Psalm 104 (Auswahl) Gottes Schöpfung - einfach spitze!

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg
Norbert Giebel,  30.09.2018 

Psalm 104, 1-5.10-15.24-28.31
Gottes Schöpfung – einfach spitze!

Liebe Gemeinde,

ich habe von einem Spiel gelesen, das eine Oma mit ihren Enkeln spielte. „Das-ist-ein-Wunder-Spiel“ nannten sie es. Manchmal, wenn Oma mit den Enkeln, einem Jungen und einem Mädchen, draußen war, in der Natur, dann spielten sie es. Auf einem Spaziergang sagte die Oma z.B.: „Das ist ein Wunder, das meine Beine von ganz alleine weitergehen. Ich kann mir alles ansehen und mit euch reden und muss gar nicht aufpassen! Die Beine gehen von ganz alleine weiter. Das ist ein Wunder.“ Und der Junge hat vielleicht gesagt „Das ist ein Wunder, dass die Sonne nie auf die Erde fällt. Sie könnte ja auch einmal voll auf die Erde krachen. Macht sie aber nicht!“ „Das ist ein Wunder“ sagte das Mädchen. „Dass Maulwürfe unter der Erde ganz ohne Licht leben können!“ Und so ging es immer weiter. Die Oma sagt: „Das ist ein Wunder, dass das Meer nie überläuft. Den ganzen Tag überall auf der Welt viele Jahre lang fließen Bäche und Flüsse ins Meer, und es läuft nie über!“

Die Welt ist voller Wunder Gottes. Im Gemeindeunterricht hatten wir gerade das Thema Schöpfung. Da wurden auch einige Wunder vorgestellt. Zum Beispiel der Buntspecht: Der Buntspecht hämmert mit Kopf und Schnabel gegen den Baum. Im Wald kann man ihn hören: Taktaktaktaktak. Ganz schnell. Der Buntspecht haut seinen Schnabel immer wieder mit 24 km/h gegen den Baum. Wir würden sofort eine Gehirnerschütterung bekommen. Das ist so, als würden wir immer wieder ganz schnell mit dem Fahrrad ohne Helm ganz schnell gegen den Baum fahren. Das ist ein Wunder, dass der Buntspecht das aushält.

Oder der Kolibri. Der ist auch ein Wunder. Der Kolibri kann in der Luft stehen bleiben oder sogar rückwärts fliegen. Dann schlagen seine Flügel 80 Mal pro Sekunde rauf und runter. Kolibris atmen 250 Mal in der Minute und ihr Herz schlägt über 1000 Mal pro Minute. Das ist Wunder, was dieser kleine Vogel aushält.

In der Bibel gibt es einen großen Schöpfungspsalm. Da sieht einer die Wunder Gottes in der Schöpfung:   Wie wunderschön alles ist, wie wunderbar geordnet. Und der Beter erkennt Gott darin, Gottes Güte und Weisheit, Gottes Liebe. Und er lobt Gott für seine Schöpfung. Ich lese einige Verse aus Psalm 104:

1 Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, du bist sehr groß; in Hoheit und Pracht bist du gekleidet. 2 Licht ist dein Kleid, das du anhast. Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt; 3 du baust deine Gemächer über den Wassern. Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen und kommst daher auf den Fittichen des Windes, 4 der du machst Winde zu deinen Boten und Feuerflammen zu deinen Dienern; 5 der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden, dass es nicht wankt immer und ewiglich.

10 Du lässt Brunnen quellen in den Tälern, dass sie zwischen den Bergen dahinfließen, 11 dass alle Tiere des Feldes trinken und die Wildesel ihren Durst löschen. 12 Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen in den Zweigen. 13 Du tränkst die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffst. 14 Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Saat zum Nutzen der Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst, 15 dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz glänze vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke.

24 Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter. 25 Da ist das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelt's ohne Zahl, große und kleine Tiere. 26 Dort ziehen Schiffe dahin; da ist der Leviatan, den du gemacht hast, damit zu spielen.  27 Es wartet alles auf dich, dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit.  28 Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.

31 Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich, der Herr freue sich seiner Werke!

Darum geht es mir heute: Zu staunen über Gottes Schöpfung, das Wunderbare zu sehen, über die Schöpfung Gott zu finden, ihn darin zu erkennen, zum Loben und Danken zu kommen über das Wunderbare in der Natur, darum geht es in Psalm 104.

Diese Welt ist beschädigt. Das stimmt. Die Welt liegt auf dem Krankenbett. Der Mensch hat es nicht geschafft, sie so zu bebauen und zu bewahren, dass sie gut erhalten bleibt. Die Schöpfung ist schwer beschädigt. Das ist ein Thema für Christen. Gott hat uns diese Welt anvertraut. Wir sündigen an Gottes Schöpfung! Aber es ist nicht mein Thema heute!

