Johannes 12, 44-50 Wer Jesus sieht, sieht Gott.

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Möncheberg

Gottesdienst mit Taufe, Norbert Giebel, 30.12.2018

Johannes 12, 44-50   Wer Jesus sieht, sieht Gott.

Ich lese zur Predigt Johannes 12, 44-50:

44 Jesus aber rief mit lauter Stimme: »Wer an mich glaubt, der glaubt nicht nur an mich, sondern auch an den, der mich gesandt hat. 45 Und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat. 46 Ich bin als das Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, das Licht hat und nicht in der Finsternis bleibt. 47 Wenn jemand hört, was ich sage, und sich nicht daran hält, dann bin nicht ich es, der ihn verurteilt. Denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu verurteilen, sondern um die Welt zu retten. 48 Wer mich ablehnt und das, was ich sage, nicht annimmt, der hat seinen Richter damit schon gefunden: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn an jenem letzten Tag verurteilen. 49 Denn ich habe nicht aus mir selbst heraus geredet; der Vater, der mich gesandt hat, hat mir aufgetragen, was ich reden und verkünden soll. 50 Und ich weiß: Bei seinem Auftrag geht es um das ewige Leben. Was ich darum verkünde, verkünde ich so, wie der Vater es mir gesagt hat.«

Liebe Lea, liebe Gemeinde,

Jesus war auch ein Apostel. Das muss ich erklären, denn in der Bibel wird er nie so genannt. Apostel heißt Gesandter übersetzt. Aber das Wort Apostel steht auch für eine Rechtsform, die es damals gab: Ein Apostel ist ein bevollmächtigter Gesandter. Im Apostel handelt der, der ihn geschickt hat, so als wäre er selber gegenwärtig. Der Gesandte handelt ganz in seinem Namen. Auf der anderen Seite ist er natürlich ganz gebunden an das, was sein Herr, sein Auftraggeber, ihm gesagt hat. Wenn ein Herr seinem Knecht sagte „Geh nach Kana, kauf mir einen Acker, gib nicht mehr als 100 Schekel aus“, dann konnte der Knecht einen Acker kaufen und es war so, als wäre sein Herr selbst da gewesen und hätte den Vertrag abgeschlossen. Wie bei uns eine Urkunde oder ein unterschriebener Vertrag, den man schickt. Die Unterschrift steht für den Hand-  schlag oder das Wort des Absenders.

Darum kann Jesus sagen: „Wer mir glaubt, wer meinen Worten vertraut, der glaubt Gott! Wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat!“ Jesus ist mehr als ein Gesandter, er ist der Sohn, in ihm begegnet uns Gott selbst. In seinen Worten hier aber habe ich den Eindruck, Jesus nutzt diese Vorstellung eines Gesandten, in dem der Absender selbst gegenwärtig ist.

Was Jesus sagt, was er im Namen Gottes tut, was er uns anbietet, das hat er sich nicht selbst ausgedacht, das hat sein Vater im Himmel ihm aufgetragen. Was Gott in Jesus getan hat, kann sich kaum jemand ausdenken: Dass Gott Mensch wird, dass er seine Liebe in einem armen Menschen zeigt, dass er alle Menschen so sehr liebt, dass er ihre ganze Schuld auf sich nimmt. Kein Mensch wäre darauf gekommen.

Wenn Jesus aber ein Apostel ist, dann heißt das für uns: Gott hat sich festgelegt. Gott hat sich offenbart, er hat sich gezeigt, Gott hat uns nicht im Dunkeln gelassen.

Auf die Frage „Glauben sie an Gott?“ sagen viele Menschen: „Irgendwie schon“, „Ja, ein bisschen“ oder „Na klar, aber ich habe mir mein eigenes Gottesbild gemacht!“ In allen Zeiten in allen Kulturen überall auf der Welt gab und gibt es die Frage nach Gott. Das gehört zu unserem Menschsein, dass wir ahnen, dass es Gott gibt. Aber wir Menschen sind wie Blinde, die ahnen, dass es Farben gibt. Als Blinde machen wir uns Vorstellungen, wie Farben wohl aussehen könnten. Ganz genau so ist Gott nicht einfach ein Teil in unserer Welt. Menschen können ihn von sich aus nicht sehen, denken, fühlen. Aber Menschen haben eine Ahnung, dass es ihn gibt. Und darum machen sie sich ihre Vorstellungen, wie Gott wohl ist.

