Psalm 34,15 Sucht Frieden und jagt ihm nach (Jahreslosung 2019)

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Evangelisch-Freikirchliche-Gemeinde (Baptisten) Kassel-Mönchebergstraße
Predigt zur Jahreslosung 2019, Norbert Giebel, 6.1.2019

Psalm 34, 15
„Suche Frieden und jage ihm nach!“

Liebe Gemeinde,

ich möchte die Predigt mit einer Minute Stille beginnen. Ich bitte Sie an einen Menschen zu denken, mit dem sie nicht in Frieden leben oder immer wieder um den Frieden ringen und für diese Person zu beten. – Sollte ihnen niemand einfallen, dann bitte ich Sie an einen Konflikt zu denken zwischen Personen oder auch zwischen Völkern und für diesen Konflikt zu beten. – ich werde die Zeit der Stille mit einem Gebet abschließen.

I (Wir haben keine heile Welt)                      

Weihnachten wollen wir eine heile Welt erleben, oder? Da soll alles stimmen, da sollen sich alle vertragen. Bloß kein Streit an Weihnachten! Auch bei Omas Geburtstag nicht oder bei Onkel Bernds Silberhochzeit. Die Familie kommt ohnehin nur selten zusammen. Alle wohnen weit auseinander. Nicht alle verstehen sich so gut wie früher. Da gab es manche dumme Geschichte, Missverständnisse, kleine Nadelstiche, Verletzungen. Aber wenn die ganze Familie schon einmal zusammen ist, dann soll es friedlich und harmonisch zugehen. Da wird nichts angesprochen, was zu einem Konflikt führen könnte.

Was tun wir nicht alles „um des lieben Friedens willen“? Wie viel wird unter den Teppich gekehrt, unterdrückt, nicht ausgesprochen, geschluckt. Bis irgendeiner stolpert, platzt oder sich zornig zurückzieht. Ein falsches Wort und es ist um den „Frieden“ geschehen. Da beißt man sich doch lieber auf die Zunge. Oder? Mund zu, wer keinen Ärger will. Friede ist das nicht! Friede ist mehr als Waffenruhe.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ Das ist die Jahreslosung für 2019. „Suche Frieden und jage ihm nach!“ Vers 15 aus Psalm 34. Der Friede ist kein Dauergast in unseren Familien, der einfach so mit am Tisch sitzt und für ein friedliches Miteinander sorgt. In unseren Familien, in der Gesellschaft, zwischen Völkern, auch in Gemeinden und Kirchen: Überall erleben wir, wie zerbrechlich der Friede ist! Und wie leichtfertig er aufs Spiel gesetzt wird. Viele sehnen sich nach Frieden und scheitern daran, ihn zu leben. Sie leiden. Sie werden verwundet und sie verwunden. Aber sie bekommen den Frieden nicht hin. Im eigenen Haus nicht, in der Welt nicht oder in der eigenen Gemeinde nicht. Die Bilder, die man vom anderen hat, sind zu fest. Der Stolz ist zu groß. Die Verletzungen sind tief und werden empfindlich gepflegt, wie Denkmäler werden die Vergehen der anderen in Erinnerung gehalten.

II (Gottes Reich ist das Friedensreich)

Friede ist ein ganz großes Wort der Bibel, wenn es um Gottes Herrschaft geht. „Das Reich Gottes ist Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.“ schreibt Paulus (Römer 14,17). Darum schreibt er im gleichen Brief an die Römer (12,18): „Soviel an euch liegt, habt mit allen Menschen Frieden!“ Mit allen Menschen Frieden! So zeigt sich, wo Gott der Herr ist. Und Paulus führt aus, wie man dem Frieden nachjagt, wie man sich für Frieden einsetzt und Frieden hält:

