus. (Johannes 3) Er will nicht gesehen werden, aber er will mit Jesus reden. Nikodemus ist Pharisäer. Die Pharisäer lehnen Jesus ab, aber er will sich selbst ein Bild von Jesus machen. Vielleicht will er ihm glauben, aber das muss ja niemand sehen. Niko will sich ein Urteil bilden, will seine Meinung prüfen. Vielleicht hat er Gutes von Jesus gehört und will einiges davon übernehmen.

Da sagt Jesus: „Es sei denn, dass jemand neu geboren werde. So kann er das Reich Gottes nicht sehen!“ „Neu geboren werden“ (Joh 3,3) oder „aus Gott geboren werden“, wie Johannes es auch nennt (1. Joh 5,10), das sind nur andere Begriffe für die Wiedergeburt, von der Petrus und auch Paulus sprechen. Die neue Welt Gottes gehört neuen Menschen, neuen Kreaturen (2. Kor 5,17), die Gott zur Welt bringt, die Gottes Geist erneuert! Nikodemus antwortet: „Wie kann ein Mensch geboren werden, der alt ist?“ Jesus sagt: „Es sei denn, dass jemand neu geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes hineinkommen!“ Es geht beim Glauben nicht nur um eine neue Erkenntnis. Das ist keine Sache nur für den Kopf. Es geht um dein Leben. Es geht um dein Herz. Und das muss neu werden!

Wer sich nicht erneuern lassen will, wer nicht neu geboren werden will, der bleibt Gott fern. Gott nimmt jeden Menschen an, wie er ist. Gott liebt jeden Menschen auf dieser Welt und er vergibt allen. Aber niemand soll bleiben wie er ist. Jeder soll offen sein für Gottes (!) Veränderungen an ihm. Jeder soll zulangen und von dem Wasser Jesu trinken, das sein Leben verändern wird. Das ist die Verheißung des neuen Bundes, den der Prophet Hesekiel Jahrhunderte vorher angekündigt hat: „Gott spricht: Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Leib wegnehmen und euch ein fleischernes Gerz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte tun.“ (Hesekiel 36, 25-27)

Der neue Bund, den Gott in Jesus Christus geschaffen hat, besagt nicht nur, dass Gott uns vergeben will und wir aus Gnade seine Kinder sind. Die erste gute Botschaft des neuen Bundes ist: Du kannst ein neuer Mensch werden! Du kannst ein Mensch Gottes werden. Beides sind Gottes Geschenke: Dass wir gerecht vor Gott sind und dass wir gerecht leben lernen dürfen. Wir sind dazu befähigt. Wir schwimmen im Wasser des Lebens.

5. Die Taufe ist das Bad der Wiedergeburt.

Paulus nennt die Taufe „das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist.“ (Titus 3,5) Auch Petrus erinnert mit dem Wort Wiedergeburt an die Taufe an. Manche Ausleger nehmen an, dass der 1. Petrusbrief eine überarbeitete Taufunterweisung ist. Taufe und die Gewissheit, „von Gott geboren zu sein“, gehören zusammen. Gerade in den durstigen Zeiten unseres Lebens, dürfen wir uns an diese Gewissheit erinnern: Gott hat uns geboren. Gott hat meinen Glauben zur Welt gebracht und bestätigt. Gott wird meinen Glauben erhalten bis ich einmal zur Seelen Seligkeit gelange, wie Petrus es hier ausdrückt. Gott wird durchhalten, durchtragen, wenn ich keine Kraft mehr habe. Mein Glaube ist nicht einfach Folge meine Bekehrung, meiner Entscheidung, mein Glaube ist ein Wunder. Ich bin aus Gott geboren.

Taufe und Bekehrung gehören zusammen. Ich zeige in der Taufe, dass ich glaube. Ich lege den alten Menschen ab und ziehe den neuen Menschen an. (vgl. Eph 4, 22-32; Kol 3, 5-15) Mehr noch aber hat Taufe den Charakter des Zuspruchs: Die Vergebung, die Gotteskindschaft, das du den Heiligen Geist empfangen hast, dass du Teil des Leibes Jesu bist, dass Gott dich wiedergeboren hat, das wird dir zugesagt. Daran erinnert Petrus die angefochtenen Christen: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung!

Gewachsen ist der Glaube schon vor der Taufe. Da wurde er schon „gezeugt“. Aber geboren, sichtbar auf die Welt gekommen ist ihr Glaube in der Taufe. An sie erinnert Petrus. Es ist im geistlichen wie im natürlichen Leben: Die Geburt ist nicht der absolute Anfang. Die Zeugung war vorher! Da hat das Leben schon begonnen. Aber die Geburt ist der Abschluss des Anfangs! Keiner feiert seinen Zeugungstag. Was gefeiert wird, woran erinnert wird, das ist der Geburtstag. Da fängt man selber an zu atmen! Da wird man sichtbar. Da bekommt man seinen Namen. Da wird sichtbar, wessen Kind man ist. So wie ein Kind nicht ewig in der Mutter bleiben kann, so müssen wir uns entscheiden. Willst du „auf die Welt kommen“ oder willst du ein verborgenes, ein heimliches Leben führen? Willst du in der Nacht zu Jesus kommen (wie Nikodemus) oder willst du dich am Tag mit ihm zeigen und neu geboren werden aus Wasser und Geist? Bei der natürlichen Geburt kann man Kinder zur Not auch mit Kaiserschnitt holen. Einen „geistlichen Kaiserschnitt“ gibt es nicht. Zu dieser Geburt musst du selber ja sagen.

6. Kann das Leben neu werden?

Im Bibelgespräch am Mittwoch haben wir über Hagar gesprochen. Die Zweitfrau von Abraham. Sara, seine erste Frau, hat Hagar immer wieder gedemütigt, sie hat sie schlecht behandelt, ihr Böses getan, weil Hagar schwanger war und Sara nicht schwanger wurde. Hagar flieht in die Wüste. Sie kann nicht mehr. Da kommt ein Mann auf sie zu, ein Bote Gottes, und er fragt sie: „Hagar, du Magd Saras, wo kommst du her? Wie bist du hierhergekommen? Und wo willst du hin!“

Das sind vielleicht die drei Fragen, die sich auch wiedergeborene Christen immer wieder stellen müssen. Vor Gott und vor Gott beantwortet: „Wo komme ich her? Wie bin ich hierhergekommen, wo ich heute bin? Wo will ich hin oder wo will Gott, dass ich mich hin entwickele oder hingehe?“ Vielleicht müssen wir dazu auch in die Wüste gehen. Abstand haben. Alleine sein. Keine Termine. Kein Handy. Keine Ablenkung. Nur Gott und ich. Nur diese drei Fragen ins Gebet nehmen: „Wo komme ich her? Wie bin hierhergekommen? Wo will ich hin?“ Wir segeln auf lebendigen Wasser! Gott lebt durch seinen Geist in uns! Veränderungen sind möglich! Vielleicht müssen wir manchmal die richtigen Fragen stellen, und sie in Ruhe stellen, und dann tun, was wir gehört haben.


Amen.

Segen: „Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.“ (Römer 15,13).

Ich habe für diese Predigt besonders profitiert von der Predigt von Thomas Volk, Göttinger Predigten im Internet, April 2010

 
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