Dass Ergebnis sind die verschiedensten Gottesbilder, Götzenbilder, Religionen. Menschen projizieren ihre Vorstellungen von Gott in ihr Gottesbild. Was sollen sie auch anders tun? Für die einen ist er groß, für andere klein, es gibt dicke und dünne Gottesbilder. Für die einen schrecklich streng, für die anderen harmlos und taub. Für die einen ist er „das Schicksal“ für die anderen ist er „die Natur“. Und dann werden Tempel gebaut oder heilige Bäume oder Berge verehrt und die jeweiligen Anhänger ihres Glaubens sagen dann: „Du musst in diesen Tempel oder auf den Berg da gehen, da wirst du Gott begegnen.“

Weil Menschen ahnen, dass es Gott gibt, können sie nicht anders, als sich ein Bild von ihm zu machen. Aber der eine lebendige Gott hat sich selbst gezeigt. Er ist kein „Lego- Gott“, von Menschen zusammengebastelt. Jesus sagt: „Ich bin von Gott gekommen. Wer mich sieht, der sieht den Vater. Was ich sage, habe ich mir nicht ausgedacht Was ich rede und verkündige, hat der, der mich gesandt hat, der Vater im Himmel mir aufgetragen.“

Die Worte, die wir von Jesus gelesen haben, hat er damals zu Juden gesagt. Gott hat zu Israel schon lange durch seine Propheten gesprochen. Das Volk Israel wusste schon vieles von Gott: Dass er heilig ist, dass er Gerechtigkeit will, dass er barmherzig ist und Barmherzigkeit bei seinen Menschen sucht: Arme, Witwen, Waisen, Fremde im Land nennen die wird Propheten immer wieder als Menschen, denen Gottes Menschen Barmherzigkeit zeigen sollen. Immer wieder reden die Propheten streng mit den Reichen im Land, die sich der Armen nicht erbarmen. Immer wieder auch verurteilen sie eine herzlose, egoistische nur äußerliche Frömmigkeit. Beten ersetzt Barmherzigkeit nicht! Sozialkritik und die Kultkritik spielen eine große Rolle bei den Propheten.

Die Juden wussten: Gott ist heilig, er hat einen heiligen Willen! Und sie wussten: Gott straft! Gott ist nicht harmlos. Wenn er einmal seinen Messias schicken wird, dann wird er alle strafen, die gegen Gottes Willen gelebt und gehandelt haben. Dann wird er sein Reich mit Gewalt durchsetzen. So einen Messias, so einen Retter erwarteten die Zeitgenossen Jesu.

Der wahre Messias jetzt aber, der von Gott gekommen ist, Gottes Apostel, der eine Gesandte Gottes, der sagt aber: „Ich bin nicht gekommen, zu richten. Ich bin nicht gekommen, um zu verurteilen. Ich bin gekommen, um zu retten!“ Jesus sagt nicht, dass es das Gericht Gottes gar nicht mehr gibt. Er sagt: „Wer mir nicht vertraut, wer meine Worte nicht hört, der richtet sich selbst. Er nimmt den wahren Gott nicht an. Er glaubt immer noch an den Gott, den er sich selbst gemacht hat.“

Gott zwingt niemanden, seine Gnade und Liebe anzunehmen. Jesus ist wie eine Braut oder wie ein Bräutigam, der wirbt. Er gibt alles. Alle Welt soll es hören. Jesus ist Gottes Brautwerber. Jeder, der sein Wort hört, kann zu Gott kommen, darf unter seinem Schutz und seiner Herrschaft leben. Aber niemand wird gezwungen. Gott bittet um unser Jawort. Er wirbt darum. Das macht er, weil er uns liebt, weil er unsere Freiheit achtet, weil er eben nicht mit Gewalt herrschen will. Aber wer nicht mit ihm leben will, der lebt ohne ihn. Der richtet sich selbst sagt Jesus. Der verpasst das Beste hier auf Erden und in Ewigkeit.

