Epheser 4, 17-24 Zieht den neuen Menschen an

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Mönchebergstraße

Norbert Giebel, TAUFGOTTESDIENST am 16.09.2018

Epheser 4, 17- 24    Zieht den neuen Menschen an!

Liebe Olivia und liebe Susanne,

die Taufe ist wie eine Umkleidekabine. Da wird alte Kleidung ausgezogenen und neue angezogen. Die alten Kleider sind nicht mehr sauber, sie sind abgetragen, sie haben Risse, Flecken, Löcher. Was aber viel entscheidender ist: Sie passen nicht mehr! Und Kleider zu tragen, die nicht mehr passen, das sieht irgendwie blöde aus. Bei uns passen Hosen oder Röcke nicht mehr, wenn unser Körper sich zu sehr verändert. Die alten Kleider, um die es heute geht, sie passen nicht mehr, weil sich das Leben zu sehr ändert. Das neue Leben mit Jesus braucht neue Kleider. Die alten Hosen platzen aus ihren Nähten, weil das neue Leben Raum haben will.

Paulus hat die Taufe öfter mit einer Art Umkleidekabine verglichen. Den Galatern schreibt er: „Ihr alle seid durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus!“ (Gal 3,26) – Das ist der erste Satz. Dass alle Menschen Gottes Kinder seien, das stimmt einfach nicht. Das steht nirgends in der Bibel. Gottes Kind wird man allein durch den Glauben, das heißt, dass man Gott in dem vertraut, was er durch Jesus getan hat, und im Vertrauen darauf lebt. Dann wird Jesus der Herr in einem Leben und so wird man Gottes Kind.

Also noch einmal: „Ihr alle seid durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus!“ Und dann schreibt Paulus weiter: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen wie ein Kleid!“ (Gal 3,27) In der Taufe wird öffentlich, was ein Mensch erlebt hat: „Gott hat mich angesprochen. Da ist etwas ganz Neues in mir. Ich kann glauben. Ich habe Jesus kennengelernt.“ Das weiß man nicht gleich, aber es war der Heilige Geist, Gott selbst in seinem Geist, der mich vor Jesus gestellt hat. Letztlich ist es der Heilige Geist, der mir den Glauben geschenkt hat.

Das ist wirklich wie eine neue Geburt. Da ist etwas Neues in mir. Eine neue Sehnsucht nach Gott. Wer neu geboren ist, will Zeit haben mit Jesus. Der besucht gerne Gottesdienste. Er braucht das. Er will mehr davon. Er sucht Gemeinschaft mit anderen Christen. Er lernt beten und will mehr beten lernen. Er forscht plötzlich in der Bibel. Ich finde es beeindruckend, dass du, Olivia, zurzeit jeden Tag mehrere Kapitel in der Bibel liest. Bei dir Susanne ist es auch schon lange zu sehen: Eine neue Sehnsucht nach Glaube, eine neue Unruhe, ein leidenschaftliches Suchen, die Freude an der Gemeinschaft mit anderen Christen.

Gottes Geist hat an euch gehandelt! Ihr seid zum Glauben gekommen. Ihr habt Gottes Wort an euch gehört und habt ihm geantwortet. Durch den Glauben an Jesus Christus seid ihr Gottes Kinder geworden. Das wird durch die Taufe öffentlich. Und Gott will euch zur Feier des Tages neu einkleiden könnte man sagen. Es ist ein neues Leben, das er für euch geschneidert hat. Ihr dürft Christus anziehen. Dann seid ihr passen gekleidet für das neue Leben mit Gott. Jesus Christus soll euch schützen, wärmen, zudecken. Er soll sozusagen eure Figur, euren Charakter betonen, herausarbeiten. Ihn sollen Menschen an euch erkennen!