14 „Segnet, die euch verfolgen; segnet, und verflucht sie nicht.“ Fluchen heißt hier, dem anderen Böses wünschen oder Böses tun. Ich übersetze: Gebt eure Achtung gegenüber denen nicht auf, die euch Unrecht tun. Wünscht ihnen nicht die Pest an den Hals. Wünscht ihnen Gutes. Tut ihnen Gutes. Stoppt die Eskalation. Weiter scheibt Paulus:

16  Trachtet nicht nach hohen Dingen. (...) Haltet euch nicht selbst für klug. Ich übersetze: Warum müsst ihr immer oben auf sein? Warum fällt es euch so schwer, niedrig zu sein, kleiner als andere? Warum müsst ihr immer Recht haben? Rechthaberei ist eine große Ursache für Unfrieden. Nicht nachgeben können. Der andere ist vielleicht verletzt, fühlt sich in Enge gedrängt, klein gemacht, und ich erkläre ihm, warum ich so gehandelt habe. Ich hatte Recht. Aber den Frieden finde ich so nicht. Haltet euch selbst nicht für klug und die anderen für Deppen. So macht ihr sie schon innerlich klein und hebt euch über sie. So werdet ihr den Frieden nicht erleben!

Paulus schreibt weiter in Römer 12: 17 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. 18 Soviel an euch liegt, habt mit allen Menschen Frieden. 19 Rächt euch nicht selbst. 21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. – Das ist alles nicht billig! Das ist alles nicht leicht! „Den Frieden suchen“ wie es in der Losung heißt, nachdenken, ringen, wie man ihn wieder finden kann, ihm nachjagen, das ist etwas sehr Entschiedenes! Das geht nicht ohne Opfer, das wird mich etwas kosten. Der eigenen Natur entspricht es nicht, was die Jahreslosung aus Psalm 34 und was Paulus von Christen fordert. Aber es entspricht Gott. Es entspricht dem Reich Gottes. Das ist die Art, wie Gott der Herr ist! „Das Reich Gottes ist Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.“ (Röm. 14,17)

Unseren Einsatz für den Frieden fordert nicht nur Paulus. Auch im Hebräerbrief (12,14) heißt es: „Jagt dem Frieden nach mit allen Menschen!“ Vielleicht hatte der Schreiber Psalm 34 vor Augen. Vielleicht ist es auch einfach der Heilige Geist, der Gottes Menschen immer wieder an den Frieden erinnert.  

Unser Herz und unsere Sinne sind nicht friedlich gestimmt. Da wohnen Neid, Selbstmitleid, Stolz, Rechthaberei, Feigheit. Darum segnet Paulus seine Gemeinden: „Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, er bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus!“ (Philipper 4,7). Wir brauchen Gottes Hilfe um Frieden zu leben. Wir alleine bekommen unser Herz und unsere Sinne nicht in den Griff! Und dennoch, oder gerade darum, weil Gott ihn will und bei uns wirken will, darum ist der Friede eine Forderung an uns: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Ps 34,15)

Der Messias, Jesus Christus, er wird der „Friedefürst“ genannt. Und da ist nicht nur vom Frieden zwischen Gott und Menschen die Rede. In den Texten der Propheten geht es um ein neues, friedliches Miteinander von Menschen und Völkern. Sogar um einen neuen Frieden in und mit der Schöpfung! (Vgl. Jes. 9, 1-6; 11, 1-9). Dafür steht der Friedefürst. Das will er wirken. Das ist das Reich Gottes, das die Propheten und Apostel gesehen haben. Wer sich für Frieden einsetzt, im Kleinen und im Großen, der handelt im Namen Gottes. Das hat Jesus seinen Jüngern mit auf den Weg gegeben (Matthäus 5,9): „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen!“        

III (Zusammenhang in Psalm 34: Wie kann ich zu einem Friedensstifter werden?)  

„Suche den Frieden und jage ihm nach!“ (Ps 34,15) Auch in Psalm 34 ist das keine nackte Forderung. Der Vers steht in einem Zusammenhang. Grund und Kraft dem Frieden nachzujagen, werden genannt. Die „Rahmenbedingungen“, in denen Friede wächst und in denen Gott ihn schenken will.

