2. Mose 3, 1-12 Moses Berufung

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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Kassel-Mönchebergstraße 27.01.2018
Pastor Norbert Giebel

2. Mose 3, 1- 12             Moses Berufung

1 Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Wüste hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb. 2 Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. 3 Da sprach er: Ich will hingehen und diese wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. 4 Als aber der Herr sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. 5 Er sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land! 6 Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. 7 Und der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen, und ihr Geschrei über ihre Bedränger habe ich gehört; ich habe ihre Leiden erkannt.8 Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie aus diesem Lande hinaufführe in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. 9 Weil denn nun das Geschrei der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Drangsal gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, 10 so geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst. 11 Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten? 12 Er sprach: Ich will mit dir sein. Und das soll dir das Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott dienen auf diesem Berge.

Liebe Gemeinde,

die Berufung des Moses, das ist ein wunderbarer Text. Gott ruft ihn. Und wir werden wichtige Hinweise finden, wie Gott auch heute Menschen ruft.

1. Die Initiative geht von Gott aus.

Mose hat sich nicht selbst gerufen. Er hätte sich sicher nicht beworben, wenn Gott diese Aufgabe ausgeschrieben hätte. Mose lebte gut situiert in Midian. Er war als Fremder gekommen. Er hatte Migrationshintergrund. Er kam als Flüchtling aus Ägypten und hat in Midian sein Glück gefunden. Er hat geheiratet, zwei Söhne, eine geachtete Stellung im Clan des Schwiegervaters Jethro. Der war Priester in Midian. Die Menschen schätzten ihn und seinen Schwiegersohn.

Mose war 80 Jahre alt. Eine gesetzliche Rente gab es nicht, er war aktiv unterwegs, er musste arbeiten. Aber mit einem großen Wandel in seinem Leben hat er sicher nicht mehr gerechnet. Mose war Hirte. Er hatte auf eine große Schafherde zu achten. Seine Familie und vermutlich auch andere Familien lebten von seiner Arbeit. Er hatte Verantwortung. Mose führt seine Herde über die Grenzen hinaus, um gute Weide für sie zu finden. Aber alle Weichen in seinem Leben waren gestellt. Seine Berufung hat er sich nicht ausgesucht. Die Initiative ging von Gott aus.

2. Gott braucht Menschen, um Menschen zu retten.

Gott hat das Elend seines gefangenen Volkes in Ägypten gesehen. Gott hat die Schreie der geschundenen Israeliten gehört. Gott will sein Volk befreien. Und dazu braucht er Mose. Gott braucht Menschen, um andere Menschen zu retten.

3. Gott bestimmt den Ort, wo er Menschen gebrauchen will.

Zurück nach Ägypten? Das war das Letzte was Mose wollte. Nach allem, was er da erlebt hat. In Ägypten wollte er nicht mehr leben. Er weiß, was da läuft. Im Zorn hatte er einen Aufseher erschlagen. Ägypten, das war seine schlimmste Vergangenheit. Seine Mutter hatte ihn am Ufer des Nils versteckt, weil der Pharao alle Säuglinge der Juden töten ließ. Menschenrechte? Internationale Proteste? Unsinn! Der Pharao war ein Diktator und konnte machen, was er wollte.

Mose aber landete auf der Sonnenseite des Lebens. Die Prinzessin findet ihn und er wächst am Hof des Pharao auf. Er genießt die beste Bildung, die es damals gab. In einer dunklen Welt wächst er auf wie im Paradies! Er kannte keinen Hunger, keine Peitsche, keinen 14-Stunden-Tag. Bis er das Unrecht mit eigenen Augen sieht und den brutalen Umgang mit den jüdischen Sklaven nicht mehr leugnen kann. Im Zorn erschlägt er einen ägyptischen Aufseher. Jetzt muss er fliehen. So schnell kann sich ein Ort vom Paradies zu einem Ort wandeln, wo man nur noch fliehen kann. So schnell kann eine wundervolle schöne Lebensphase sich in eine Hölle wandeln.

