Apg in Auswahl: Barnabas, ein Leiter, der Menschen fördert.

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Mönchebergstraße

Norbert Giebel, 12.08.2018

Barnabas – ein Leiter, der Menschen fördert
Texte aus der Apostelgeschichte in Auswahl

Ich möchte euch von einem Gemeindeleiter erzählen. Ein Gemeindeleiter aus dem Neuen Testament. Er hat in einem Leitungsteam gearbeitet, wie wir noch sehen werden. So wie wir das heute auch tun. Er hat eine kleine, sehr bunte Gemeinde im Aufbau begleitet, die dann eine sehr große Gemeinde wurde, auch das werden wir noch sehen. Dann hat er als Missionar würden wir heute sagen die Gemeinde verlassen. Er war Gemeindeleiter, Missionar, Prediger und Lehrer der Gemeinde. Ohne ihn wäre das Neue Testament wohl ein Drittel dünner heute. Das aber lag an einer anderen Qualifikation, für die er sogar mit seinem Namen stand. Der Mann, von dem ich erzählen will, war ein Menschenermutiger, ein Tröster, ein Brückenbauer zwischen Menschen, einer, der Menschen sieht und sie fördert. Einer, der das Potential von Menschen erkennt und sich ganz an ihre Seite stellt. Darum geht es mir heute besonders. Ich spreche von Barnabas. Vorgestellt wird er uns in Apostelgeschichte 4. Ich lese die Verse 32, 36 und 37:

32 Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.
36 Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, 37 der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

Barnabas hieß also eigentlich Josef. Josefs aber gab es viele damals. Darum hat er den Beinamen Barnabas von den Aposteln bekommen. Barnabas heißt „Sohn des Trostes“ oder „Sohn des Zuspruchs“. Und dieser Name war Programm. Dass er andere ermutigen kann, haben die Apostel sofort erkannt und ihm darum diesen Namen gegeben. Sein Name stand für sein Wesen, seinen Charakter, seine Haltung Menschen gegenüber. Er war Levit, gehörte also zu denen, die Priesterdienste übernahmen. Er kam aus Zypern, war also Diasporajude, ist nicht in Israel aufgewachsen. Als Levit sprach er gut Hebräisch, als Grieche sprach er bestes Griechisch. Er muss Pfingsten oder bald nach Pfingsten zum Glauben an Jesus als den Messias gekommen sein, denn er wird hier in den Anfängen der Jerusalemer Gemeinde genannt.

Das Erste, was wir jetzt von ihm erfahren, ist, dass er seinen Acker, sein Land verkauft hat, und den Erlös den Aposteln gegeben hat, um die Armen zu versorgen. Ein Herz für Menschen zu haben, das kostet. Andere hätten von dem Geld vielleicht ein Haus gebaut oder hätten es für ihre Alterssicherung weggelegt oder hätten das Land verpachtet und die Pacht gespendet. Barnabas aber geht es zu Herzen, dass es so viele Arme unter den Christen gibt und er gibt alles für sie. – Und er war nicht der Einzige damals, der alles gab, um Arme zu unterstützen.

Bei seiner zweiten Erwähnung wird Barnabas als Brückenbauer gebraucht. Ich lese Apg 9, 26-28

26 Als Saulus aber nach Jerusalem kam, versuchte er, sich zu den Jüngern zu halten; doch sie fürchteten sich alle vor ihm und glaubten nicht, dass er ein Jünger wäre. 27 Barnabas aber nahm ihn zu sich und führte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie Saulus auf dem Wege den Herrn gesehen und dass der mit ihm geredet und wie er in Damaskus im Namen Jesu frei und offen gepredigt habe. 28 Und er ging bei ihnen in Jerusalem ein und aus und predigte im Namen des Herrn frei und offen.