Die Taufe ist eine Umkleidekabine. Wie lebt man als Frau oder als Mann, die oder der getauft wurden? Dazu schreibt Paulus etwas an die Epheser. Ich lese Epheser 4, 17-24:

17 Das aber sage ich euch im Auftrag des Herrn mit allem Nachdruck: Ihr dürft nicht mehr wie die Menschen leben, die Gott nicht kennen und deshalb von ihrem verkehrten Denken in die Irre geführt werden. 18 Ihr Verstand ist verdunkelt und sie haben keinen Zugang mehr zum wahren Leben, zu Gott. Das kommt von ihrer Unwissenheit und ihrem verhärteten Herzen. 19 Aus ihrer inneren Leere heraus überlassen sie sich dem Laster. Sie treiben jede Art von Unzucht und sind von unersättlicher Habgier. 20 Ihr wisst, dass sich ein solches Leben nicht mit dem verträgt, was ihr über Christus gelernt habt. 21 Ihr habt doch von ihm gehört, ihr seid über ihn unterrichtet worden und habt an Jesus den Maßstab für euer eigenes Leben. 22 Legt also eure frühere Lebensweise ab! Ja, legt den ganzen alten Menschen ab, der seinen Begierden folgt! Die betrügen ihn nur und führen ihn ins Verderben. 23 Lasst euch in eurem Denken erneuern durch den Geist, der euch geschenkt ist. 24 Zieht den neuen Menschen an, den Gott nach seinem Bild geschaffen hat und der gerecht und heilig lebt aus der Wahrheit Gottes, an der nichts trügerisch ist.

Paulus schreibt an Menschen, die schon in der Umkleidekabine waren. Und er schreibt mit allem Nachdruck, mit allem Ernst und wie er sagt im Auftrag des Herrn: Ihr seid als Kinder Gottes getauft, jetzt lebt das auch! Ihr dürft oder könnt jetzt nicht mehr so leben wie Menschen, die Gott nicht kennen. Das wäre so, als würdet ihr die alten Kleider wieder anziehen, die nicht mehr passen, die blöde aussehen, die euch wieder einengen und das neue Leben ersticken wollen.

„22b Legt also eure frühere Lebensweise ab! Ja, legt den ganzen alten Menschen ab, der seinen Begierden folgt! Die betrügen ihn nur und führen ihn ins Verderben. 23 Lasst euch in eurem Denken erneuern durch den Geist, der euch geschenkt ist. 24 Zieht den neuen Menschen an, den Gott nach seinem Bild geschaffen hat.“

Zuerst sieht es so aus, als ob Paulus die Menschen, die Gott nicht kennen, sehr pauschal verurteilt, sie sehr unfair beschreibt. Sie werden von ihrem verkehrten Denken in die Irre geführt. Sie legen die falschen Maßstäbe an das Leben an. Sie legen ihrem Handeln Werte zugrunde, die keinen Bestand haben, weil sie Gott nicht kennen. Ihr Verstand ist verdunkelt. Sie haben verhärtete Herzen. Sie fragen schon so lange nicht nach Gott, .dass sie es gar nicht mehr können. Sie tun schon so lange, was nicht gut und gesund ist, was das Leben nicht fördert, dass sie es gar nicht mehr lassen können. Das ist die Bedeutung von Verhärtung. „Aus ihrer inneren Leere heraus überlassen sie sich jedem Laster“, schriebt Paulus. Sie tun, was sie nicht satt macht. Sie suchen, was sie nie finden. Ihre Habsucht ist unersättlich. Ihre Begierden beherrschen sie.

Das ist total pauschal und wird keinem Menschen gerecht. Es gibt schreckliche Christen und es gibt sehr vorbildliche Menschen, die Gott nicht kennen. Aber darum geht es Paulus gar nicht. Es geht nicht um „die Menschen“, es geht um die „Getauften“. Paulus malt ganz bewusst schwarz-weiß. Er will den Getauften zeigen: Das seid ihr einmal gewesen! So habt ihr einmal gelebt! Das sind eure alten Kleider! Wollt ihr wirklich so wieder leben?