„Das ist aber streng“ denken sie jetzt vielleicht. „So streng wäre mein Gott, also der, an den ich glaube, nie ...“ Glauben sie wirklich an einen Gott, dem es egal ist, ob sie ihn ehren und achten? Ob sie tun, was sie von ihm gehört haben? Was wäre das für ein Gott? Ist ihnen ein selbst erdachter harmloser Gott lieber als der eine Gott, der real ist, der lebt, der einen Willen hat? Wenn es Gott gibt, kann sich dann jeder ausdenken, wie er zu sein hat?

Ich weiß nicht, ob das streng ist. Gott nimmt uns ernst. Wir sind freie ihm gegenüber. Er wirbt um jeden von uns, aber er sucht unsere Entscheidung. Oder mit den Worten Jesu gesagt: Er sucht unser Vertrauen. Wer Jesu vertraut, vertraut dem, der ihn gesandt hat. Wer Jesus nicht vertraut, bleibt in seinem ausgedachten Gottesbild.

Menschen sind wie Blinde, die ahnen, dass es Farben gibt. Menschen ahnen, dass es Gott gibt. Aber Gott hat sich in Jesus gezeigt! Wir sind nicht mehr angewiesen auf unsere Ahnungen. Jesus war das total wichtig: „Jesus rief mit lauter Stimme“ fängt der Predigttext an.
Dafür lebt Jesus! Und dafür wird er sterben! Du darfst wissen, wo du bei Gott dran bist! Das kann er nicht flüstern. Das soll jeder hören. Denn er will jeden retten. Wenn es nach ihm geht, geht eine
und nicht einer verloren. Und verloren gehen heißt, ohne Licht leben, hier und in Ewigkeit. Mit Gott leben oder Gott los sein für alle Ewigkeit. Es geht um die Ewigkeit. Da kann Jesus nicht nur flüstern.

Ein Satz ist mir bei der Predigtvorbereitung besonders schwer gefallen. Es ist das Wort Jesu in Vers 46: Ich bin als das Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, das Licht hat und nicht in der Finsternis bleibt.“

Wo ist das Problem? Ich glaube, wenn Christen diesen Satz hören, freuen sie sich sofort. „Ja, das ist es! Ich habe Licht für mein Leben gefunden! Ich habe Hoffnung, Freude sogar, egal wie mein Tag aussieht, auf allen meinen Wegen.“ Wo ist das Problem? Ich glaube, dass viele Menschen die Finsternis gar nicht sehen! In ihren Augen ist das Leben hell. „Alles gut. Und was nicht gut ist, das kriegen wir schon irgendwie hin. Hilfe brauchen wir jedenfalls nicht, schon gar nicht von einem Gott.“ Wenn sie anfangen würden zu glauben, müssten sie ja auch sich selbst irgendwie zur Disposition stellen. Dass wollen sie nicht. Für sie ist der Mensch immer noch das Licht der Welt.

Das ist das eine Problem: Menschen sehen die Finsternis in dieser Welt nicht. Das andere ist: Sie sehen auch das Licht nicht. Genau da, wo Menschen, die glauben, die mit Jesu leben, das Herz aufgeht, stehen andere daneben und können sich nur wundern.