Kurz nach seiner Bekehrung vor Damaskus kommt Saulus oder Paulus nach Jerusalem. Alle kannten ihn noch als den radikalen Christenverfolger. Er hatte Stephanus auf dem Gewissen. Er hat dafür gesorgt, dass Christen umkamen oder ins Gefängnis kamen. Keiner mochte ihm trauen unter den Christen in Jerusalem. Das war sicher nur ein Bluff. Ein Betrug. Ein doppeltes Spiel. Es würde nicht lange dauern, bis er sein wahres Gesicht zeigt. Nie würde dieser Saulus einer von Ihnen werden! – Sie flüchteten vor ihm. „Er versuchte sich mit den Christen in Verbindung zu setzen“ scheibt Lukas. Es gelang ihm nicht einmal, mit Christen zu sprechen, zu erzählen, seine verrückte einmalige Lebenssituation mit jemandem zu teilen. Alle hatten Angst vor ihm. Niemand vertraute ihm. Der frisch gebackene und gerade getaufte Christ wurde ausgegrenzt.

Nur Barnabas geht zu ihm hin und spricht mit ihm. Das ist schon ganz viel in dieser Situation. Er redet nicht über ihn, er sucht den Kontakt. Er redet mit ihm und muss dabei sicher auch eigene mulmige Gefühle überwinden. Wie oft werden sie sich getroffen haben? Doch bestimmt nicht nur in einem Gespräch, um das Gewissen zu beruhigen. Menschen in solchen aufwühlenden Lebenssituationen wie die, in der Paulus sich befand, brauchen nicht ein Gespräch, sie brauchen jemand, der zu ihnen Vertrauen aufbaut, der sich ihren Fragen stellt, der sie begleitet. „Er nahm ihn zu sich“, schreibt Lukas. Das ist mehr, als mal mit ihm reden.

Saulus brauchte ihn jetzt, in dieser Not. Barnabas ist ein vorbildlicher Menschensucher und Menschenbegleiter. Er redet zuerst mit Saulus und dann redet er für ihn. Er sucht die Apostel auf. Er berichtet von seinen Eindrücken. Er erzählt, was er ihm erzählt hat. Und er verwendet sich für ihn. Und dann bringt er ihn zu den Aposteln. Auch sie müssen jetzt überzeugt gewesen sein. Barnabas hat Saulus gewonnen und hat die Apostel für ihn gewonnen. Paulus fängt an zu predigen, mutig und in Vollmacht. Liebe ist mehr als gute Worte, heißt es in einem Lied. „Liebe, das sind Worte und Taten!“ Beides schenkt Barnabas Saulus. Liebe zu Menschen kostet. Zuerst den Acker, jetzt Mut und Zeit und Geduld und Gespräche. Barnabas ist ein wahrer Hirte.

Bald darauf muss Paulus Jerusalem dennoch verlassen. Der Boden wird zu heiß für ihn. Jetzt gehört er auf die Seite der Verfolgten. Jetzt muss er sich in Acht nehmen vor Radikalpharisäern, wie er einer war. Und seine neuen Brüder, sie schützen ihn:

Ich lese weiter, Verse 29 und 30:

29 Er redete und stritt auch mit den griechischen Juden; aber sie stellten ihm nach, um ihn zu töten. 30 Als das die Brüder erfuhren, geleiteten sie ihn nach Cäsarea und schickten ihn weiter nach Tarsus.

Dieser hoch begabte Christ geht nach Hause. In Tarsus ist er aufgewachsen. Er arbeitet wieder als Zeltmacher. Saulus, der später große Paulus, steht auf dem Abstellgleis. Barnabas aber geht bald darauf nach Antiochia. Eine Gemeinde, die in großen Teilen aus Flüchtlingen besteht.

Ich lese Apg 11, 20-24

20 Es waren aber einige unter ihnen, Männer aus Zypern und Kyrene, die kamen nach Antiochia und redeten auch zu den Griechen und predigten das Evangelium vom Herrn Jesus. 21 Und die Hand des Herrn war mit ihnen und eine große Zahl wurde gläubig und bekehrte sich zum Herrn. 22 Es kam aber die Kunde davon der Gemeinde zu Jerusalem zu Ohren; und sie sandten Barnabas, dass er nach Antiochia ginge. 23 Als dieser dort hingekommen war und die Gnade Gottes sah, wurde er froh und ermahnte sie alle, mit festem Herzen an dem Herrn zu bleiben; 24 denn er war ein bewährter Mann, voll Heiligen Geistes und Glaubens. Und viel Volk wurde für den Herrn gewonnen.