Paulus redet zu Menschen, denen Gott ein neues Kleid geschenkt hat. Dieses neue Kleid ist ihre neue Identität. Sie sind ein Teil von Christus! Gott es hat gemacht, Jesus hat es bezahlt, der Heilige Geist hat es maßgeschneidert und er hilft beim Anziehen, aber Sie müssen es nun auch anziehen.

Das Neue Leben, Gottes neue Kleider, die Gottes Geist uns immer wieder bereitlegt, das zieht man nicht nur einmal an. Jeden Tag soll man dieses neue Leben anziehen. Die alten Klamotten hängen noch im Schrank, sie liegen noch auf dem Boden verteilt, sind bequem, eingetragen, kratzen nicht und ihren Geruch hat man sich lange gewöhnt. Darum geht es oft viel schneller, die alten Kleider anzuziehen als die Neuen, in alte Verhaltensmuster zu fallen, alten Begierden nachzugeben. Die neuen Kleider sind die Früchte, die Gottes Geist in uns wachsen lassen will. Liebe, Geduld, Demut, Selbstbeherrschung, Ehrlichkeit. Die neuen Kleider gehören genauso zum Leben von Christen wie die alten Kleider auch noch. Sie müssen nur die richtigen anziehen. Oder wie ich es einmal in einer Predigt hörte: „Jeder Christ hat zwei Hunde sich, einen guten und einen bösen, einen freien und einen unfreien, einen gerechten und einen ungerechten, aber er entscheidet, welchen er füttert!“

Das Ausziehen ist nicht immer einfach. Man ist nackt für einen Moment. Kleidung verdeckt ja auch. Kleidung schützt. Es muss ja nicht jeder sehen, wie es hinter meiner Fassade aussieht. Da werden blaue Flecken sichtbar, wunde Stellen, Wunden wo ich schlecht an mir selbst gehandelt habe oder wo andere mich verletzt haben. Sich ausziehen, auch geistlich, kann mit Scham zu tun haben, weil man alle Hüllen fallen lässt.

Wer seinen Jähzorn, seinen Geiz, seine Lügen und Betrügereien ablegt, vielleicht auch eine Abhängigkeit von etwas, ein Suchtmittel ablegt, der verzichtet auf etwas, womit er sich geschützt hat, was er dachte zu brauchen. Manche alten Kleider kleben geradezu am neuen Körper und sind kaum weg zu bekommen. Ausziehen ist nicht immer leicht. Das ist Arbeit. Das kann man Scham zu tun haben, dazu kann man Hilfe brauchen. Ebenso wie beim Anziehen des Neuen!

Dazu sind Freunde da, mit denen man glauben kann. Da kann man sich aussprechen, Dinge ansprechen, vielleicht auch unter vier Augen, vielleicht auch beichten, Sünde bekennen, um es zusammen zu Gott zu bringen und davon los zu kommen. Ihr beide, Olivia und Susanne, ihr habt je zwei Taufbegleiterinnen. Das wünsche ich euch, dass sie solche Freunde sind, die den neuen Menschen in euch stark werden lassen. Ein Christ allein geht ein.

Seelsorge ist der umfassende Begriff. Seelsorge bedeutet, einem anderen oder sich gegenseitig zu helfen, dass der neue Mensch im anderen am Leben bleibt und immer stärker wird. Martin Luther hat gesagt: „In der Traufe wird der alte Adam ersäuft.“ (Also der alte Mensch wird in den Tod gegeben). Aber, jetzt wieder Luther: „... aber das Biest kann schwimmen!“

Es gibt glaube ich nicht wenig Christen, die sagen würden, Jesus ist gekommen, um für unsere Sünden zu sterben, damit sie uns vergeben werden. Aber das ist nur das halbe Evangelium! Das Ziel ist: Jesus ist gekommen, damit wir ein neues freies gottwohlgefälliges Leben führen können!