Mose kannte das Elend der Menschen. Früher hat es ihn betroffen gemacht, aufgeregt. Da wollte er für die Freiheit kämpfen. Das ist 40 Jahre her. Inzwischen war alles weit weg gerückt. Wie Gottes Menschen in der Gefangenschaft leiden, das spielte keine Rolle mehr in seinem Leben. Mose war bürgerlich geworden. Die Ideale der jungen Jahre lange vergessen. Gott aber hat das Elend der Gefangenen gesehen.

4. Manchmal hilft es, einen Schritt an die Seite zu gehen.

Es war ein Tag wie jeder andere. Da sieht Mose einen Dornbusch brennen, aber nicht verbrennen. Das will er sich ansehen. Vielleicht war es Neugierde. Vielleicht war es Sorge, dass das Feuer sich ausbreitet. Vielleicht trieb ihn ein gewisser Forscherdrang: Das muss man sich mal aus der Nähe ansehen! Mose verlässt seinen fest getretenen Weg für einen Moment. Er steigt einen Moment aus seinem Tretrad aus. Manchmal reichen ein paar Schritte weg von seinen gewohnten Wegen, um ganz Großes zu erkennen. Das eigene Leben einmal aus der Distanz anzusehen und Neues zu erkennen.

Ich kenne Menschen, die regelmäßig oder ein Mal im Jahr Abstand suchen, um mit Gott auf ihr Leben zu schauen. Ein Wochenende in Kloster. Eine Woche Einkehrtage für Frauen. Drei Tage im Gebetshaus in Augsburg. Das sind ihre Schritte auf ihren brennenden Dornbusch zu! Manche Klöster bieten regelmäßig so genannte Wüstentage an. In die Wüste gehen, Stille suchen, beten, ganz bei Gott und bei sich sein.Denn das ist sicher: Bewusst leben kann niemand, wenn er den Abstand zum eigenen Leben nicht mehr hinbekommt.

„Zieh die Schuhe aus, denn das ist heiliger Boden, auf dem du stehst!“ sagt Gott zu Mose. Wann hast du, wann haben wir zuletzt auf heiligem Boden gestanden. Ein Ort und eine Zeit, die ganz alleine Gott gehört. Wo man die „Alltagsschuhe abstreift“! Und Gott um neue Schuhe bittet!

5. Gott vergisst seine Menschen nicht.

Gott kennt Mose und hat ihn nicht vergessen. Mose wird mit Namen angesprochen. Zwei Mal: „Mose! Mose!“ Gott kennt ihn. Gott weiß alles von ihm. Gott weiß, dass er gemordet hat. Gott kennt seine dunkelsten Taten. Gott weiß, dass Mose lange nicht auf heiligem Boden gestanden hat. Mose war nicht nur äußerlich weit weg von seinem Volk. Er hatte die Tochter eines midianitischen Priesters geheiratet. Weder Zippora noch ihre Söhne waren Juden. Gott aber hat ihn nicht vergessen. Er hat noch etwas vor mit ihm.

Egal in welche Wüsten wir in unserem Leben abgesackt sind. Gott vergisst uns nicht. Egal, ob du 40 Jahre wie Mose vom Volk Gottes getrennt warst! Egal, was du als junger Mensch für Ideale hattest. Egal was für Fehler du gemacht hast. Gott hat dich nicht vergessen. 40 Jahre stand Mose auf dem Abstellgleis. 40 Jahre Schafe hüten, scheren, schlachten. Mose hatte sich selbst aufs Abstellgleis geschoben und er hatte sich damit arrangiert. Gott aber hat ihn nicht vergessen. – Wann hast du zuletzt gehört, dass Gott dich bei deinen Namen gerufen hat? Um dich zu trösten, um dich zu rufen, vielleicht zu beauftragen, um eine Weiche in deinem Leben zu stellen?

6. „Hier bin ich!“

Gott stellt sich Mose vor mit den Worten: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“ (2. Mose 3,6). Der Sinn dieser Vorstellung ist, Mose zu erinnern, dass er Teil von etwas Großem ist, Teil von Gottes Geschichte. Sein Leben hat Bedeutung. Mit der Erinnerung an die Väter erinnert Gott Mose auch an seine Verheißungen, was er tun will und was er schon getan hat.