Juden, die gläubig wurden an Jesus als den Messias flüchteten in den Norden. Die Verfolgung hatte nicht nachgelassen. Auch aus Zypern und aus Kyrene im heutigen Libyen kamen Flüchtlinge. Auch dort gab es also schon Bekehrungen unter den Juden. Ganz neu aber war, dass man in Antiochia auch Nichtjuden das Evangelium predigte und sie zum Glauben kamen. Das gab es in Jerusalem noch nicht. Wie sollte man mit diesen Gläubigen umgehen? Nichtjuden wurden damals einfach Griechen oder Heiden genannt. Jetzt kamen also auch Heiden zum Glauben! – Was war das da für eine Gemeinde, die 500 km nördlich von Jerusalem am Entstehen war?

Die Gemeinde in Jerusalem schickt Barnabas hin. Er soll nach dem Rechten sehen. Er soll den Prozess begleiten. Er ist genau der Richtige für Menschen im Umbruch. Er ist klar in der Lehre, er ist fest im Glauben und er hat ein Herz für Menschen. Ich könnte mir denken, Barnabas hat da viel Fremdes und Neues gesehen. Andere Kulturen. Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. – Aber von Skepsis oder Vorsicht keine Spur. Barnabas freut sich über das, was er sieht. Er sieht Gott am Werk. Sie müssen doch nicht die gleichen Lieder singen oder die gleichen Kleider tragen oder die gleiche Haltung beim Beten einnehmen. Sie haben einen Herrn und der tut Großes in Antiochia.

Barnabas freut sich und „ermahnt sie alle, mit festem Herzen an dem Herrn zu bleiben.“ Das Wort für ermahnen kann man auch mit ermutigen übersetzen. Barnabas stellt sich ihnen an die Seite und ermutigt sie. – Und er bleibt in Antiochia. Diese Christen brauchen ihn. Menschen liegen ihm am Herzen. Auch schwierige Menschen, auch so ein bunter Haufen wie in Antiochia, die sich Gemeinde Jesu Christi nennen. Barnabas verlässt seine Heimat und stellt sich auf ganz neue Menschen ein. Menschen zu lieben, das kostet. Zuerst den Acker, dann den Mut für Gespräche, Zeit und Geduld für einen Menschen. Und jetzt den Verlust der Heimat und sich auf ganz neue Menschen einzustellen.

Alleine schafft er es nicht, merkt Barnabas. Er war nicht ganz alleine. Es gab weitere Prediger und Lehrer. Aber seine Rolle war schon herausragend. Allein schafft er es nicht. Vielleicht war das der Grund, dass Barnabas sich an Paulus erinnert. Vielleicht hat er aber auch oft an ihn gedacht und ihn nie vergessen. Barnabas geht los und sucht Paulus.

Ich lese weiter die Verse 25-26:

25 Barnabas aber ging nach Tarsus, Saulus zu suchen. 26 Und als er ihn fand, brachte er ihn nach Antiochia. Und sie blieben ein ganzes Jahr in der Gemeinde und lehrten viele. – In Antiochia wurden die Jünger zuerst Christen genannt.

Barnabas reist zuerst 500 km nördlich nach Antiochia, jetzt macht er sich 400 km auf den Weg nach Tarsus. Barnabas reist um die ganze Welt, um diesen Paulus zu gewinnen. Ohne Barnabas gäbe es wohl keinen Heidenapostel Paulus, keine Paulus-Briefe und das Neue Testament wäre um ein Drittel dünner.

Es kostet, sich um Menschen zu kümmern. Jetzt kostet es auch der Gemeinde in Antiochia etwas. Für Wochen, vielleicht für Monate müssen sie jetzt auf ihren Ermutiger verzichten, weil er einen neuen Mitarbeiter sucht. Was mag wohl aus Paulus geworden sein? Wie hat sich sein Glaube entwickelt? Was für ein Potential kann in diesem Mann stecken? Würde er ihn für die Reichs-Gottes-Arbeit oder im Besonderen für die Gemeindearbeit in Antiochia gewinnen können?