Die Natur ist voller Zeichen von Gottes Liebe und Güte. Die Schöpfung ist wie ein Fenster, eine Vorahnung auf Gottes Herrlichkeit. Was Gott geschaffen hat ist wie ein Liebesbrief an uns Menschen. Es bleibt dabei, auch wenn wir furchtbar in Gottes Brief herumkrakeln und unsere schrecklichen Spuren darauf hinterlassen:

  1. 1.Die Schöpfung gibt uns eine Ahnung von Gottes Liebe.

Das ist ein Wunder:

  1. 2.Gott hat die ganze Welt in seiner Hand!

Man kann auch Angst haben in der Schöpfung. Vielleicht vor einem Gewitter, einer großen Flut, einem Erdbeben. Auch damals hatten die Menschen Angst. Das Meer z.B. galt als bedrohlich. Unberechenbar. Totbringend. Die Juden waren nie ein Seefahrervolk. Vom Meer kamen die Feinde. Im Meer lebt der Leviathan, der in Psalm 104 erwähnt wird: Ein Urdrache, ein riesiges Krokodil, ein Seeungeheuer.

Der Himmel wurde sich wie ein Zelt vorgestellt, eine Feste heißt es im Schöpfungsbericht. Wie eine Kuppel. Sonne, Mond und Sterne hängen daran und jedes kennt seine Bahn. Regen war das Wasser, das durch die Feste hindurch kam. Winde und Wolken haben den Regen verteilt. Was wäre, wenn all das aus den Fugen gerät? Der Mensch wusste sich abhängig von der Natur und er hat sie nicht als selbstverständlich hingenommen. Es ist Gottes Güte, das alles so läuft. Es ist seine Treue, die die Welt erhält.

Vor dem Meer oder dass Sonne und Wolken einmal nicht mehr kommen, davor hatten die Menschen Angst. Und jetzt loben sie Gott in Psalm 104: Du trägst das Licht wie ein Kleid. Es wird nie dunkel werden. Der Himmel ist wie ein Teppich, wie ein Zelt von dir über der Erde ausgespannt. Du bewegst die Wolken. Wie kleine Kutschen schiebst du sie hin und her. Sie sind in deiner Hand. Du hast dem Meer eine Grenze gesetzt, über die es nie hinauskommt. Und du spielst mit dem Leviathan. Selbst das Böse, das Bedrohliche dieser Welt, liegt in deiner Hand. Das ist ein Wunder: Gott hält die ganze Welt in seiner Hand. Jeder Tag kommt von Gott. Alles, was lebt, kommt von ihm.

Im Gemeindeunterricht habe ich die Kids gefragt, was sie denken, ob jeder von uns, ich und du, jeder von Gott geschaffen wurde. Die Antworten waren geteilt. Einige sagten Nein. Denn das wisse man ja heute. „Mutter und Vater haben uns geschaffen“ sagten sie. Was er meinte wussten die Menschen damals auch schon. Ein Mädchen sagte „Ja, meine Mutter und Vater haben mich geschaffen, aber jeder ist von Gott gewollt.“ Die Frage ist gar nicht so einfach und die Antwort ist keine Antwort aus dem Biologieunterricht, sondern eine Antwort des Glaubens.

In einem anderen Psalm, zu dem ich im Oktober predigen werde, Psalm 139, da lesen wir, dass Gott jeden einzelnen Menschen gewollt hat, dass er ihn im Mutterleib geschaffen hat, dass er bei jedem Menschen noch bevor er geboren wurde, schon sieht, was er Gutes in sein Leben hineinlegen will.

Man kann ja auch denken, Gott habe die Welt nur am Anfang geschaffen. Da hat er Tag und Nacht und Land und Wasser und Tiere und Menschen gemacht. Das stimmt auch. Aber Gott ist heute noch der Schöpfer. Jeder von uns, jedes Tier und jede Blume, alles kommt immer noch von ihm. Das wird in den Psalmen gelobt.

Viele von uns haben im Fernsehen schon einmal diese Domino-Weltmeisterschaften oder Domino-Days gesehen. Hier haben wir ein Bild davon. Da stellen Menschen viele tausende Dominosteine auf, ganz bunt, alles überlegt, in Kurven, eine Steigung hinauf und wieder hinunter. Wenn alles aufgebaut ist, stoßen sie den ersten Stein an und dann entstehen wunderbare Bilder und Aktionen durch das Umfallen der Dominosteine. Alles geht wie von selbst.

Wäre es bei der Schöpfung wie bei einer Dominoweltmeisterschaft, dann wäre Gott jetzt aus dem Spiel heraus. Gott gäbe nur den Startschuss und dann liefe alles wie von selbst: Kinder werden geboren, Bäume wachsen, Vögel bauen Nester ... Alles ohne Gott. Das ist nicht das Bekenntnis der Psalmen. Gott bräuchte nur einmal die Luft anhalten, und alles würde vergehen.