  • Ich will den Herrn loben allezeit!“ beginnt Psalm 34. In Dank und Lob Gott gegenüber zu bleiben ist eine Voraussetzung für den Frieden, zu dem Gott uns befähigen will. Gott über alles zu erheben.

  • Preist mit mir den Herrn und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!“ Das Lob in Psalm 34 ist ein gemeinsames Lob. Es geht um den Gottesdienst. Es geht um die Verbindung mit anderen, die glauben, um Gemeinschaft. Sich gegenseitig zu stärken. Von der Hoffnung der anderen die eigene Hoffnung zu beleben.

  • In der Gemeinschaft erzählt man sich, was man mit Gott erlebt hat: „Als ich im Elend zu ihm rief, erhörte er mein Gebet und half mir heraus!“ – Das erlebt nicht jeder so schnell! Aber es hilft auch dem, der noch um Gottes Hilfe bittet.

Wer im Umfrieden oder in Unzufriedenheit seinen Draht zu Gott kappt oder sich verletzt zurückzieht, Gemeinschaft meidet, der wird den Frieden nicht erleben, der zum Reich Gottes gehört.

  • Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen!“ Ich glaube, viele Menschen sind nicht fähig oder willig, Frieden zu suchen, weil sie Gott nicht fürchten. Dann entschuldigt man sich selbst mit seinen Schwächen und Sünden. Ich bin nun einmal so. Ich kann nicht anders. Man spielt mit Gottes Gnade, er muss ja vergeben, und bleibt in seinem schädigenden Verhalten. Man rechnet nicht mehr mit Erneuerung.

Gott zu fürchten hat eine klare Konsequenz in Psalm 34. Die Jahreslosung ist nur Teil zwei von Vers 15. Der ganze Vers lautet: „Lass ab vom Bösen und tu Gute suche Frieden und jage ihm nach!“ Der ganze Vers richtet den Blick auf das eigene Verhalten. Wer nicht bereit ist, an sich selbst zu arbeiten, sich selber mit seinem Fehlverhalten zu Gott zu bringen, wer nicht zuerst bei sich selbst anfängt, der wird den Frieden nicht erleben, den er sich selbst doch wünscht und den Gott schenken will. Das gilt für den Frieden im Haus und in der Gemeinde, in der Gesellschaft und unter Völkern: Wer keinen kritischen Blick auf sich selber schafft, der kann keinen Frieden schaffen.

Und noch einen Hinweis finden wir in Psalm 34: Der allermeiste Unfriede – vielleicht sind es 100% - beginnt damit, wie oder was wir über andere reden. Direkt im Vers vorher, also wieder im engsten Zusammenhang, lesen wir: „Behüte deine Zunge von Bösem und deine Lippen, dass sie niemanden verleumden!“ (Vers 14) Jakobus im Neuen Testament hat geschrieben: „Die Zunge ist ein kleines Ding. Aber sie richtet großen Schaden an. Sie ist wie ein kleines Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit, und zündet einen ganzen Wald an!“ (Jak. 3, 5-6)

Aber Jakobus schreibt auch: „Wer sich im Wort nicht verfehlt, der ist ein vollkommener Mann. (...) Die Zunge kann kein Mensch zähmen. Sie ist ein unruhiges Übel, voll mit tödlichem Gift! (...) Mit dem gleichen Mund loben wir Gott und fluchen den Menschen. Das soll nicht so sein unter euch, liebe Geschwister!“ (Jak. 3, 2.8-10) Die Zunge, wie wir reden und was wir reden, ist der Ursprung vielen Übels. Und wieder ist auch bei Jakobus zu sehen: Wir schaffen es nicht alleine. „Niemand kann alleine seine Zunge zähmen, diese üble unruhige Ding.“ Wir brauchen Gott dazu! Aber wieder, weil Gott es schenken will, uns erneuern will, darum ist es auch unser Forderung an uns: „So soll es unter euch nicht sein, liebe Geschwister.“