Die Rechnung geht auf. Barnabas holt Paulus nach Antiochia. Und Barnabas nimmt ihn weiter in seine Schulung hinein, wie er es damals in Jerusalem schon begonnen hatte.

Für die Mitarbeiterförderung gibt es eine ganz einfache Regel. Wenn man jemanden anlernen will, wenn man jemandem bei seiner Entwicklung begleiten will. Das wäre auch für uns ein guter Tipp:

  1. Mach es allein und lass den Mitarbeiter zusehen.
  2. Mach es und las dir vom Mitarbeiter helfen.
  3. Macht es zusammen.
  4. Lass es den Mitarbeiter machen und helfe ihm.
  5. Lass es den Mitarbeiter machen und sieh ihm zu.

So könnte man zum Beispiel verfahren, wenn jemand lernen soll, einen Gottesdienst zu leiten.

  1. Zuerst selber den Gottesdienst planen und moderieren und den anderen zusehen lassen.
  2. Dann sich helfen lassen. Der oder die Neue übernimmt einen Teil.
  3. Dann es zusammen planen und durchführen.
  4. Dann den anderen machen lassen und ihm helfen.
  5. Dann den anderen ganz machen lassen aber ihn nicht aus den Augen verlieren.

Wenn man nicht aufpasst, wird meistens die andere Alternative gelebt: Gib einem Mitarbeiter eine Aufgabe, die ihn überfordert, und lass ihn darin allein. Und wenn er mal nicht weiterkommt, kann er mit dir ein Gespräch suchen. Wenn es gut geht.

Im Urlaub war ich in einer Gemeinde. Ich sprach mit dem Pastor. Sie nennen ihre Gemeindeleitung das Dream-Team. Jeder im Dream-Team ist für einen Bereich zuständig. Z.B. für den Empfangsdienst u.a. mit Essenangebot jeden Sonntag. Und der Pastor sagte mir: „Das Dream-team, das ist meine Gemeinde, das sind die Leute, um die ich mich kümmern muss, Dann läuft es in der Gemeinde.“ Coaching oder Mentoring, wie man das heute nennt, wird in dieser Gemeinde ganz groß geschrieben. Und es fängt an in der Gemeindeleitung. Die Mitarbeiter, die Gott besonders begabt und berufen hat, brauchen Begleitung. Sonst geht es nicht. In einem Buch zu Gemeindeaufbau las ich den Satz: „Berufe nie einen Mitarbeiter, bevor du weißt, wie du ihn anschließend begleiten und fördern willst!“ - Was für eine Wohltat für alle Mitarbeiter muss das sein!

Barnabas und Paulus werden ein super Team in Antiochia. Bald werden sie fast immer in einem Atemzug genannt. Barnabas und Paulus. So wie Pat und Paterchon oder Max und Moritz. Der Mentor und der alte Radikalpharisäer, den er immer weiter fördert.

Ich lese Apg 13, 1-3

1 Es waren aber in Antiochia in der Gemeinde Propheten und Lehrer, nämlich Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Luzius von Kyrene und Manaën, der mit dem Landesfürsten Herodes erzogen worden war, und Saulus. 2 Als sie aber Gottesdienst hielten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir aus Barnabas und Saulus zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe. 3 Da fasteten sie und beteten und legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen.

Die Gemeindeleitung in Antiochia nannten sich „Propheten und Lehrer“. Barnabas wird als Erster genannt. Das ist kein Zufall. Paulus als Letzter. Die kommen zusammen zum Beten und Fasten. Vielleicht so eine Art Gemeindeleitungsklausur. Wie soll es weitergehen? Was liegt dir am Herzen, Herr? Wohin sollen wir uns entwickeln? Was sind die nächsten Ziele? Das Ergebnis war sicher eine Überraschung. Auch nicht einfach. Der Gemeindeleiter und sein Sozius sollen als Missionare ausgesandt werden. Das wird auch für die Gemeinde ein Opfer gewesen sein. Aber Barnabas und Paulus werden die Hände aufgelegt, sie werden gesegnet und unter Gebet ausgesandt. Vielleicht hat Gott öfter als wir denken ganz andere Ideen als wir, wenn wir beten und fasten und hören und Gott sieht, dass wir bereit sind für neue Wege.

