Philipper 3, 7-14 Ziel des Lebens

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg

Norbert Giebel, Entlassung aus dem Gemeindeunterricht 17.6.2018

Philipper 3, 7-14         Noch nicht am Ziel, aber ergriffen von Jesus.

„Mein Haus, mein Auto, mein Boot!“ Das ist ein Satz aus einer alten Fernsehwerbung. Zwei alte Klassenkameraden treffen sich nach langer Zeit wieder. Beide sitzen im Anzug in einem Café. Auf die Frage „wie geht dir?“ kommen die Fakten auf den Tisch. Jeder holt Fotos heraus und zeigt, worauf er stolz ist. „Mein Haus, mein Auto, mein Boot!“ sagt der eine und zeigt, was er erreicht hat. Beeindruckend. Aber der andere toppt ihn weit. Alles zwei Klassen höher. „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ sagt er. „Und mein Pferd!“ Er hat seinen alten Freund voll ausgestochen. Dann zeigt er ihm die Karte seines Anlageberaters von der Sparkasse.

Eigentlich eine ziemlich plumpe Werbung. Aber da ist viel Wahres dran. Wofür leben wir? Was sind unsere Ziele? Was wollen wir erreichen? Was wollen wir einmal vorzeigen? Vielleicht würden WIR noch andere Karten auf den Tisch legen: Meine Frau, meine Kinder, meine Fitness. Kids in eurem Alter, liebe GU-ler, würden vielleicht sagen „Meine Freunde, mein Handy, meine Musik, mein Hobby!“

Ihr lieben Teens und liebe Gemeinde, darunter möchte ich es heute nicht machen. Das soll meine Frage sein: Wofür leben wir eigentlich? Welche Karten würden wir gerne einmal auf den Tisch legen? Was wollen wir schaffen? Was treibt uns an im Leben?

Ziele zu haben ist etwas Gutes. Wer weiß, wohin er will, was er erreichen will, der setzt sich dafür ein,  der ist bereit Opfer auf sich zu nehmen, eine lange Ausbildung, eine schwere Arbeit.
Wer kein Ziel hat, bleibt auf der Strecke. Ist doch klar. Der kommt nicht weiter. Der will ja auch nicht weiter.

Wenn ich Ziele habe für eine Reise, trete ich die Reise anders an. Ich will nach London, den Tower sehen, den Buckingham Palace, das Beatle-Museum, ein paar englische Pubs von innen kennenlernen. Dann mach ich das auch. Wenn ich ein Ziel habe für einen Tag, was ich erreichen will, werde ich den Tag anders beginnen und anders erleben. So ein Ziel motiviert, hilft den Tag, die Zeit, die Kraft einzuteilen. Man setzt die Schwerpunkte richtig. Was für eine Reise gilt oder für einen Tag, das stimmt auch für das ganze Leben, behaupte ich: Ziele, die ich erreichen will, motivieren ungemein. Man schafft nicht alles, was man sich vornimmt, aber es treibt einen an! Es gibt Kraft!

Was also sind unsere Ziele? Wenn man im Kinderharten ist, will man in die Schule. Endlich ist man ein Schulkind. Wow. Wenn man gute Noten will, wird man viel lernen. Klar. Mit 12 will man in den GU. Nicht mehr in den Kindergottesdienst. Mit 14 will man endlich raus aus dem GU. Was kommt nach dem GU? Wie geht es weiter? Was sind deine Ziele? Was kommt nach der Schule? Ein Jahr USA. Ein Jahr Au-pair. Ein Freiwilliges Soziales Jahr? Oder gleich eine Ausbildung oder studieren? Jetzt das Richtige machen. Das ist das Ziel.

Die Frage nach dem richtigen Partner ist wichtig! Wer ist treu? Mit wem kann ich mir vorstellen mein Leben zu teilen? Mit wem kann ich glauben und beten, wenn wir mal Schweres zu tragen haben? Was für ein Typ Frau, was für ein Typ Mann gefällt mir? Wer sich keinen Kopf macht stolpert irgendwie in irgendeine Beziehung hinein. Was ist mit Familie? Kinder? Wie viele? Wo will ich arbeiten? Wie wollen wir wohnen? Wie will ich leben?

Wer keine Ziele hat, stolpert durch sein Leben, oder?
Und wer Ziele hat, kann trotzdem scheitern! Es gelingt nicht alles im Leben. Vielleicht bekommst du den Studienplatz nicht. Deine Freundin oder dein Freund machen Schluss. Liebeskummer ist etwas Scheußliches. Du fällst durch die Prüfung. Eine Krankheit schränkt dein Leben ein. Mit 14, 42 oder 40.