Aber wir alle kennen Gott zunächst nur als Gott der Väter und der Mütter! Bevor wir selber glauben, lernen wir andere kennen, die an ihn glauben. Vielleicht sind es die leiblichen Eltern, vielleicht sind es Freunde, unsere „Mütter im Glauben“. Man lernt, was sie glauben, und sieht, wie sie glauben. Aber das Wissen an wen oder das Erleben, wie andere glauben, das ist noch kein persönlicher Glaube. Irgendwann muss jeder und jede vor seinem oder ihrem Dornbusch stehen und Gott antworten: „Hier bin ich!“

„Hier bin ich!“, das ist der Unterschied zwischen einem Christen und Nichtchristen, zwischen einem Menschen, der glaubt und einem, der nicht glaubt. Glaube heißt ja nicht, etwas für wahr halten. Das ist nur die Voraussetzung zum Glauben. Glaube heißt, diesem Gott zu vertrauen, sich an ihn zu binden, sich ihm unterstellen, als seinem Herrn, und sein eigenes Jawort sprechen und leben.

Zwei Jugendliche wollen sich taufen lassen. Die Taufe ist für den 24. März geplant. Marissa K. Kitzmann und Anna W. Beide haben den Glauben in ihrem Elternhaus kennengelernt. Beide haben dann auch andere Christen kennengelernt. Beide hatten ihr Dornbuscherlebnis, so ein Dornbuscherlebnis, wo man plötzlich weiß, dass Gott einen selbst beim Namen ruft, kann auch über ein oder zwei Jahre gehen. Und beide wollen Gott sagen „Hier bin ich!“

Am letzten Sonntag im Foyer bekam ein 60-Jähriger mit, dass ich mit den beiden übe die Taufe sprach. „Du kannst auch dabei sein!“ sagte ich ihm. „Du kannst mit diesen beiden getauft werden.“ „Nee, nee. Ich bin zu alt. Ihr wollt doch nicht so einen alten Mann dabei haben!“ sagte er. Mose war 80 Jahre alt, als Gott ihn rief. Es gibt keine Obergrenze im Alter, wenn Gott Menschen ruft! Wer sagt „Hier bin ich!“ der vertraut Gott.

7. Gott sucht keine Helden!

Das ist ein ganz wichtiger Punkt! Denn das Erste was Menschen tun, wenn sie für eine Aufgabe, eine Verantwortung, eine Berufung gefragt werden ist, auf sich selber schauen. Kann ich das? Habe ich die Kraft? Werden die Menschen, für die ich dann verantwortlich bin, mir vertrauen? Was wird es für Widerstände, für Schwierigkeiten geben?

Ich glaube, diese Reflexion ist erlaubt. Alles andere wäre unverantwortlich. Man darf oder muss das eigene Leben ansehen. Aber man muss wissen: Wenn man eine Berufung prüft, kommen immer auch Emotionen hoch. Da geht es nicht nur sachlich zu. Ganz sachlich hätte Mose sagen können, „Ich bin genau der Richtige! Ich kann Ägyptisch, ich kenne die Kultur, ich kenne die Wüste!“ Ängste melden sich an. Dass Gefühl, ganz alleine zu stehen. Man malt sich aus, was alles kommen könnte, und sagt: „Das kann ich nicht!“ Zweifel melden sich an, ob man richtig gehört hat. – Nicht jeder, der scheinbar sachlich seine Möglichkeiten prüft, ist dabei vernünftig. Ängste, Kleinglaube und auch die mangelnde Bereitschaft, eine bequeme Lebenssituation zu verlassen, spielen eine Rolle. Gerade noch hat er gesagt „Hier bin ich!“ Und jetzt sagt er „Wer bin ich?“ „Ich bin weg!“ „Da bin ich raus!“