Bei der ersten Missionsreise war Barnabas die starke Figur, der Leiter. Sie kommen nach Zypern, der Heimat von Barnabas, dann ins Landesinnere von Kleinasien, der Heimat von Paulus. In Lystra hält die Bevölkerung beide für Götter. Paulus hatte einen Gelähmten geheilt. In 14, 11 und 12 lesen wir daraufhin:

11b Die Götter sind den Menschen gleich geworden und zu uns herabgestiegen. 12 Und sie nannten Barnabas Zeus und Paulus Hermes, weil er das Wort führte.

Zeus ist der Chef. Zeus ist der oberste Gott. Hermes aber ist der Götterbote, der bessere Redner. Barnabas führt Paulus über seine eigenen Fähigkeiten hinaus. Paulus hat ein anderes Profil. Er kann manches besser als Barnabas. Barnabas will keinen kleinen Barnabas schaffen. Paulus muss nicht werden wie er. Er unterstützt Paulus zu einem echten Paulus zu werden. Die Grenzen des Mentors aber auch seine Gaben sollen keine Grenzen sein für den, den er fördert.

Menschen sehen, Menschen aufsuchen, sich ihnen zur Verfügung stellen, für sie sein in Worten und Taten, ihnen helfen, ihr eigens Potential zu entwickeln, das sind Aufgabe eines geistlichen Hirten. Wo sehen wir Menschen mit Potential, mit einer Sehnsucht, die Gott ihnen ins Herz gelegt hat, und wie können wir sie fördern?

Zurück in Antiochia stehen wichtigste theologische Fragen an. Müssen die bekehrten Heiden eigentlich Juden werden? Müssen sie nicht auch beschnitten werden? Müssen sie nicht auch das Gesetz des Moses jetzt halten? Oder ist das Gesetz nur den Juden gegeben? Den Text aus Apg 15 will ich jetzt nicht lesen. Barnabas und Saulus werden nach Jerusalem gesandt, um diese Fragen zu klären. Die Apostel und die ganzen Gemeinde in Jerusalem diskutiert. Das Ergebnis ist, das Heiden, die Jesus als Herrn annehmen, nicht das Gesetz halten brauchen, bis auf wenige Ausnahmen.

Für unsere Frage interessanter ist zum Schluss die Trennung von Pat und Paterchon, von Bar-nabas und Paulus. Da zeigt Barnabas sich wieder als ein Leiter, der Menschen fördert. Die Initiative geht von Paulus aus. Er will mit Barnabas zu einer weiteren Missionsreise aufbrechen. Barnabas will Johannes Markus wieder als Mitarbeiter mitnehmen, den späteren Verfasser des Markusevangeliums. Paulus ist strikt dagegen. Auf der ersten Reise war Markus umgekehrt. Zu dritt waren sie losgezogen. In Zypern war noch alles in Ordnung. Als sie ans Festland kamen, hat Markus sie im Stich gelassen. So sieht es Paulus. Markus hat Angst bekommen. Es wurde ihm alles zu viel. Er hat seinen Job als Missionar an den Nagel gehängt, hat die Koffer gepackt und die Reise nach Hause angetreten. „Das soll mir nicht noch mal passieren!“ weiß Paulus. „Da hat er doch gezeigt, dass er nicht belastbar ist, das er nicht durchhält. – Das Risiko Markus war Paulus zu groß.

Barnabas aber stellt sich zu Markus. Zugegeben: Markus war sein Cousin (vgl. Kol 4,10). Aber ich unterstelle mal, dass das nicht ausschlaggebend war. Barnabas stellt sich zu Markus wie er sich in Jerusalem einmal zu Paulus gestellt hatte. Paulus scheint vergessen zu haben, dass er selbst auch eine zweite Chance bekommen hatte. Paulus denkt strategisch. Paulus will kein Risiko mit einem nicht berechenbaren Mitarbeiter eingehen. Barnabas sieht den Menschen und sieht Gott an ihm am Werk.