Wofür leben wir? Und was tun wir, wenn es nicht klappt? Stellt euch vor, ihr seht euch wieder im GU. 30 Jahre später. Legt ihr dann auch eure Karten auf den Tisch? „Mein Auto, mein Haus, mein Boot, meine Frau, meine Kinder ...“ Was soll eure Leben ausmachen? Was ist euch wichtig? Geht es darum die anderen auszustechen? Wer hat die steilste Karriere? Wer hat am meisten Ansehen?      Wer die hat die tollste Figur?

Ziele zu haben ist etwas Gutes. Aber soll es euch, soll es uns darum gehen, wer am Ende die besten Karten in der Hand hat? Das kann es doch auch nicht sein, immer von einem Ziel zum nächsten zu hetzen. Das Leben soll kein Hürdenlauf sein, oder?

Gibt es ein größeres Ziel hinter allem? Gibt es etwas, was durch alles hindurch viel wichtiger ist? Gibt es etwas, für das es sich lohnt, alles hintenan zu stellen oder sogar aufzugeben? Gibt es ein Ziel, einen Sinn, etwas was mich hält, das mir Frieden gibt, woran ich mich freue, auch wenn ich im Leben scheitere? Das darf ja wohl nichts Billiges sein, denn je nachdem wie man scheitert, kann das das ganze Leben schwer machen.

Ich lese uns etwas von Paulus vor. Er hat einen Lebenswandel erlebt. Einen Wertewandel. Plötzlich sind ihm ganz andere Dinge, andere Ziele im Leben wichtig geworden: (Phil 3, 7-14)

7 Alles, was mir früher als großer Gewinn vorkam, habe ich durch Christus als Schaden erkannt. 8 Ich betrachte alles andere als Verlust im Vergleich mit dem überwältigenden Gewinn, dass ich Jesus Christus als meinen Herrn kenne. Durch ihn hat für mich alles andere seinen Wert verloren, ja ich halte es für Dreck. Nur noch Christus hat für mich einen wahren Wert. 9 Zu ihm möchte ich um jeden Preis gehören. Deshalb will ich nicht mehr durch das Gesetz aufgrund meines eigenen Tuns vor Gott bestehen, sondern nur noch indem ich mich an das halte, was Gott durch Christus für mich getan hat. Darauf allein will ich vertrauen. 10 Ich möchte nichts anderes mehr kennen als Christus, damit ich die Kraft seiner Auferstehung erfahre, so wie ich auch sein Leiden mit ihm teile. Ich sterbe mit ihm seinen Tod 11 und habe die feste Hoffnung, auch an seiner Auferstehung teilzuhaben. 12 Ich meine nicht, dass ich schon vollkommen bin oder das Ziel erreicht habe. Ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. 13 Ich bilde mir nicht ein, dass ich es schon geschafft habe, aber das sage ich euch: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, 14 und jage nach dem vorgesteckten Ziel, um den Siegespreis von Gottes Berufung zu gewinnen: Das ist das neue Leben, zu dem Gott mich durch Jesus Christus berufen hat!“                                                                                              (Mischübersetzung aus Gute Nachricht und Luther)

Hey, das müsst ihr wissen: Paulus war zufrieden. Er hat alle Ziele in seinem Leben geschafft. Er hatte eine super Ausbildung. Er war ein gebildeter Pharisäer, ein Schriftgelehrter mit hohem Ansehen. Man hat ihm große Aufträge anvertraut. Er war bekannt und gefürchtet. Man redete über Paulus. Das Leben war für Paulus absolut in Ordnung! Er hat sich nicht nach einem anderen Leben gesehnt. Er war sich seiner selbst und seiner Überzeugungen so sicher, dass er als Jude die Christen verfolgte. Er war ein jüdischer Religionspolizist. Er hat Leute ins Gefängnis oder sogar zu Tode gebracht. Paulus war für sein Empfinden überhaupt nicht gescheitert. Er war ein Held, ein Glaubensheld, ein Eiferer, ein Gerechter.

Dann ist ihm Jesus begegnet vor der Stadt Damaskus. Da ist er von seinem hohen Ross gefallen. Da hat er erkannt, dass er sein ganzes Leben falsch investiert hat, dass er die falschen Werte hatte. Die jüdische Elite stand auf seiner Seite. In seinen Kreisen war es absolut angesehen, wie er lebte. Jesus stellte alles auf den Kopf.