Frost und Hitze, Saat und Ernte, Kinder, die auf die Welt kommen, Obst und Gemüse, ein guter Wein (der das Herz erfreut) und ein wohlriechendes Öl (das die Gesichter glänzen lässt) sind Zeichen seiner Güte. Der Schöpfer hat sich nicht aus seiner Schöpfung herausgezogen. „Alles Gute kommt von ihm“. Er will das so. Immer wieder. Ganz aktuell. Die Sonne geht nie auf, ohne dass Gott es will! Und kein Kind wird geboren, ohne dass Gott es will. Im Bild von den großen Dominolandschaften: Gott stößt jeden einzelnen Stein selber um. Er kann mittendrin einen Stein anhalten. Er kann auch durch einen Stein hundert andere umfallen lassen. Darum können wir Gott für jeden Apfel danken, für jedes Steak, für jede Biene und jedes Glas Honig. Es sind Zeichen seiner Güte.

Das ist ein Wunder:

  1. 3.Gott will, dass es allen auf der Welt gut geht.

Gott sorgt für alle. Alles ist so geordnet, dass jeder satt wird. Und jeder wartet darauf, dass Gott ihn zu seiner Zeit sättigt, auch hier wieder ganz aktuell. Er lässt Gras für die Kühe wachsen. Vier Mägen hat er jeder Kuh gegeben, damit sie das Gras auch verdauen kann. Pansen, Netzmagen, Blättermagen und Labmagen. Gott will, dass es Kühen gut geht.

Gott lässt Apfel, Birnen, Tomaten, Gurken und noch vieles mehr wachsen, damit Tiere und Menschen davon essen können. Die Früchte sehen schön aus und schmecken gut. Gott will, dass es uns gut geht. Vögel können in den Bäumen Nester bauen singt Psalm 104. Andere Tiere wohnen in den Bergen und Gott hat sie so geschaffen, dass sie sehr gut klettern können. Gott will, dass es ihnen gut geht. Gott schafft Lebewesen und ihren Lebensraum. Sogar der Bergbach freut sich, wenn er klar und schnell die Felsen herunterspringt, wie er durch den Wald läuft und ganz schnell um eine Kurve fließt. Sogar dem Bach geht es gut. Er „sprudelt vor Freude“, weil Gott ihn so geschaffen hat.

Das ist ein Wunder: Gott hat alles so geschaffen, dass es allen gut gehen kann. Gott ist unser Gastgeber. Er hat Tiere und Menschen eingeladen, auf seiner Welt zu leben, und Gott sagt: „Lasst es euch gut gehen!“ „Lasst es euch schmecken!“ „Genießt, was ich für euch geschaffen habe!

Oft habe ich schon Schafherden oder Rinderherden auf der Weide gesehen und ich habe sie überhaupt nicht interessiert. Die haben nicht einmal hoch geguckt. Und sann kam da irgend so ein alter Traktor oder PKW und irgend so ein Mann oder eine Frau sind ausgestiegen und plötzlich bewegt sich die ganze Herde auf diesen Bauern oder diese Schäferin zu. Sie wissen genau. Wenn dieser Bauer oder diese Bäuerin kommt, dann gibt es etwas Gutes. Dann gibt es Futter.

Genauso ist es, wenn Gott in seine Schöpfung kommt. Paulus hat den Römern geschrieben, dass die ganze Schöpfung seufzt, weil sie sich nach dem Tag Gottes sehnt, wenn der Herr in seine Schöpfung kommt, wenn alles Leid und alle Vergänglichkeit zu Ende sein wird. Die Schöpfung wird mit uns erlöst. – Aber wohl auch von uns, von den Menschen erlöst. Bebauen und bewahren soll er seine Schöpfung. (Gen. 2)

Einmal redet Gott streng mit seinem Volk. Sie haben sehr viele, zu viele Bäume gefällt. Auf dem Libanon gab es einmal einen riesigen Zedernwald. Der ist weg und nie wieder gewachsen weil Menschen meinten, alle Bäume für ihre Paläste zu brauchen. Gott war zornig mit Israel. Es ist Gott nicht egal, was wir mit seiner Schöpfung machen. Wie es einem Menschen nicht egal wäre, der sich einen wunderbaren Garten anlegt und andere ihn kaputt trampeln. „Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich und der Herr freue sich seiner Werke!“ singt Psalm 104.

Das können wir auch von der Schöpfung lernen: Wissen, dass Gott es gut meint. Allen soll es gut gehen. Wissen, dass immer Gutes kommt, wenn Gott kommt. Und uns danach zu sehnen, dass der Herr wiederkommt. Der Prophet Jesaja hat es vorausgesehen: „Die Bäume werden vor Freude in die Hände klatschen, wenn Gott kommt!“ (Vgl. Jes. 55,12) Haben Bäume Hände? Können Bäume denn klatschen? Nein! Aber wir können von ihnen lernen, Gott heute zu loben.

Amen.

 
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