Ich lese zum Abschluss Apg 15, 37-40:

37 Barnabas aber wollte, dass sie auch Johannes mit dem Beinamen Markus mitnähmen. 38 Paulus aber hielt es nicht für richtig, jemanden mitzunehmen, der sie in Pamphylien verlassen hatte und nicht mit ihnen ans Werk gegangen war. 39 Und sie kamen scharf aneinander, sodass sie sich trennten. Barnabas nahm Markus mit sich und fuhr nach Zypern. 40 Paulus aber wählte Silas und zog fort, von den Brüdern der Gnade Gottes befohlen.

Ohne Barnabas wäre das Neue Testament viel dünner. Ohne ihn und seinen Blick für Menschen, auch für schwierige, angstvolle Menschen, für jemand, der schon mal gescheitert ist, gäbe es auch das Markusevangelium nicht. Und ohne das Markusevangelium wären auch die anderen Evangelien alle viel kürzer! Barnabas redet für Markus, stellt sich zu ihm, nimmt die Aufgabe an, wieder jemanden zu fördern und weiterzuentwickeln. Er nimmt ihn mit auf seine zweite Reise.

Später wird Markus dann doch noch Mitarbeiter des Paulus. Und Paulus redet in höchsten Tönen von ihm. Wie wertvoll er doch sei. Im seinem Brief an die Kolosser grüßt Paulus on Markus, den Vetter von Barnabas, und bittet die Gemeinden, Markus liebevoll aufzunehmen. (Kol 4,10) In seinem zweiten Brief an Timotheus schreibt Paulus, dass Markus ihm sehr nützlich in seinem Dienst gewesen ist. (2. Tim 4,11)

Mit zuverlässigen Mitarbeitern kann Paulus gut umgehen. Als Markus versagt hatte, als Markus jemanden brauchte, der ihm wieder vertraute, hatte Paulus versagt. Eine Sohn des Trostes, ein Sohn des Zuspruchs, ein Menschenermutiger, das war Barnabas, nicht aber Paulus.

Was könnte aus Menschen werden, was könnte aus mir und dir werden, wenn wir einen Barnabas hätten? – Oder eine Bat-Nabas, das wäre die weibliche Forme, eine Tochter des Trostes.

Es gibt mindestens zwei Reaktionen auf diese Predigt:

(1) Du könntest sagen: Und wer begleite mich? Wer sucht Gespräche mit mir? Wer schenkt mir Liebe, die sich in Worten und Taten zeigt? Du hast recht. Du hast alles Recht. Wir versagen vielen Schwestern und Brüdern gegenüber, in die Gott so viele kostbare Gaben gelegt hat. Da gibt es keine billige Entschuldigung.

(2) Die andere Reaktion wäre aber vielleicht spannender: Wen förderst du? Mit wem suchst du Gespräche dann, wenn er es braucht? Wen bist du bereit, zu fördern und für ihn dazu sein? Sicher auch: Was können wir als Gemeindeleitung tun, um Menschen zu sehen und zu fördern. Wer wartet auf uns in Tarsus sozusagen, auch wenn es 400 km weg ist?

Namen können Berufungen sein.
Vielleicht gelingt es ja heute, wenn ich sage:
Du bist ein Bar-Nabas, ein Sohn des Trostes!
oder: Du bist eine Bat-Nabas, eine Tochter des Trostes.

Amen.

Zusatz:

1. Kor 9, 6 kommt auch Barnabas noch einmal vor: Paulus fragt die Korinther, ob etwa nur er selbst und Barnabas das Recht hätten, nicht zu arbeiten du von den Geldern der Gemeinden zu leben. Barnabas ist also immer noch im Dienst und in den Gemeinden bekannt. Leider hat er selbst keine Reiseberichte oder Briefe geschrieben. Aber dann wäre das Neue Testament ja auch nur wieder dicker.

 
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