Jetzt hat Paulus ein anderes großes Ziel vor Augen. Ein Ziel, das er in seinem ganzen Leben nie erreichen wird. Er wird immer unterwegs bleiben. Er wird immer ein Lernender bleiben. Er wird Fehler machen. Er ist nicht mehr stolz. Er weiß, dass er nicht vollkommen ist. Er ist nicht mehr voller Hass, sondern voller Liebe. Er hat an Ansehen verloren. Jetzt gehört er zu den Verfolgten. Auch bei den Christen dauert es eine ganze Zeit, bis sie ihrem alten Feind vertrauen. Der studierte Paulus jobbt als Zeltmacher um sein Leben und seine Vision zu finanzieren. Wie unverantwortlich ist das denn?

Paulus ist krank. Er hat eine Schüttellähmung, so etwas wie Parkinson. Aber er hat eine Vision, ein Ziel, das ihm alle Kraft gibt für lange Reisen, für Widerstände. Als er diesen Brief an die Philipper schreibt, ist er auch gerade wieder im Gefängnis. Egal. Das ist es ihm alles wert. Alles, was früher wichtig war, erscheint ihm jetzt wie Dreck. Im Griechischen steht das das Wort für Kot. Im Deutschen haben wir noch ein anderes Wort für Kot. „Wisst ihr was? Dieses ganze Karrieredenken, diese Sucht nach Anerkennung, dieses ständige Rechthabenmüssen und andere beurteilen, das ist alles Kot.“

Wenn wir das schon einmal auf uns übertragen: Das heißt nicht, dass unser ganzes Leben egal ist. Das heißt nicht, dass alles im Leben Dreck war, bevor ich Jesus kennengelernt habe. Meine Eltern, Oma und Opa, Freunde, Schule und Ausbildung, meine schönen Urlaube. Nein, das war gut! Das war wertvoll. Aber alles das ist nicht das Ziel und der Sinn in meinem Leben. All das hält mich nicht. Alles das soll nicht die Triebkraft in meinem Leben sein.

Paulus hat ein großes Ziel gefunden, ein großes Licht, eine Liebe, die sein ganzes Leben verändert hat und einen Herrn, der ihn hält und ihn froh macht in allen seinen Leiden. Paulus sitzt im Gefängnis und schreibt etwas später im Philipperbrief:         „Freut euch! Ich sage es noch einmal; Freut euch! Freut euch in dem Herrn!“ Er ist da. Er hilft euch, führt euch, trägt euch, wenn ihr nichts mehr ertragen könnt. Er ist unsere Hoffnung!“

Machen wir uns nichts vor: Es gibt Christen, die haben die gleichen Ziele wie viele anderen Menschen. Und Gott soll ihnen dabei helfen. Sie beten um die richtige Schule für ihre Kinder. Sie beten zusammen für gute Noten, für eine gute Ausbildung, für einen guten Arbeitsplatz, für Gesundheit natürlich, und dass sie den Kredit abzahlen können für ihr Auto, ihr Haus und Boot. Es gibt Christen, für die soll Gott so eine Art Sponsor für ihre Lebensziele sein.

Für Paulus war das neue Leben kein Mehr an Luxus. Keine Aufstockung seiner egoistischen Ziele, Haus noch größer, Frau noch liebevoller, Auto noch mehr PS. Er sagt sogar, dass er zum Leiden bereit ist, dass er sein Leben in den Tod gegeben hat, um auch an der Kraft seiner Auferstehung teilzuhaben.

Den Römern hat Paulus einmal geschrieben, dass genau das in der Taufe passiert: Man gibt sein Leben Jesus. Man stirbt mit ihm, bekommt Anteil an seinem Kreuz und an seiner Auferstehung. Und Paulus hat das gelebt. – Wie wollen wir leben? Was ist uns das Wichtigste? Wer soll uns führen, auch wenn es Leiden bedeutet? Wo wollen wir konsequent sein in unserem Leben?

Als ich mit 14 Jahren getauft wurde, kamen mich zwei Männer besuchen. Der eine, das weiß ich noch, erzählte, wie er nach Achim gekommen sei. Er war Ingenieur. Er hatte drei Angebote, wo er arbeiten konnte. In Achim gab es eine Gemeinde. In Achim haben sie ein Haus gefunden, von dem aus sie mit dem Fahrrad zur Gemeinde fahren konnten. Das gab den Ausschlag. Nicht, wo er am meisten verdient oder die besten beruflichen Chancen hat. Ich fand das damals fast lächerlich. Harmlos. Komisches Beispiel dachte ich. Heute finde ich das tatsächlich beachtenswert. Er hat studiert, er hat Arbeit gefunden, er hat ein Haus gefunden, vielleicht hatte er auch ein Auto und ein Boot. Aber wichtig war ihm die Frage, wo er andere Christen findet und wo Gott ihn gebrauchen will. Wenn das unsere wichtigsten Ziele im Leben sind „Mein Auto, mein Haus, mein Boot“, bleibt der lebendige Glaube schnell auf der Strecke.