Der Kreis zu Psalm 34 schließt sich: Wie kann man Gott loben, ihn fürchten, vor ihm auf die Knie gehen, und sich dann über andere erheben, sich für etwas Besseres halten, unversöhnlich sein, sich selbst für klug halten... Das geht doch gar nicht. Die Beziehung zu Gott und der Umgang mit meinen eigenen Schwächen machen mich zu einem Friedensstifter, einem Kind Gottes, wie Jesus sagt: „Selig sind die Frieden stiften, sie werden Kinder Gottes genannt!“

Das sind die Rahmenbedingungen in Psalm 34, in denen Gott seinen Frieden schenken will: Gott loben, Gott zusammen mit anderen loben, sich gegenseitig ermutigen, damit rechnen, dass Gott Gebet erhört, Gott fürchten und aufhören mit seinem eigenen schädlichen Verhalten.

IV (Was nun?)                                                

Haben Sie vorhin in der Stille an einen Menschen oder mehrere gedacht, mit denen Sie nicht im Frieden sind oder wo es zu solchen Szenen kommen kann, in denen man ständig auf der Hut ist, dass bloß kein neuer Streit entsteht? Ich habe keine Antworten für alle Situationen und Beziehungen, in denen wir leben. Ich habe auch nicht alles gesagt, was man zu einem echten Frieden untereinander sagen kann:

  • Respekt und Achtung vor dem anderen haben. Ohne wird es nicht gehen.
  • Gnade regieren lassen. Einander gnädig ansehen, gerade wenn man um Fehler und Schwächen des anderen weiß.
  • Echten Frieden gibt es auch nicht ohne Gerechtigkeit. Dazu gehört es wohl in den meisten Fällen, offen anzusprechen, was trennt oder was Angst macht.
  • Frieden gibt es nicht ohne Sicherheit. In vielen Fällen hat eine oder haben beide Parteien Angst nicht akzeptiert zu werden, verurteilt und angegriffen zu werden. Friedensstifter sind dann wohl Menschen, die dem anderen Sicherheit geben.
  • Und es wird keinen Frieden geben ohne Vergebung. In der Familie, in der Gemeinde und auch unter Völkern. Wir machen Fehler. Nicht nur das: Es wohnt nicht nur Gutes in uns! Wer nicht vergeben kann, wird keinen echten Frieden erleben. Er bewahrt die Schuldzettel immer noch auf.
  • Treue braucht der Friede, treuen Einsatz füreinander, denn der Friede ist flüchtig.

Also: Was nun? Ich glaube es geht nicht, ohne den Frieden zu suchen. Darum zu ringen. Nachzudenken. Das fängt wohl damit an, für den oder diejenigen zu beten, mit denen ich keinen Frieden habe. Jesu Jünger sollen ihre Feinde segnen, hat er gelehrt. Ich kenne eine Frau, Leiterin einer Gemeinde in Ostdeutschland, die erzählte mir von einem schlimmen Konflikt und sie sagte: „Ich stelle Bruder jeden Tag vor mein inneres Auge und segne ihn. Das mache ich immer so, wenn es schwierig wird. Ich segne den Menschen und merke, dass auch ich ihm dann anders begegnen kann.“

Die Jahreslosung ist eine gute Gelegenheit für dieses Jahr den Frieden in die Mitte zu stellen. Und sie ist eine Mahnung Gottes an uns, Unfrieden nicht zu dulden, sich mit Entzweiungen nicht abzufinden, sondern den Frieden neu zu gewinnen. Das ist Arbeit. Das kostet Opfer. Ein Stück von uns selbst. Aber eine Arbeit, zu der Gott uns befähigt.
            „Suche Frieden und jage ihm nach!“            Amen

Ich habe für meine Predigt sehr profitiert von der kurzen Auslegung zur Jahreslosung bei http://www.jahreslosung.eu.

 
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