Den Römern hat Paulus geschrieben: Sie alle, die Gott ausgewählt hat, die hat er auch dazu bestimmt, seinem Sohn gleich zu werden. Nach dessen Bild sollen sie alle gestaltet werden, damit er der Erstgeborene unter vielen Brüdern und Schwestern ist. (Römer 8,29) Den Korinthern hat Paulus geschrieben: Wenn also ein Mensch zu Christus gehört, ist er schon eine »neue Schöpfung«. Was er früher war, ist vorbei; etwas ganz Neues hat begonnen. (2. Kor 5,17)

Paulus bleibt nicht in der Theorie. Ab Vers 25 wird er ganz praktisch und nennt Beispiele, wie das neue Leben für die Christen damals aussieht.

25 Deshalb legt die Lüge ab und redet Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten! (...). 26 Wenn ich zornig seid, sündigt dabei nicht! Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn, 27  gebt dem Teufel keinen Raum! 28 Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern arbeite, (...) damit er dem Armen etwas zu geben habe! 29 Kein faules Wort komme aus eurem Mund, sondern nur was den anderen achtet und ihm zum Guten dient. (...) 31 Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan, (...) ! 32 Seid zueinander gütig, mit leidend, und vergebt einander, so wie auch Gott in Christus euch vergeben hat!

Ich sage es noch mal in meinen Worten. Was ist das neue Kleid, das wir anziehen sollen? Nicht mehr lügen, betrügen, taktieren, sondern die Wahrheit reden. Dazu gehört auch ein ehrlicher Umgang mit dem Finanzamt oder mit Versicherungen. Wer gestohlen hat, soll nicht mehr stehlen. Wer betrogen hat, soll nicht mehr betrügen. Er soll arbeiten gehen, auch damit er Armen geben kann! Nicht nur für seinen eigenen Gewinn!

Wenn ihr zornig seid, sündigt nicht! Das ist interessant. Natürlich werden auch Christen zornig, sauer, wütend, weil sie enttäuscht wurden. Aber sie sollen darin nicht sündigen. Jetzt nicht den anderen auch verletzten. Nicht mit anderen darüber reden und Stimmung machen, sondern mit dem, der mich verletzt hast. Nicht ständig die eigenen Wunden lecken und sich den Zorn auf andere ausbauen, sondern sich versöhnen und vergeben.

Paulus schreibt nicht nur, dass sich das nicht gehört, dass so ein Verhalten, das er hier schildert Menschen verachtet. Er sagt „Gebt nicht Raum dem Teufel, indem ihr in dem alten Verhalten bleibt, andere verurteilt, sie schlecht macht, ihnen die Versöhnung verweigert. Alle üble Nachrede, Selbstmitleid, Bitterkeit, den Ruf andere zu schädigen und sie zu mobben, das passt nicht zum neuen Leben. Gütig zu sein und zu vergeben, denen, die mir wehgetan haben, das sind die neuen Kleider.

Nun werdet ihr getauft, Olivia und Susanne. Kommen da dann gleich nach der Taufe zwei Engel aus der Umkleidekabine? Leider nein. Ich rechne zumindest nicht damit. Aber ich wette: Da kommt zwei sehr fröhliche Frauen aus der Tür nach der Taufe. Ihr habt es euch lange überlegt und habt euch dann entschieden: Gott hat uns gerufen, wir haben Jesus kennengelernt und das wollen wir jetzt öffentlich zeigen. Ihr freut euch total auf dieses Zeichen, dass ihr Gottes Töchter seid!

Und das kann ich auch sagen: Nach der Taufe kommen zwei Frauen hier wieder herein, die Gottes Geist empfangen haben, in denen Gott lebt, und die von ihm als Taufgeschenk neue Kleider geschenkt bekommen haben, die ihnen helfen, ein neues Leben zu leben.

Amen.

 
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