Lea S. hat letzte Woche hier im Gottesdienst erzählt, wie sie zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist. Und sie hat gesagt: „Ich weiß heute gar nicht mehr, wie ich ohne Jesus leben konnte.“ Lea ist ein Licht aufgegangen. So als wären ihr die Augen geöffnet worden über sich selbst, über ihr Leben, die Welt und ganz zuerst für Gott. Jetzt kann sie etwas sehen, was immer schon da war, wofür sie vorher aber völlig blind war: Sie weiß um Gottes Liebe. Sie erfährt Jesus in ihrem Leben. Gott redet zu ihr durch sein Wort. Sie betet und hat eine tiefe Sehnsucht bekommen, Gott nahe zu sein, ihn zu ehren. Oder mit den Worten Jesu (das klingt jetzt etwas dramatisch): Lea hat das Licht bekommen, das Jesus selber ist, und nun lebt sie nicht mehr in der Finsternis.

Das heißt nicht, dass sie nie wieder sündigen wird. Aber das heißt, dass sie immer um Gottes Vergebung wissen wird. Dass Jesus nun ihr Licht ist, heißt auch nicht, dass sie nicht mehr leiden wird, dass alle Dunkelheiten des Lebens jetzt einen Bogen um sie machen. Jesus hat nie ein Leben ohne Leiden versprochen! Aber es wird kein Leid im Leben von Lea geben, wo er nicht dabei ist, wo er nicht auch im Leiden seine Gnade zeigt, wo er nicht tröstet, aufhilft und neue Hoffnung gibt. Ihr Herr wird sie leiten und führen. Er wird ihr Licht sein.

Die größte Finsternis, in die Jesus kommt, ist unsere Gottesferne. Dass wir keine Ahnung haben, wer Gott ist. Dass wir uns alleine im Leben abstrampeln. Dass wir Menschen ohne Hoffnung sind. In diese Finsternis kommt Jesus hinein. Und er ist das Licht. Und dieses Licht verändert das Leben!

An einer anderen Stelle sagt Jesus von sich selbst: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh. 8,12) Das Licht der Welt sehen und erleben Menschen, die Jesus vertrauen und ihm nachfolgen, die sich ihm unterstellen, die mit ihm als ihrem Herrn leben.

Nico W. und Kerstin P. werden dich nach der Taufe segnen, Lea. Nico wurde letztes Jahr getauft. Meine Predigt damals als er getauft wurde ist mir wieder über den Weg gelaufen. Nico hat damals am Sontag vor seiner Taufe sinngemäß gesagt (ich habe es mir notiert): „Ich glaube, dass Jesus von Gott gekommen ist, dass er auch für meine Schuld am Kreuz gestorben ist, dass er auferstanden ist, lebt und mit jedem Menschen auf der Welt leben möchte. Das ist mein Bekenntnis. Die Taufe aber gehört für mich nicht zu meinem Bekenntnis. Die Taufe gehört zur Nachfolge! Ich lasse mich von Jesus in den Dienst nehmen. Ich will ihm gehorchen.“

Genauso ist es: Im Bekenntnis sage ich, was ich von Jesus weiß, was ich glaube. In der Taufe zeige ich, dass ich ihm gehören will. Taufe ist ein Schritt der Nachfolge. Und Gott sagt mir zu, dass ich zu ihm gehöre. Auch Jesus hat sich taufen lassen, von Johannes dem Täufer. Jesus hat sich in die Buß- und Erneuerungsbewegung des Johannes gestellt. So kann man sagen: Wer sich taufen lässt, folgt Jesus nach. Der stellt sich in die Jesusbewegung.

Jesus ist das total wichtig. Dafür lebt er und dafür stirbt er:

  • Ihr alle habt eine Ahnung, dass es Gott gibt. Ich aber bin von Gott gesandt. Wer mich sieht, sieht Gott, der mich gesandt hat. Wer mir glaubt, glaubt Gott.

  • Gott hat sich gezeigt. Wer an Jesus glaubt und mit ihm lebt, der hat das ewige Leben, der hat das Leben mit Gott, schon jetzt, schon heute.

  • Das will Lea heute feiern, dafür will sie Gott danken, darum will sie Jesus gehören. Die Taufe ist beides: Gott sagt dir „Du gehörst zu mir!“ Und Du sagst es Gott: „Ich will dir gehören!“

Amen.

 
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