40 Jahre früher hätte Mose vielleicht gesagt: „Gott, ich gratuliere dir! Du hast genau den Richtigen ausgesucht! Ich bin der geborene Retter Israels. Ich bin klug, tapfer, durchsetzungsstark. Ich weiß, wie das Leben geht in Ägypten.“ Mose ist 40 Jahre weiser geworden. Und seine Leben hat ihn Demut gelehrt. Er ist kein Held. Er weiß um seine Sünden und um seine Grenzen. „Wer bin denn ich, dass ich zum Pharao gehen und das Volk aus Ägypten führen soll?“ fragt Mose jetzt. Das ist genau die richtige Antwort. Diese Antwort beweist, dass er der Richtige ist! Einerseits ist er ein Teil in einer ganz großen Geschichte Gottes. Andererseits kann er diesen Teil nie ausfüllen, wenn er auf sich selber sieht. Das wird schief gehen.

Gott sucht keine Helden. Er hat sich mit Israel eines der kleinsten Völker ausgesucht, um sich in diesem Volk zu zeigen. Sein Sohn wurde nicht in Jerusalem geboren, sondern in einem kleinen Ort namens Bethlehem. Gott redet aus einem Dornbusch und nicht aus einer herrlichen Dattelpalme. Paulus war ein Christenverfolger und man vermutet, er war Epileptiker. Gott ist es, der ihn in seinen Grenzen ruft und zu Großem gebraucht. König David hatte Mord in Auftrag gegeben. Petrus war ein Heißsporn, der gezähmt werden musste. Er hielt sich für den Größten, meinte von sich, dass er Jesus nie verleumden würde. Gott sucht keine Helden, er sucht Menschen, die bereit sind, ihm im Vertrauen zu gehorchen, es mit ihm zu wagen.

8. Gott verspricht seinen Berufenen: Ich bin mit dir!

„Wer bin denn ich?“ fragt Mose. Und Gott sagt ihm: „Ich werde mit dir sein!“ Das ist seine Antwort. Das genügt. „Ich weiss, dass Du Bestätigungen haben willst und Sicherheiten. Aber alles, was Du bekommst, wird sein, dass ich bei Dir bin. Wenn Du Dich in Deiner Begrenztheit annimmst und mir vertraust. Wenn Du Dir etwas zutraust, so brüchig und unplanbar das Leben auch ist. Ich bin bei Dir, wenn Du nicht davonläufst. Wenn Du Dich den Herausforderungen und Fragen stellst, die kommen werden. Und Du wirst sehen, dass Dich das wachsen lassen wird. Ich werde vorangehen und Dich frei machen, zu handeln.

  1. Die Initiative geht von Gott aus! Er ruft Menschen mit Namen.
  2. Er braucht Menschen, um Menschen zu retten.
  3. Ein Schritt an Seite, sein eigenes Leben einmal mit Abstand ansehen, kann einem die Augen öffnen.
  4. Manchmal ruft Gott an Orte, die wir uns nie ausgesucht hätten.
  5. Gott vergisst seine Menschen nicht. Vielleicht gerade die nicht, die sich von ihm entfernt haben.
  6. Gott sucht keine Helden.
  7. Wer ihm vertraut, sagt „Hier bin ich!“
    (Vielleicht lässt er sich mit Marissa und Anna taufen)
  8. Ängste, Zweifel, Bedenken melden sich an. Aber sie sollen bei der Entscheidung nicht ausschlaggebend sein.
    1. Aber unser Herr sagt seinen Berufenen: „Ich bin mit dir, alle Tage, bis an der Welt Ende!“ (Matth 28 Ende)

Gott hat das Elend der Menschen gesehen. Und er ist in seinem Sohn in diese Welt gekommen. Er braucht Menschen, um seine Liebe dieser Welt zu zeigen! „Hier bin ich!“

Amen.

Für diese Predigt habe ich profitiert von Predigten im Internet: Reiner Kanzleiter, anlässlich der Sendung Positionen beim Bayerischen Rundfunk BR2 7.8.2011; Dr. Theo Lehmann, Predigtpreis.de ohne Datum; Uwe Tatjes predigten.evangelisch.de 5.2.2017

 
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