Jesus hat einmal gesagt: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, dann wird euch alles andere zufallen!“ (Matthäus 6,33) Weil auch nicht alle Christen ihm das glauben, leben sie am Ende doch für ihre Ziele. Schule geht vor. Beruf geht vor. Mein Hobby geht vor. Und wir gehen hinterher. Anstatt Jesus nachzufolgen, der uns vorausgegangen ist. Wir setzen uns Ziele im Leben,  aber im Glauben stolpern wir durch Leben. Man hetzt von Ziel zu Ziel und vergisst das und den Allergrößten im Leben.

Als ich vor bald 5 Jahren nach Kassel kam, sagte mir ein Mädchen, auch vielleicht 14 oder 15 Jahre alt, dass sie sich taufen lassen möchte. Bei der nächsten Taufe wollte sie doch nicht. Bei der übernächsten auch nicht. Inzwischen kommt sie nicht mehr zu dieser Gemeinde. Auch von einzelnen Jugendlichen in der Gemeinde habe ich das gehört und auch schon von Einzelnen von euch aus dem GU. „Ich will mich auch mal taufen lassen!“ Warum macht man es dann nicht?

Die Taufe ist ja nur ein Beispiel. Es könnte auch ein Glaubenskurs sein oder eine Mitarbeit in der Gemeinde. Von einigen Teens in Baunatal weiß ich, dass sie schon in der Gemeinde mitarbeiten. Oder jemand könnte es als sein Ziel nehmen, täglich in der Bibel zu lesen, täglich zu beten oder immer in den Gottesdienst zu kommen.

Ich glaube, dass Ziele gut sind. Und ich denke, dass auch unser Glaube Ziele braucht. Ziele, die wir ernst nehmen, für die wir uns einsetzen, die uns Opfer kosten dürfen, die jetzt zu unserem Leben gehören. Wenn denn der Glaube ein Wichtiger oder der wichtigste Teil unsers Lebens sein soll. – Ich schließe mit den drei mir wichtigsten Sätzen von Paulus in unsrem Predigttext. Er schreibt ja auch von sich, von seinem Leben. Aber diese drei Sätze sollen alle damals in Philippi und wir heute nachsprechen:

  1. Ich habe es noch nicht ergriffen.

Paulus ist nicht vollkommen. Gar nicht. Er ist noch auf dem Weg. Er weiß noch nicht alles und er will noch viel im Glauben lernen. Ich glaube, das sollten wir alle nachsprechen: Ich habe es noch nicht ergriffen. Ich bin noch nicht am Ziel!

  1. 2.Ich jage ihm aber nach!

Ich bleibe nicht stehen. Ich bin nicht fertig, aber voll engagiert. Ich tu, was ich schon weiß. Ich schiebe nichts auf. Ich bleibe an Jesus dran und will ihm in allem nachfolgen. Und das tu ich nicht mit kleinen Schritten. Ich jage ihm nach. Das sollten wir ihm alle nachsprechen: Ich jage Jesus nach. Ich strecke mich ganz aus nach dem Ziel, das Jesus vor mich gelegt hat. Den Korinthern schrieb Paulus: „Lauft so, dass ihr den Siegespreis erlangt!“ In seinem Brief an die Galater schrieb er: „Ihr seid so gut gelaufen, wer hat euch jetzt aufgehalten?“ Wer hat euch aufgehalten?

Eine Uhr, die stehen bleibt, geht am Anfang nur wenige Sekunden nach. Das merkt keiner. Bald geht sie fünf Minuten nach. Nun ja, das kann man doch verkraften. Was sind fünf Minuten? Bald geht sie eine Stunde nach, das ist schon ärgerlich. Dann kann man sie gar nicht mehr gebrauchen. Eine Uhr die steht, ist zu nichts mehr zu gebrauchen. So ist es auch mit uns Christen. Christen sollen nachfolgen und nicht nachgehen wie eine stehen gebliebene Uhr.

  1. Weil Christus mich ergriffen hat!

Jesus hat mich nicht nur berührt. Ich habe nicht nur ein schönes Gefühl. Er hat mich gerettet, er hat mich gerufen, er hat mich ergriffen. Davon komme ich nicht los und davon will ich nie wieder loskommen. Ich bin begeistert. Ergriffen wie jemand, der frisch verliebt ist, der sein erstes Kind im Arm hält, der aus dem Staunen nicht heraus kommt. Das sollten wir alle nachsprechen: Ich folge Jesus, ich bleibe ihm auf den Fersen, denn er hat mich ergriffen!

Amen.

 
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